Der Professor von John Katzenbach

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 unter dem Titel What Comes Next, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Droemer Knaur.

  • New York: Mysterious Press, 2012 unter dem Titel What Comes Next. 608 Seiten.
  • München: Droemer Knaur, 2010. Übersetzt von Anke Kreutzer. ISBN: 978-3-426-19824-7. 608 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2010. Gesprochen von Simon Jäger. ISBN: 383981040X. 6 CDs.

'Der Professor' ist erschienen als Hardcover Hörbuch

In Kürze:

Der pensionierte Psychologieprofessor Adrian Thomas bekommt von seinem Arzt eine niederschmetternde Diagnose: Demenz. Damit haben sich seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Vor seinem inneren Auge erscheint die Schreckensvision seines unaufhaltsamen, unheilbaren Abgleitens in die Dunkelheit. Verstört blickt der alte Mann auf die Straße hinaus und sieht in der anbrechenden Dämmerung ein vielleicht sechzehnjähriges Mädchen vorübereilen. Gleichzeitig rollt ein Lieferwagen heran, bremst ab und beschleunigt wieder: Das Mädchen ist verschwunden. Der alte Professor ist verwirrt. Hat er gerade eine Entführung beobachtet? Wenn es tatsächlich ein Verbrechen war, muss er handeln. Die Frage ist nur, wie. Kann er noch klar genug denken, um das Mädchen zu finden?

Das meint Krimi-Couch.de: »Zwei Uhren ticken unaufhaltsam« 86°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Adrian Thomas ist pensionierter Psychologieprofessor in einer kleinen Universitätsstadt in Neu-England. Nach einer Reihe von Untersuchungen bekommt er eine niederschmetternde Diagnose zu hören. Demnach leidet er an einer seltenen, schnell fortschreitenden Form von Demenz. Seine schlimmsten Befürchtungen sind wahr geworden, und vor seinem inneren Auge taucht die Vision einer unaufhaltsamen Reise in die Dunkelheit auf. Als er vom Arzt nach Hause kommt, steht er in seiner Einfahrt und blickt auf die Straße hinaus. In der beginnenden Dämmerung sieht er ein etwa 16-jähriges Mädchen vorbei gehen.

Dann rollt plötzlich ein Lieferwagen heran, hält kurz und beschleunigt wieder. Das Mädchen ist scheinbar spurlos verschwunden. Adrian ist völlig verwirrt – ist er Zeuge einer Entführung geworden? Wenn es ein Verbrechen war, muss er dringend handeln. Aber wie? Bleibt ihm genug Zeit, um das Mädchen zu finden, bevor sich für ihn der Vorhang senkt?

Während der Professor sich diese Fragen stellt, wird Jennifer unter unwürdigen Bedingungen in einem Kellerraum gefangen gehalten. Jede ihre Bewegungen und Regungen wird von Kameras beobachtet und live im Internet übertragen. Auf der Web-Seite »whatcomesnext.com« ergötzen sich Voyeure und Spanner in aller Welt an Jennifers Schicksal.

Nach einen genauen Drehbuch wird das hilflose Mädchen von ihren Entführern gedemütigt und zur Schau gestellt. Und es wird schnell deutlich, dass ihr Leben nur so lange sicher ist, wie sich die zahlungskräftige Kundschaft für Jennifer interessiert. Sie ist nicht das erste Opfer, und nachlassende Zahlungen bedeuten immer das Ende der miesen Show.

Es ticken also zwei Uhren – die nachlassende Denkfähigkeit und galoppierende Demenz des Professors, und das zunächst hohe, dann jedoch irgendwann nachlassende Interesse des perversen Publikums für Jennifer. Daneben finden die regulären Ermittlungen der Polizei statt, die sich zuweilen mit denen von Adrian Thomas kreuzen. Seite um Seite nimmt die Spannung zu – bis zum hochdramatischen und spektakulären Finale.

