1983 von David Peace

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 unter dem Titel Nineteen Eighty Three, deutsche Ausgabe erstmals 2008 bei Liebeskind.
Ort & Zeit der Handlung: , 1970 - 1989.
Folge 4 der Red-Riding-Serie.

  • London: Serpent's Tail, 2003 unter dem Titel Nineteen Eighty Three. 512 Seiten.
  • München: Liebeskind, 2008. Übersetzt von Peter Torberg. ISBN: 978-3935890526. 512 Seiten.

'1983' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Yorkshire, 1983. Ein Schulmädchen wird vermisst. Detective Chief Superintendent Maurice Jobson übernimmt die Ermittlungen und präsentiert der Öffentlichkeit schnell einen Hauptverdächtigen. Als dieser in der Untersuchungshaft angeblich Selbstmord begeht, stellt Rechtsanwalt John Piggott eigene Nachforschungen an und stößt auf kriminelle Machenschaften, die bis in höchste Polizeikreise reichen: Pornohandel, schmutzige Immobiliengeschäfte und eine Reihe von Kindesentführungen, die nie aufgeklärt wurden. Auch damals hieß der leitende Ermittler Maurice Jobson. Temporeich und mit großer Leidenschaft erzählt David Peace von dunklen Obsessionen, vermeintlich rechtschaffenen Bürgern und einem tödlichen Spiel mit der Wahrheit. 1983 ist der vierte und letzte Teil des Red Riding Quartetts, einer Chronik Englands in den siebziger und frühen achtziger Jahren, mit der David Peace zu einer der wichtigsten Stimmen der neuen englischen Literatur avancierte.

Ihre Meinung zu »David Peace: 1983«

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Steph8x zu »David Peace: 1983« 23.04.2013
Verstörend, aber auch fesselnd. Ich habe alle Teile lesen müssen, obwohl jedes mal ein irrietendes Gefühl bleibt. Der Handlung ist m.E. kaum zu folgen, doch die (An-)Spannung holt das Buch wieder zur Hand. David Peace ist mit seinen Büchern so eigenständig, dass ich ihn mit anderen Thrillerautoren nicht vergleichen kann, aber ein Bezug zu James Joyce scheint mir durchaus gerechtfertigt und einem der erste Teil gefallen hat, sind die anderen auch nicht enttäuschend. Ein ist klar, ein Sonntagabend Tatort ist es nicht.
N. Wendel zu »David Peace: 1983« 23.10.2012
Bisher habe ich keines dieser Bücher gelesen, aber die zuletzt geschriebenen Ausführungen geben die Empfindungen wieder, die mich angriffen, als ich gestern auf arte Yorkshirekiller 1983 sah: atmosphärisch enorm dicht, dunkel, spannend, nicht ausschalten können, obwohl die Brutalität mich entsetzte und zutiefst empörte. Darsteller, Regie, die deutsche SYNCHRONISATION!, Licht, einfach alles war absolut stimmig und sog in den unübersichtlichen Handlungsablauf.Das Buch/die Bücher werde ich nicht lesen, ich fürchte, Schaden zu nehmen.
blueduette zu »David Peace: 1983« 27.04.2011
Es war ein hartes Stück Arbeit, zweifellos. Vier Bände Peace am Stück, lediglich zwischen "1974" und "1977" ein paar Wochen Pause - was ich hinterher bedauert habe -, dann aber den Rest in einem Rutsch hintereinander weg. Ging gar nicht anders.

Aber nicht etwa, weil das alles so wunderbar und schön und toll war, sondern weil diese Bücher bei mir einen merkwürdigen Sog erzeugt haben, meine Nase immer wieder zwischen die Seiten zu stecken. Wahrscheinlich auch das Verlangen, am Ende von "1983" mit einer irgendwie überzeugenden Auflösung bzw. Zusammenführung der zahlreichen Handlungsstränge belohnt zu werden. Aber ganz ehrlich: Eigentlich hätte mir schon am Ende von "1974" klar sein müssen, dass mich David Peace diesbezüglich brutal vor die Wand laufen lassen würde. Ähnlich brutal, wie zahlreiche Szenarien in den Büchern selbst.

