Sunday Hangman von James McClure

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1977 unter dem Titel The Sunday Hangman, deutsche Ausgabe erstmals 1984 bei Moewig.
Ort & Zeit der Handlung: , 1970 - 1989.
Folge 5 der Kramer-und-Zondi-Serie.

  • New York: Harper & Row, 1977 unter dem Titel The Sunday Hangman. 262 Seiten.
  • London: Macmillan, 1977. 255 Seiten.
  • Rastatt: Moewig, 1984 Mord am Galgen. Übersetzt von Elisabeth Simon. ISBN: 3811861492. 189 Seiten.
  • Reinbek bei Hamburg: Rowohlt, 1997 Ein Opfer für den Henker. Übersetzt von Erika Ifang. ISBN: 3-499-43125-4. 265 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2017. Übersetzt von Erika Ifang. ISBN: 978-3293207820. 292 Seiten.

'Sunday Hangman' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

In einem kleinen südafrikanischen Kaff findet man den flüchtigen Kriminellen Tollie Erasmus, fein säuberlich an einem Baum neben einem Picknickplatz aufgeknüpft: In einer Hand die Bibel. Für die Lokalpolizei steht fest, dass es Selbstmord war. Für Leutnant Tromp Kramer macht das jedoch keinen Sinn, denn Erasmus hat in dem Kaff Unterschlupf gesucht. Als Kramer nachforscht, stößt er auf weitere aufgehängte Selbstmörder in der Gegend. Allesamt Kriminelle, die von der Polizei gesucht wurden. Jemand muß den Staatsorganen zuvorgekommen sein – ein religiöser Eiferer mit einer fixen Idee von Selbstjustiz …

Das meint Krimi-Couch.de: Der sechste Fall für Kramer und Zondi 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Eine kleine Vorbemerkung für Krimi-Vielleser. Das hier besprochene Buch aus dem Jahr 1977 erschien in Deutschland bereits zwei Mal und zwar unter den Titeln »Mord am Galgen« (1984) und »Ein Opfer für den Henker« (1997). Nun also eine weitere Neuauflage, erschienen im Unionsverlag unter dem Originaltitel: The Sunday Hangman.

Drei Monate ist es her, da wurden Lieutenant Tromp Kramer vom Trekkersburger Morddezernat und sein Bantu-Kollege Detective Sergeant Mickey Zondi zu einem Banküberfall in Peacevale gerufen. Es kam zu einer Schießerei, bei der Zondi am Bein getroffen wurde und dem Täter, Tollie Erasmus, die Flucht gelang. Seitdem ist dieser untergetaucht, gemeinsam mit seiner Beute von 20.000 Rand. Doch damit ist Schluss, denn Erasmus wird an einem Rastplatz tot aufgefunden. Was zunächst aussieht wie ein Selbstmord, macht Kramer stutzig, denn warum sollte sich Erasmus umbringen, jetzt wo er reichlich Geld zur Verfügung hatte? Gemeinsam mit Zondi und Dr. Strydon findet Kramer heraus, dass es weitere vergleichbare Strangulationsfälle gab, die nach Selbstmord aussahen, und die Indizien bei näherer Betrachtung allerdings dagegen sprechen. Sollte ein professioneller Henker sein Unwesen treiben? Denn nur ein solcher kann über das nötige Fachwissen verfügen. Bücher zu diesem Thema sind verboten, Zeitungsberichte über Hinrichtungen zumeist oberflächlich.

Der Schreibstil ist anfangs durchaus gewöhnungsbedürftig

James McClure, 1971 mit CWA Gold Dagger (für »SteamPig«) ausgezeichnet, ist in Johannesburg aufgewachsen, bevor er mit knapp 30 Jahren nach England emigrierte. In den Kreisen passionierter Krimi-Leser verdankt er seiner achtteiligen Kramer-Zondi-Reihe einen gewissen Bekanntheitsgrad, der im Laufe der Zeit jedoch stark nachgelassen hat. Umso schöner ist es, dass die Reihe des 2006 verstorbenen Autors im Unionsverlag neu aufgelegt wird, noch dazu mit beeindruckendem Artwork auf den Covern.

