Das gefrorene Licht von Yrsa Sigurdardottir

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 unter dem Titel Sér grefur gröf, deutsche Ausgabe erstmals 2007 bei Fischer Taschenbuch Verlag.
Ort & Zeit der Handlung: Island, 1990 - 2009.
Folge 2 der Dóra-Guðmundsdóttir-Serie.

  • Reykjavík: Veröld, 2006 unter dem Titel Sér grefur gröf. 384 Seiten.
  • Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch Verlag, 2007. Übersetzt von Tina Flecken. ISBN: 978-3-596-17599-4. 384 Seiten.

'Das gefrorene Licht' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sommer 2006, im Westen von Island. Auf der Halbinsel Sn fellsnes wird die Architektin eines Wellness-Hotels tot am Strand aufgefunden. Sie wurde vergewaltigt und brutal erschlagen, in ihren Fußsohlen stecken Nadeln. Rechtsanwältin Dora Gumundsdottir findet heraus, dass die Ermordete sich sehr für die Geschichte der verlassenen Gegend interessiert hat. Vor vielen Jahrzehnten standen auf dem Hotelgrundstück die Höfe zweier Brüder. Offenbar ist sie auf ein unaussprechliches Familiengeheimnis gestoßen …

Das meint Krimi-Couch.de: »Ein weiterer Krimi-Star aus Island« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Die Reykjaviker Rechtsanwältin Dora Gudmundsdottir wird von ihrem Mandanten Jonas um Hilfe gebeten. Dieser kaufte auf der Halbinsel Snaefellsnes ein Grundstück mit zwei alten Gehöften auf, um hier ein modernes Wellness- und Esoterik-Hotel zu errichten. Nun soll auch der zweite Hof in den Hotelkomplex eingebunden werden, doch die Baupläne geraten ins Stocken, da es in dem Hotel spuken soll, was dem im esoterischen Bereich arbeitenden Personal natürlich nicht entgegen kommt. Obwohl Dora die Geschichte als Unsinn abtut, entscheidet sie sich für einen Kurzurlaub in dem Hotel, um mit Jonas einige Unterlagen durchzusehen. Hierbei soll die Architektin Birna behilflich sein, die nicht nur an den Bauplänen des Hotels arbeitet, sondern sich zudem für die Geschichte der Gegend interessiert.

Birna kann Dora jedoch nicht mehr weiterhelfen, da sie am Abend vor Doras Anreise ermordet wird. Ihre Leiche wird von dem Bauer Bergur, mit dem sie ein kurzes Verhältnis hatte, am Strand unter einem Tangteppich gefunden. Offenbar wurde Birna erschlagen und vergewaltigt. Doras Neugier ist geweckt und so beginnt sie, sich ebenfalls für die Geschichte der beiden Höfe zu interessieren, da sie hier die Ursache für Birnas Ermordung vermutet. Wenig später erhält sie bei ihren Erkundungen tatkräftige Unterstützung durch ihren deutschen Freund Matthias, einem ehemaligen Kriminalkommissar. Beide finden schnell heraus, dass sie in ein wahres Wespennest gestoßen sind, denn die Geschichte der Höfe, die einst zwei Brüdern gehörten, die sich wegen ihrer Frauen bzw. deren Nachwuchs in die Quere kamen, spielt noch in die aktuellen Geschehnisse herein.

