Geisterfjord von Yrsa Sigurdardottir

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel Ég man þig , deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: Island, 1990 - 2009.

  • Reykjavik: Veröld, 2010 unter dem Titel Ég man þig . 317 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer, 2011. Übersetzt von Tina Flecken. ISBN: 978-3-596-19273-1. 368 Seiten.

'Geisterfjord' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Drei junge Leute aus Reyjkavík planen, ein heruntergekommenes Haus in einem verlassenen Dorf in den kargen Westfjorden Islands wieder aufzubauen; sie ahnen nicht, welch gewaltige Ereignisse sie damit in Gang setzen. In einer Kleinstadt am anderen Ende des Fjords ermittelt zur selben Zeit Polizistin Dagný gemeinsam mit Freyr, einem Psychologen, in einer Reihe von unnatürlichen Todesfällen. Welche Geheimnisse bergen die staubigen Polizeiakten aus dem vorigen Jahrhundert? Und warum hat Freyr auf einmal das Gefühl, dass sein verschollener Sohn noch am Leben sein könnte? Erst als die Verbindung zwischen diesen rätselhaften Geschehnissen sichtbar wird, enthüllt sich die grausige Wahrheit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Kein Krimi, aber ein packender  Thriller« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Katrin und Gardar sind hoch verschuldet und versuchen durch die Renovierung eines alten Hauses als Gästehaus in Hesteyri einen letzten Neuanfang. Gemeinsam mit ihrer Freundin Lif nutzen sie die Schulferien, um sich an die Arbeit zu machen. Doch Hesteyri ist eine kleine Ansiedlung in einem abgelegenen Fjord, dessen letzte Einwohner bereits 1952 den einsamen Ort verließen. Recht bald merken die drei jungen Leute, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt. Katrin findet in einer Senkgrube auf dem eigenen Grundstück zwei Friedhofskreuze, unter der morschen Terrasse finden sich überraschend Tierknochen und in der Wohnung entdecken sie plötzlich Muscheln, die zu dem Wort »Tschüs« zusammengelegt wurden. Schnell finden Sie heraus, dass sie nicht allein in Hesteyri sind …

In Isafjördur versucht derweil die Kriminalkommissarin Dagný herauszufinden, was es mit der Verwüstung eines Kindergartens auf sich hat. An ihrer Seite befindet sich der Psychiater Freyr, der zu den Ermittlungen herangezogen wurde, da man von einem psychisch gestörten Täter ausgeht. Bei der Untersuchung eines sehr alten Patienten erfährt Freyr von der Verwüstung einer Grundschule vor über 60 Jahren, deren Ablauf den aktuellen Ereignissen nahezu identisch ist. Damals hinterließ der Täter ein Klassenfoto, bei dem einige Schüler unkenntlich gemacht wurden. Darunter sechs Kinder, die in den letzten drei Jahren verstorben sind. So auch die inzwischen 69-jährige Halla, die sich aktuell in der Kirche von Sudavik erhängte, jener Kirche, welche seinerzeit nach dem Verlassen der letzten Einwohner von Hesteyri versetzt wurde. In einem wirren Abschiedsbrief schreibt Halla an Bernodus, einen früheren Klassenkameraden der 1953 spurlos verschwand, dass sie Benni nicht finden konnte.

Benni ist der Sohn von Freyr, der als Sechsjähriger vor drei Jahren ebenfalls spurlos verschwand…

Um es vorwegzunehmen, Geisterfjord ist kein (!) neuer Fall aus der Dóra-Guðmundsdóttir-Reihe, sondern ein sogenannter Stand-alone-Thriller. Auch der Begriff Thriller ist wichtig zu betonen, denn anders als ihre bisherigen Romane, denen ein klarer Krimiplot zugrunde lag, spielen hier andere Effekte eine dominierende Rolle. Ähnlich wie bei Sebastian Fitzeks »Therapie« passieren zahlreiche Ereignisse, die eigentlich gar nicht passieren können. Dinge verschwinden, Stimmen sind zu hören, obwohl niemand anwesend ist und so weiter. Die Geschichte pendelt ständig zwischen den Ereignissen in Hesteyri und Isafjördur hin und her, bevor beide Erzählstränge – nicht ganz überraschend – am Ende zusammen geführt werden.

