Tausend Teufel von Frank Goldammer

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 bei dtv.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Dresden, 1930 - 1949.
Folge 2 der Max-Heller-Serie.

  • München: dtv, 2017. ISBN: 978-3423261708. 336 Seiten.

'Tausend Teufel' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Dresden 1947: Im zweiten Jahr nach Kriegsende gehört die Stadt zur sowjetischen Besatzungszone und ist nach wie vor eine Trümmerwüste. Im klirrend kalten Winter wird das Leben beherrscht von Wohnungsnot, Hunger und Krankheit. Oberkommissar Max Heller wird von der neu gegründeten Volkspolizei an einen Tatort in der Dresdner Neustadt gerufen. Doch bevor er mit den Ermittlungen beginnen kann, wird der tot aufgefundene Rotarmist vom Militär weggeschafft. Zurück bleiben eine gefrorene Blutlache und ein herrenloser Rucksack, in dem Heller eine grauenhafte Entdeckung macht: den abgetrennten Kopf eines Mannes.

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walli007 zu »Frank Goldammer: Tausend Teufel« 20.03.2018
Winterkinder

Im kalten Winter des Jahres 1947 liegt Dresden in Trümmern. Es herrscht Chaos und Hunger. Dennoch beginnt die Besatzungsmacht einen Verwaltungsdienst aufzubauen und Kommissar Max Heller hat bei der neu gegründeten Polizei eine Anstellung gefunden. Obwohl auch er vom Krieg gezeichnet ist und gemeinsam mit seiner Frau auf die Rückkehr des Sohnes wartet, macht er sich wieder an die Arbeit. Zunächst wird er an den Fundort einer Leiche gerufen. Leider handelt es sich um einen Fundort ohne Leiche, denn bei dieser handelte es sich um einen russischen Soldaten und dieser wurde vom russischen Militär abgeholt.

Der Krieg ist vorbei, doch auch knapp zwei Jahre nach Kriegsende sind die Menschen niedergedrückt, ausgelaugt und müde. Der Winter ist hart, es gibt wenig zu essen und die Bewohner Dresdens sind schon froh, wenn sie ein halbwegs sicheres Dach über dem Kopf haben. Doch es beginnt schon, dass Beziehungen aufgebaut werden, dass Leute, die sich korrumpieren, bevorteilt werden bei der Vergabe von Posten oder Nahrungsmitteln. Die alten Fratzen machen es sich in den neuen Sesseln bequem. Kommissar Max Heller macht da nicht mit, er war nie in einer Partei und will auch in keiner Partei sein. Bei der Vergabe der Stelle hat ihm diese Einstellung geholfen, seine Karriere befördern wird es nicht. Manchmal zweifelt er, gerade wenn er und seine Frau kaum etwas zu beißen haben oder das Feuerholz knapp wird. Die Ermittlung geriete vor diesen schwierigen Lebensumständen beinahe in den Hintergrund, wenn Max in Ausübung seiner Tätigkeit nicht so gewissenhaft wäre.

Mitreißend schildert der Autor Frank Goldammer die schweren Zeiten nach dem Ende des zweiten Weltkrieges, man kann sich gut hineinversetzen in die Menschen, die frieren, die hungern, die nicht wissen, wie sie sich und ihre Familien durchbringen sollen. Man ärgert sich über diese Kriegsgewinnler, die doch irgendwie immer auf die Füße fallen. Muss man nicht an dem System verzweifeln, gerade wenn der Eindruck entsteht, dass ein System fast nahtlos in ein anderes übergeht? Wenn Strukturen zwar unter anderen Voraussetzungen aber dennoch einfach weiter genutzt werden? Anhand seines ersten Kriminalfalls als Mitarbeiter der neuen Behörde begegnet Max Heller mehr Leid und Elend als man normalerweise ertragen kann. Trotzdem versucht er Gerechtigkeit walten zu lassen und dem komplexen Fall die richtige Lösung abzuringen.

