Finstere Orte von Gilian Flynn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 unter dem Titel Dark Places, deutsche Ausgabe erstmals 2010 bei Scherz.

  • New York: Shaye Areheart Books, 2009 unter dem Titel Dark Places. 349 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2010. Übersetzt von Christine Strüh. ISBN: 978-3-502-10095-9. 527 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Scherz, 2014 Dark Places - Gefährliche Erinnerung. Übersetzt von Christine Strüh. ISBN: 978-3651011892. 464 Seiten.
  • [Hörbuch] München: Der Hörverlag, 2010. Gesprochen von Anna Thalbach & Adam Nümm. ISBN: 978-3867175463. 6 CDs.

'Finstere Orte' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Sie war sieben, als die Schüsse fielen. Als sie in die kalte Nacht hinauslief und sich versteckte. Als ihre Mutter und ihre beiden Schwestern umgebracht wurden. Als ihre Zeugenaussage ihren Bruder für immer hinter Gitter brachte.
Jetzt, 25 Jahre später, ist aus Libby Day eine verbitterte, einsame Frau geworden, deren Leben eigentlich keines mehr ist. Doch inzwischen gibt es Leute, die an der Schuld ihres Bruders zweifeln. Libby muss noch einmal ihre Vergangenheit aufrollen: Was hat sie in jener verhängnisvollen Nacht wirklich gesehen? Ihre Erinnerungen bringen sie in Lebensgefahr – so wie damals.

Das meint Krimi-Couch.de: »Interessante Idee, mager ausgeführt« 70°

Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger

Hochgelobt von vielen anerkannten Krimikollegen veröffentlicht der Scherz-Verlag den neuen Kriminalroman Finstere Orte, der in gelungenen Übersetzung aus dem Amerikanischen von Christine Strüh die Geschichte von Libby Day erzählt.

 Libby, lebt von dem Geld, dass nach der grausamen Ermordung ihrer Mutter und ihrer Schwestern, an Spenden gesammelt wurde. Nach mittlerweile 25 Jahren Schmarotzertum und ohne jegliche Ausbildung ist das Geld allerdings aufgebraucht und Libby muss sich darum kümmern, zu Geld zu kommen. Seinerzeit hat Libby nach dem Massaker an ihrer Familie bezeugt, dass ihr Bruder der Täter gewesen sei und dieser atmet seit damals gesiebte Luft. Aber eine Gruppe Menschen glaubt nicht an die Schuld des Mannes und bietet Libby Geld an, wenn sie im Gegenzug alles unternimmt, um zu helfen, die Unschuld ihres Bruders zu beweisen.

 Dazu muss sie aber Kontakt zu ihren Verwandten und den damaligen Freundinnen und Freunden ihres Bruders aufnehmen, obwohl das für sie den blanken Horror bedeutet, denn sie will mit den alten Geschichten nichts zu tun haben. Und auch Andere wären froh darüber, wenn sie die Vergangenheit ruhen ließe…

 Libby Day wird von Gillian Flynn als fiese, kleine Ratte beschrieben, faul und sozial degeneriert. Kein Wunder, wenn man im Laufe der Geschichte ihre Herkunft aufarbeitet. Libby und ihre Familie stammen aus der untersten Schicht, leben in einem heruntergekommenen Farmhaus und betreiben eine Landwirtschaft, die nichts abwirft. Dementsprechend düster gerät die Milieuschilderung der Autorin, die damit ihrer Protagonistin keinerlei Sympathiewerte verpasst.

 Damit man während der Zeitsprünge zwischen den 25 Jahren nicht immer nur mit der missratenen jüngsten Tochter zu tun bekommt, lässt Flynn auch die anderen Familienmitglieder und Freunde in Rückblenden zu Wort kommen und dabei verdichtet sich das Bild einer Welt aus lauter Verlierern. Hier hat die Hoffnung keine Chance und wenn eine Wendung zum Guten möglich wäre, so wird sie in intensivster Dummheit zerstört.

 Was eigentlich recht spannend beginnt, verflacht auf den 527 Seiten zusehends, weil man zur Hälfte eigentlich schon genug hat, die ewig gleichen Szenarien aus der Gosse zu rekapitulieren. Die wenigen Seiten, die mehr bieten als eine Milieustudie, können weder die Handlung (für unsere Verhältnisse) plausibel machen, noch das Interesse daran nachhaltig wach halten.