Die zwei parallelen Handlungsstränge, die ihren Ausgangspunkt bei der Entführung von Jennifer haben, machen den außerordentlichen Reiz dieses spannungsgeladenen Romans aus. Beide Protagonisten erleben ihren Weg in großer Einsamkeit. Jennifer ist in ihrem Kellergefängnis allein – bis auf die demütigenden Begegnungen mit ihren Entführern. Diese sieht sie allerdings nicht, denn ihre Augen sind abgedeckt. Die Befehle der Kidnapper sind kurz und knapp – und steigern so immer weiter die Verunsicherung des Teenagers.

Eindringlich schildert John Katzenbach die Ängste und Gefühle des jungen Mädchens. Ohnmacht, Verzweiflung, Aufbegehren, Resignation. Die perfiden Psycho-Spielchen, die das Verbrecher-Pärchen zum Vergnügen der perversen Kundschaft inszeniert, treiben das Opfer an den Rand der physischen und geistigen Belastbarkeit. Es ist bezeichnend, dass Jennifer schließlich Gespräche mit ihrem zufällig mitgebrachten Kuscheltier führt.

Auf der anderen Seite der allgegenwärtigen Kameras sitzen in aller Welt die anonymen Kunden von »whatcomesnext.com« mit ihren unterschiedlichen Motiven. Einige glauben Jennifer zu lieben und leiden mit ihr, andere warten geifernd auf weitere Demütigungen des Mädchens. Katzenbach bietet dem Leser einen ebenso glaubhaften wie erschreckenden Einblick in die äußerst dunklen Seiten des Internets. Und der Autor zeigt auch, was mit genügend krimineller Energie und entsprechendem technischen Wissen an modernen Verbrechen möglich ist. Es wird allerdings auch deutlich, dass ohne zahlungskräftige und -willige Zuschauer – die gerne die Anonymität ihrer Kreditkarten nutzen – die Entführung weder möglich noch nötig wäre.

Die Erfahrungen, die Adrian Thomas bei seiner Suche nach Jennifer macht, sind naturgemäß völlig anderer Art. Einsam ist der Professor nur im physischen Sinne, denn durch seine Halluzinationen führt er ständig imaginäre Dialoge mit verstorbenen Verwandten. Sein Bruder, seine Frau und sein Sohn fordern ihn in diesen Phantasie-Gesprächen zum Handeln auf, sprechen ihm Mut zu und feuern ihn an. Diese Halluzinationen treten nach Aussage des Autors vor allem bei der Art von schnell fortschreitender Demenz auf, an der Adrian Thomas leidet. Dem Leser jagt diese Form von Wahnvorstellungen diverse kalte Schauer über den Rücken.

Mit der Person des Professors ist John Katzenbach eine eminent starke Figur gelungen, die mit purer Willenskraft gegen eine unheilbare und unaufhaltsame Krankheit ankämpft, um ihre Mission zu erfüllen. Der Autor will seine Leser emotional berühren – und das gelingt im hervorragend. Denn auch Jennifer ist eine für ihre Altersgruppe durchaus ungewöhnliche Persönlichkeit – was sich vor allem im anrührenden Finale des Buches nachdrücklich zeigt. Verraten wird das hier natürlich nicht – selber lesen lohnt sich absolut. Ein wirklich starkes Buch, das weitgehend ohne Action auskommt, aber dennoch einen enormen Spannungsbogen bietet.

