Stückwerk von Die Krimi-Cops

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei KBV.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Mordkommission-Düsseldorf-Serie.

  • Hillesheim: KBV, 2007. ISBN: 978-3940077196. 299 Seiten.

'Stückwerk' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kriminalhauptkommissar Pit »Struller« Struhlmann ist sauer. Ausgerechnet im Zuständigkeitsbereich der Düsseldorfer Mordkommission werden plötzlich über die ganze Stadt verteilt Leichenteile gefunden. Das ist doch keine professionelle Arbeit! Und ausgerechnet jetzt teilt man ihm Christian Jensen, einen Praktikanten der Duisburger Fachhochschule zu. Praktikanten können nichts, stehen im Weg rum und wissen alles besser. Ihre Ermittlungen führen das ungleiche Paar in die schicken Beauty-Salons der Königsallee, zur 'Schönen Aussicht’ in Grafenberg, durch schmuddelige Hinterhöfe in Flingern, zur LADY PIA, ja sogar bis in die tiefsten, verstecktesten Winkel des Polizeipräsidiums. Nach und nach bringen sie Ordnung ins Gewirr der Leichenteile, und Struller ist schon fast zufrieden. Aber dann verschwindet ein bekannter Skandalreporter, und die beiden Ermittler müssen feststellen, dass einige der blutigen Puzzlestücke doch nicht so zusammenpassen, wie sie es sich vorgestellt hatten …

Das meint Krimi-Couch.de: »Düsseldorfer Brachialhumor vs. Kriminalliteratur« 30°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Welche politische Gesinnung hat Herr A. Dolf? Ist »Krake« nicht ein lustiger Spitzname für einen Einarmigen? Oder »Struller« für KHK Struhlmann? Schwarz eingefärbte Kaninchen, Schamhaarattacken auf die Toiletten des Polizeipräsidiums, biedere Männer auf der Flucht vor ihren Ehefrauen. »Stückwerk«, geschrieben von sechs Kriminalbeamten aus Düsseldorf (angeführt von Klaus Stickelbroeck, aus dessen Feder bereits der Kriminalroman »Fieses Foul« vorliegt) ist ein absolutes Liebhaberstück. Denn die Liebhaber eines gnaden- und anspruchlosen Brachialhumors werden hier voll auf ihre Kosten kommen.

Die Story lässt sich zunächst eigentlich gar nicht mal so schlimm an. Leichenteile werden verteilt über Düsseldorf gefunden. Mindestens zwei Personen wurden zerstückelt. Außerdem explodiert eine Bombe und tötet einen Anwalt – ein Anschlag, der eigentlich wohl einem Skandalreporter gelten sollte. Wie der Zufall es will, bearbeitet KHK Struhlmann alle Fälle gleichzeitig und sein neuer Praktikant Jensen – frisch von der Hochschule – darf deshalb auch nicht nur den Mann suchen, der das Klo gegenüber von Struhlmanns Büro mit seinen Schamhaaren verschmutzt, sondern ebenfalls sofort und allein die Vernehmung wichtiger Zeugen übernehmen. Doch bevor sich erste Spuren ergeben, müssen erst noch weitere Leichenteile gefunden werden.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Das ist durchaus Stoff für einen guten Krimi. Doch die Störfeuer bleiben nicht aus. Natürlich erhebt »Stückwerk« zu keinem Zeitpunkt den Anspruch, ein tiefgründiger Krimi zu sein. Der Roman ist vom Autorenteam mit Spaß geschrieben und soll dem Leser nicht über atemberaubende Spannung, sondern durch atemberaubenden Humor Spaß bereiten. Und dieser Humor ist wahrhaft atemberaubend. Ist es noch Slapstick oder schon eine Nummer schlimmer? Witze über die Behinderung des einarmigen Wirts, lakonische Sprüche über Gärten groß wie Golfplätze, tote Haustiere auf dem Revier, oder: »Wie war doch gleich ihr Name? Pisser? Ach nee, Struller.« Beeindruckend, wie sich die Autoren mit solch flachen Witzen bis zum Ende des Romans immer wieder übertreffen. Allein die Ballung solcher Plattitüden verdient Respekt.

Dass es auch anders geht, beweist zum Beispiel ein Jörg Juretzka. Dessen Romane bersten auch vor süffisanten Sprüchen und überbordender Situationskomik. Doch er hat die sprachlichen Mittel, dank derer seine Romane nicht in den Klamauk abdriften. Bei Juretzka stellt man sich nicht bereits nach 20 Seiten die Frage, ob man noch weiter lesen mag. Flapsige Sprüche wie »Mit etwa dreißig Kilometer Flatterband den engeren Tatortbereich abgesperrt« oder Dialoge wie »\'Der Tote ist Uwe Seeler.\' – ´Ist nich wahr.\'« offenbaren mit aller Macht die Hilflosigkeit, mit der jedoch bei »Stückwerk« zu Werk gegangen wurde.

