Isoliert von Åsa Avdic

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2016 unter dem Titel Isola, deutsche Ausgabe erstmals 2017 bei HarperCollins.
Ort & Zeit der Handlung: Schweden, Zukunft.

  • Stockholm: Natur och kultur, 2016 unter dem Titel Isola. 319 Seiten.
  • Hamburg: HarperCollins, 2017. Übersetzt von Stephanie Elisabeth Baur. ISBN: 978-3959671408. 303 Seiten.

'Isoliert' ist erschienen als Taschenbuch E-Book

In Kürze:

Schweden im Jahr 2037. Die »Wir sind das Volk«-Revolution in der DDR 1989 ist fehlgeschlagen. Der eiserne Vorhang und die beiden Machtblöcke existieren weiterhin, allerdings hat sich der Einflussbereich des Warschauer Paktes weiter nach Westen ausgedehnt – Schweden ist jetzt Protektorat einer Kommunistischen Union. Sieben Menschen versammeln sich auf einer abgelegenen Schäreninsel, um sich einem Rekrutierungsprozess zu stellen, der einem von ihnen einen Posten im nicht näher definierten RAN-Projekt sichert könnte. Eine dieser Personen ist Anna Francis, Angestellte einer nicht näher benannten Behörde. Aber sie ist nur auf der Insel, um die Anwärter zu bespitzeln. Sie soll mit Hilfe der Ärztin Katja ihren Tod vortäuschen und dann im Verborgenen beobachten. Doch das Rekrutierungsprojekt entwickelt sich zum Fiasko. Katja wird ermordet, und bald folgen ihr weitere Kandidaten. Anna muss sich entscheiden, ihrer Aufgabe zu folgen und nur beobachten – oder aktiv in das Geschehen eingreifen, um eventuelle weitere Opfer zu vermeiden.

Das meint Krimi-Couch.de: Beklemmender schwedischer Stresstest 60°

Krimi-Rezension von Carola Krauße

Irgendetwas stimmt hier nicht

Doch was tatsächlich dahinter steckt, wird erst im dritten Teil mit den Verhören zu den Geschehnissen offenbar. Und hier wird der Thriller abgebremst. Was vorher an Spannung da war, wird mit langatmigen, viel zu detaillierten Schilderungen der Vernehmungen vor die Wand gefahren.

Auch mit den Charakteren wird der Leser nicht so richtig warm. Anna Francis wird als äußerst fähige Organisatorin geschildert, die von einem Auslandseinsatz traumatisiert und völlig erschöpft zurückgekehrt ist. Unfähig sich um ihre kleine Tochter zu kümmern, lebt diese weiterhin bei Annas Mutter.

Die vor ihr liegende Aufgabe nimmt Anna nur widerstrebend an. Das Bespitzeln von Leuten ist ihr zuwider, aber die Bezahlung so gut, dass sie danach aus dem Behördendienst ausscheiden könnte. Wenn dieser Charakter emotionaler und differenzierter geschildert worden wäre, und vor allem die Umstände für Annas physischen Zustand nicht so nebulös blieben, könnte der Leser wesentlich besser Zugang zu ihr finden und mit ihr mitleiden. Genauso ist es mit den anderen Personen. Keine ist wirklich zu greifen, keine wird eingehend charakterisiert. Die Stellung im System ist wesentlich wichtiger als persönliche Merkmale. Und so fällt es sehr schwer, wirklich Zugang zu den Personen zu finden, mit ihnen zu fiebern, sich mit ihnen zu ängstigen und auf Hilfe zu hoffen.

Einschüchterung, Manipulation und Täuschung

Mit Isoliert liefert die schwedische Journalistin und Fernsehmoderatorin Asa Avdic ihren ersten Roman ab. Sie schildert einen Staat, in dem die Partei allgegenwärtig ist, die Bürger bespitzelt werden und die Führungsriege Sonderrechte genießt. Leider kommt das in dem Roman viel zu flach und emotionslos rüber. Dem Leser wird die Möglichkeit genommen, sich in dieses Leben in einem Überwachungsstaat einzufühlen, wenn er es nicht schon aus eigener Erfahrung weiß.

Die Handlung selbst erinnert dann doch sehr an Agatha Christies »Und dann gabs keine mehr«. Auch hier verschwindet einer nach dem anderen. Aber anders als bei Christie stehen in Isoliert nicht die Charaktere im Vordergrund, sondern die Situation in der sie sich behaupten müssen. Es ist erschreckend, wie weit die Führung für ihre Ziele geht, wie manipulativ sie ist und mit wie viel Menschenverachtung sie vorgeht. Aber genau darum ist Isoliert lesenswert. Es bleibt dem Leser gar nichts anderes übrig als über diesen Staat nachzudenken und über ihn zu reflektieren. Die Spannung, der »thrill« und die handelnden Personen sind nur Beiwerk.

Wer einen von vorne bis hinten spannungsgeladenen Thriller erwartet, wird von Isoliert enttäuscht sein. Wer aber bereit ist, hier Abstriche zu machen, und sich statt dessen Gedanken um »was wäre wenn« machen will, findet hier den Nährboden für solche Gedankenspiele.

Carola Krauße, Februar 2018

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MissNorge zu »Åsa Avdic: Isoliert« 12.01.2018
Cover und Klappentext zusammen haben mich neugierig gemacht, auf diesen schwedischen Thriller.
Die Geschichte ist im Jahr 2037 angesiedelt und die EU existiert nicht mehr. Der Staat und der Geheimdienst bestimmen das Leben der Bürger. In dieser Zeit hat Anna Francis einen Schreibtischjob beim Ministerium bis ihr eines Tages ein Projekt angeboten wird, welchem sie schon aus einem einzigen Grund zustimmen wird, sie kann soviel Geld auf einen Schlag verdienen wie sie niemals erarbeiten könnte. Unter größter Geheimhaltung wird sie in das RAN-Projekt eingewiesen. Sie soll für dafür die Teilnehmer heimlich beobachten und später einen Bericht über jede Person verfassen, ob diese in Betracht kommt um am RAN-Projekt teilzunehmen. Anna soll zu diesem Auswahlverfahren mit den andere 6 Personen auf die einsame Insel "Isola" in den schwedischen Schären gebracht werden. Doch wie man schon erahnen kann, läuft nichts nach Plan und plötzlich traut keiner keinem mehr. Sobald die Teilnehmer auf der kleinen Insel ankommen, nimmt die Geschichte an Fahrt auf und es entwickelt sich der Thriller, den ich vorher etwas vermisst habe, da man in den ersten Kapiteln ziemlich viel über Anna und ihr Leben zu lesen bekommt. Man sollte als LeserIn keine große Action erwarten, denn ich finde, die Geschichte kommt in einem ruhigen, aber nicht minder spannenden, Stil daher und zum Ende hin wurden einige überraschende Wendungen eingebaut.
Ganz zu Beginn der Geschichte wird man mit Fakten und Personen konfrontiert, die keine Namen haben, sondern sie werden nur mit ihrem Dienstgrad genannt. Das kam mir etwas kühl und unpersönlich vor, aber nachdem die Geschichte ja 2037 spielt und unter dem Protektorat der kommunistischen Freundschaftsunion steht, passte es wieder. Der Eiserne Vorgang lässt grüßen.

Fazit
Ein Thriller der mit einem Verlauf daherkommt, den man so schon gelesen oder auch im Fernsehen gesehen hat, aber durch die Abgeschiedenheit auf der Schäreninsel und dem damit begrenzten Raum der Akteure, sind Spannung und Unberechenbarkeit garantiert.
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