Er musste damit warten, bis er ihr das Handy zeigen und ihr Bennis schwache Stimme vorspielen konnte. Eine Stimme, die Freyr aufgenommen hatte, obwohl es keine Stimmbänder und keine Zunge und kein zentrales Nervensystem gab, das die Worte bilden konnte. Aber am Himmel gab es auch nichts Sichtbares, das die Nordlichter einschaltete. Wie konnte er darüber urteilen, was möglich war und was nicht?

Geisterfjord ist ein packender Thriller, in dem die Autorin mit etlichen glänzenden Cliffhangern zum sofortigen Weiterlesen animiert, so dass man den Roman recht schnell ausgelesen hat. Gekonnt werden die drei Leute im abgelegenen Fjord beschrieben, die schon recht bald ein ums andere Mal aneinander geraten, da zu viele unheimliche Dinge um sie herum geschehen. Doch auch auf dem Festland geht es alles andere als beschaulich zu, denn nach und nach findet Freyr heraus, was es mit den Geschehnissen Anfang der 1950er Jahre und dem Verschwinden seines Sohnes auf sich hat. Natürlich ist dies alles von vorne bis hinten konstruiert und am Ende wird auch nicht jede Spur sauber aufgelöst, dennoch ist »Geisterfjord« ein empfehlenswerter Roman – nicht nur, weil Island zurzeit als Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse vertreten ist.

Jörg Kijanski, Oktober 2011

Ihre Meinung zu »Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord«

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Lesemaus zu »Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord« 04.02.2012
WoW! Dieses Buch ist mehr als nur empfehlenswert! Super Einstieg, toll aufgebauter Spannungsbogen der super gehalten wird und nicht ins langweilige abrutscht und ein spitzen Ende! Das Buch hat mich echt noch einige Tage beschääftigt!

Ich bin oftmals erschaudert, so gruselig waren die Vorstellungen teilweis! Und die Cliffhanger waren vom allerfeinsten!

Sehr gelungener Thriller!

Ich hoffe die Autorin wird nochmals solche Bücher verfassen, da mir dieses noch besser als ihre Dóra-Reihe gefällt!!!
Biggi Friedrichs zu »Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord« 16.12.2011
Dieses Buch hat mich fasziniert. Es ist von der ersten bis zur letzten Seite sehr spannend, sehr atmosphärisch. Es ist teilweise sehr gruselig, so dass mir ab und an ein kalter Schauer über den Rücken lief beim Lesen. Ich konnte das Buch fast nicht aus der Hand legen! Das ist mir schon sehr lange nicht mehr passsiert!

Es gibt zwei Erzählstränge in dieser Geschichte. Einmal erfahren wir, was diese 3 jungen Leute mit Putti, dem Hündchen in den Westfjorden erleben. Der 2. Erzählstrang handelt von Freyr und seinen Ermittlungen. Die Autorin hat diese beiden Erzählstränge in jedem Kapitel abgewechselt. Am Ende eines jeden Kapitels ist etwas total spannendes passiert, so dass ich gezwungen war, schnell das nächste Kapitel zu lesen, um zu sehen, wie es zB. gerade in den Westfjorden wieder weitergeht.



Natürlich habe ich mitgerätsel, was da so passiert sein könnte, ob und wie die beiden Handlungen zusammenhängen und war sehr überrascht vom Ende! Es hat mich auch noch etwas beschäftigt, dieses Ende!

Freyr, der Psychater, kommt ab und an ins Zweifeln über seinen eigenen Geisteszustand und kämpft mit seinen eigenen Problemen, er lebt allein, seine Frau hat sich getrennt von ihm, nachdem ihr gemeinsamer Sohn vor Jahren spurlos verschwunden ist. Er hat noch etwas Kontakt zu seiner Ex-Frau. Freyr hat mir als Person ganz gut gefallen, kein Superheld, sondern ein ganz normaler Mensch, der den Dingen auf den Grund gehen möchte.