Der Schreibstil des Autors ist zunächst durchaus gewöhnungsbedürftig bis anstrengend, da seine Figuren mit ihren Aussagen häufig im Ungefähren verbleiben. Sätze werden nicht zu Ende gesprochen, selten sind die sich daraus ergebenden Gedankengänge der jeweiligen Figur erkennbar.

»Boss? Manchmal tun Sie Dinge, die ich nicht ganz verstehe.« »Wenn du wüsstest, wie sehr ich sie heute Nachmittag irregeführt habe, würdest du wahrscheinlich würdigen können, wie viel Erklärungen ich mir gerade erspart habe. Außerdem ist es schön, ein bisschen Diensteifer zu erleben.« »Sie glauben also nicht « »Ach, natürlich nicht! Womit ich nicht gesagt haben will, dass dieser Fall dadurch weniger merkwürdig wäre.«

Hat man sich an den Schreibstil gewöhnt, offenbaren sich dessen Reize. Nicht nur die Landschaften werden lebendig, sondern vor allem die Charaktere, allen voran natürlich die beiden Protagonisten, von denen Zondi aus dem genanntem Grund ein wenig kürzer treten muss. Ein schönes Bild, wie seine Schmerzen im Bein von ihm als Wirken einer Ratte empfunden werden, die sich von Zeit zu Zeit bemerkbar macht. Interessant ist vor allem die Figur des Tromp Kramer, der nicht selten seine eigenen Unzulänglichkeiten auf andere Personen spiegelt.

»Kramer hatte irgendwo gehört, Intelligenz sei eine Mischung aus Neugier und dem Drang, Muster in den Fakten zu finden. Wenn das stimmte, hatte Jonkers gerade das Gegenteil bewiesen, indem er nur erfasste, was ihn persönlich betraf. Es war faszinierend zu beobachten, aber sicher sterbenslangweilig, damit zu leben.«

Obwohl der Plot im Südafrika der Apartheid spielt, sind die Romane McClures keine politischen Krimis. Gleichwohl werden die Ungleichheiten zwischen Weißen und vor allem Schwarzen in kleinen, fein gewählten Dosierungen kritisch aufgezeigt. Beispielsweise in einer Szene, in der der Aufzug eines Wohnkomplexes defekt ist und Kramer die Treppe benutzen muss, da es keinen eigenen Aufzug für die schwarzen Bewohner gibt.

Schwerpunktmäßig wird jedoch die Todesstrafe am Galgen thematisiert. Ist ein Mord, nur weil er durch den Staat vollzogen wird, gerechtfertigt? Dazu gibt es umfangreiche Details, was bei einer derartigen Methode zu beachten ist, beispielsweise die Ermittlung der exakten Fallhöhe. Leider weist der Krimiplot selbst Schwächen auf. Sprünge in der Handlung sind nicht immer nachvollziehbar, die Auflösung kommt etwas plötzlich und der finale Showdown ist unglaubwürdig. Insgesamt dennoch eine lesenswerte »Wiederentdeckung.«

Jörg Kijanski, Februar 2018

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Torsten Heymann zu »James McClure: Sunday hangman« 09.11.2005
Second-Hand für den Urlaub in Südafrika erworben hat diese Buch wirklich Spaß gemacht. Die Story ist spannend und flott geschrieben, die Personen interessant (geradezu im Trend wirkt der Gerichtsmediziner) und das Ende wirkt nicht überzogen. Nebenbei hat man noch das Gefühl viel über das (Polizei-)Leben im menschenverachtenden Apartheidsregime der 60er Jahre zu erfahren. Auch heute noch lesenswert.
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