 Die Aufklärung der Geschehnisse in der grauenhaften Nacht im Bauernhaus und die Entlarvung des Täters erscheinen ziemlich konstruiert, an den Haaren herbei gezogen und unbefriedigend. Lediglich auf Grund der interessanten Ausgangsidee und der sprachlichen Umsetzung kann dieser Roman eine Wertung über dem Durchschnitt erlangen. Die intensive Zeichnung der einzelnen Lebensbilder und die gelungene Charakterisierung der Charaktere kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die Handlung ziemlich mager ist. Ohne den amerikanischen »Way of Life« hätte diese Geschichte wohl kaum geschrieben werden können. Wer pseudopsychologische Studien mag, bekommt hier eine Story, die sämtliche Elemente eines verpfuschten Lebens bestens bedient.

Wolfgang Weninger, März 2010

Ihre Meinung zu »Gilian Flynn: Finstere Orte«

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Alexander Grant zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 19.01.2017
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Maren78 zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 07.10.2015
Libby Day hat vor 25Jahren Ihre gesamte Familie verloren, ausgelöscht von Ihrem Bruder. Angeblich hat Ihr Bruder Ben, damals 15Jahre alt, ihre Schwester Michelle erwürgt und ihre Schwester Debby und ihre Mutter mit der Axt erschlagen.

Jetzt ist Libby eine deprimierte, verbitterte, einsame Frau die ihr Leben nicht im Griff hat. Bisher lebte Sie von den Geldern eines Spendenfonds. Doch dieser ist jetzt aufgebraucht und Libby steht vor der Wende Ihres Lebens.

Sie sieht sich genötigt sich nochmals mit der Nacht und dem Unglück von damals auseinander zu setzten. Findet Sie die schreckliche Wahrheit raus? Oder ist diese bereits bekannt?

Das Buch wird aus verschiedenen Perspektiven geschrieben, zum einen aus Libbys Sicht und zum anderen aus der Sicht eines neutralen Beobachters. Desweiteren springt das Buch auch zwischen dem Jetzt und der Vergangenheit hin und her. Nach und nach tauchen immer mehr Details auf. Jedoch erst ganz zum Schluß wird klar was wirklich passiert ist.

Der Schreibstil der Autorin gefällt mir sehr gut. Sie schreibt flüssig und man kann sich sehr gut in das Geschehen hinein versetzten. Teilweise fand ich das Buch jedoch etwas zu langatmig geschrieben. Dabei geht die eigentliche Spannung etwas verloren.
Orla2012 zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 22.11.2014
Dies war mein drittes Buch von Gilian Flynn. Nachdem ich Cry Baby eher leidlich, Gone Girl dagegen virtuos fand, liegt dieses Buch irgendwo dazwischen. Ich fand es sehr spannend, obwohl Libby Day sich als "Hauptdarstellerin" ja nicht gerade in die Herzen der Leser schreibt. Dennoch mochte ich sie wegen ihres scharfen Verstandes und ihren glasklaren Analysen von Situationen immer besser. Man hat bei diesem Buch ständig das Gefühl, man müsste dahin reisen und der armen Familie unter die Arme greifen, würde das nicht die gutherzige Tante Diane tun. Und man ist fassungslos darüber, dass betuchte Eltern ihre Teenangertochter monatelange sich selber überlassen nur mit der Auflage, ja nicht schwanger zu werden. Aber man weiss auch, dass dies nicht so weit vorn mancher amerikanischen Realität ist. Die Autorin hat einen aussergewöhnlich guten Schreibstil und das Ende fand ich wirklich überraschend - nur auf die Geschichte mit dem Kuhgemetzel hätte ich gut verzichten können.
Nutzerin zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 06.05.2013
Ich mag das Buch, es ist vielleicht nicht virtuos, dafür bedient es zu viele Klischees, aber mir persönlich gefällt der satirische Schreibstil, mit dem die Personen und Orte beschrieben werden.An der Protagonistin mag ich den unverblümten und sarkastischen Ton, mit dem sie sich selbst, ihre Lage und ihre Umgebung beschreibt.Wer leicht derben schwarzen Humor schätzt, dem kann ich das Buch empfehlen.
Jule zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 28.05.2012
Lange nicht mehr so ein spannendes und so fesselndes Buch gelesen. Kurzweilig mit Blick in die tiefen der Seele trifft einen dieser Psychothriller bisweilen bis aufs Mark! Das verhalten eines pubertierenden 15 jährigem der in schwierigen Verhältnissen ohne Vater aufwächst ist sehr reell geschildert. In meinen Augen ein sehr gelungenes buch
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
lesenchris zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 09.02.2012
Interessante Idee, junge Frau, die als Siebenjährige den Massenmord an ihrer Familie miterlebt hat, wird von den Fans ihres vermeintlich unschuldigen Bruders genötigt, über die Vergangenheit nachzudenken und ihre eigene Glaubwürdigkeit zu überprüfen. Mit Schilderungen der beteiligten Familienmitgliedern zum Mordzeitpunkt, entwickelt sich langsam eine Geschichte, die an Zufällen, Unglaublichkeiten und Familiengeheimnissen kaum zu überbieten ist. Eine Milieustudie eines amerikanischen kleinstädtischen Kuhdorfes, wo jeder der Bewohner einen ganz bestimmten Anteil an dem überraschenden Ende hat.
Nadir36 zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 04.01.2012
Second-Book als Fortschritt

