Das alte Kind von Zoë Beck

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Lübbe.

  • Bergisch-Gladbach : Lübbe, 2010. ISBN: 978-3-404-16443-1. 300 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2010. Gesprochen von Sandra Schwittau. ISBN: 3-7857-4328-9. 4 CDs.

'Das alte Kind' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Es sind nur wenige Tage, die Carla von ihrem Kind getrennt im Krankenhaus verbringt – Tage, die alles verändern. Als die Schwester ihr das Baby in die Arme legt, stellt Carla entsetzt fest: Das ist gar nicht ihr Kind! Doch niemand glaubt ihr …

Fiona wacht in ihrer Badewanne auf. Kerzen stehen am Wannenrand, Blütenblätter schwimmen auf dem Wasser, das sich allmählich rot färbt – von ihrem Blut! Mit letzter Kraft schleppt sie sich zum Telefon. Im Krankenhaus behauptet sie, jemand hätte versucht, sie zu töten. Doch niemand glaubt ihr.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kindertausch und Blut in der Badewanne« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Berlin im Jahr 1978: Die deutsche Galeristin Carla wird im Krankenhaus wegen einer ansteckenden Krankheit für wenige Tage von ihrem Kind getrennt. Als dann die Krankenschwester kommt, und ihr ein Baby in die Arme legt, stellt Carla entsetzt fest: Das ist nicht mein Kind. Doch niemand will der jungen Frau glauben, selbst der eigene Ehemann hält sie für geistig gestört.

Edinburgh in der Gegenwart: Fiona wacht in ihrer Badewanne auf. Kerzen stehen am Wannenrand, Blütenblätter schwimmen auf dem Wasser, das sich allmählich rot färbt – von ihrem Blut! Mit letzter Kraft schleppt sie sich zum Telefon, und alarmiert selbst die Rettungskräfte. Im Krankenhaus behauptet sie, jemand hätte versucht, sie zu töten. Doch niemand glaubt ihr.

Keine Zeugen für den Tausch

Zoe Beck – ein neues Pseudonym von Henrike Heiland – hat ihren überaus spannenden Roman in zwei Handlungsstränge aufgeteilt. Wobei in die Geschichte um die junge Fiona noch eine Nebenhandlung um deren rätselhafte Mitbewohnerin eingeflochten ist, die für zusätzliche Spannung und Rätsel sorgt. Carla durchlebt den absoluten Horror einer jungen Mutter. Ihr Kind wurde im Krankenhaus vertauscht. Aber Ärzte und Schwestern glauben ihr nicht, und der eigene Ehemann ist keine Hilfe. Er hat das Kind zu selten gesehen, kann es im Grunde gar nicht identifizieren. Carla gerät schnell in die Defensive, und als sie gegenüber einem Arzt handgreiflich wird, stempelt ihre Umgebung sie endgültig ab. Der Weg in die Psychiatrie scheint vorgezeichnet.

Szenenwechsel sorgen für Dynamik

Der Wechsel in das Edinburgh der Gegenwart sorgt nur ganz kurzzeitig für Verwirrung beim Leser. Unterschwellig ahnt man schnell, dass die beiden Geschichten etwas miteinander zu tun haben. Aber eine leichte oder gar schnelle Lösung wird von der Autorin nicht angeboten. Vielmehr führt sie ihre Leser durch die Irrungen und Wirrungen zweier unterschiedlicher Schicksale, und baut dabei immer wieder neue Spannung auf. Hier die Mutter im schier aussichtslosen Kampf um ihr Kind – da die junge Frau im schmerzvollen Selbstfindungsprozess. Die Orts- und Szenenwechsel sind eingebaut wie geschickte Filmschnitte, und sorgen so stets für neue Dynamik.

Geheimnisvolle Mitbewohnerin

In der eingeschobenen Geschichte rätselt der Leser auch noch um die Rolle von Fionas Mitbewohnerin. Sie ist offensichtlich psychisch gestört, denn sie versucht wie Fiona zu sein – hat sie auch versucht, ihre Freundin zu ermorden? Und ist Fiona weiter in Gefahr? Als Morag dann jedoch plötzlich getötet wird, steht man als Leser vor einem toten Lösungsstrang und ist ziemlich verwirrt. Klar ist jedoch, dass Fiona in höchster Gefahr schwebt – für neue Spannung ist gesorgt. Die Geschichte wird nun noch rasanter und spannender, aber mehr wird hier aus dramaturgischen Gründen nicht verraten. Nur soviel sei gesagt: Die investigative, journalistische Aufgabe für Fionas Freund ist mehr als ein wenig Nebenhandlung. Hier wird von der Autorin vielmehr sehr geschickt die Auflösung der vielen offenen Fragen vorbereitet.