Dora muss sich beeilen, denn ihr Mandant Jonas wird von der Polizei als Mörder verdächtigt, zumal sich auf seinem Handy eine SMS befindet, die Birna vor ihrer Ermordung zugeschickt wurde. Danach wollte er Birna zur Tatzeit am Strand treffen, doch Jonas beharrt darauf, von dieser SMS nichts zu wissen. Dora glaubt ihm und in der Tat gibt es noch zahlreiche Personen, die ebenfalls als Täter in Frage kommen. Da findet Bauer Bergur nur drei Tage nach Birnas Tod bereits eine weitere Leiche. Der im Hotel als Hellseher angestellte Eirikur wurde in Bergurs Pferdestall von einem Hengst in dessen Box zu Tode getrampelt …

Wem Dolmen gefallen hat, kann unbesehen zugreifen

Es ist ein großer Segen, dass sich die Leute auf Island grundsätzlich mit dem Vornamen anreden bzw. die Du-Form verwenden. So kann man wenigstens ansatzweise den Überblick behalten, wenngleich man sich gedanklich den einen oder anderen Knoten in seiner Zunge beim Lesen zuführt. So ermittelt der Polizist Porolfur Kjartansson im Mordfall Birna Halldorsdottir und die undurchsichtigen Familienverhältnisse der Brüder Bjarni und Grimur nebst deren Frauen und Nachwuchs haben es selbstredend in sich. Hinzu kommen noch mehrere Hotelgäste und -angestellte, auf dass die Zahl der Verdächtigen ordentlich ansteigen möge. Wer mit vielen Namen (noch dazu derartige Zungenbrecher) Probleme hat, sollte vielleicht lieber zu einem anderen Buch greifen.

Wer sich hierdurch nicht verwirren lässt, sondern sich vielmehr herausgefordert fühlt, darf gerne zugreifen. Insbesondere dann, wenn Ihnen der Roman Dolmen des franzözischen Autorinnen-Duos Nicole Jamet & Marie-Anne Le Pezennec gefallen hat. Die beiden Romane ähneln sich sehr, nicht nur, weil sie auf einer abgelegenen (Halb-)Insel spielen, sondern auch in Hinblick auf die undurchsichtigen Familienverhältnisse der Vergangenheit. Hierzu möchte ich an dieser Stelle aus nahe liegenden Gründen nicht mehr sagen, außer »Lesen sie selbst!«.

Das Privatleben der Protagonistin Dora wird (wie sollte es anders sein) konsequent weiter erzählt und so gibt es folgerichtig ein Wiedersehen mit ihrem deutschen Freund Matthias, den sie in Das letzte Ritual kennen lernte. Zudem machen noch die lieben Kleinen so ihre Probleme, denn Gylfi, ihr sechzehnjähriger Sohn, steht kurz davor Vater zu werden.

»Du bist jetzt schon bei einer Verstorbenen eingebrochen, hast ihr Eigentum entwendet und polizeiliche Ermittlungen behindert, indem du Jonas die Möglichkeit gegeben hast, fragwürdige Daten aus seinem Handy zu löschen. Ich kann’s kaum erwarten, wo das alles enden wird.«

Apropos Dora: Mit dieser Rechtsanwältin muss man zunächst erst einmal »warm« werden. Sie unterschlägt Beweise, arbeitet alles andere als kooperativ mit der Polizei zusammen und erinnert somit in ihrer Art ein wenig an Miss Marple. Allerdings an jene Miss Marple, die Sie aus den Filmen mit Margaret Rutherford kennen, deren Figur ja bekanntlich nicht allzu viel mit der Romanvorlage gemeinsam hatte. Auch an Doras Freund Matthias muss man sich gewöhnen, denn er verhält sich ebenfalls ein wenig seltsam. So weist er beispielsweise Dora mehrere Male darauf hin, dass sie ihr »Beweismaterial« doch der Polizei übergeben sollte, lässt es jedoch bei derartigen Bemerkungen bleiben. Muss man (Matthias war ja früher selber Kriminalkommissar) nicht unbedingt verstehen.