Insgesamt ist mir jedoch ein Gefühl von Zufriedenheit geblieben. Eine vage Ahnung von Zusammenhängen mit einem nicht gerade kleinen Rest Geheimnis. Das ist, glaube ich, auch die Essenz dieses Werks: Den Leser in Verzweiflung zurücklassen. Insofern nimmt er tatsächlich an den Geschehnissen der Bücher teil.

Ich halte das "Red Riding Quartet" von David Peace durchaus für lesenswerte Literatur, und wer sich einmal darauf einlässt, dem kann es passieren, dass er bis zum Ende nicht mehr davon loskommt. Es ist eine Art Lesen "zwischen den Zeilen", mehr mit dem Bauch als mit dem Verstand. Mein Tipp deshalb: Lesen und wirken lassen. Nicht so viel fragen und weiterlesen. Im Laufe der Zeit baut sich eine Spannung ganz anderer Art auf, die den meisten Kriminalromanen oder Thrillern fehlt. Man "fühlt" diese Bücher mehr als dass man sie liest ...
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Stefan83 zu »David Peace: 1983« 06.03.2011
Um eine Rezension zu einem Buch zu schreiben, sollte man sich logischerweise vorab darüber im Klaren sein, ob einem das vorliegende Werk gefallen oder eben nicht gefallen hat. Nur was tun, wenn man sich gerade in diesem Punkt nicht entscheiden kann?

„1983“, der Abschluss von David Peace' „Red-Riding“-Quartett um die Morde des Yorkshire-Rippers, hat mich gänzlich ratlos, verstört und irgendwie auch gefühlsmäßig taub zurückgelassen, denn wo bereits die vorherigen vier Bände mit ihren Stakkato-Sätzen, ihrer dreckigen Gossen-Poesie und dem vielen Leid zwischen den Seiten erschüttert haben, da reizt das Finale des Zyklus die vorhergehenden stilistischen Mittel bis auf Letzte aus, so dass man als Leser keinerlei Gelegenheit für Empfindungen oder gar Eindrücke hat. Stattdessen werden uns die Sätze geradezu um die Ohren geprügelt, die undurchdringliche Düsternis wie mit einer Gießkanne über unseren Köpfen ausgeschüttet. Hut ab vor demjenigen, dem das nicht an die Substanz geht und der immer noch abgeklärt die Trennlinie zwischen Fiktion und Realität zu ziehen vermag. Mir ist das nicht gelungen. Ganz im Gegenteil: Die Lektüre des Buches war ein Faustschlag in den Magen, der richtig weh tat, was nicht zuletzt daran lag, dass die Geschichte, welche einen Großteil der Handlungsstränge der ersten Bände verknüpft und schließlich bündelt, auf erschreckende Art und Weise Wörter zu Bildern formt und das atemberaubende Erzähltempo keinerlei Verschnaufpausen oder gar Zeit zum Nachdenken gewährt. Kurz zur Story:

Yorkshire, Mai des Jahres 1983. Erneut beherrscht Angst die Bevölkerung von Nordengland. Ein Schulmädchen ist nicht nach Hause gekommen und wird vermisst. Niemand will sie gesehen haben, keinerlei Spuren sind zu finden. Detective Chief Superintendent Maurice Jobson leitet die Ermittlungen und fühlt sich unwillkürlich an eine Reihe von Kindesentführungen aus der Vergangenheit erinnert, welche er nie aufklären konnte. Als der Druck durch die Öffentlichkeit steigt, setzt die Polizei alles daran, einen Sündenbock zu finden. Innerhalb weniger Tage wird ein Verdächtiger präsentiert, der lange Zeit mit dem verurteilten Kindermörder Michael Myshkin befreundet gewesen ist. Doch bevor man ein Geständnis aus ihm rausprügeln kann, begeht er in der Untersuchungshaft Selbstmord. Oder war es gar Mord?