Ein packender Kriminalroman, der die Nachkriegszeit in Dresden plastisch abbildet.
wsch zu »Frank Goldammer: Tausend Teufel« 09.03.2018
Düsteres Stimmungsbild

Die vorherrschende Stimmung, die der völlig humorlose Krimi erweckt, verbreitet ist verständlicherweise wahrhaft düster. Kein Wunder, der Autor lässt mit sehr bildhafter Sprache die Handlung innerhalb sechs Tagen im Februar 1947 im ziemlich genau zwei Jahre durch englische und amerikanische Bomber in Schutt und Asche gelegte Dresden spielen. Auch wenn man das Glück hat, weder das Dritte Reich mit der permanenten Indoktrination, die Gräuel des Zweiten Weltkrieges und gar die Bombennächte von Dresden, Hamburg, Köln, Frankfurt, Berlin oder oder oder nicht miterlebt haben zu müssen, Frank Goldammer gelingt es, eine Vorstellung der Nachkriegs- und auch der Kriegszeit wach zu rufen.

Sowjetische Besatzungstruppen, deutsche Kriminalbeamte, Schwarzhändler, elternlose Kinder und Jugendliche, die den Zweiten Weltkrieg überlebt haben, unverbesserliche Alt-Nazis, die sich unter Verleugnung bis hin zur Selbstverleugnung das 'Deutsche Reich' zurück sehnen. Heranwachsende Mädchen, die sich für etwas Essbares in zerbombten Häusern prostituieren, sowjetische Offiziere, die teils mit, teils gegen die Kriminalbeamten der vor kurzem gegründeten Volkspolizei agieren. Eisige Kälte, Not, Elend, Krankheit, Mangel an Allem.

Zu einem Teil handelt es sich durchaus um einen Krimi. Zum meines Erachtens grösseren Teil ist es eine vermutlich der damaligen Realität sehr nahe kommende Schilderung des Lebens, des Alltags in zerstörten Dresden. Kurz nach Ende des Zweiten Weltkriegs, zwei Jahre nach den beiden 'Bombennächten'. Wobei sich die Frage stellt, worauf sich der Titel bezieht. Auf die sowjetischen Besatzungstruppen? Oder auf die Nazi-Grössen, die sich schon wieder in führenden Positionen etabliert haben…
claudi-1963 zu »Frank Goldammer: Tausend Teufel« 31.12.2017
"Der Krieg ist die Mutter allen Elends, er ist ein großer Wüterich gegen das Leben und die Seele." (Franziskus)
Dresden 1947:
Nach Ende des Kriegs herrscht in Dresden noch immer das Chaos. Die Stadt ist zerstört, Hunger, Not, Krankheiten und Kälte bestimmen momentan diese Zeit. Oberkommissar Max Heller und sein Kollege Werner Oldenbusch gehören nun der neu gegründeten Volkspolizei an. Max und Karin warten auf die Rückkehr ihres Sohnes Klaus, als er zu einem Tatort in die Neustadt gerufen wird. Ein russischer Soldat wurde tot aufgefunden, doch ehe Max und seine Kollegen ermitteln können wird dieser von der russischen Armee abtransportiert. Da sehen sie wie sich ein junges Mädchen, in der Nähe des Tatorts an einem Rucksack zu schaffen macht. Die junge Frau kann entkommen, doch zurückbleibt der einsame Rucksack der beim Öffnen etwas Grausames offenbart, ein abgetrennter Kopf. Wer ist der Tote, von dem sie nur den Kopf haben und was wollte das Mädchen mit dem Rucksack? Damit Max Heller ermitteln kann, muss er sich mit dem russischen Offizier Ovtschorov gut stellen, dieser würde es gerne sehen, wenn Max in die Partei eintreten würde. Doch Max bleibt weiterhin dabei mit Politik und Partei sollte ein Polizeibeamter nichts zu tun haben. Als zu dem Toten noch weitere Anschläge auf Lokale und es noch mehr Tote gibt, weiß Max das er die nächste grausame Seite Dresdens offenbart wird.

