Der Fliegenfischer von Gert Nygårdshaug

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1987 unter dem Titel Jegerdukken, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Stegemann.
Ort & Zeit der Handlung: Norwegen / Oslo, 1990 - 2009.
Folge 2 der Fredric-Drum-Serie.

  • Oslo: Solum, 1987 unter dem Titel Jegerdukken. 245 Seiten.
  • Dülmen: Stegemann, 2007 Die Jägerpuppe. Übersetzt von Andrea Dobrowolski. ISBN: 978-3937193069. 245 Seiten.
  • München: Piper, 2008. Übersetzt von Andrea Dobrowolski. ISBN: 978-3-492-05218-4. 252 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2010. Übersetzt von Andrea Dobrowolski. ISBN: 978-3-492-25761-9. 252 Seiten.

'Der Fliegenfischer' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Es ist angerichtet! Ein außergewöhnlicher Ermittler betritt die Krimibühne: Fredric Drum, Besitzer des einzigen Sternerestaurants in Oslo, Weinkenner, Dechiffrierungsexperte und Hobbydetektiv. Als vor seinen Augen ein Mann auf seltsame Weise ums Leben kommt und Drum eine unheimliche Lederpuppe in die Hände fällt, die wenig später spurlos verschwindet, ist seine Neugier geweckt. Was hat es mit dem Artefakt auf sich? Handelt es sich um einen alten Inuit-Talisman? Und während Drum eine neue Leidenschaft, das Fliegenfischen, für sich entdeckt, gerät er selbst ins Visier von mörderischen Mächten, die offenbar alles daransetzen, ihn ins Jenseits zu befördern.

Das meint Krimi-Couch.de: »Für Angler und Weinliebhaber« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Fredric Drum, Sternekoch und Weinliebhaber, ist auf dem Weg zu einer Weinprobe auf der Insel Hovedoya, einer kleinen Fjordinsel vor Oslo. Auf der kurzen Fährfahrt stellt ihm ein fremder Mann eine Frage, doch noch bevor er antworten kann, überschlagen sich die Ereignisse. Ein kleines Motorboot ist offenbar außer Kontrolle geraten und steuert geradewegs auf die Fähre zu. Drum bekommt gerade noch mit, wie der Fremde stirbt, da findet er sich selbst auch schon im Wasser wieder. Hier treibt kleine Lederpuppe, die er im Affekt an sich nimmt und rettet sich an Land.

Wieder zu Hause sieht sich Drum die Puppe näher an und bekommt einen Schreck, denn er hat diese schon einmal in einer Zeitung gesehen. Es handelt sich um eine Nachbildung eines 500 Jahre alten Eskimobabys, das die Inuit als Talismann benutzt haben. Die Puppe findet einen Platz in Drums Restaurant, wo sie jedoch bereits am nächsten Tag gestohlen wird. Als Drum abends in seiner Pension ankommt und das Licht einschalten will, überlebt er nur durch einen glücklichen Zufall einen tödlichen Stromschlag. Jemand hatte die Lampe in seiner Abwesenheit manipuliert. Viel Zeit hierüber nachzudenken bleibt Drum jedoch nicht, denn ein besonderes Ereignis steht unmittelbar bevor. 300 Kilometer nördlich von Norwegen wurden in einem abgelegenen Hochtal zwei alte Moorleichen entdeckt, deren Alter auf 200 Jahre vor Christus ermittelt wurde. Der Fundort der Leichen fernab der Küstenregion erscheint eine archäologische Sensation zu sein und Drum wird gebeten, die Zeichen auf einigen gefundenen Gegenständen zu identifizieren, denn Drum ist auch ein exzellenter Dechiffrierexperte. Doch kaum vor Ort angekommen trachtet ihm ein Unbekannter erneut nach dem Leben …

Der unerschrockene Protagonist kann (fast) alles

Privatermittler Fredric Drum wirkt wie der berühmte Hecht im Karpfenteich. Gerade einmal 34 Jahre jung ist er der einzige Osloer Koch, der ein Zwei-Sterne-Restaurant führt (seltsamerweise aber nicht einmal in der Küche steht), mehrere Sprachen studiert hat und außerdem in kryptologischen und piktologischen Kreisen als Autorität gilt. Und um es nicht zu vergessen, Weinexperte ist er ebenfalls. So besitzt der in einer kleinen Pension wohnende Spitzenkoch denn auch eine private Sammlung von 340 Flaschen ausgesuchter Spitzenweine. Drum ist also ein wahres Naturtalent und damit die Krimileserschaft ebenfalls auf ihre Kosten kommt, wird er gelegentlich in merkwürdige Ereignisse verstrickt.

Die Auflösung erfolgt nach dem Show-Down

War der Bootsunfall wirklich ein Unfall oder in Wahrheit ein Mordversuch, genauso wie der durch eine manipulierte Lampe ausgelöste Stromschlag? Gibt es eine Verbindung zu den Ausgrabungsarbeiten der beiden Moorleichen? Fragen über Fragen und Drum scheint seinen Leserinnen und Lesern immer zwei bis drei Schritte voraus zu sein, denn er ahnt schon lange vor dem Finale, wie die Zusammenhänge aussehen könnten. Dies ist ein nicht unbekannter Kunstgriff, der bisweilen jedoch recht ärgerlich ist, denn eine reelle Chance, das Geschehen vor Drum aufzulösen hat man nicht. Die Geschichte wird erzählt, es kommt zum Finale und erst anschließend folgt die nicht gänzlich phantasielose Auflösung.

Über das titelgebende Fliegenfischen lernt man sehr viel, ebenso nimmt die Schönheit der unberührten Natur ausgiebig Platz in dem insgesamt recht dünnen Buch ein. Zwischendurch kommt es zu den wiederholten Mordanschlägen auf Drum, die dieser jeweils nur durch Zufall überlebt, in dem er beispielsweise plötzlich niesen muss und sich dadurch die entscheidenden Zentimeter bewegt, um einem tödlichen Geschoss zu entgehen. Befriedigend sind diese Ansammlungen von Zufällen und plötzlichen Eingebungen nicht immer und interessant wäre sicher auch zu erfahren, warum Drum nicht einfach die Polizei einschaltet oder sich zumindest einem Freund anvertraut, anstatt sich ständig in Lebensgefahr zu begeben. Der durchweg angenehm ruhige Erzählstil von Gert Nygardshaug gleicht diese Schwachpunkte immerhin ein wenig aus.

Jörg Kijanski, November 2008

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baui60 zu »Gert Nygårdshaug: Der Fliegenfischer« 24.11.2008
Kurzweilige Unterhaltung, da sehr flott geschrieben und „schnell” zu lesen. Sympathischer Held, der trotz junger Jahre schon sehr lebenserfahren daher kommt und handelt. Nicht all zu tiefsinnig, kann man mal so zwischendurch lesen. Einziger Fauxpas: das Cover des Buches! Da gelingt es dem Autor – durch eine gute Beschreibung – selbst dem interessierten Laien das Fliegenfischen an und für sich zu erklären und dann haut so ein Granaten-Cover-Designer einen fetten Blinker auf den Titel! Vorsicht: Angler können auch lesen!
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