Die Tränen der Kinder von Alex Thomas

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2018 bei Amazon Publishing - Edition M.
Folge 1 der Paula-Tennant-Serie.

  • Seattle: Amazon Publishing - Edition M, 2018. ISBN: 978-1503954212. 364 Seiten.

'Die Tränen der Kinder' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Nach einem Erdbeben nördlich von Rom gibt der »Sacro Bosco« ein grauenhaftes Geheimnis preis. In einem Massengrab werden die Überreste enthaupteter Frauen entdeckt, die zum Zeitpunkt ihrer Hinrichtung Föten in sich trugen. Kardinal Calitri, der den heiligen Wald vor kurzem erwarb, ist entsetzt. Erste Untersuchungen ergeben, dass die Skelette Jahrhunderte alt sind, doch dann werden jüngere Frauenleichname entdeckt, und eine davon stammt aus dem letzten Winter. Nach einer gescheiterten Karriere beim FBI wird Agent Paula Tennant von der ISA rekrutiert. Als einer ihrer obersten Bosse sie auf die Sacro-Bosco-Morde ansetzt, an dem sich die italienischen Behörden die Zähne ausbeißen, wittert sie ihre Chance. Undercover beginnt sie zu ermitteln, und stößt dabei immer wieder auf das Zeichen einer stilisierten Lilie und auf eine alte Schrift aus den Vatikanarchiven, in der von einem alten Menschheitstraum und einem diabolischen Bund die Rede ist …

Das meint Krimi-Couch.de: Wenn die Erde bebt, kommt manche Sünde ans Licht 75°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Gegen Paula Tennant, Agentin bei der ISA (International Security Agency), läuft eine interne Ermittlung. Deshalb darf sie derzeit nicht in den Außendienst. Sie geht regelmäßig zum Psychologen – und langweilt sich im Büro mit den Akten, die ihr vorgelegt werden. Da kommt überraschend eine Order des stellvertretenden Direktors Robert Bernstein, sie soll sofort zu einem Auslandseinsatz nach Rom aufbrechen. Im Sacro Bosco, einem Waldgebiet 80 Kilometer nördlich von Rom, wurde nach einem Erdbeben ein mittelalterliches Massengrab voller weiblicher Skelette gefunden.

Aber auch mumifizierte Leichname aus der Gegenwart werden entdeckt, darunter die sterblichen Überreste einer jungen Nonne, die vor 13 Monaten im Sacro Bosco verschwand. Kardinal Calitri, ein einflussreicher vatikanischer Kleriker und Besitzer des Waldstückes, hat daraufhin seinen alten Freund Bernstein um Hilfe, denn die italienische Polizei schein bei ihren Ermittlungen überhaupt nicht weiter zu kommen.

Thriller ist auch für Fans konventioneller Krimis geeignet

Alex Thomas ist ein schreibendes Ehepaar, das bislang eher im Bereich fantastische Literatur unterwegs war. Die Tränen der Kinder ist nun der erste Band einer neuen Reihe um die Ermittlerin Paula Tennant, die für die fiktive International Security Agency unterwegs ist. Ein kräftiger Anteil Mystery ist hier auch enthalten, aber der Thriller ist auch für Fans konventioneller Spannungsliteratur durchaus genießbar.

Paula Tennant ist eigentlich zu Innendienst verdonnert, aber wie es oft so ist, ihr Vorgesetzter hat spezielle Beziehungen zum Vatikan, und ein wohlhabender Kardinal bittet Robert Bernstein um inoffizielle Hilfe. Und so soll Paula zu ihrer eigenen Überraschung in Italien undercover ermitteln, gibt sich als interessierte Verwandte einer der toten Nonnen aus.

Es ist wenig überraschend, dass ihr sofort Unmut und Misstrauen der italienischen Polizisten zuteil werden. Sie taucht am Fundort der Leichen und im Kloster der Nonnen auf, wird für eine aufdringliche Hobby-Detektivin gehalten – und gerät schließlich selbst in Gefahr.

Sechster Sinn ist einfach großes kriminalistisches Talent

Das Autoren-Paar hat Paula Tennant mit einem so genannten sechsten Sinn versehen, sie hat bei Tatorten und Verdächtigen spezielle Gedankengänge, die ihr bei der Lösung helfen. Das mag man bereits als Mystery-Element einstufen, man kann das aber auch einfach als außergewöhnliches kriminalistisches Talent deuten.

Im Interview mit der Krimi-Couch sagt dazu Alex: Paulas sechster Sinn basiert jedoch nicht auf dem Evolutionsfaktor Mutation, sondern ist einfach nur das Ergebnis einer verdammt beschissenen Kindheit, bei der es um ein hartes Überlebenstraining ging.

Das passt dazu, dass Paula extrem auf ihre Arbeit fokussiert ist. Über ihr soziales Umfeld erfährt der Leser nichts, es ist so gut wie nicht vorhanden. Die in ihrer Kindheit liegenden Gründe dafür werden im ersten Band der Reihe nur in Nuancen angedeutet, da dürfte es in den folgenden Bücher noch mehr geben.

Robert Bernstein wird als eher unkonventioneller Charakter dargestellt. Für seine Position als Abteilungsleiter eines internationalen Sicherheitsdienstes eher überraschend. Aber auch bei ihm dürfte es Faktoren aus der Vergangenheit geben, die dem Leser erst später offenbart werden.

Beste Unterhaltung durch viel Spannung und Mystik

Der Schauplatz ist von Alex Thomas gut ausgesucht worden. Die beiden sind häufiger zu Recherchereisen in Rom, nehmen viele Eindrücke und kleine Entdeckungen von dort mit, und sind so wahrscheinlich auch auf diesen unheimlichen Wald gestoßen. Sich dort ein mittelalterliches Massengrab vorzustellen, dürfte mit ein wenig Phantasie problemlos möglich sein. Rom und seine weitere Umgebung bieten sich für Kriminalromane nun wirklich an.

Passend dazu ist der wohlhabende Kardinal, der sich einen ganzen Wald kauft, natürlich der ideale Anknüpfungspunkt für weitere falsche Fährten und kleine Überraschungen.

Leicht irritierend fand ich, dass Paula zuweilen den Zufall braucht, um weiter zu kommen. Das mag aber auch ihrem sechsten Sinn geschuldet sein – da hat mir an der Stelle dann vielleicht die Antenne gefehlt.

Die Tränen der Kinder ist insgesamt ein unterhaltsamer und spannender Thriller mit dem bereits erwähnten kräftigen Schuss Mystery. Zudem wird einiges an christlicher Mythologie geboten, ein Mix, der bei Kirchen- oder Vatikan-Thrillern in meinen Augen mehr als passend ist. Nach eigener Aussage haben Alex und Thomas ein Faible für Spannung, Abenteuer, Phantastik und Kriminalistik mit mörderisch detektivischem Einschlag. In diesem Roman haben sie das hervorragend umgesetzt.

Andreas Kurth, Mai 2018

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