Die Geiseln von Ilkka Remes

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel 6/12, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei dtv.

  • Helsinki: WSOY, 2006 unter dem Titel 6/12. 460 Seiten.
  • München: dtv, 2007. Übersetzt von Stefan Moster. ISBN: 978-3423246385. 460 Seiten.

'Die Geiseln' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Oberst Jankovic, in Den Haag als Kriegsverbrecher verurteilt, sitzt in Finnland im Gefängnis. Seine Frau hat er im Balkankrieg verloren, als Nato-Bomber am helllichten Tag einen Personenzug angriffen. Das haben weder er noch seine Söhne Vasa und Radovan vergessen, und sie sinnen auf Vergeltung. Als ein erster Versuch, den Vater zu befreien, scheitert und Radovan dabei getötet wird, brütet Vasa einen neuen, größenwahnsinnigen Plan aus. Am 6. Dezember, dem finnischen Unabhängigkeitstag, an dem sich die Elite Finnlands auf einem Empfang im Präsidentenpalast versammelt, schlägt Vasa zu: Mit Hilfe einer Gruppe militanter Serben bringt er den Präsidenten, die Regierung, die Spitzenbeamten sowie führende Wirtschaftsleute und ihre Frauen in seine Gewalt. Während Timo Nortamo alle Hebel in Bewegung setzt, um diese außergewöhnliche Situation unter Kontrolle zu bringen, gelingt es Johanna Vahtera, sich unter die Geiseln zu mischen. Doch gegen Vasa und seine Männer ist sie in ihrer Lage relativ machtlos. Und ihre Identität lässt sich nicht ewig geheim halten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Was tun, wenn die gesamte Staatselite als Geiseln genommen wird?« 65°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Der in Den Haag als Kriegsverbrecher verurteilte serbische Oberst Borislav Jankovic sitzt in einem finnischen Gefängnis seine Haftstrafe ab. Dessen Söhne Vasa und Radovan sehen die Ehre ihres Landes wie auch die ihrer Familie besudelt und wollen daher ihren Vater befreien. Hierzu nehmen sie die schwangere Frau von Jankovics Gefängniswärter als Geisel und erpressen die Freilassung ihres Vaters. Doch die finnische Polizei will sich international keine Blösse geben und stoppt das Fluchtauto. Bei einem Schusswechsel stirbt Radovan und auch die Geisel wird schwer verletzt. Da Oberst Jankovic gesundheitlich angeschlagen ist, muss ihn sein Sohn Vasa zurücklassen und flüchtet vor der Polizei in seine Heimat Schweden.

In Stockholm angekommen steht eigentlich der nächste Überfall auf einen Geldtransporter auf dem Programm, mit denen sich Vasa und seine Freunde ihren aufwändigen Lebensunterhalt sichern. Doch da kommt Vasa eine Idee, mit der sie nicht nur zu unermesslichen Reichtum kämen, sondern gleichzeitig seinen Vater befreien könnten. Am 06. Dezember, dem finnischen Unabhängigkeitstag, trifft sich die Elite des Landes zum Empfang beim Staatspräsidenten. Vasa und seine Freunde wollen dieses Ereignis nutzen und in den Palast eindringen, denn bei derartig hochkarätigen Geiseln würde sich die finnische Polizei nicht auf weitere Eingriffe einlassen, sondern die Forderungen der Entführer erfüllen müssen. So machen sich sechs schwer bewaffnete Serben, teilweise mit langjähriger Kriegserfahrung aus dem Kosovo, auf zu ihrer Mission, die zunächst zu scheitern droht, da Vasa und sein Kumpel Danilo vor der Besetzung des Palastes verhaftet werden. Den vier verbliebenen Freunden gelingt jedoch das scheinbar Unmögliche. Sie besetzen den Präsidentenpalast und nehmen rund 100 ranghohe Geiseln. Kurz darauf wird ihre erste Forderung erfüllt. Vasa und Danilo werden freigelassen, denn die Polizei ist mit der Situation völlig überfordert …

»Sollten wir schon mal die Armee um Hilfe bitten?«
»Solche Entscheidungen werden auf höherer Ebene getroffen.«
»Eigentlich schon, aber die höhere Ebene ist komplett in der Residenz versammelt.«

Klar, dass in einer solch’ ausweglos erscheinenden Situation nur zwei Menschen die Geiseln retten können. Kommissarin Johanna Vahtera von der KRP, dem zentralen Kriminalamt Finnlands, und Timo Nartamo von der TERA, der Anti-Terror-Einheit der EU.

Leider einige Schwächen.

Freunden des finnischen Topautors kann dieses Buch natürlich nahezu uneingeschränkt empfohlen werden, da Remes ein weiterer Pageturner aus der Feder gerutscht ist. Dieser hat allerdings einige Schwachstellen, die man zweckmäßigerweise großzügig übersehen sollte, da sonst auch Remes-Fans die Freude über dessen neues Werk ein wenig vergehen dürfte. So stellt beispielsweise nach der Befreiung von Oberst Jankovic die Polizei das Fluchtauto. Warum bei dem folgenden Schusswechsel Vasa nicht an dessen Flucht gehindert wird bzw. warum er nicht von den anwesenden Scharfschützen zumindest angeschossen wird, bleibt das Geheimnis des Autors. Sicher, die Geschichte wäre an dieser Stelle frühzeitig zu Ende, aber etwas intelligenter hätte man das Szenario schon gestalten dürfen. Ebenso erschreckend simpel erfolgt die Besetzung des Präsidentenpalastes. Kann es wirklich sein, dass bei der größten und wichtigsten Veranstaltung des Jahres gerade einmal vier Männer ausreichen, um die Residenz zu stürmen und die gesamte Elite des Landes als Geiseln zu nehmen?

