Lügen, verdammte Lügen von Cynthia Harrod-Eagles

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1999 unter dem Titel Blood sinister, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei dtv.

  • London: Little, Brown, 1999 unter dem Titel Blood sinister. 308 Seiten.
  • München: dtv, 2007. Übersetzt von Susanne Aeckerle. ISBN: 978-3423210072. 380 Seiten.

'Lügen, verdammte Lügen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Ob es wirklich ein allzu leidenschaftlicher Liebhaber war, der sie halbnackt, gefesselt und schrecklich tot auf ihrem Bett zurückgelassen hat? So ganz kann das Detective Inspector Slider nicht glauben. Schließlich war die Journalistin eine gefürchtete Frau. Oft genug hat sie der Polizei mit ihren Artikeln in der liberalen Presse ordentlich eingeheizt, und Sliders Leute müssen alle Objektivität und Disziplin zusammennehmen, um ihre Ermittlungen nicht zu einer nachträglichen Bestrafung des Opfers werden zu lassen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Frischer Wind in der Metropolitan Police« 74°

Krimi-Rezension von Eva Bergschneider

Lügen, verdammte Lügen ist der erste in deutscher Übersetzung erschienene Krimi aus der Feder der Britin Cynthia Harrod-Eagles. In England erschien er 1999 als achter Band der Bill Slider-Serie unter dem Titel Blood Sinister.

Die vielseitige Autorin hat einen längeren Anlauf gebraucht, um in Deutschland Fuß zu fassen. Ihre bekannteste Historiensaga, die »Morland Dynastie« bringt es bereits auf dreißig Bände, von denen noch kein einziger in Deutsch veröffentlicht wurde. Stattdessen konnte sie im historischen Genre mit der Kirow-Trilogie überzeugen. Mit der Figur des Polizisten Bill Slider wagte sich Harrod-Eagles auf ein neues Terrain. Sie bezeichnet die Serie selbst als Polizeiromane, in denen allerdings nicht allein das Verbrechen im Vordergrund steht. Die privaten Erfahrungen der Ermittler spielen eine ebenso wichtige Rolle.

Liebe oder Rache?

Die Publizistin Phoebe Agnew wurde in ihrer Wohnung erwürgt. Agnew ging mit Politikern, Juristen und Polizisten, wann immer sie konnte, hart ins Gericht. War also Rache das Motiv für den Mord an der ehrgeizigen Journalistin?

Bekannte der Toten sagen aus, sie habe zuletzt einen aufgewühlten Eindruck gemacht und erheblich mehr Alkohol als sonst getrunken. An diesem Abend hatte Phoebe Agnew allerdings, gegen ihre sonstige Gewohnheit, gekocht und mit einem Besucher zu Abend gegessen. Spermaspuren und der Zustand, in dem sie aufgefunden wurde, deuten auf einen Sexualmord. Kam ihr alter Studienfreund Josh Pentriss zu einem Rendezvous, das außer Kontrolle geriet?

Wer einmal lügt, dem glaubt man nicht

Josh Pentriss verstrickt sich zunehmend in Widersprüche, zudem setzt er offensichtlich seine Ehefrau Noni unter Druck. Erst gibt sie ihrem Ehemann ein Alibi für den Abend, um kurz darauf die veränderte Version seiner Aussage zu bestätigen. Da ihn ein Augenzeugenbericht belastet, gibt Josh schließlich zu, Phoebe Agnew kurz besucht zu haben. Danach sei er zu einer Verabredung mit einem Politiker gefahren, was dieser allerdings nicht bestätigt.

Den letzten Rest an Glaubwürdigkeit büßt Pentriss ein, als das Sperma im Körper der Toten als seines identifiziert wird. Dennoch beharrt er darauf, nicht mit Phoebe Agnew geschlafen und ihr keinerlei Gewalt angetan zu haben. Tatsächlich kann Pentriss kein überzeugendes Motiv nachgewiesen werden. Steckt doch ein politisches Komplott hinter dem Mord an der scharfen Kritikerin?

Die Polizei in Shepherd’s Bush …

unterscheidet sich nicht wirklich von der in New Scotland Yard oder der in anderen Städten Englands. Der Chef sorgt sich vornehmlich um das Ansehen seiner Truppe bei Politikern und in der Presse. Er will Ergebnisse sehen und möglichst vermeiden, das jemand Wichtigem auf dem Schlips getreten wird. Dieser Typ eines Polizeichefs findet sich häufig in der Kriminalliteratur. Dennoch gehören die seltenen, aber stets witzig geschriebenen Auftritte des Detective Superintendant Porson zu den Highlights der Geschichte:

»Wie ist die momentane Situation in Bezug auf die Verstorbene? Geben Sie uns einen Stasi-Report«
Porson benutzte Sprache mit dem zarten Anschlag eines Mannes in Boxhandschuhen, der Cembalo spielt.

Genauso charmant werden auch die anderen Kollegen in Sliders Team charakterisiert, in ihren Schwächen und Spleens findet sich jeder Leser irgendwo wieder. Auch Detective Inspektor Slider ist ein Typ mit Kanten und privaten Sorgen. Wird er über seinen Schatten springen und seiner Lebensgefährtin Joanna eine Karriere im Ausland ermöglichen? Mit einer Sprache im brachentypischen Jargon und privaten Triumphen und Tragödien, haucht Cynthia Harrod-Eagles ihren Figuren Leben ein.

Alles anders, als man denkt

Im Mordfall Phoebe Agnew mangelt es nicht an Verdächtigen und Motiven. Geschickt entwirft die Autorin das Persönlichkeitsprofil der Toten, als das einer radikalen Linken, die sich im Bereich des investigativen Journalismus einen berüchtigten Namen gemacht hat. Ihr ungezwungener Lebensstil passte offenbar gut zu ihrer Anti-Establishment Gesinnung. Oder überdeckt er lediglich eine innere Lehre? Schritt für Schritt enthüllt die Autorin die Abgründe im Leben der souveränen Karrierefrau.

Josh Pentriss wird zunächst als Hauptverdächtiger aufgebaut. Die Autorin spielt so mit dem detektivischem Ehrgeiz des Lesers. Sie gibt ihm das Gefühl, der Lösung auf der Spur zu sein und führt ihn doch immer wieder auf falsche Fährten.

Inhaltlich ist Lügen, verdammte Lügen kein wirklich innovativer Krimi. Er unterhält vielmehr mit köstlichem Humor und einer Story voller überraschender Wendungen, die zum Miträtseln animiert. Der sympathische Bill Slider erscheint wie ein frischer Wind, der durch die britische Krimilandschaft weht.

Eva Bergschneider, März 2008

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British-crimestory-fan zu »Cynthia Harrod-Eagles: Lügen, verdammte Lügen« 19.02.2010
Ein sehr flüssig zu lesender, spannender englischer Krimi, den ich als zweiten aus der Bill-Slider Reihe gelesen habe. Auch die anderen beiden sind Klasse. Obwohl insgesamt mehr als 10 Slider-Krimis im englischsprachigen Raum erschienen sind, wurden leider nur drei ins Deutsche übersetzt. Nach Auskunft des deutschen Verlages sind leider in naher Zukunft keine weiteren Neuerscheinungen in Deutsch mehr geplant. SCHADE!!! Mein Englisch ist leider nicht gut genug für's Original, sondst würde ich sofort weiterlesen. Vielleicht werden die Recht ja mal von einem anderen Verlag aufgekauft, der dann weitere in Deutsch druckt.

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