Andreas Kurth, Dezember 2010

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kritikaster zu »John Katzenbach: Der Professor« 21.01.2016
ich habe mir nur zwei cds vom hörbuch angetan, ekelhaft, widerwärtig. die lesermeinungen, die ich mir eben alle angesehen habe, bestätigen mir weitestgehend, dass john katzenbach - unter dem deckmäntelchen des anprangerns von perverseren sadisten - genau diese klientel mit seinem buch bedient.
es wäre absolut nicht nötig, diese widerwärtige seelische folterung bis ins letzte detail auszumalen - außer eben, man gehört zum KUNDENKREIS!ein hörbuch ist allemal billiger als whatcomesnext.com.
ähnliches gibts ja zuhauf im netz.. man empört sich, redet vom verbieten und dann darf so ein buch frei über den ladentisch. eine einzige heuchelei...
dass der mann schreiben kann, macht die sache nur noch schlimmer.
Margit Raven zu »John Katzenbach: Der Professor« 12.02.2015
John Katzenbach steht mit Stephen King auf Augenhöhe. Denn wie Stephen King ist er ein überaus intelligenter, erfindungsreicher und von der Sprache her brillanter Thrillerautor, der die menschlichen Abgründe schonungslos, jedoch mit Sensibilität zu durchleuchten weiß. Er versteht es, die Spannung von der ersten bis zur letzten Seite zu halten und lässt den Leser atemlos und begeistert zurück. Vor allem gelingt ihm eines: Der Leser identifiziert sich mit den Protagonisten, klappt das Buch zu und behält den Roman mit all seinen Personen noch lange im Gedächtnis..
Eike zu »John Katzenbach: Der Professor« 29.08.2013
Von den Katzenbächen, wie hier beschrieben habe ich noch nichts gesehen, aber whatcomesnext ist sicher eine Perle, die leider noch nicht internetmässig aufbereitet wurde, dabei bietet gerade die Story dafür gleich mehrere Varianten an, die nicht nur für das Marketing, sondern auch für den User geeignet wären. Denkar wäre auch ein 2. Teil mit einem bösen Ende.
Tatsächlich gibt es aber Snuffs zu Hauf weltweit, mit erheblichen Folgen für Leib und Leben einiger und sie erfreuen sich leider auch hierzulande wachsender Beliebtheit. Dafür muss nicht mal das Darkweb genutzt werden.
alice.K zu »John Katzenbach: Der Professor« 16.04.2013
Ich habe das Buch letztes Jahr gelesen, war das erste Buch von Katzenbach, was mich zu dem entschluss brachte weitere Bücher von ihm zulesen, (lese gerade die Anstalt was ich persönlich besser finde). Ich fand das Buch sehr interessant, wobei ich sagen muss, dass es für mich sehr anstrengt war das Buch zu verstehen, da es von jetzt auf gleich das Thema wechselt. Aber der Schlussteil ist einfach fantastisch, sehr interessantes Thema im allgemeinen Emphelenswert..
minart zu »John Katzenbach: Der Professor« 27.02.2013
27.02.2013
Minart zum "Psycho"
(von) KatzenbachAls Spätleser muss ich sagen:
Das ist keine Spätlese und auch
kein Grund für sonstige Weinseligkeiten.
Ist einfach nur ein übler Hard(core)cover,
also (altersselbst-)mitleidbemäntelte
Pornogrfie.Ich habe bisher 3 oder 4 Katzenbäche
gelesen, die ich so wahr vergessen habe wie man ja wohl sagt: "Kann man vergessen!"Doch dieser ist wie Katzenpisse im Kopf, von der man nur sehnlichst wünscht, dass sie schnellstens den Bach des Vergessens runtergeht.Beim Lesen möchte man indes nur stänig rufen: Das kann doch gar nicht wahr sein! Ist es wohl auch nicht, gerade wegen k e i n e r "Kreditkarten-
anonymität" und weil sicher zigtausende FBI-,BKA-
oder sonst unterbeschäftigte "kostenlos" surfende Profi-Voyeure dies entdecken
müssten.
chaosmgmt zu »John Katzenbach: Der Professor« 15.02.2013