Der Rechtsanwalt John Piggott stellt auf Anfrage der Mutter des jungen Toten eigene Nachforschungen an und entdeckt dabei mehr als ihm lieb sein kann. Gibt es wirklich eine nähere Verbindung zwischen dem aktuellen Entführungsfall und Michael Myshkin? Oder hat die Polizei selbst ihre Finger im Spiel? Piggott stößt auf einen kriminellen Schmelztiegel der Gewalt, der bis in die späten 60er Jahre zurückreicht und dabei gleichzeitig immer wieder auf einen Namen: Maurice Jobson, genannt „die Eule“ …

Wer nun anhand dieses kurzen Ausschnitts Lust auf „1983“ bekommen und den Titel kurzerhand im Internetbuchhandel in den Warenkorb geschmissen hat, der kann diesen getrost wieder von dort löschen. Ohne Kenntnis der vorherigen drei Bände bleibt dem Neueinsteiger dieses Werk vollkommen unverständlich und verschlossen, da sich Peace' unkonventioneller Schreibstil gegen jeden Versuch des schlichten Verstehens sperrt und die Spannung vielmehr aus dem Gesamtkonstrukt seine Kraft bezieht, als durch die allgemein bekannten Stilelemente eines Kriminalromans. Sorgfältige polizeiliche Ermittlungen, Forensikarbeit, Verfolgungsjagden, Showdowns oder ein soziopathischer Serienkiller, in „dessen Visier“ der Ermittler gerät – hier vollkommene Fehlanzeige. Und auch wenn es immer wieder zu Wiederholungen kommt, lose Fäden aus den Vorgängern weitergeführt und verknotet werden - selbst der treue Leser, der sich bis hierhin durch das gesamte Quartett gekämpft hat, muss immer wieder vor diesem Kaleidoskop aus hässlichster Gewalt, Korruption, Verderbnis und ekelhafter Perversion kapitulieren.

Mit „1983“ entzieht sich das Quartett endgültig dem Versuch, diese Reihe mit irgendetwas anderem in Vergleich zu setzen. Mag die Erwähnung Ellroys auf dem Rückendeckel dem Abverkauf dienlich sein, inhaltlich entbehren solche gezogenen Parallelen jeglicher Grundlage. Peace' Stil ist schlichtweg einzigartig. Und wo andere zumindest zwischenzeitlich immer mal wieder Lichtblicke gönnen, herrscht im Yorkshire der frühen 80er Jahre undurchdringliche Finsternis. Die Brutalität ist schonungslos, gönnt dem Leser nie eine Pause und verletzt, ja, verstört. Ob Ich-Erzähler Maurice Jobson, Ermittler und Verbrecher in einer Person, oder der aus der Du-Form berichtende Anwalt John Piggott. Einen „Guten“ gibt es, wie schon in der gesamten Reihe, auch in „1983“ nicht. Nur verschiedene Abstufungen der Farben Grau und Schwarz. Es ist eine Tristesse, welche direkt nach dem Herz greift. Eine Dramatik, die unter der Oberfläche kocht, um sich schließlich in einem apokalyptischen Ende zu entladen. Egal, was man Schlimmes erwartet hat. Peace' drastische Bilder übertreffen unsere dunkelsten Erwartungen, verlangen alles ab. In diesem Fall ist die Veröffentlichung innerhalb der „Heyne-Hardcore“-Reihe wahrlich mehr als passend.

Die erhoffte Weiterentwicklung hinsichtlich der Art und Weise der Erzählung bietet „1983“ leider nicht. David Peace ist sich weiterhin treu geblieben, hat seinen Schreibstil mit den vielen Wiederholungen, Song-, Wort- und Satzfetzen sowie verschiedenen Erzählperspektiven allerdings noch konsequenter in Szene gesetzt, was dazu führt, dass auch die aufmerksamsten Leser den wirren roten Faden immer seltener verfolgen werden können. Deswegen an dieser Stelle ein Tipp: Ein jeder, der dieses Mammutwerk in Angriff nehmen will, tut gut daran, alle vier Bände möglichst zeitnah hintereinander zu lesen, um nicht (wie ich) aufgrund von Gedächtnislücken die geschickt inszenierten Verkettungen zu übersehen und sich damit einen Teil der Faszination dieser Reihe zu rauben. Diese wird sie jedoch nur auf diejenigen ausüben, die die Brillianz in Peace' Sprachgewalt und die intelligente Konzeption hinter dem Ganzen erkennen. Wer nur auf Unterhaltung aus ist, seine Seele baumeln und sich in fremde Gestade träumen will, ist hier gänzlich ans falsche Buch geraten.

