Herbst der Chimären von Yasmina Khadra

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel L´automne des chimères, deutsche Ausgabe erstmals 2001 bei Haymon.
Ort & Zeit der Handlung: Algerien / Algier, 1990 - 2009.

  • Paris: Éd. Baleine, 1998 unter dem Titel L´automne des chimères. 175 Seiten.
  • Innsbruck: Haymon, 2001. Übersetzt von Regina Keil-Sagawe. ISBN: 3-85218-358-8. 157 Seiten.
  • Zürich: Unionsverlag, 2002. Übersetzt von Regina Keil-Sagawe. ISBN: 3293202403. 141 Seiten.

'Herbst der Chimären' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Der unbestechliche Kommissar Llob wird aus dem Polizeidienst entlassen: Er hat unter Pseudonym Kriminalromane geschrieben, die wegen ihrer schonungslosen Offenheit den korrupten Mächtigen von Algerien gefährlich werden könnten. Llob ist geächtet, verliert seine letzten Freunde und entgeht nur knapp einem Anschlag. Als ihm jemand die Rehabilitation anbietet, lehnt er ab. Von nun an ist er ganz allein. Khadra lässt noch einmal in intensiven Bildern das vom Terror verwüstete Algerien entstehen – es ist zugleich eine Liebeserklärung an sein Land.

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stephi zu »Yasmina Khadra: Herbst der Chimären« 08.09.2008
Nichts ist wichtiger als Patriotismus. Wer gegen den Strom schwimmt, wird gnadenlos niedergemetzelt.
Diese Erfahrung macht Kommissar Brahim Llob aus Algier, nachdem er unter dem Pseudonym Yasmina Khadra ein Buch geschrieben hat, was die Missstände im Land aufdeckt und auch die Fehler der Polizei, also seiner Kollegen, deutlich macht. In Algerien herrscht Krieg, permanent werden Bomben auf Algier abgeworfen. Ein Mensch bringt den Mut auf, sich gegen das eingefahrene System zu stellen und bezahlt dafür einen hohen Preis.
Zunächst wird er aus dem Polizeidienst in die Pension entlassen, dann wird er von vermeintlich guten Freunden nur benutzt, dass sie ihre Ziele erreichen können und schließlich entgeht er selbst immer wieder nur knapp Anschlägen, so dass irgendwann klar wird, dass es sich dabei nicht um Zufälle handeln kann – Kommissar Llob ist zum Ziel geworden.

Yasmina Khadra alias Mohammed Moulessehoul liefert mit „Herbst der Chimären“ einen sehr tiefgründigen und bewegendes Roman. Man bekommt als Leser einen sehr detaillierten Einblick in das Denken des Protagonisten und seine teilweise melancholische Stimmung überträgt sich zeitweise sogar auf den Leser, was das Lesen selbst sehr angenehm gestaltet.

Schwierig ist es, sich die verschiedenen Namen der Personen zu merken, da sie durch den Handlungsort bedingt in weitern Teilen arabisch sind und für europäische Verhältnisse sehr kompliziert sind und dann auch noch teilweise sehr ähnlich klingen.

Für mich ist das Buch kein „typischer“ Kriminalroman. Es ist eher eine sehr gelungene und gut dosierte Mischung zwischen Krimi und Politik. Die gesellschaftlichen Aspekte werden in den Vordergrund gestellt, während der kriminalistische Anteil doch ziemlich in den Hintergrund rückt. Dies tut dem Lesevergnügen jedoch keinen Abbruch. Man sollte sich nur vorher im Klaren darüber sein, ob man sich auf diese in meinen Augen doch eher ungewöhnliche Mischung einlassen kann.

Als etwas störend habe ich die Fußnoten im Text empfunden, durch die immer wieder Erklärungen zu Begriffen geliefert werden oder Bezug auf andere Romane des Autors genommen wird. Natürlich waren die Begriffserklärungen nötig, da im Text häufig einzelne arabische Wörter auftreten, teilweise hätte aber zur Erklärung meines Erachtens nach auch ein Nebensatz genügt. Wie gesagt – teilweise. An einigen Stellen sind die Fußnoten absolut notwendig. Die Verweise auf die anderen Bücher des Autors wären auch nicht unbedingt nötig gewesen, ermöglichen es aber Lesern, die auch die anderen Bücher kennen, vielleicht noch einmal nachzulesen.

Insgesamt betrachtet ist „Herbst der Chimären“ nach einer wirklich sehr kurzen Eingewöhnungsphase ein sehr gutes Buch, was sich nicht mit einer oberflächlichen Betrachtung der Missstände in Algerien zufrieden gibt und die eine oder andere Überraschung für seinen Leser bereit hält.
T.H.D. zu »Yasmina Khadra: Herbst der Chimären« 10.06.2007
Ein schreckliches, aber auch wunderbares Buch. Wunderbar, weil es hervorragend geschrieben, spannend und ohne Längen ist - wie ein Krimi sein soll -, schrecklich, weil während der gesamten Lektüre die Gewissheit mitschwingt, dass sich der Autor nicht nur eine Geschichte ausgedacht hat, sondern aus der Realität des Terrors in Algerien vor einigen Jahren berichtet. Fast nebenbei erfährt man eine ganze Menge über die Hintergründe islamistischen Terrors (von jemandem, der darin offenbar Einblick hat), über die man hinweglesen würde, läse man sie in einem Sachartikel in der Tageszeitung. Unbedingt empfehlenswert!
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