Brixton Hill von Zoë Beck

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.

  • München: Heyne, 2013. ISBN: 978-3-453-41042-8. 368 Seiten.

'Brixton Hill' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

London, in einem der Luxushochhäuser von Canary Wharf: Erst fällt die Klimaanlage aus, dann der Strom. Sämtliche Ausgänge sind verriegelt, und Rauch strömt aus den Belüftungsschächten. Em muss hilflos zusehen, wie ihre Freundin im 15. Stock panisch ein Fenster zertrümmert und hinausspringt. Kurz darauf wird Em verhaftet. Sie soll sich in die Computer des Gebäudes gehackt und die Freundin dadurch in den Tod getrieben haben. Jemand spielt ein falsches Spiel. Und macht Jagd auf Em.

Das meint Krimi-Couch.de: »Mörder, Miethaie und Maggie Thatcher« 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Die 33-jährige Emma Vine ist selbständige Event-Managerin. Bei einem Termin mit Kimmy Rasmussen im Limeharbour Tower kommt es zu einem Zwischenfall. In dem Gebäudekomplex auf der Isle of Dogs in Ost-London ist plötzlich der Lift gestört, aus der Klimaanlage tritt Rauch aus, und es gibt schließlich Feueralarm. Aufgrund eines traumatischen Erlebnisses vor zehn Jahren gerät Kimmy in Panik, zertrümmert mit einem Feuerlöscher eine Fensterscheibe und springt aus dem Fenster im 15. Stock – im Glauben, sie befinde sich im Erdgeschoss. Emma kommt zu spät, um Kimmy aufzuhalten. Aber nicht nur, dass sie sich selbst schuldig fühlt, die Polizei bezichtigt sie auch noch des Mordes – sie soll die Computeranlage des Hauses manipuliert haben. Emma wird zwar von einem Anwalt der Familie aus der Haft geholt, gerät aber in eine alptraumhafte Suche nach den wahren Schuldigen. Denn schnell wird deutlich, dass man offenbar ihr selbst nach dem Leben getrachtet hat. Schon bald kann Emma sich nicht mehr sicher sein, wem sie überhaupt noch vertrauen sollte.

Gentrifizierung als Mega-Thema

Unter ihrem Pseudonym Zoë Beck schreibt Henrike Heiland bislang Romane, die alle in Großbritannien spielen. Dabei könnte das Mega-Thema von Brixton Hill auch in entsprechenden Stadtteilen ihres Wohnortes Berlin, oder eben in anderen Metropolen abgehandelt werden. Aber nicht nur wegen ihres Studiums der neueren englischen Literatur hat Heiland ein Faible für alles Britische – ihre Recherche-Reisen auf die Insel genießt sie ganz besonders. Und so ist neben ihren guten Ortskenntnissen auch ihr Wissen über die gesellschaftlichen Verhältnisse in Großbritannien, die wirtschaftlichen Umwälzungen und die speziellen Befindlichkeiten der Briten ein Garant für die hohe Authentizität in ihren Romanen. Mit der so genannten Gentrifizierung hat sich Henrike Heiland ein Thema vorgenommen, dass vor allem in Großstädten von Geographen und Soziologen untersucht und problematisiert wird. Aber einerseits gibt es dazu recht viele Meinungen und kontroverse Veröffentlichungen im wissenschaftlichen Diskurs, und andererseits kann das Phänomen durchaus auch in mittleren und kleinen Städten auftauchen. Für diesen Roman bietet das Gentrifizierungsthema auf jeden Fall einen hervorragenden Hintergrund.

Zwangsläufiger Wandel mit negativen Folgen

Es geht stets darum, dass zuvor von  Arbeitern geprägte Stadtviertel von Studenten und Künstlern entdeckt und besiedelt werden. Ohne es zu wollen werten die neuen Bewohner die Gegend wirtschaftlich auf und machen sie für  Mittelschichtler (wofür der Begriff Gentry – der niedere Adel in England – verwendet wird) attraktiv, was wiederum Investoren anlockt. Der durch die steigenden Mieten und Immobilienpreise einsetzende Wandel in der Bevölkerungsstruktur verläuft nur selten unproblematisch. Die Autorin zeigt das in ihrem Roman sehr geschickt am Beispiel des Londoner Stadtteils Brixton Hill. Denn auch hier warten Hausbesitzer und Bauunternehmer eben nicht, bis Mieter von sich aus in ein anderes Viertel der Stadt wechseln, sondern Mieterhöhungen und andere Schikanen sind an der Tagesordnung.

