Der Blutfänger von Claudia Mummert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Braun.

  • Karlsruhe: Braun, 2009. ISBN: 978-3765085185. 287 Seiten.

'Der Blutfänger' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Silvia liegt blass in ihrer Badewanne mit aufgeschnittenen Pulsadern. Bald wird das Ermittlerduo Krüger und Berger zu weiteren Selbstmordopfern gerufen. Alle mit geöffneten Pulsadern. Die Staatsanwältin spricht von Zufall, doch Kriminalkommissarin Charlotte Krüger ist skeptisch. Von der Rechtsmedizin kommt schließlich die Bestätigung: Mord. Treibt ein Serientäter in Karlsruhe sein Unwesen? An den Tatorten fehlen größere Mengen Blutes, was die gängige Serienmörderpsychologie über den Haufen wirft. Was treibt diesen Täter? Und wie kann man ihn aufhalten? Ein Wettlauf gegen die Zeit beginnt erschwert durch polizeiinterne Intrigen und gestützt auf ein Täterprofil, das selbst die Ermittler schaudern lässt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wie eine Tüte Chips« 35°

Krimi-Rezension von Sabine Bongenberg

Es war einmal ein böser Mann, der war nach Lektüre eines Fantasy-Romans der Meinung, dass er ebenso wie der Held dieses Werkes, nach der Durchführung eines Rituals zum Vampir mutierte. Der böse Mann erwarb daraufhin ein Rasiermesser, dem er den Namen »Marlene« gab und das er zukünftig mit Liebkosungen überschüttete und das auch in seinem Bettchen schlafen durfte. Mit dieser seiner Freundin beging der Übeltäter diverse Morde, bei denen er seinen Opfern jeweils die gewünschte Menge Blut abzapfte, bis er endlich von der heldenhaften Prinzessin – entschuldigung – Kommissarin, die viele Mühen und Widerstände überwinden musste, zur Strecke gebracht wurde. Ende der Geschichte.

Grundsätzlich bräuchte man dieser Kurzfassung des Blutfängers von Claudia Mummert nicht mehr viel hinzuzufügen. Vielmehr ist es ohnehin schwierig eine Kritik zu diesem Buch zu verfassen, denn unmittelbar nach der Lektüre hat man die meisten Fakten dieses Werkes schon fast wieder vergessen. Es ist wie die Tüte Chips, die man vor dem Computer isst, irgendwann ist sie leer, aber man weiß nicht so wirklich, wo sie denn geblieben ist, auch wenn’s zum Zeitvertreib gereicht hat.

Ebenso verhält es sich bei Mummerts Helden und Heldinnen, die nicht dazu geeignet sind, ein besonderes Interesse an ihnen zu erwecken. Da ist zum einen die Ermittlerin Charlotte Krüger, die irgendwie ein Problem mit Männern im allgemeinen und mit ihrem Ex-Freund Stefan, der hier plötzlich als Pathologe auftaucht, im speziellen hat. Unterstützt wird sie von ihrem Kollegen Tom Berger, der seinerseits irgendwie ein Problem mit Frauen hat, oder vielleicht auch nicht, denn er scheint sich über wechselnde Bekanntschaften nicht beklagen zu können. Aber wenn er damit nicht beschäftigt ist, versichert er Charlotte, dass er sie ganz toll findet. Dann ist da die Staatsanwältin Gruber, die irgendwie ein ganz harter und strenger Knochen ist und sich dann doch wieder als patente Zupackerin entpuppt, die der lieben Charlotte dann auch versichert, dass sie eigentlich »klasse« ist.

Weiterhin findet sich der Pathologe Stefan, der die Charlotte sowieso »ganz toll findet«, sowie diverse Kollegen, die auch von der Charlotte begeistert sind, auch wenn sie anfangs ihrem bösen Kontrahenten die Stange halten. Diese gesamten Lobpreisungen müssen natürlich irgendwie (schon wieder dieses Wort) in die Geschichte eingebaut werden und so hat hier offensichtlich niemand Probleme damit, im Angesicht blutüberströmter Opfer und besudelter Tatorte sich gegenseitig seiner Zuneigung zu versichern, persönliche Probleme zu erörtern oder sich ein paar Küsschen auf die Wange zu hauchen.

Den Gegenentwurf zu diesem Charlotte-Fanblock setzt der böse Täter Frieder Heck, der immerhin nicht von der Charlotte, sondern dafür von seinem Rasiermesser »Marlene« begeistert und besessen ist. Heck hatte nach Lektüre eines Fantasy-Romans, der in seiner Heimatstadt Karlsruhe angesiedelt ist, offensichtlich aus nicht näher beschriebenen Gründen beschlossen, dem Helden dieses Romans nachzueifern und zukünftig das Handwerk der »Vampire« oder »Blutfänger« auszuüben. Mit seiner in diesem Sinne tatsächlichen »eisernen Lady« unternimmt er folglich sein bestes um die Bevölkerung Karlsruhes zu dezimieren und sich an deren Blut zu laben.

Immerhin, wenn das mal knapp ist, kann er als Substitut immer noch auf möglichst frische Schweineleber vom Metzger seines Vertrauens zurückgreifen.

Sie finden, das ist jetzt langsam genug? Ich nämlich auch.

Sabine Bongenberg, Juli 2009

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