also ich habe das buch vor einiger zeit geholt. kurz reingelesen und aus faulheit nicht mehr weiter gelesen. bis ich es heute nochmal zur hand nahm und einfach in der mitt rauspickte.und das war ganz und gar nicht das, was ich am anfang erwartete.die aufmachung mit dem szenenwechsel ist sehr gut gelungen und würde ich mit einer anderen story nochmal interessiert lesen.allerdings nicht mehr so eine harte kost, wie in diesem buch. ich fand es schon sehr brutal, und beim lesen habe ich nur angst und mitleid empfunden, anstatt voyerismus. ich war geschockt von den verschiedenen zuschauern, von den machenschaften der entführer. von der position der gefangenen. es erinnerte mich zu sehr an die kranken die es leider gibt. dazu die nagst davor, dass es tatsächlich wohl mehr als erwartet, solche menschen gibt, die drauf stehen. oder denen so etwas nicht mal emotional berührt.mir war regelrecht übel und ich wollte einfach nur noch, dass die aufhören. dass das mädchen gerettet wird, dass ihr nichts passiert, dass die wirklich dem ganzen stand halten konnte.ich war geschockt von der story und wünschte mir, dass nicht so etwas weiter in den köpfen anderer menschen verbreitet wird.nein, so ein buch will ich freiwillig nicht noch einmal lesen. es wird wohl als fehlkauf bei mir vergammeln.
Roy Grace zu »John Katzenbach: Der Professor« 06.08.2012
Ich habe auch den Professor gelesen Ich fnd diesen gelungen und sehr spannend. In sich ein toller schlüssiger Roman. Was mir bei diesem Buch aufgefallen ist das er eine klare Linie hatte.
Das Thema Demenz oder Alzheimer beschreibt er gut und ist klasse in dem Buch dargestellt.
Aber an den Patienten reicht er doch nicht ganz ran aber ich muß sagen man legt dieses Buch nicht aus der Hand und das ist das tolle.
Immmer will man noch eine Seite wissen und man ist hin und her gerissen wie geht es mit den Hauptpersonen weiter.
tschopsli zu »John Katzenbach: Der Professor« 29.03.2012
der prof_mein absolutes lieblingsbuch von katzenbach, auf der einen seite so traurig geschrieben, auf der anderen dermaßen spannend und übel, dass einem die angst in schubwellen hochgekrochen kommt, wenn man das ganze aus der nähe betrachtet_der prof leidet an alzheimer und seine geschichte ist damit schon tragisch genug, wenn da nicht noch die entführung der jungen jennifer wäre, die zwei absolut sadistischen tätern in die hände fällt. gut angesprochen wurde das thema internet und wie abgeklärt/-brüht die menschen sind, die sich live so etwas reinziehen würden. (Snuff_Filme) - bestialisch, grausam und ob der prof jen retten kann und was passiert, könnt ihr selbst auf 555 seiten lesen=) top!!! das buch ist einfach nur geil (moar ich les so gern)
Anni zu »John Katzenbach: Der Professor« 21.03.2012
Ich habe auch alle Bücher von J. Katzenbach gelesen und finde "Der Professor" ist ihm mit Abstand am Besten gelungen. Gleichzeitig muß ich aber auch sagen, dass mir manche Momente doch sehr unrealistisch vorkamen. Es sind immer die imaginären Verwandten, die ihm die entscheidenden Hinweise geben.Das hat mich ein wenig gestört. Andererseits kann ich nicht nachempfinden welche Gedanken Alzheimer-Kranke Menschen tatsächlich im Kopf haben. Das Thema, angelehnt an die leider immer mehr werdenden "Snaff-Filme" interessiert mich sehr und somit war es für mich am Ende sehr lesenswert. Am liebsten lese ich die Bücher, weil die Story immer aus verschiedenen Blickwinkeln dargestellt wird und somit bleibt es spannend, da oft in interessanten Momenten wieder zu der nächsten Person "geschwenkt" wird. Das macht J. Katzenbach für mich besonders. Ich freue mich aufs nächste Buch!
Ricky Kusenberg zu »John Katzenbach: Der Professor« 25.01.2012
Ich habe bis jetzt alle Bücher von John Katzenbach gelesen und bin auch von diesem restlos begeistert.Ein heftiges Thema,und trotzdem wird von Katzenbach auf all zu explizite Gewaltdarstellung verzichtet,so dass das Buch nicht zu einer widerwärtigen Folterorgie verkommt,stattdessen ein präzise Charakterdarstellung der Hauptakteure,und ein schlüssiger und bewegender Showdown,zudem Spannung von der ersten bis zur letzten Seite.Respekt,Mr.Katzenbach,ich bin begeistert!!

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