Furioses Finale und offene Fragen

Die Protagonisten sind klar und detailreich konturiert. Es kommen schnell Sympathien auf – oder eben auch Abneigung. Einige Figuren sind offenbar speziell als »bad guys« vorgesehen, da kann man es kaum schaffen, sie zu mögen. Zoe Beck baut einen herrlichen Spannungsbogen auf, der durch die eine oder andere Nebenhandlung geschickt befördert wird. So beispielsweise die Bettgeschichte zwischen Carlas Mann und ihrer »besten« Freundin. Da kommt schon ein Verdacht auf, aber er wird schnell zerstreut, weil es wieder weiter geht. Insgesamt lebt das Buch nicht von knalliger Action, sondern von Andeutungen und Vermutungen, die den Leser zum Mitfiebern bringen. Die geistesgestörte Mitbewohnerin von Fiona ist eine geschickt eingebaute Figur – und eine falsche Spur gleichzeitig. Vordergründige und damit falsche Lösungsansätze gibt es öfter, aber auch das sorgt stets für neue Spannung. Wann immer Carla bei ihrer Suche scheinbar einen Schritt weiter kommt, gibt es Rückschläge. Das furiose Finale mit neuen Überraschungen habe ich geradezu verschlungen – am Ende bleiben aber ein paar offene Fragen. Störend ist das allerdings nicht, sondern regt eher zum Nachdenken an. Das könnte aber auch auf eine Fortsetzung hindeuten, lohnen würde sich das Weiterspinnen der spannenden Geschichte allemal.

Andreas Kurth, Juli 2010

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kianan zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 16.03.2015
Ich habe die Entwicklung der Geschichte mit Spannung verfolgt. Auch für mich ist es eher ein Famliendrama als ein Krimi. Was mich an und für sich nicht stören würde, wenn es mich insgesamt gefesselt hätte. Das hat es jedoch leider nicht, da für mich ein Geschmack von "manch" Zufällen und unrealistischen Handlungen der Protagonisten als Nachgeschmack übrigblieb.
Besonders das Verhältnis von Fiona zu ihrem Sohn Junior und wie sich die Geschichte zu ihrer einzig verbleibenden Freundin in den Jahren entwickelt, fand ich schon sehr konstruiert und weniger wahrscheinlich.