Interessante Einblicke auf den Krisenherd Balkan

Sieht man über solche Schwachstellen hinweg liest sich »Die Geiseln« flüssig weg und so beschäftigen einen die rund 460 Seiten maximal ein Wochenende lang. Der eigentliche »Schwachpunkt« ist aber der Plot selber, denn was soll man aus der Thematik einer Entführung groß herausholen? Überraschend gelingt es Remes einige positive Akzente (insbesondere bei der »Auflösung«) zu setzen, jedoch hätte hier einiges mehr passieren dürfen.

»Ich glaube nicht, dass es aus den Ministerien Anweisungen hageln wird.«
»Das hier ist etwas für Profis. Da würden die Ansichten von Politikern ohnehin nicht ins Gewicht fallen.«

Klischeehafterweise drängt sich ein machthungriger Abgeordneter unter die Gefangenen, um auf sich aufmerksam zu machen, allerdings dürfte im Ernstfall davon auszugehen sein, dass ihn die Entführer angesichts seines Verhaltens recht zügig zum Schweigen gebracht hätten. Die Geiseln verhalten sich insgesamt auffallend ruhig, kaum etwas ist von Panik zu verspüren und auch die Entführer gehen relativ entspannt mit der Situation um. Nur selten gibt es Spannungen untereinander und wenn, enden sie meist so abrupt wie sie aufgekommen sind.

Wer sich aber vor allem für die politische Dimension des Balkankonfliktes, welche hier ausführlich beleuchtet wird, interessiert, darf einmal mehr bei Remes zugreifen.

Jörg Kijanski, Januar 2008

Ihre Meinung zu »Ilkka Remes: Die Geiseln«

Helfen Sie anderen Lesern, indem Sie einen Kommentar zu diesem Buch schreiben und den Krimi mit einem Klick auf die Säule des Thermometers bewerten. Und bitte nehmen Sie anderen Lesern nicht die Spannung, indem Sie den Täter bzw. die Auflösung verraten. Danke!

Malte Rückert zu »Ilkka Remes: Die Geiseln« 25.08.2009
Um die erste Frage zu beantworten: Der Präsident wird von dem Techniker erschossen, der der die Diamanten entgegen genommen hat und tatsächlich auch irgendwie mit der Russischen? (ist schon etwas her das ich es gelesen habe) Regierung zu tun hat. Irgendwann wird am Rande erwähnt das er ein herrvoragender Scharfschütze ist. Ob die 3 überlebt haben, bzw. wie sie es geschafft haben zu entkommen weiß man nicht wirklich, ist aber warscheinlich, da jasmin es auch geschafft hat.

Ich fand das war nach Hiroschima Tor das beste was ich von ihm gelesen habe! -und 6-7 waren das bestimmt...
jonny zu »Ilkka Remes: Die Geiseln« 04.11.2008
Mir gefällt dieses Buch, die Geiseln, sehr...

Es lässt allerdings einige Fragen offen, wer hat den Präsidenten schlussendlich erschossen? Kennt man diese Person und hat sie irgendwelchen Einfluss auf die Geschichte? Kommt sie schon vorher irgendwo vor?? Und was passiert schlussendlich mit den drei restlichen Geiselnehmern Toma, Slobo und Stanko? Werden sie wie Vasa Jankovic noch gefunden und kommen sie ins Gefängnis oder können sie untertauchen und unter ihrer neuen Identität weiterleben???
Ich würde mich über Antworten freuen
Jürgen Schmidt zu »Ilkka Remes: Die Geiseln« 01.02.2008
Ilka Remes ist ein Meister seines Faches;seine Bücher sind aussergewöhnlich.
Ich habe bereits 3 von Ihm gelesen:
>Ewige Nacht: ein Bio-Terrorristen-Thriller der Sonderklasse,spannend und gut.

>Blutglocke: die russ. Mafia legt sich mit der deutschen Regierung > aussergewöhnlicher
Thriller=vom Feinsten.

>Die Geisseln: serbische Gangster überfallen den finn. Präsidenten Palast.
Ein Meisterwerk* sein Bestes bisher,
Action und Dramatik im Dauereinatz!

PS:sein Bücher sind sehr intensiv, bestens beschrieben Charaktere und Orte, er hält "kühl" die Spannung in seinen Büchern aufrecht, genial und
einfach ein Geheimtip für "wirkliche" Freunde spannender Thriller***
PS:
Ich lese im Schnitt 60-80 Bücher im Jahr
und überwiegeng Thriller,genügt das?!!
Tom2005 zu »Ilkka Remes: Die Geiseln« 20.01.2008
Also die Rezension von Jörg Kijanski ist schon sehr kritisch. Wenn man so alles auf die Goldwaage legt, bleibt an kaum einem Buch noch was Positives haften. Ich habe dieses Buch in kürzester Zeit gelesen, es ist absolut schnell und immer spannend. Auch den Plotverlauf finde ich intelligent. Und wenn der Rezensent bemerkt, es hätte keine Panik unter den Geiseln und keine blank liegenden Nerven bei den Entführern gegeben, dann haben wir wohl zwei verschiedene Bücher gelesen. Kurzum: ein klasse Buch für alle, die mitgerissen werden wollen, ohne eine Diplomarbeit darüber zu schreiben. Meine Bewertung: 90°!!!
Ihr Kommentar zu Die Geiseln

Hinweis: Wir behalten uns vor, Kommentare ohne Angabe von Gründen zu löschen. Beachten und respektieren Sie jederzeit Urheberrecht und Privatsphäre. Werbung ist nicht gestattet. Lesen Sie auch die Hinweise zu Kommentaren in unserer Datenschut­zerklärung.

Seiten-Funktionen: