Schere 9 von Isabella Archan

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 bei Emons.

  • Köln: Emons, 2016. ISBN: 978-3954519835. 255 Seiten.

'Schere 9' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Kommissar Baldur ermittelt in einem verstörenden Fall: Innerhalb kürzester Zeit werden mehrere Männer tot aufgefunden, nachdem sie brutal gefoltert wurden. Alle Opfer waren ihren Frauen untreu wie Kommissar Baldur selbst. Möchte hier jemand Rache nehmen? Baldur steht vor einem düsteren Rätsel. Und es fällt ihm immer schwerer, Wahn und Wirklichkeit auseinanderzuhalten.

Das meint Krimi-Couch.de: Untreue wird mit Tod bestraft 86°Treffer

Krimi-Rezension von Birgit Borloni

Isabella Archan hat bereits zwei Krimiserien veröffentlicht – einmal um die Kommissarin Willa Stark und einmal um Leocardia Kardiff, eine Zahnärztin mit Spritzenphobie. Und mit beiden hat sie sich in die Herzen einer größer werdenden Fangemeinde geschrieben.

»Schere 9«ist nun ein als Stand-Alone geplanter Thriller um ein neues Ermittlerteam mit Hauptkommissar Karl-Heinz Baldur als Hauptfigur.

Kommissar Baldur lebt und ermittelt in Köln, er ist seit einigen Jahren mit seiner Verlobten Rita liiert – und er ist ein notorischer Fremdgänger. Nichts Ernstes, nur ein bisschen Abwechslung hier und da, schließlich ist es schwer, einer Versuchung zu widerstehen. Seine letzte unverbindliche Affäre ist ausgerechnet Ritas beste Freundin – und der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt.

Als Reaktion verübt Rita einen Giftanschlag auf Karl-Heinz, den dieser überlebt. Sie wird in die Psychiatrie eingewiesen, er nach Frankfurt am Main versetzt. So weit die Ausgangssituation.

Mörder hält dem Kommissar den Spiegel vor

Nach seiner Versetzung wird Baldur gleich mit einem Fall konfrontiert, der ihn zwingt, sich mit sich selbst und seiner Vergangenheit auseinanderzusetzen. »Die Fremdgänger-Morde«, wie die Zeitungen titeln, halten Polizei und Stadt in Atem. Mehrfach werden Männer mittleren Alters brutal ermordet aufgefunden. Alles langjährig verheiratete Männer mit Familie, die für ihr kurzes Abenteuer mit dem Leben bezahlen müssen.

Unterstützt wird Heinz Baldur bei den Ermittlungen von Kommissar Thomas Habermann und Kommissarsanwärterin Melek Arslan und Unterstützung hat er bitter nötig, denn die Ermittlungen wollen nicht so recht vorangehen, da es so gut wie keine verwertbaren Spuren gibt. Und Baldur passt perfekt in das Beuteschema.

Spannend, fesselnd, düster und mit subtilem Humor unterlegt

»Schere 9«ist ein ausgesprochen gelungener Roman, wobei die Aufschrift »Kriminalroman«dem ganzen nicht gerecht wird, Thriller wäre wesentlich passender. Die Beschreibungen der Folter- und Tötungsarten sowie der aufgefundenen Leichen sind explizit und brutal, das ist nichts für schwache Nerven. Es gibt auch eine Szene, in der eine hungrige Katze als erstes am Tatort ist und sich eben wie eine Katze verhält. Auch da darf man beim Lesen nicht zimperlich sein.

Doch geben diese Schilderungen der ganzen Geschichte neben Spannung auch eine gewisse Würze. Das vermitteln auch die Szenen, die aus Tätersicht geschrieben sind. Egal ob über einen Facebook-Chat, einen Dialog oder über Innenansichten, es ist immer wieder spannend, über die dunkle Seite zu lesen und zu versuchen, die Beweggründe der Mörder oder Mörderinnen zu ergründen. Zudem gewinnt man einen Wissensvorsprung und ist früher als Baldur und sein Team auf der richtigen Fährte. Es wird allerdings trotzdem nicht langweilig, da Archan geschickt noch die eine oder andere Wendung einbaut.

Karl-Heinz Baldur ist eine interessante Persönlichkeit. Zunächst mag er wenig sympathisch erscheinen, da er von Treue nicht viel hält, doch der Anschlag verändert ihn – und diese Veränderung begleitet der Leser. Es scheint ja momentan kaum ein Krimi ohne tief traumatisierten Ermittler auszukommen, und natürlich hinterlässt der Giftanschlag Spuren in Baldurs Psyche. Glücklicherweise nehmen diese nicht den Großteil seiner Persönlichkeit ein, sondern sind geschickt in das Gesamtportrait des Protagonisten eingewoben.

Zudem scheint es noch weiteren seelischen Ballast zu geben, und dann taucht sein alter Kumpel Louis wieder auf, der ihm immer in schwierigen Zeiten beizustehen scheint. Doch irgendetwas scheint nicht mit Louis zu stimmen, und bald stellt sich dem Leser die Frage: Wahn oder Wirklichkeit?