Mit Sharp objects/crybaby gelang Gillian Flynn ein überwältigendes Debut. Thriller, Famiiliendrama und Reise in die eigenen Abgründe der Heldin Camille. Eine überraschende und späte Aufklärung des vermeintlich gelösten Falls trug viel zu rundum gelungenen Leseerlebnis bei.

Von daher hatte sie bei mir ziemlich viel Kredit beim zweiten Buch, bei dem sie zumindest strukturell neue Wege gegangen ist. Dieses mal erzählt Flynn ihre Geschichte aus drei Perspektiven. Heldin und (ziemlich limitierte Nachfolgerin von Camille) ist Libby Day, einzige Überlebende des Massakers, sie hat die 24 Jahre danach mehr oder weniger in dne Tag hinein gelebt, bis das Geld ausgeht und die Suche nach den wahren Vorgängen die einfachste Möglichkeit erscheint, frisches Geld ins Haus zu bekommen. Die beiden anderen Erzählstränge beschreiben den Mordtag aus Sicht des Opfers Patty Day (Libbys Mutter) und ihres Sohnes Ben, der für den dreifachen Morde an Mutter und zwei seiner Schwestern zu lebenslänglicher Haft verurteil wurde. Auf ein Kapitel Gegenwart folgt je eines aus der Vergangenheit. Gerade im ersten Drittel sind die Patty oder Ben-Kapitel wenig spannend, dafür ziemlich lang und deprimierend geraten. Von daher liegt die Versuchung nahe die alten Geschichten zu überblättern. Allerdings bringt sich der Leser damit um das einst und jetzt-Erlebnis bei ihren Begegnungen mit etlichen Rädchen im Getriebe das alten Unheils. Ab der Mitte des Buches wird Libby immer kleiner, während Bens und Patty Reise durch die Nacht an Dynamik gewinnt und auch an charakterlicher Tiefe. Zumal Ben mit seiner sexsüchtigen und satanistsichen Geliebten und dem finstern Dealer und Geldeintreiber einen grotesken Trip bis zum mörderischen Finale auf der Day-Ranch durchleidet. Zeitglich bringt Mutter Patty alle nur erdenklichen Opfer um ihren Sohn vom Verdacht des Missbrauchs an einer Elfjährigen zu befreien und rennt dabei gegen Mauern von Vorurteilen.
Zu den Ironien der Geschicht gehört, dass Patty nicht mehr erlebt wie sich die Vorwürfe als haltlos erweisen, während Tochter Libby das Gör von einst als versoffene Stripperin und allenfalls leidlich zuverlässige Quelle auftut.
Da alle Überlebenden gute Gründe haben, Libby nicht alles zu erzählen bekommt nur der Leser das Gesamtbild, obwohl Libby auch noch in Lebensgefahr gerät, als sie ihren Zipfel der Wahrheit zu fassen bekommt. Ein spannender Showdown ist damit auch garantiert.
So garnz aus einem Guss wie „Cry Baby“ ist „Dunkle Orte“ zwar nicht, allerdings haben die Szenen von Ben mehr Tiefe und durch die unterschiedlichen Perspektiven bekommen auch Nebenfiguren mehr Profil, bzw. Handlungen der Opfer machen Reaktionen der Täter zumindest nachvollziehbar. Das Gegeneinander von partiellem Erkenntisgewinn bei der Ermittlung durch die Hobby-Detektivin und dem Fortgang der Ereignisse in der Mordnacht gewinnt zuletzt eine tragsiche Dynamik, der man sich kaum entziehen kann.