Meine Meinung:
Ich kannte den Autor schon von seinem ersten Roman "Angstmacher" der ebenfalls in der Kriegszeit in Dresden spielt und bei dem Max Heller schon ermittelt hat. Dieses Buch hat mich damals schon total fasziniert, darum wollte ich auch unbedingt das nächste lesen. Selten habe ich so einen guten Autor erlebt, der mit so einer Hingabe und Intensität schreibt, das man das Gefühl hat, er habe in dieser Zeit gelebt. Wahrscheinlich schlüpft er selbst in die Rolle als Max Heller und erlebt in seiner Fantasie diese Dinge, die er später zu Papier bringt. Wie schon bei seinem Vorband hat mich auch dieses Buch zu 100 % überzeugt. Die Mischung aus historischen Begebenheiten, bei denen man das pure Elend, den Hunger und die Not der Menschen miterlebt ist einmalig. Dazu noch ein grandioser Kriminalfall, der bis zum Ende offen lässt, wer der oder die Täter sind. Ich freue mich jetzt schon auf den nächsten Fall von Max Heller, der mir wie auch seine Frau Karin inzwischen ans Herz gewachsen sind. Das ganze Elend, das in diesem Buch aufgegriffen wird, hat mich auch diesmal wieder emotional mitgerissen. Der Schauspieler Heikko Deutschmann bringt durch seine warme, angenehme Stimme dieses Buch zu einem wahren, meisterhaften Hörerlebnis. Dieses Hörbuch muss man einfach gehört haben, es bekommt von mir 5 von 5 Sterne und eine Empfehlung.
benfi zu »Frank Goldammer: Tausend Teufel« 26.11.2017
Der zweite Band mit Max Heller als Ermittler spielt ebenfalls in Dresden, jedoch ist der Krieg nun vorbei und die Russen haben das Kommando übernommen. Schon nach wenigen Zeilen fühlte man sich in 'Tausend Teufel' gut aufgehoben, wenn man das erste Buch 'Der Angstmann' gelesen hatte; aber auch Neueinsteiger sollten ohne Probleme zurecht kommen! Der Autor Frank Goldammer beschreibt einen wirklich bitterkalten Winter aus dem Jahre 1947, was den Leser unwillkürlich unter die Decke kriechen lässt und bedingt durch die beschriebene Armut sowie den Notstand eigentlich beglückt zum Tee, Kaffee oder den Knabbereien greifen lassen sollte. Goldammer ist wirklich begnadet darin, die Stimmung innerhalb seiner Geschichte herüber zu bringen. Und es gelingt ihm zu Mitte des Romans sogar, diese noch zu steigern. Der eigentliche Kriminalfall neigt manchmal ein wenig beiseite zu rücken, aber auch diesen Twist beherrscht Herr Goldammer ziemlich gut. Mehr und mehr entpuppen sich die Morde, die Anschläge als ein Intrigenspiel, in dem es wahrhaftig mehr Verlierer als Gewinner gibt. Spannend und mit dosierter Action versehen schafft der Autor ein fesselndes Finale, dass den Leser erst mit dem Wort ENDE wieder einatmen lässt. In Sachen historischer Kriminalromane kann sich der Autor wirklich mit allen bekannten Größen messen, wobei ich sogar hier und da ganz leichte Züge eines Sir Arthur Conan Doyle oder einer Agatha Christie feststellen konnte. Ein nahezu gleichwertiger Krimi wie das erste Werk um die wunderbare Charaktere des Oberkommissars! Die Freude auf den nächsten Roman kann übrigens aufrecht erhalten werden; schon im kommenden Sommer gibt es den dritten Fall in der Nachkriegszeit von Dresden. Ich freue mich wirklich drauf...
84 Grad
mamaofhannah07 zu »Frank Goldammer: Tausend Teufel« 16.11.2017
Dresden 1947.
Ein klirrend kalter Nachkriegswinter.
Grausame Morde in einer besetzten Stadt. ...