Nach Beendigung der Reihe bin ich weder begeistert noch enttäuscht. Stattdessen überwiegt Erleichterung. Erleichterung darüber, es bis zum Ende durchgestanden zu haben. Viele Fragen sind nach „1983“ endlich beantwortet, einige vielleicht auch mangels der notwendigen Aufmerksamkeit zumindest bei mir immer noch offen. (Was ist mit Eddie Dunford passiert? Welche Rolle verkörpert der geheimnisvolle Reverend? Etc. ) Dennoch: Das „Red Riding“-Quartett ist ein sprachlich epochales Werk, das man unter künstlerischen Gesichtspunkten sicherlich loben und wertschätzen, aber ganz sicher nicht mögen muss. Mit Abstand die härteste Literatur, die ich bis hierhin gelesen habe und, wie ein vorheriger Rezensent hier auf der KC bereits schrieb, „ein besonderes Erlebnis“.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
A. Krug zu »David Peace: 1983« 04.10.2010
Ich liebe Thriller und lakonische kryptische Sätze können oft eine Stimmung oder Situation treffender wiedergeben, als langatmige Beschreibung, aber dieses Buch verdient seinen Namen nicht.
Es ist eine 511 Seiten lange frustrierende Ansammlung sinnfreien, unzusammenhängenden Gestammels!
Statt Spannung gequirlte Kacke!!!
Nicht das Papier wert, auf das es gedruckt ist!
wer diesen Krimipreis wohl verliehen hat? .wahrscheinlich der Verband der Altpapierhändler.
Martin Warlies zu »David Peace: 1983« 01.11.2009
Ich kann meinem Vor"schreiber" nicht ganz beipflichten. Offen gesagt finde ich 1983 wegen der drei - oder möglicherweise gegen Ende sogar vier - Protagonisten etwas schwierig, und dennoch löst sich so manches auf. Der Ripper wird übrigens schon in 1980 enttarnt, es ist dieser Williams (oder so ähnlich) der mit einer Prostituierten auf dem Beifahrersitz aufgegriffen wird. Das entsprach auch der Realität, so wurde Sutcliff, der wirkliche Yorkshire Ripper auch gefasst. In 1983 wird auch endgültig klar, dass dieser George Marsh tatsächlich an den Kindermorden beteiligt ist, auch der Ring der Kinderschänder wird etwas mehr aufgedröselt.Was mir immer noch ein wenig schleierhaft bleibt, ist die Rolle des Reverends, und in welcher Beziehung dieser zu AF genau steht. Auch weshalb John Pigott so abgestürzt ist und was konkret mit seiner Familie los war erschließt sich mir nicht. Auch wird EddieDunford aus 1974 zwar mehrfach erwähnt, sein weiters Schicksal entnehme ich dem Buch aber nicht.Es bleibt also in der Tat noch einiges ungeklärt, wobei 1983 als Schlussstein des Quartetts durchaus zur Afklärung mancher offenen Fragen beiträgt.Insgesamt war die Lektüre des Quartetts schwierig, manchmal ging es auch an die Substanz, ich fand es aber ein besonderes Erlebnis.
trueblue zu »David Peace: 1983« 20.08.2009
Endlich! Nur um die Lösung zu erfahren habe ich mich durch die 4 Bände gequält, nur am Ende gleich schlau wie am Anfang zu sein. Meine hohen Erwartungen wurden in keinster Weise erfüllt, im Gegenteil! So einen Mist habe ich noch selten gelesen. Die ewigen, sich wiederholenden Sätze waren so ewas von mühsam und zudem schreibt Peace ohne jegliches Anzeichen von Humor. Er kann einem Rankin, Hill etc in keinster Weise das Wasser reichen. Mehr als 1 Grad hat keines der Bücher verdient. Wer schlussendlich wen und warum umbrachte, ist mir immer noch nicht ganz klar, aber ist eigentlich sowieso egal. Ich kann nur empfehlen von diesen Bücher die Finger zu lassen, denn es lohnt sich nicht, die Freizeit damit zu verschwenden
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