Richtiger Ton auch bei der Perspektive der Katze

Auch sprachlich kann sich »Schere 9«sehen lassen. Egal, ob Archan ihre Leser direkt anspricht, aus der Sicht Baldurs, Habermanns oder Aslurs erzählt, die Perspektive eines der Opfer, des Täters oder der Täterin oder auch die einer Katze wählt, sie trifft stets den richtigen Ton. Unterlegt ist das Ganze mit einer gehörigen Portion trockenen Humors, so dass das Lesen Spaß macht und man das Buch kaum aus der Hand legen möchte.

»Schere 9«ist ein unterhaltsamer, spannender Thriller mit einem gelungenen Ermittler(team). Es ist wirklich schade, dass dies das einzige Buch für Hauptkommissar Baldur und seine Kollegen werden soll.

Birgit Borloni, Januar 2018

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rolandreis zu »Isabella Archan: Schere 9« 14.11.2017
"Schere 9" ist ein Kriminalroman von Isabella Archan, bei dem der Kommissar Baldur, ein gebürtiger Wiener, im Mittelpunkt steht. Anfangs erlebt ihn der Leser beruflich noch in Köln, aber nach einem Giftanschlag seiner Freundin auf ihn beginnt er mit einem neuen Team in Frankfurt. Untreue Ehemänner - Das ist das Thema für diesen Krimi. Innerhalb kurzer Zeit werden Baldur und sein Team zu Tatorten gerufen, bei denen sie auf männliche Todesopfer treffen, die im Vorfeld auch noch gefoltert wurden. Schnell müssen sie erkennen, dass sie es mit einem Serientäter zu tun haben. Die Opfer haben nur einen gemeinsamen Nenner - alle waren verheiratet. Der Leser trifft dabei anfangs auf einen Kommissar, den ich nicht unbedingt als sympathisch bezeichnen würde. Selbst im Vorfeld ein notorischer Fremdgeher, was ihm letztendlich auch den Anschlag seiner Freundin einbrachte, ist er aber auch im Umgang innerhalb seines Teams nicht gerade zimperlich. Aber das ändert sich, ich empfand er machte eine Entwicklung während des Falles durch. Dies scheint auch an der jungen Kommissaranwärterin Arslan zu liegen, die gemeinsam mit Kommissar Habermann das Team Baldurs ergänzt. Der Autorin ist es gelungen hier schnell ein neues Ermittlerteam zu etablieren, dass einem als Leser gefällt. Obwohl ich früh eine Ahnung bzgl. des Täter hatte, gab es doch kleine feine Wendungen, die meinen Verdacht nicht ganz bestätigten. Und so blieb die Spannung bis zum Ende erhalten. "Schere 9" ist ein gelungener Kriminalroman und ich bin gespannt, ob man weitere Fälle von Kommissar Baldur und seinem Team zu lesen bekommt.
MissNorge zu »Isabella Archan: Schere 9« 23.10.2017
Meine Meinung
Nach dem Prolog wurde mir sofort klar, das ich das Buch nicht würde lange aus der Hand legen können und so kam es, das ich es an einem Abend regelrecht verschlungen habe. Isabella Archan ist es mit der ungewöhnlichen Story, dem neuen Ermittlerteam um Hauptkommissar Heinz Baldur und ihrem unvergleichlichen Schreibstil gelungen mich in einen regelrechten Lese-Sog zu ziehen. Der Prolog alleine ist schon ein "heißer" und dramatischer Start in eine Story um untreue Ehemänner, die willenlos gemacht und dann qualvoll gefoltert werden, bis zum erlösenden Tod. Auf dem Cover ist das Buch als Kriminalroman beschrieben worden, ich würde es aber eher in die Kategorie Thriller einordnen, denn dafür ist es schon ziemlich hart und brutal an einigen Stellen.
Gut gelungen ist das schnelle Zusammenfinden des neuen Teams geworden, welches mit seinen Ermittlungen den Großteil des Buches einnimmt, aber auch kleine Einblicke in das wenige Privatleben bietet. Plausibel und gut erklärt ist auch die Lösung des Falles, der zum Ende nochmal eine nicht zu ahnende Wendung nimmt und die Spannung nochmals in die Höhe treibt.
Besonders haben mich wieder die einzelnen Abschnitte fasziniert, bei denen man lesen konnte wie der/die Täter agieren, ohne das bis auf den letzten Seiten jemals ein Name in Bezug darauf genannt wurde. Im Verlauf der Story werden zwar immer wieder Personen und Hinweise genannt, die man zwar schon kennt, aber noch nicht so richtig einzuordnen wusste in den Fall, aber so nach und nach setzt sich alles zu einem Ganzen zusammen und man kommt der Lösung aber trotzdem noch nicht so richtig nah, so das man denkt, ach ja, der/die könnte/n das gewesen sein.
Isabella Archan's Schreibstil ist wie immer klar, kurz und knackig, keine großen Umschreibungen, sie kommt direkt auf den Punkt und so schleicht sich auch keine Stelle ein, die ich als langatmig oder langweilig empfunden habe.
Ich könnte mir vorstellen, das es mit Hauptkommissar Heinz Baldur, Kommissar Thomas Habermann und der Praktikantin Melek Arslan noch weitere Fälle geben könnte, ich wäre auf alle Fälle lesetechnisch wieder mit dabei.
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