Fazit: Alles in allem ein typsiches zweites Buch, Gillian Flynn hat sich neue Herausforderungen gesucht und in Sachen Charakterzeichnung und Erarbeitung eines größenren Ensembles stark weiter entwickelt. Mit den höheren Hürden als bei einer Ich-Erzähler-Geschichte mit einer Journalistin als Heldin sind auch die Risiken des Scheiterns größer. Eine schwache Heldin wie Libby gibt auf Sicht zu wenig her, auch wenn ihr spannungsmäßig der letzte große Auftritt zukommt. Nicht ganz so rund wie der Erstling, aber streckenweise reifer.
Das Krimi-Ende, bzw. was Libby heraus bekommt ist allerdings nur die halbe Wahrheit und für sich genommen, vielleicht ein wenig dünn, insofern gebe ich der Couch-Rezension recht, aber die Wahrheit findet sich in den Kapiteln davor.
Und ehrlich gesagt würde sich jeder vernünftige Leser wundern, wenn eine Frau, die 24 Jahre lang von Spenden gelebt und andere Leute beklaut hat, auf einmal alle Fakten auf den Tisch bekommt, vor allem bei Zeugen, die sich ihr Leben zurecht lügen müssen. Angesichts der strukturellen Feinheiten eignet sich das Buch nur bedingt zur Lektüre der obligatorischen paar Seiten vor dem Einschlafen. Im ersten Drittel geht es einfach zu langsam voran und ab der Mitte kann man kaum noch aufhören.
Von mir gibt es 85 Grad,
anyways zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 04.02.2011
Libby und Ben Day sind die beiden einzigen Überlebenden des Day-Massakers. Er sitzt seit 25 Jahren im Gefängnis und sie versucht ihr Leben auf die Reihe zu bekommen.

Als Libbys Treuhandvermögen aufgebraucht ist, keine neuen Spenden mehr eingehen und auch das Buch über ihr Leben keine Tantiemen einspielt geht sie in ihrer Not auf das etwas dubiose Angebot eines „Mörderclubs“ ein. Die Mitglieder dieses Clubs sind nämlich nicht der Überzeugung, dass der damals 15 jährige Ben Day seine Mutter und seine beiden minderjährigen Schwestern umgebracht hat und nur die damals 7 jährige Libby überleben ließ, sie glauben an seine Unschuld. Libby bekommt Angst, denn sie war es, die ihren Bruder durch ihre Aussage so belastete.

In Rückblenden werden nun die letzten gemeinsamen Tage der Familie Day geschildert.

Eine junge Frau, Anfang 30- die vom Leben vergessen wurde, die einen Bauernhof bewirtschaftet, der kein Geld abwirft, die vier Kinder ohne Mann aufzieht, die trotz der Weitläufigkeit der Landschaft eher klaustrophobischen Verhältnissen zu ihrer Nachbarschaft hat.

Man stellt schnell fest, dass die Dorfbevölkerung durch pure Dummheit und Arroganz zu diesem Massaker beigetragen hat.



Ein ganz interessantes Gesellschaftsporträt welches die Autorin hier zeichnet, trotzdem würde ich dieses Buch nicht als Thriller sondern eher als Roman bezeichnen. Zum wirklichen Thriller fehlt ihm der Biss und die Spannung, kurzum fesselnde Lektüre. Letzteres ist es nicht, durch die vielen Rückblenden der gesamten Familie und anderer Beteiligter, ist das Gesamtkonstrukt stark aufgebläht.



Alles in allem aber ein sehr interessantes Buch mit nur leichten dramaturgischen Schwächen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kleinfriedelchen zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 07.07.2010
Libby Day war erst sieben, als ihre Mutter und ihre zwei Schwestern brutal ermordet wurden. Sie selbst konnte entkommen und brachte mit ihrer Aussage ihren fünfzehnjährigen Bruder Ben lebenslänglich ins Gefängnis. Jetzt, 25 Jahre später, lebt sie ohne Ziel in den Tag hinein und denkt immer öfter über Selbstmord nach. Als ihr das Geld auszugehen droht, von dem sie bisher dank großzügiger Spenden von mitfühlenden Menschen gelebt hat, muss sie sich eine neue Einkommensquelle suchen. Wie wunderbar passt ihr da das Angebot des sogenannten „Kill Club“, dessen Mitglieder mysteriöse oder unaufgeklärte Mordfälle untersuchen, quasi als Hobby. Für ein paar Gespräche und Souvenirs aus der Familie soll sie eine ordentliche Stange Geld bekommen.