»Diese schreibenden Cops aus Düsseldorf werden Kult, wetten?« verspricht der Verlag vollmundig auf dem Buchrücken. Wenn sich da der Verlag mal nicht vertut …

Thomas Kürten, März 2007

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Ronald Heinrich zu »Die Krimi-Cops: Stückwerk« 09.01.2012
Bei den Büchern der Krimi-Cops merkt man, dass manche Dialoge und Situationen aus dem Leben kommen. Es gibt Ereignisse, die sind so blöd, die kann sich ein Autor(en-Team) gar nicht ausdenken.
Der Wirt "Krake" z.B., Struller usw.
Und auch die Handlung is immer etwas Besonderes, eben aus dem Alltag...Ich freu mich auf das, was noch kommt.
Balbina zu »Die Krimi-Cops: Stückwerk« 06.07.2011
Also ich oute mich dann mal direkt als Fan dieses 5-Mann-Autoren-Teams. Mir gefallen das Lokalkollorit und die Freude, die die Autoren beim Schreiben haben.
Wer die Möglichkeit hat, die Autoren bei einer Lesung zu erleben, wird das verstehen. Ich bin immer gut unterhalten.
Sehr unterhaltsam auch der neueste Krimi "Umgelegt".
Der Linke Niederrhein lässt grüßen.
Krimischmitz zu »Die Krimi-Cops: Stückwerk« 28.07.2009
Es gibt einen Nachfolger von Stückwerk. "Teufelshaken" ist jetzt bei KBV erschienen, und auch dieser Roman hält, was er verspricht: Schräge Unterhaltung.

Hier denkt sich nicht ein Autor verschiedene Charakteren aus, sondern verschiedene Charakteren schreiben halbwegs authentisch.

Mörderisch liebe Grüße
krimischmitz
Horst zu »Die Krimi-Cops: Stückwerk« 24.09.2008
Ich habe dieses Buch 2 x angefangen zu lesen. Beim ersten mal habe ich es nach ca. 30 Seiten weggelegt, da ich nicht wirklich entspannt war und mir der Schreibstil so nicht zugesagt hatte. Beim nächsten Versuch im Urlaub allerdings, in gelöster Stimmung, war ich nach dem "einlesen" begeistert. Sicherlich ist der Schreibstil nicht alltäglich, aber was soll´s. Ich will unterhalten werden und würde mich freuen, wenn es einen weiteren Krimi von den Cops geben würde. Ich jedenfalls kann nur den Tipp geben: Nicht alles wörtlich nehmen und einfach nur genießen.
Nessy_Sheep zu »Die Krimi-Cops: Stückwerk« 19.04.2008
Also ich stimme Hartmut zu !

Natürlich muss man sich an den Humor erst gewöhnen und auch nicht jeder Gag ist ein Brüller, aber trotzdem hat mich das Buch sehr gut unterhalten.
Was ich allerdings besonders empfehlen kann ist eine Lesung der Autoren. Da ich in Düsseldorf wohne hatte ich das Glück eine Live Lesung mitzuerleben. Dabei kamen viele der Witze besser an als in gedruckt...
Hartmut zu »Die Krimi-Cops: Stückwerk« 25.03.2008
Zu meinem Vor-Kommentator: Das sehe ich aber ganz anders.

Ich stimme den Rezensenten in den meisten Punkten zu.

Stückwerk ist sehr unterhaltsam, gut und leicht zu lesen. Es ist nicht das Ziel des Buchs, andauern lauthals los zu lachen, aber amüsant ist es alle Mal. Schön sind die mit so wenigen Worten - aber dennoch sehr detailliert - 'rüber gebrachten Stimmungsbeschreibungen (á la "...während Elvis vom Getto erzählt..."). Es ist jedoch davor zu warnen, die hier angewandte Masche in kommenden Büchern unverändert weiter zu verwenden; gegen Ende des Buches ist man dieser dann doch schon leicht überdrüssig.
Am meisten begeistert mich jedoch die Tatsache, dass das "innerpolizeiliche" Leben so authentisch wiedergegeben werden kann. Die Autoren mussten es aber auch nicht erst recherchieren sondern man kann merken, es wird täglich erlebt.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
kij1 zu »Die Krimi-Cops: Stückwerk« 04.03.2008
Meinen allergrößten Respekt an den Rezensenten!

Weniger für die treffende Analyse, sondern dafür, dass er durchgehalten hat. Dieses Buch zu Ende zu lesen ist Hardcore der anderen Art. Da hilft auch kein Alt- oder sonstiges Bier. Mögen die Autoren bitte wieder auf Streife gehen und uns mit weiterem Stückwerk verschonen.
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