Der gläserne Mensch im Internet

Daneben hat sich die Autorin auch noch ein zweites Mega-Thema aufgebürdet – den völligen Verfall der Anonymität im Internet, in den sozialen Netzwerken, und den Hype um die Echtzeit-Kommunikation durch die moderne Technik.  Die Protagonisten tummeln sich allesamt bei Facebook und Twitter, es gibt Hacker und sogar einen Daten-Journalisten. WikiLeaks wird erwähnt, und von den Schwabinger Krawallen 1962 bis hin zur Trauerfeier für Margaret Thatcher 2013 baut die Autorin einige historische Ereignisse in ihre Handlung ein. Das Internet-Thema ist zuweilen wichtig für den Fortgang der Handlung, und könnte fast gleichberechtigt neben der Gentrifizierung stehen. Hier wurden aber zwei in meinen Augen wichtige Aspekte eingeflochten – und das Internet und seine negativen Folgen kommen zwar nicht zu kurz, aber die Folgen und Begleitumstände der Gentrifizierung dominieren. Vielleicht wäre es besser gewesen, nicht diese beiden großen Themen in einen Roman zu packen – man hätte dann mehr daraus machen können. Aber das ist sicher nur eine subjektive Sichtweise.

Eine mehr als lesenswerte Geschichte

In Brixton Hill werden vier Menschen getötet, und die Protagonistin Emma  übersteht nur ganz knapp zwei Mordversuche – das ist für Zoë Beck schon recht viel an Action. Die Ermittler aus den Reihen der Polizei spielen hier nur eine ganz dünne Nebenrolle. Emma Vine steht vielmehr im Mittelpunkt, aber eigentlich ist die Geschichte der Star. Schrittweise werden die perfiden Machenschaften einer Grundstücksgesellschaft enthüllt, und ebenso schrittweise lernen alle Beteiligten, welche negativen Folgen die moderne Kommunikation für sie und für die Gesellschaft hat. Wie gewohnt hat Zoë Beck aus diesem ganzen Berg von Informationen und dramaturgischen Zutaten eine spannende und mehr als lesenswerte Geschichte gemacht. Mir persönlich hätte es trotzdem besser gefallen, nur ein Mega-Thema zu haben – die Internetkommunikation hätte man in einem zweiten Buch auswalzen können. Aber das schmälert den Lesegenuss nur ganz unwesentlich – vielleicht sollte ich das Buch einfach ein zweites Mal lesen.

Andreas Kurth, Mai 2014

Ihre Meinung zu »Zoë Beck: Brixton Hill«

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SusanneL. zu »Zoë Beck: Brixton Hill« 22.04.2014
Inhaltsangabe:

Emma Vines Welt gerät innerhalb kurzer Zeit komplett aus den Fugen. Zuerst springt ihre Freundin Kimmy in einem Panikanfall nach einem Rauchgasanschlag auf ihr Büro aus dem Fenster, danach wird Emma selbst verdächtigt, terroristischen Kreisen anzugehören und von der Polizei verhaftet. Gott sei Dank ist ihr Bruder Eric Anwalt und kann ihr helfen, doch der Verdacht bleibt an Emma haften. Ein zweiter Anschlag zielt auf Emma selbst ab und nun will sie der Sache auf den Grund kommen und herausfinden, wer Interesse daran hat, sie zu töten. Ihr Hauptverdächtiger ist Alan Collins, der sie als Stalker einige Zeit lang verfolgt hat – doch welchen Grund sollte der haben, die Liebe seines Lebens zu ermorden? Die Spuren führen Emma in die Vergangenheit ihrer eigenen Familie und sie entdeckt, dass Alan Collins einem Verbrechen auf der Spur ist, in dem es um sehr viel Geld geht ...

Der erste Satz:

„Es ist nicht der Aufprall, an den man sich später erinnert.“

Meine Meinung zum Buch:

Zoë Beck legt hier wieder einen sehr spannenden Kriminalroman vor.

Emma Vine ist eine Heldin, die sich mir erst nach und nach erschlossen hat. Sie hat Ecken und Kanten, ist hin und wieder mürrisch und schlecht gelaunt, aber sie erschien mir immer authentisch. Wenn man im Laufe der Geschichte mehr über sie erfährt, gewinnt sie sehr an Sympathie und zum Schluss hin mochte ich sie überaus gerne. Ich habe mit ihr gezittert und gelitten, das brachte mich ihr nahe, auch wenn sie „nur“ eine erfundene Figur ist.

