Snake von James McClure

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1975 unter dem Titel Snake, deutsche Ausgabe erstmals 1977 bei Scherz.
Ort & Zeit der Handlung: , 1970 - 1989.

  • London: Gollancz, 1975 unter dem Titel Snake. 189 Seiten.
  • New York: Harper & Row, 1976. 216 Seiten.
  • Bern: Scherz, 1977 Die Viper. Übersetzt von Ute Tanner. Scherz-Classic-Krimi; Bd. 606. Bearbeitete und gegenüber der englischen Originalausgabe leicht gekürzte Fassung. 156 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1995 Im Bann der Schlange. Übersetzt von Erika Ifang. rororo-Thriller; Bd. 3124. ISBN: 3-499-43124-6. 217 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2017. Übersetzt von Erika Ifang. 292 Seiten.

'Snake' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine Schlangentänzerin wird tot aufgefunden. Sie wurde vermutlich von ihrer eigenen Python erdrückt, die mit eingeschlagenem Schädel den Körper der toten Schlangentänzerin noch umschlungen hält. Hatte jemand vergeblich versucht der Frau zu helfen oder soll hier ein Mord vertuscht werden? Dieses ist nicht die einzige Frage, die Lieutenant Tromp Kramer und Bantu Detective Sergeant Mickey Zondi bei ihren Ermittlungen beantworten müssen. Parallel zu den Mord-Ermittlungen müssen sie das Rätsel einer Überfallserie aufklären, bei der geringe Beträge gestohlen, die Ladenbesitzer aber jedes Mal regelrecht hingerichtet werden. Kramer befürchtet, dass die Täter diese Raubmordüberfälle als Fingerübungen für größere Überfälle betrachten.

Das meint Krimi-Couch.de: »War der Mörder eine Pythonschlange?« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

In dem Nachtclub »The Wigwam« wird Sonja Bergstroom, die hier als Tänzerin »Eve« arbeitete, ermordet in ihrer Garderobe aufgefunden. Der Sachverhalt scheint klar, denn offenbar wurde sie von ihrer eigenen Python stranguliert, die noch um ihren Hals hängt. Aber hat Eve, bei dem Versuch die Schlange abzuwehren, dieser den Kopf eingeschlagen oder hatte jemand nachgeholfen, um ein anderes Verbrechen zu vertuschen?

Lieutenant Tromp Kramer und Bantu-Detective Sergeant Mickey Zondi vom Mord- und Raubdezernat in Trekkersburg nehmen die Ermittlungen auf. Allerdings bereitet ihnen eine Mordserie in Peacevale mehr Kopfzerbrechen. Songqoza Sishanagane Shepstone Siyayo, von allen nur Lucky genannt, wird in seinem Geschäft bei einem Raubüberfall erschossen.

Aber warum überfällt jemand ein Geschäft an einem Montag, wo doch kaum Geld in der Kasse ist? Bei Lucky betrug die Beute lächerliche fünf Rand, dabei war dies bereits der fünfte ähnlich gelagerte Vorfall in den letzten zwei Wochen. Sollte es sich um Auftragsmorde handeln oder üben die Täter für den großen Coup?

Südafrika-Thriller mit sozialkritischem Unterton

James McClure (1939 – 2006) wurde in den 1970er Jahren mit seiner achtteiligen Kramer-Zondi-Reihe auch hierzulande einigermaßen bekannt und für den ersten Fall »The Steam Pig« (1971) mit dem CWA Gold Dagger ausgezeichnet. Lange also bevor international renommierte Autoren wie beispielsweise Deon Meyer, Roger Smith, Paul Mendelson sowie die Autorinnen Mala Nunn oder Charlotte Otter den Krimimarkt eroberten, nutzte der in Johannesburg geborene Autor das Genre des Kriminalromans aus, um auf die Missstände in seinem Land hinzuweisen. Doch schon Jahre zuvor wurde er deswegen von den Behörden überwacht und emegrierte bereits 1965 nach England.

Die beiden eingangs erwähnten Handlungsstränge halten die Polizisten auf Trab, wobei es zu weiteren Überfällen kommen wird. In klassischer Krimimanier wird ermittelt, wobei nicht alle ihren besten Tag erwischen. Spuren werden übersehen, Befragungen nur unzureichend durchgeführt. Hinzu kommt, dass kaum Zeugen vorhanden sind und diese zumeist nicht mit der Polizei sprechen. So muss gelegentlich der aus Sicht des Lesers eher unbeliebte »Kommissar Zufall« aushelfen.

»Die Kugel muss fast genau im rechten Winkel aufgetroffen sein, parallel zum Fußboden, was Ihnen vielleicht eine gewisse Vorstellung von der Größe des Angreifers gibt. Beim Schießen muss das Auge anvisiert worden sein.«
»Also wieder das Gleiche, Doktor? Etwa 1,70 groß?«
»Ja, womit sich die Zahl der infrage Kommenden um ein paar Millionen verringert.«

Über die beiden Protagonisten Kramer und Zondi erfährt man außerhalb ihres Jobs recht wenig, was der damaligen zeit geschuldet ist. In den 1970er Jahren beschrieben Krimis hauptsächlich die Polizeiarbeit und nicht die privaten Probleme ihrer Ermittler, wie es heute vor allem bei skandinavischen Krimis oftmals üblich ist. Immerhin ist Kramer mit der Witwe Fourie liiert, die einen Sohn namens Piet hat, welcher sich zunehmend an Kramer gewöhnt.

Einblicke in das Apartheid-System des Landes

Zondi wiederum ist verheiratet und hat fünf Kinder. Mehr gibt es nicht, dafür gelegentliche Einblicke in das Apartheid-System des Landes. So dürfen weiße Kinder kostenlos in die Schule, während andere ein Schulgeld bezahlen müssen. Auch gibt es in öffentlichen Museen teils Filmvorführungen für Kinder, die aber nur weißen Kinder vorbehalten sind. Immerhin ist seit kurzer Zeit der Begriff »Kaffer« offiziell nicht mehr erlaubt, wenngleich dieser genauso wie das abfällige »Neger« weiterhin gebräuchlich sind.

Leider ist die Übersetzung oder das Lektorat in dieser Neuauflage teilweise misslungen, was sich vor allem durch zahlreiche fehlende Absätze bemerkbar macht. So unterhalten sich beispielsweise zwei Personen an einem Ort und in der nächsten Zeile redet plötzlich – ohne Übergang – eine dritte Person an einem anderen Ort. Dies erschwert an etlichen Stellen das Verständnis, so dass man sich zunächst irritiert die Augen reibt, ein paar Zeilen zurückgehen muss, um es dann beim zweiten Lesen zu verstehen (wobei man sich dann irgendwann auch notgedrungen darauf einstellt).

Die Kramer-und Zondi-Reihe wurde im Unionsverlag 2016/2017 mit feinen Zeichnungen auf dem Buchcover neu aufgelegt und veröffentlicht.

Jörg Kijanski, November 2017

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