Fazit: Spannendes, unterhaltsames Familiendrama mit einigen Schwächen. Meinen Freunden und meiner Familie würde ich es nicht weiterempfheln.
baerwurz zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 01.01.2012
Es gibt nur ganz wenige Krimis, die ich wegen Langeweile nicht zu Ende gelesen habe, aber dieses Buch war definitiv ein Kandidat dafür.
Dabei hätte diese Geschichte durchaus das Zeug zu einem echten Psychothriller, zum Einen von der Thematik her und zum Anderen, weil die Autorin auch richtig gut schreiben kann und Bilder im Kopf inszeniert, die bei einer etwas subtileren Präsentation auch wirken hätten können.
Doch der Roman wird mit zunehmender Handlung unlogischer, obwohl man schon mindestens zur Mitte hin weiß, wie sich im Endeffekt der Knoten lösen wird. Lediglich der letzte Mörder, der nur notwendig war, um die Handlung kurz hinauszuzögern, bleibt bis kurz vor dem Ende unerkannt.
Insgesamt war das aber eher eine matte Vorstellung der so hoch gelobten Autorin, die für mich keinesfalls über ein 60° Wertung hinaus kommt
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Maike Knoff zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 24.05.2011
Ein klasse Krimi. Durch den Zeitenwechsel sollte man das Buch nicht zu oft aus der Hand legen, damit der Spannungsbogen bleibt.
Die Geschichte der Verwechslung ist nicht neu, aber in dieser Geschichte auf die Spitze getrieben und gut durchdacht.
Die Charaktere sind schlüssig und ich habe von der ersten Seite an wissen wollen: Irrtum ausgeschlossen?
Das Hörbuch, gelesen von Sandra Schwittau, kann ich auch nur empfehlen.
Auf geht's in eure nächste Buchhandlung um die Ecke!
nerozuechtetkeineorchideenmehr zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 19.05.2011
Meiner Meinung nach hat Zoe Beck "das Thema verfehlt".
Der Gentest ist mir auch als erstes eingefallen. Hätte ja auch nicht geschadet, wenn der gemacht worden wäre und alle, außer der Mutter, hätten sich damit arrangiert. Auch die weiterführende Handlung (Mutter/Sohn) hätte dann unbeschadet so weitergehen können.
Schlimmer finde ich aber den Plot.
TOTAL unglaubwürdig.
Hätte sie einen "normalen" Schicksals-Roman geschrieben, wäre das Buch richtig gut.
Denn schreiben kann sie.
Christine zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 04.02.2011
Was mich an dem Roman stört, wenn eine Mutter daran zweifelt, ob es ihr Kind ist oder nicht, warum macht sie dann keinen Gentest? Das war das erste, an was ich gedacht habe. Natürlich nicht in der Klinik wenn man Zweifel an den Machenschaften der Ärzte hegt!
Es ist doch ganz klar, dass eine Mutter nach 6 Monaten erkennt, ob es ihr eigenes oder ein fremdes Kind ist und dass der Mann, wenn er Monate lang weg ist, dieses nicht beurteilen kann.
Alexis zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 31.12.2010
Auch wenn man ziemlich schnell erahnen kann wie die beiden Geschichten zusammenhängen fand ich das Buch dennoch gut. Klar kann es an Spannung übertroffen werden aber die Wendungen zum Schluß und die Verknüpfung der Zusammenhänge haben mich überrascht. Ich hatte das Buch in wenigen Tagen gelesen, auch der Schreibstil hat mir sehr gefallen durch das wechseln der Szenen.
Gaby zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 21.11.2010
Bow! War das ein Buch. Packend , spannenden, aufwühlende, gemein. Nichts für Schwangere oder Mütter von Kindern unter einem Jahr. Wie der Egoismus einer einzelnen Frau das Leben so vieler Menschen so nachhaltig zerstören kann. Der Thrill kommt, denke ich aus dem eigenen Erleben. Wie das war, als man in der Klinik sein Kind zum ersten Mal im Arm hielt und dann die Vorstellung, dass jemand einen Wechselbalg statt seiner in die Wiege legt. Grauslige Vorstellung. Du weißt es und keiner glaubt dir. Und keiner glaubt dir. Und KEINER glaubt dir.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
mylo zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 03.11.2010
Also hier von einem Thriller oder spannenden Roman zu sprechen ist schon leicht übertrieben. Schon nach den ersten hundert Seiten war mir fast klar dass nicht mehr viel kommen kann, nur noch das wie, wie wurde das Kind vertauscht lies mich das Buch weiter lesen. Also da wurde vom Verlag und auch von Andreas Kurt mächtig übertrieben.
Mal ehrlich, wenn das 93 Punkte sind, was sind dann andere Krimis mit wirklicher Klasse?
Nein konnte mich nicht überzeugen, mit Wohlwollen gebe ich 65 Punkte.
Baer zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 07.09.2010
wegen der weitgehend positiven Bewertungen habe ich mir diesen "Krimi" ausgesucht. Dieses Buch einen Thriller zu nennen, ist eine Zumutung. Ich möchte nicht sagen, dass die Handlung nicht zu einem Krimi taugt, aber man hätte das Buch auf interessante 80 Seiten streichen können. Der Rest ist Füllmaterial, der das Buch zum langweiligsten macht, was ich seit Jahren gelesen habe.
Melanie zu »Zoë Beck: Das alte Kind« 30.08.2010
Der mieseste, langweiligste "Krimi", den ich jemals gelesen habe!!
Verwirrend, unstrukturiert, langweilig geschrieben, keine Handlung, keine Spannung...
Ich weiß, das deckt sich nicht mit den anderen Lesermeinungen, aber leider kann ich persönlich nichts anderes, nicht auch nur im entferntesten positives, schreiben zu diesem "Thriller".

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