Der Retter von Ben Sanders

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2017 unter dem Titel Marshall's law, deutsche Ausgabe erstmals 2018 bei Heyne.
Folge 2 der Marshall-Grade-Serie.

  • New York: Minotaur, 2017 unter dem Titel Marshall's law. 340 Seiten.
  • München: Heyne, 2018. Übersetzt von Robert Brack. ISBN: 978-3-453-43823-1. 447 Seiten.

'Der Retter' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Bei einem Überfall auf einen Gefangenentransport kommt FBI-Agent Lucas Cohen noch einmal mit dem Leben davon. Doch für Erleichterung bleibt keine Zeit: Die Angreifer waren auf der Suche nach Marshall Grade einem legendären Undercover-Cop, der von seinen Feinden unerbittlich gejagt wird. Niemand weiß, wo er sich im Augenblick aufhält. Cohen muss ihn so schnell wie möglich finden und warnen. Sonst kommen ihm die Killer zuvor.

Das meint Krimi-Couch.de: Unter dem Radar geht es schon mal deftig zur Sache 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Undercover-Cop Marshall Grade wird von einer Mafia-Familie, gegen die er in New York ermittelt hat, gnadenlos gejagt. Die Gangster lassen den FBI-Agenten Lucas Cohen entführen, um von ihm zu erfahren, wo sich Grade versteckt hält. Mit Mut und Glück gelingt es Cohen, einen der Entführer zu erschießen, der zweite flieht. Weil jetzt klar ist, hinter wem die Entführer wirklich her sind, warnt der FBI-Mann den Undercover-Cop, und fliegt sogar nach New York, um sich mit ihm zu treffen.

In Big Apple geht es dann richtig zur Sache, eine Gangster-Truppe aus der B- oder C-Liga ist hinter Marshall Grade her, weil ihr Chef Dexter Vine mit dem ausgesetzten Kopfgeld seinerseits Schulden bei einer chinesischen Gang bezahlen will und muss, um sein Leben zu retten. Grade nimmt bei seinem Überlebenskampf unter dem Radar der Behörden wenig Rücksicht – und auch Cohen benutzt nicht gerade Samthandschuhe.

Ereignisse spitzen sich ziemlich schnell dramatisch zu

Ben Sanders ist ein junger neuseeländischer Autor, den ein amerikanischer Verlag verpflichtet hat. Deshalb zog Sanders nach drei Romanen, die in seiner Heimat allesamt Bestseller waren, zeitweise in die USA, denn der Verlag wollte Krimis, die dort spielen. Der Retter ist der zweite Band der Reihe um den Undercover-Ermittler Marshall Grade. Das Buch kommt nach der Entführung am Anfang zunächst eher langsam in Gang, man fragt sich, ob man wirklich einen Thriller in der Hand hat, doch als sich die Ereignisse dann ziemlich schnell dramatisch zuspitzen, gibt es einiges an Action. Verfolgungsjagden können ja schnell mal langweilig werden, hier hat sich der junge Autor einiges einfallen, um seine Leser zu unterhalten. Das ist gutes Kopfkino, zeitweise fühlt es sich an, als sitze der Leser selbst in den Fahrzeugen.

Ben Sanders geht mit seiner dichterischen Freiheit akzeptabel um

Die Action-Szenen sind detailliert, es geht brutal und blutig zu, aber für meinen Geschmack authentisch, also nicht übertrieben, sondern gut lesbar. Wie realistisch es ist, dass die Guten mehrfach knapp dem Tod entrinnen, muss jeder Leser für sich beurteilen. Es ist ein Roman, kein Sachbuch, da darf der Autor mit der Realität durchaus großzügig verfahren. Wenn es der Spannung dient, darf da mal weit ausgeholt werden, solange nicht übertrieben wird. Sanders handhabt das in meinen Augen ganz akzeptabel.

Der Leser braucht allerdings so einige Seiten, um einigermaßen zu verstehen, wer da nun wen jagt, und vor allem warum das so ist. Die Lektüre des ersten Bandes der neuen Reihe hätte einige Informationslücken vielleicht schneller geschlossen, scheint aber insgesamt keine Voraussetzung zu sein, um hier einzusteigen. Ein kleines Manko ist allerdings, dass weder auf dem Umschlag noch im Klappentext zu erfahren ist, dass es sich hier um das zweite Buch einer Reihe handelt.

Undercover-Cop Marshall Grade ist der typische einsame Wolf

Der Retter ist ein spannender Thriller, und lebt vor allem von seiner Hauptfigur. Marshall Grade ist der typische einsame Wolf, und benimmt sich auch so. Misstrauisch, reaktionsschnell, konsequent in seinen Handlungen. Als Ermittler war er offenbar erfolgreich, und sein problematischer Überlebenskampf wird von ihm bislang auch erfolgreich gestaltet. Dass er dabei auch über Leichen geht, wenn es unvermeidbar ist, liegt in der Logik seiner Situation.

Dabei zeigt er zuweilen trockenen Humor, ist also keineswegs der Zyniker, den man hier erwarten würde. Er ist auch selbstkritisch genug, um zu wissen, dass seine Liebesaffäre mit einer der wichtigen Zielpersonen zum großen Teil der Auslöser für seine brandgefährliche Situation ist. Es gibt an keiner Stelle der Geschichte eine mögliche oder denkbare Perspektive für sein weiteres Leben. Dazu passt auch der in meinen Augen wirklich gute Schluss – den ich natürlich nicht verraten werde. Aber das Finale ist wirklich ein Knaller.

Die ganzen Loser in der Geschichte machen richtig viel Spaß

Neben der Hauptfigur und seinem indirekten Helfer Lucas Cohen haben mir die ganzen Loser viel Spaß gemacht, die hier auch noch durch die Geschichte irrlichtern. Da ist das kleine Licht Dexter Vine, der einer Chinesen-Gang fünf Millionen Dollar schuldet, und nur am Leben bleiben will, bis er diese Schuld beglichen hat. Die Chinesen ihrerseits bleiben im Hintergund, sind als Drohkulisse aber überaus glaubwürdig.

Dann ist da dieses Brüder-Paar, die auch noch nie etwas richtig auf die Reihe bekommen haben – und die nun den Undercover-Bullen zur Strecke bringen sollen.

Eine weitere interessante Figur ist Ludo Coltrane. Auch so ein Schmalspur-Gangster, der noch zu Hause bei Mutti wohnt. Jeden Morgen muss er ihr ein Omelette braten, und bekommt beim Geruch von Eiern deshalb schon Brechreiz. Draußen in der bösen Welt gibt er sich als knallharter Bursche, aber die Fassade hilft ihm im entscheidenden Moment auch nicht.

Haupt- und Nebenfiguren wissen also zu gefallen, und als die Story so richtig im Gange ist, lässt auch die Spannung nicht zu wünschen übrig. Störend ist nur das hier und da doch fehlende Vorwissen aus dem Vorgänger-Buch. Der lange Anlauf ist deshalb etwas lästig, aber es lohnt sich durchzuhalten, weil dann die Post richtig abgeht.

Andreas Kurth, Februar 2017

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