Aber auch andere Romanfiguren sind in dieser Geschichte gut und facettenreich charakterisiert. Da ist einmal der Praktikant Jono, der gegen alle Vernunft fest zu Emma steht, oder der Hacker Jay, dessen Computerkenntnisse und Verbindungen Emma bei ihren Ermittlungen sehr weiter bringen. Und natürlich Emmas Großmutter Patricia, eine Patriarchin, die keine Gefühle zeigen will oder kann und bei der sich mein erster Eindruck (fiese Hexe) auch noch ins Positive gewandelt hat. So könnte ich noch eine Weile weitermachen. Insgesamt sei gesagt, dass mir alle Personen sehr glaubhaft vor Augen standen und ihre Motive nachfühlbar waren.

Wir erleben die Geschichte aus mehreren Perspektiven. Natürlich in erster Linie aus Emmas Sicht, aber auch einige andere Figuren bringen Informationen, Erinnerungen und Erfahrungen ein und zum Schluss rundet sich das Bild zu einem abschließenden Ganzen. Ich fand das sehr gut gemacht!

Besonders gut gefallen haben mir auch die kurzen Einschübe, bei denen es nur indirekt um den Fall ging. Z. B. wird die Angst beschrieben, die ein Stalkingopfer fühlt, das hat mich sehr beeindruckt. Zoë Beck kann auch in einem einzigen, kurzen Bild dem Leser eine bedrückende Atmosphäre von Hoffnungslosigkeit und sozialen Problemen übermitteln, das fand ich absolut gekonnt.

Mich hat dieses Buch wieder sehr gefesselt und ich freue mich schon, wenn es wieder etwas Neues von der Autorin gibt.

Mein Fazit: Buchtipp!
dani.p zu »Zoë Beck: Brixton Hill« 02.04.2014
Ich mag den Schreibstil von Zoe Beck und auch, dass die Bücher wirklich alle unterschiedlich sind.
Brixton Hill fand ich gut, aber nicht so gut wie ich es von ihr gewohnt bin. Dennoch ist das Buch auf jeden Fall lesenswert, es ist spannend und nicht ganz so vorhersehbar. Ich freue mich auf neue Bücher von Zoe Beck!
simsa zu »Zoë Beck: Brixton Hill« 09.12.2013
Emma unter Verdacht!
Bei einem Besuch im Büro ihrer Freundin, springt diese aus dem Fenster des 15. Stockwerks. Der Grund, plötzlicher Rauch und eine Störung in der Elektrik des Hochhauses.
Dies löst bei der jungen Frau die blanke Panik aus und sie sieht keine andere Lösung, als die Flucht aus dem Fenster.
Emma ist unschuldig, doch die Polizei sieht dies komplett anders. Als es dann noch einen weiteren Vorfall gibt, spitzt sich die Lage rund um Emma zu. Und nicht nur die Polizei sucht sie nun...
„Brixton Hill“ war mein erstes Buch, welches ich von der Autorin Zoe Beck gelesen habe.
Was mir selber sofort aufgefallen ist, war der flüssig-bildliche Schreibstil und das Talent spannende Momente aufrecht zu halten und sie stellenweise noch zu erhöhen.

Wir lernen bereits auf den ersten Seiten Em(ma) kennen und bekommen als Leser(-innen) recht schnell mit, wie sich die Situation um sie langsam zuspitzt.
Und das Besondere daran war, dass ich zu Beginn noch komplett falsche Gedanken hatte. Meine Vermutungen spielten sich in einer ganz anderen Gegend ab, wurden dann aber immer wieder auf neue Fährten gelenkt. Diese waren nicht unbedingt richtig, trotzdem aber so, dass mein Interesse stetig am Buch blieb.

Nichts ist hier wie es scheint. Denn wer ist Freund, wer Feind? Wer ist Schuldig, oder nicht? Es war hier die Kombination aus verschiedenen Vermutungen, die mich sehr gut unterhalten hat. Hinzu kam aber auch, dass ich diese Art des Erzählens sehr genossen habe. Situationen, Gegenden und auch Vorfälle hatte ich direkt vor Augen, was meine Freude am Lesen immer weiter hielt.

Doch auch wenn der Spannungsbogen hoch war und mir das Buch gut gefallen hat, es gab auch einen kleinen Punktabzug in meiner Bewertung.
Der Grund war, dass es auf dem letzten Drittel des Buches kleine Längen gab. Sie waren nicht zu schlimm, ließen mich manchmal aber doch zu viel Luft holen und ich hätte mir dies etwas anders gewünscht.

Aber es ist so, dass ich eine neue Thrillerautorin für mich entdeckt habe und ich freue mich schon auf die weiteren Bücher von Zoe Beck, die zum Teil nun schon vorgemerkt sind.

Mein Fazit:
„Brixton Hill“ ist ein sehr spannender Thriller, bei dem nichts so ist, wie es scheint. Für mich ist dies das erste Buch von Zoe Beck gewesen, aber es war garantiert nicht mein letztes.
Für Thrillerfans ein kleines Muss.
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