»Weißt du, was ich tun sollte?«
»Hm, aufhören, dir den Kopf darüber zu zerbrechen und der Polizei die Ermittlungen überlassen?«

Ansonsten sind die Charakterzeichnungen sehr zurückhaltend, die volle Konzentration gilt dem Plot, der allerdings auch höchste Konzentration erfordert. Immer wieder gelingt es der Autorin geschickt, ihre Leserschaft auf falsche Fährten zu locken, immer neue Personen in den Fokus der Ermittler zu schieben, nur um nach wenigen Seiten das Ganze wie ein Kartenhaus zusammen brechen zu lassen, weil es so ja wohl doch nicht gewesen sein kann. Den möglichen Einwand, dies sei doch alles viel zu stark konstruiert, muss man im vorliegenden Fall nicht unbedingt gelten lassen, da alle Beziehungsgeflechte nachvollziehbar aufgelöst werden.

Das gefrorene Licht ist aus den genannten Gründen zwar kein Page-Turner im üblichen Sinn, doch lässt sich das Buch bequem und zügig in ein, zwei Tagen bewältigen, da der Schreibstil der Autorin angenehm ausfällt und ihr noch dazu einige Cliffhanger vorzüglich gelingen. Yrsa Sigurdardottir ist eine Autorin, die hierzulande noch weitgehend unbekannt ist, wenngleich ihr Debütroman Das letzte Ritual bereits für Aufsehen sorgte und gleich in über 20 Sprachen übersetzt wurde. So wenig Einwohner Island auch haben mag, es gibt dort nicht nur einen aus der Masse herausragenden Krimiautor.

Jörg Kijanski, Januar 2008

Ihre Meinung zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht«

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haefler zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 11.07.2011
das Buch ist gut zu lesen und durchgehend Spannung vorhanden. Im Gegensatz zu der Meinung von zwei anderen Lesern ist es bis kurz vor Ende überhaupt nicht zu erahnen, wer der Täter ist. Dass Matthias hier als "Anhängsel" wirkt, ist m.E. plausibel, da er ja im Rahmen einer Urlaubsreise vor Ort ist und ohne Sprachkenntnisse wenig aktiv beitragen kann. Trotzdem sehe ich seine Rolle im Roman als nicht unwesentlich. Ich stimme einer anderen Kritik zu, dass zu oft das Wort "erröten" benutzt wird.
Alles in allem finde ich es, im Gegensatz zu einem bekannten "Allgäu-Krimi" (der nicht übersetzt werden musste), nicht schlecht geschrieben.
mylo zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 28.07.2010
Nun diese zweite Buch fand ich nicht ganz so Klasse wie das erste, vielleicht auch weil mir die handelnden Personen zum Teil bekannt waren und der deutsche Polizist Matthias wohl so gar nicht in die Geschichte passt, soll wohl das Bindeglied zum ersten Roman sein wo er er eine die Story tragende Rolle inne hatte.
Ansonsten setzt sich aber fort was man aus dem ersten Roman kennt. Gefällig zu lesende Geschichte, wenn auch dieses Mal nicht ganz so spannend. Die Personen sind zum Teil sehr interessant dargestellt, die Geschichte wie auch im Teil 1 gut recherchiert. Freue mich schon auf die Folgeromane, kurzweilige, teils zum schmunzeln anregende und dabei durchaus mit einer gewissen Spannung versehene Kriminalgeschichten mit Einblick in Leben und Menschen auf Island.
Dafür dieses Mal 70 Punkte
Alexandra zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 12.07.2010
Der zweite Band nach "Das letzte Ritual" um Dora und Matthias.
Natürlich ist es wieder notwendig, Notizen zu machen, um den Überblick zu den handelnden Personen nicht zu verlieren, die "fremden" Namen zu behalten und die Familienverhältnisse in der Geschichte der Bauernhöfe zu begreifen ;-)
Dora kommt als Rechtsanwältin ab und zu etwas sehr naiv daher, was der Spannung aber nicht schadet.
Ich habe mir Band 3+4 bereits gekauft und freue mich auch über das Bild Islands, das Y. S. in ihren Romanen zeichnet.
70-75 Grad von mir.
Tanja zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 25.08.2009
Die Idee ist gut gewählt und die ersten Seiten versprechen einen interessanten Krimi. Leider stören einige Handlungsstränge die Geschichte eher, da sie völlig unwichtig sind.

