Highscore

  • Grafit
  • Erschienen: Januar 2007
  • 7
  • Dortmund: Grafit, 2007, Seiten: 347, Originalsprache
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Thomas Kürten
80°1001

Krimi-Couch Rezension vonAug 2007

Pointner hat den Dreh raus

Kondom des Grauens? Im Leichenwagen zum Schafott? Zwei Selbstmorde und ein Halleluja? Wenn es um kompliziert zelebrierte Tötungen geht, dann scheint Theo Pointner unter den Deutschen Krimiautoren ein heißer Anwärter auf den ersten Platz zu sein. Allein in seinem Roman Highscore schildert er vier Fälle plötzlichen und unnatürlichen Ablebens, die an abscheulicher Skurrilität ihres Gleichen suchen. Doch davon abgesehen schafft es der Bochumer, einen bis zum Ende spannenden, ja dramatischen Krimi zu erzählen, der mit Abstand das Beste ist, was der Mann bislang zu Papier gebracht hat.

In einem Bochumer Swingerclub wird eine nicht mehr ganz so junge Lehrerin umgebracht. Die Obduktion weist auf eine Vergiftung hin und das Gift gelangte über die vaginalen Schleimhäute in den Körper des Opfers - aufgetragen auf der Außenseite eines Kondoms. Zeitgleich in Strausberg in Brandenburg: Ein herrenloser Leichenwagen versperrt eine Ausfahrt. Als die herbeigerufenen Polizisten die Hecktüre öffnen, erblicken sie noch für eine Sekunde eine gefesselte junge Frau im Sargraum, ehe ein explosives Gasgemisch den Wagen in die Luft gehen lässt und die Polizisten und eine Zeugin lebensgefährlich verletzt.

Zwei Morde - zwei Mordkommissionen. Und sowohl die Bochumerin Katharina Thalbach als auch ihr Kollege Rocco Daubitz in Strausberg finden heraus, dass die beiden Opfer jüngst über Chats im Internet einen Mann kennen gelernt haben. Doch als die PCs der beiden toten Frauen untersucht werden sollen, setzen sich Mechanismen in Gang, die die Daten unwiederbringlich zerstören. Nachdem Daubitz einen Zusammenhang zwischen den beiden Morden herstellen kann, gelingt es Katharina Thalbach den ehemaligen Hacker Hinnerk Harms auf Hallig Hooge zur Mitarbeit zu animieren, obwohl dieser nie wieder einen PC anfassen wollte. Mit Harms haben die beiden Mordkommissionen den Trumpf im Ärmel, um einem gescheit agierenden, mordenden Computerfreak den Kampf anzusagen.

Neben einer von perversen Morden gekennzeichneten Handlung hat der Autor aber auch die Fortentwicklung seiner Charaktere nicht vergessen. Und während man beim Vorgängerroman Dominoeffekt sich noch wundern durfte, dass die stets überarbeitete Kommissarin Thalbach ihre Familie verlassen hatte, um mit einer anderen Frau zusammen zu leben, zeigen sich nun bei ihr Reuegefühle. Unter Druck gesetzt durch einen Heiratsantrag ihrer Lebensgefährtin entdeckt Thalbach nämlich die guten Seiten an ihrer gescheiterten Beziehung zu sehen und sich endlich eigene Fehler eingestehen zu können.

Wundern darf man sich auch, wie viel besser die sprachlichen Mittel des Autors geworden sind. Auf "Kosenamen" für Zigaretten wartet man vergeblich: kein Glimmstängel, auch kein Tabakstäbchen verunstaltet den Roman. Unnötige und abgedroschene Metaphern sucht man ebenso umsonst. Pointner hat seinen Wortschatz entrümpelt und die Phrasendrescherei reduziert. Ergebnis ist eine Sprache, die viel leichter bekömmlich ist als in den Vorgängerromanen.

Der Autor verdient sich ein Extralob für das Ende von Highscore. Ohne hier etwas davon verraten zu wollen: hier macht der Autor Stimmung für die nächste Folge der Serie. Und wenn Pointner diese Form beibehält, dann darf man sich auf den nächsten Roman der Katharina-Thalbach-Serie ohne Vorbehalte freuen. Und um das Statement vom Anfang zu untermauern: Für Highscore erhält Theo Pointner von der Krimi-Couch seine ganz persönliche Bestwertung auf unserem Bewertungsthermometer.

Highscore

Theo Pointner, Grafit

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