Doch das Treffen mit den Mitgliedern läuft nicht gut für Libby. Die anderen sind von der Unschuld ihres Bruders überzeugt, man wirft ihr vor, in ihrer Aussage gelogen zu haben, in der sie ihren Bruder als Mörder identifiziert hat. Wie erklärt sie sich die Ungereimtheiten, die am Tatort aufgetaucht sind? Von wem stammt der blutige Fußabdruck, der nicht zu Ben gehört? Und welches Motiv hätte er gehabt? Könnte nicht eher ihr verschuldeter, alkoholsüchtiger Vater der Täter sein? Libby ist alles andere als begeistert, dass man sie als Lügnerin hinstellen will, doch schon bald nach dem Treffen regen sich auch bei ihr Zweifel. Und so beginnt sie, in ihrer Vergangenheit zu forschen und muss feststellen, dass ihr Bruder vielleicht tatsächlich unschuldig im Gefängnis sitzt…

Abwechselnd aus Libbys Sicht, die in der Gegenwart nach Hinweisen forscht, und aus Sicht ihrer Mutter und ihres Bruders, die den Tag vor den Morden schildern, wird die Geschichte erzählt. So ergibt sich nach und nach ein Bild der Umstände, die zu den Morden geführt haben.

Thriller machen immer dann besonders Spaß, wenn man als Leser in die Fußstapfen von Miss Marple oder Columbo treten kann. Wenn man Spekulationen über den Mörder machen und jeden Verdächtigen kritisch beäugen kann. So bietet auch „Finstere Orte“ genug Stoff zum Mitraten. Verdächtige werden eingeführt und entlastet, Beweise aufgedeckt und gesammelt. Das Rätsel um die Morde an Libbys Familie bleibt bis zum Ende spannend und unvorhersehbar. Der Plot ist dabei genauestens durchdacht, jedes kleine Detail wird irgendwann aufgegriffen, so dass keine Ungereimtheiten bleiben.

Mit der Protagonistin Libby als Hauptcharakter ist die Autorin ein großes Risiko eingegangen, ist Libby anfangs doch alles andere als sympathisch und könnte den Leser eher abstoßen. Verlogen, gerissen, habgierig, ein Langfinger. So lernen wir die Einunddreißigjährige kennen. Kein Lebensziel vor Augen. Doch genau diese Mischung lässt sie so normal und realistisch erscheinen. Und trotz ihrer Charakterschwächen wächst Libby einem langsam ans Herz, wobei sie natürlich auch nach und nach eine charakterliche Veränderung durchläuft.

Mein Fazit: „Finstere Orte“ ist ein gelungener, wohldurchdachter und spannender Thriller mit glaubhaften Charakteren und logischem Ende. Klare Leseempfehlung!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
bellalotte zu »Gilian Flynn: Finstere Orte« 24.03.2010
Die Hauptperson ist Libby Day, welche neben ihrem Bruder Ben, dem als Mörder Verurteilten, die einzig Überlebende ihrer Familie ist, welche grausam getötet wurde.

Die Handlung springt kapitelweise zwischen damals, den Tagen und Wochen vor dem Massaker und heute hin und her.
Der Leser lernt die Mitglieder der Familie, ihre Macken und ärmlichen Lebensumstände kennen.

Libby, die als Frau von Anfang 30 bisher von Spenden anderer lebte, muss sich jetzt nach 25 Jahren ihrer Geschichte stellen, um damit weiterhin Geld verdienen zu können.
So wird nach und nach die Wahrheit aufgerollt… hat sie damals zu Recht ihren Bruder Ben mit ihrer Aussage hinter Gitter gebracht oder war doch alles anders?

Die Personen sind allesamt recht düster und nicht sonderlich sympathisch. Ein permanent beklemmendes Gefühl macht sich breit und ich habe an manchen Stellen einfach einige Seiten ungelesen überblättert – es war mir beim Lesen vor dem Einschlafen dann doch zu grausam.

Wenn man sich erstmal durch die ersten 100 Seiten gequält hat, wird die Story spannend und nimmt eine Wende, die man vielleicht geahnt, aber so dann doch nicht gedacht hätte.

Düstere Geschichte, zum Ende hin spannend, dennoch Geschmackssache.

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