Der zweite Fall für Kriminaloberkommissar Max Heller von Frank Goldammer "Tausend Teufel" dtv Verlag 2017.
Frank Goldammer nimmt den Leser mit auf eine Zeitreise in die eiskalte Nachkriegszeit im Februar 1947 in das von den Sowjets besetzte Dresden. Die deutsche Bevölkerung und auch Max kämpfen mit den täglichen Herausforderungen und Widrigkeiten der damaligen Zeit. Immer noch steht Überleben und Durchhalten an erster Stelle, Armut, Trümmer, Hunger und derweil auch Mord. Die Leute arrangieren sich mit der neuen Macht und Stalin. Unter diesen Gegebenheiten werden wir Zeuge eines ausgeklügelten glaubwürdig konstruierten Kriminalfalls. Kriminaloberkommissar Heller, zugehörig zur neu gegründeten Volkspolizei, und sein Assistent Werner Oldenbusch werden zu einem Leichenfund eines Rotarmisten gerufen. "Nicht Ihre Arbeit, Genosse. Unsere Arbeit. Do swidanja!" wird er von den Sowjetsoldaten zurechtgewiesen. Ein dunkler Fleck und ein rücksichtslos von den Sowjets zurückgelassener Tatort bleibt übrig. Doch das ist nicht alles, ein deutscher Rucksack mit erschreckendem Inhalt fällt in Hellers Hände. Er gerät zwischen die einflussreichen Mächte und Drahtzieher des sowjetischen Regimes. Steine, die ihm in den Weg gelegt werden, weiß er im Rahmen seiner Möglichkeiten zu umgehen, trifft den richtigen Ton und spielt das perfide Machtspiel gekonnt mit. Ein sympatischer geradliniger Charakter, der seinen Prinzipien treu bleibt und sein Herz am rechten Fleck trägt. Mich faszinierte seine Standhaftigkeit und sein Glaube an sich selbst. Weder durch eine Zugehörigkeit zur damaligen NSDAP noch zur jetzigen SED verschafft sich Heller Vorteile oder glaubte dadurch bevorteilt zu werden.Neben den eigentlichen Ermittlungen bangt man gemeinsam mit Max und Ehefrau Karin und hofft auf die unversehrte Rückkehr des in Kriegsgefangenschaft geratenen Sohnes. Emotionale Szenen, wie das Zusammentreffen von Vater und Sohn geben dem Roman Tiefe und Raum zum Nachdenken und Luft anhalten. Mit leisen Tönen blickt der Autor in die Seele der Menschen, lockt uns auf falsche Fährten, und kitzelt dabei die Fantasie bis zur Hochspannung. Mit Werner Oldenbusch an Hellers Seite dringen die Ermittlungen immer tiefer in die Geschehnisse ein und so fällt es ab einem gewissen Punkt schwer das Buch aus der Hand zu legen. Gefangen im Strudel der Ereignisse möchte man endlich hinter die mysteriösen Morde kommen. Und ehrlich gesagt, hatte ich mit diesem Täter nicht gerechnet!
Fazit:
Durch eine Buchlesung aufmerksam geworden auf Frank Goldammer und seinen "Angstmann", der 1945 in Dresden spielt und mich absolut in seinen Bann zog und flashte, habe ich den Nachfolgeroman herbeigesehnt und bin nicht enttäuscht worden und bin nach wie vor begeistert.
Ein ganz tolles Buch! Grandios geschrieben und sachlich fundiert recherchiert, dialekt- und sprachgewandt, leicht zu lesen, sehr anschaulich geschrieben, nachdenklich und fesselnd zugleich. Ein historischer Kriminalroman, der die damalige Zeit authentisch beleuchtet und historische Details sehr gut beschreibt. Mein Lesehighlight in diesem Jahr und verdiente 5 von 5 Sternen! Man merkt, Frank schreibt sehr gern!
Ich freue mich auf "Die Vergessenen" Band 3, der im Juni 2018 erscheint.
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