Die Protagonistin stolpert etwas ziellos umher, zieht oft voreilige Schlüsse und kommt mit klischeehaft und engstirnig wirkenden Argumenten daher. Der Handlungsstrang mit ihren Kindern lässt sie zudem wie eine sehr schlechte Mutter wirken.

Matthias ist völlig deplatziert. An keiner Stelle ist er wirklich nötig oder trägt etwas wichtiges bei. Er scheint eher die ganze Zeit darüber nachzudenken, wie er Dora möglichst schnell wieder ins Bett bekommt - was mir ebenfalls äußert klischeehaft vorkommt.

Das Ende ist einigermaßen vorhersehbar und leider nicht so spannend, wie der Anfang versprochen hat.

Insgesamt ein ganz netter Krimi, wenn man nicht allzu viel erwartet.
Nomadenseele zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 16.02.2009
Das Buch fängt im ersten Kapitel spannend an und fällt dann umgehend an einen literarischen Nullpunkt, aus dem es sich beharrlich nicht mehr wegbewegt.
Sehr bemühter *Witz*, eine konstruierte Handlung vermischt mit Möchtegern-Mystery lässt einen erleichtert aufatmen, sobald sich der Krimi dem Ende nähert. Zudem muß man aufpassen, nicht bei den vielen isländischen Namne ins Schleudern zu geraten.

Fazit:
Ich werde von dieser Autorin bestimmt kein Buch mehr lesen.
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
heinrich zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 08.06.2008
Gemessen an Arnaldur I.’s drögen Ermittlern wirken Dorà und Matthias wie Nora und Nick Charles in Island. Oft witzig und selten klischeehaft baut Yrsa Sigurdardottir ihren Roman auf eine beklemmende Familiensaga auf, deren vertuschtes Verbrechen in der Gegenwart zu zwei weiteren Morden führt. „Gefrorenes Licht“ ist kein „Frauenkrimi“, auch wenn die Geschichte aus der Sicht der unorthodoxen Rechtsanwältin erzählt wird und deren Familiengeschehnisse neben der Haupthandlung eingewebt ist. Hilfreich für den Leser ist die Auflistung der vorkommenden Personen und die Skizze der Stammbäume der beiden Höfe, so dass man zu keiner Zeit den Faden verliert. Ich werde die Reihe weiter verfolgen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
monijoh zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 14.05.2008
Ich fand das zweite Buch schon fast ein wenig besser als das erste von Yrsa S. Die Geschichte ist interessant, nicht abgeschaut. Die Protagonistin ist sympathisch und auch nicht fehlerfrei, ihre Art ist erfrischend, auch lustig. Es ist ein gelungener Krimi, zwar recht leichte Kost, aber erfrischend!
Nina K. zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 26.03.2008
Mir hat das Buch gut gefallen, wenn ich auch den Ausgang ab einem gewissen Punkt für sehr erahnbar gehalten habe, die Fährten für zu offensichtlich gewählt. Sehr gutes Ende, da es nicht pseudo-dramatisch war, sondern ehr in den Verlauf gepasst hat. Ich möchte den ersten Teil auch lesen.
Dosenstan zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 26.02.2008
Hallo!
Mein erster "Island"Krimi hat nicht enttäuscht. Es ist ein solides Buch mit logischem Ende aber keine Extra-Klasse.
Werde auch den zweiten Roman der Autorin lesen
Krilla zu »Yrsa Sigurdardottir: Das gefrorene Licht« 08.02.2008
Mir gefällt das Buch nicht wirklich, es ist sehr behäbig geschrieben, die Handlung zieht sich unnötig in die Länge und ich frage mich warum erwachsene Isländer ständig erröten ;-)... oder hat die Übersetzerin etwas falsch interpretiert?
Guten Gewissens werde ich das Buch weder empfehlen noch weitergeben.

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