Ich gebe 5 Punkte für diesen tollen Island-Thriller!



Und habe schon wieder einige Bücher auf meiner Leseliste!
mgn37@freenet.de zu »Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord« 27.11.2011
Ich habe lange kein so gut erzähltes Buch mehr gelesen. Die Geschichte ist genial angelegt, richtig gut geschrieben und hat ein spannendes, insgesamt doch überraschendes Ende, dass nicht "abfällt" und auch keine Frage offen lässt. Bin absolut begeistert. Es muss aber gesagt werden, dass es kein Krimi, sondern ein hervorragender Gruselthriller ist.
Esad zu »Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord« 17.11.2011
Das Buch fing vielversprechend an. Der Spannungsbogen wurde zu Beginn gut aufgebaut und die Geschichte nahm ihren Lauf. Die Handlung wird flott zum Höhepunkt hingetrieben, wird jedoch gegen Ende schwach, denn es werden gewisse Ereignisse unzureichend aufgelöst. Das Ende ist einfach nicht gut. Die Geschichte gibt viel Material für ein besseres Finale her. So wie die Geschichte von Frau Yrsa aufgelöst wurde ist sehr unzufriedenstellend.
Antje zu »Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord« 07.11.2011
Yo, ist recht spannend - aber die Krimis von Yrsa sind mir da doch lieber... viele Fragen blieben zum Schluss einfach unbeantwortet und haben einen etwas ratlos und unzufrieden zurückgelassen. Ansonsten recht gruselig, aber nicht zu arg. Wer`s mag, sollte es lesen, wer lieber Psychothriller bevorzugt, wird hier nicht ganz zufriedenstellend bedient.
Tally zu »Yrsa Sigurdardottir: Geisterfjord« 11.09.2011
In "Geisterfjord" liest man kapitelweise abwechselnd zwei , wie es scheint, von einander unabhängige Handlungen. Zum einen sind da Katín, Líf und Gardar. Sie haben in dem mehr oder weniger verlassenen, abgeschiedenen Dorf Hesteyri ein altes Holzhaus erworben und wollen es als Gästehaus renovieren und neu herrichten. Kaum angekommen, gehen bereits mysteriöse Dinge vor sich, gespentische Geräusche und Erscheinungen lassen das eigentliche Vorhaben schon bald in den Hintergrund rücken.
Zum anderen sind da Freyr, der Psychologe und Dagný, die Polizistin. Ein Einbruch ohne Hinweis auf den/die Täter gibt ihnen Rätsel auf, ebenso die Umstände des rästelhaften Selbstmordes einer älteren Frau. Die Spurensuche beginnt und führt sie weiter in die Vergangenheit als gedacht...
Privat versucht Freyr sein Leben wieder in den Griff zu bekommen, nachdem drei Jahre zuvor sein Sohn Benni spurlos verschwunden ist. Die Erinnerungen holen ihn immer wieder ein und die Umstände bringen ihn dazu sich noch einmal genau mit der Suche nach seinem Sohn zu befassen.
Erst gegen Ende wird klar, ob und wie die beiden Handlungen in Zusammenhang stehen.

Das Buch ist durch und durch spannend, fast jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger und man MUSS einfach weiter lesen. Da einige Stellen im Buch recht gruselig sind, ist es nicht unbedingt für einsame Abende zu empfehlen ;) Der Schreibstil ist schön flüssig und bis auf anfängliche Schwierigkeiten mit den isländischen Namen gut lesbar.

Auf dem Cover wird "Geisterfjord" als "Island-Thriller" ausgewiesen. Also, ein Thriller im herkömmlichen Sinne war es meiner Meinung nach nicht, da es ziemlich ins Paranormale läuft, was mir persönlich allerdings sehr gefallen hat und ich hatte es ehrlich gesagt nach Lektüre des Rückentextes auch gehofft und bin nicht enttäuscht worden.

Wer sich also mal so richtig schön gruseln möchte, sollte dieses Buch unbedingt lesen!
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