Dunkler Wahn von Wulf Dorn

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Heyne.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland, 1990 - 2009.

  • München: Heyne, 2011. ISBN: 978-3-453-26705-3. 432 Seiten.

'Dunkler Wahn' ist erschienen als Hardcover E-Book

In Kürze:

Seit der Aufdeckung des Fahlenberger Klinikskandals ist der Psychiater Jan Forstner gegen seinen Willen zu einer lokalen Berühmtheit geworden. Deshalb misst er den Geschenken einer unbekannten Verehrerin zunächst auch keine Bedeutung bei. Doch dann wird ein Journalist ermordet, der Jan um Mithilfe in einem mysteriösen Fall gebeten hatte. Ein Fall, der mit einer rätselhaften Frau in Zusammenhang stand. Jan erkennt, dass er ins Visier einer Wahnsinnigen geraten ist, die ein perfides Spiel mit ihm treibt. Doch wer ist die Frau mit den zwei Gesichtern? Die Suche nach der Identität der Mörderin führt den Psychiater in einen Alptraum aus Paranoia und seelischer Grausamkeit, aus dem es kein Entrinnen zu geben scheint. Und die einzige Person, die ihm helfen könnte, ist zum Schweigen verdammt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Wenn der tödliche Wahnsinn eine Maske trägt« 92°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

In seiner Heimatstadt Fahlenberg ist Psychiater Jan Forstner mittlerweile durchaus prominent – nachdem er den Skandal in der örtlichen Klinik aufgedeckt hat, verarbeitete seine Freundin die Ereignisse in einem Buch. Er ist deshalb an den Promi-Status wider Willen gewohnt, und wundert sich zunächst nur wenig, als er Blumen und Briefe von einer unbekannten Verehrerin bekommt. Dann bittet ihn allerdings ein Lokal-Journalist um Hilfe – und vor dem vereinbarten Treffen wird der Mann brutal ermordet. Zeugen wollen den Streit des Mordopfers mit einer unbekannten Frau bemerkt haben. Als er seinerseits eindeutige Anrufe einer Frau bekommt, die sich Jana nennt, muss Forstner zu seinem Entsetzen erkennen, dass die wahnsinnige Killerin ihn ebenfalls im Visier hat. Zur Polizei kann und will der Psychiater derzeit nicht gehen, zu vage sind für ihn die Verdachtsmomente. Hilfreiche Hinweise kommen vom örtlichen Pfarrer, dem sich die verwirrte junge Frau offenbar im Schutze des Beichtgeheimnisses anvertraut hat. Jan sammelt weitere Beweise, bis ihm die Mörderin schließlich gefährlich nahe kommt und auch Menschen aus seinem unmittelbaren Umfeld in Gefahr geraten. Erst im dramatischen Finale wird das Rätsel um die Identität der Verrückten auf überraschende Weise gelöst.

Der dritte Psycho-Thriller aus der Feder von Wulf Dorn setzt die Geschichte um den zu lokaler Berühmtheit gelangten Psychiater Jan Forstner gekonnt fort. Auch in Dunkler Wahn zeigt der Autor von Beginn an, dass er ein hervorragender Geschichtenerzähler ist. Episodenhaft, in kleinen Schritten, wird der Leser in die dann immer düsterer werdende Handlung eingeführt. Harmlose Randhandlungen vermitteln zuweilen den trügerischen Eindruck von Normalität, aber schon bald wird dem Leser deutlich, dass es hier einmal mehr um die wirklich dunklen Tiefen der menschlichen Psyche geht.

Absolut beeindruckend ist für mich, wie glaubhaft geschildert wird, dass auch ein erfahrener Psychiater dem Phänomen einer Stalkerin, die in ihrer offenbar vorhandenen Parallelwelt gnadenlos für ihre Ziele mordet, relativ hilflos gegenüber steht. Die Angst, die Jan Forstner angesichts der Bedrohung durch die irre Killerin empfindet, wirkt authentisch und nachvollziehbar. Dorn entwickelt seinen Protagonisten in diesem neuen Roman konsequent weiter. Der schriftstellerische Kunstgriff, dass sich die Freundin des Psychiaters auf einer längeren Lesereise befindet, und er deshalb keinen Ansprechpartner für seine Vermutungen und Ängste hat, wird außerordentlich geschickt genutzt, um die Spannung und Dramatik der Geschichte kräftig anzuheizen. Forstner ist keineswegs der coole Typ, als der er von Kollegen und Öffentlichkeit gesehen wird. In sich gekehrt teilt er seine Gedanken nur mit dem Leser, und so wird die Entwicklung ständig immer dynamischer, man mag das Buch schließlich kaum noch aus der Hand legen.

Eine weitere, wirklich gelungene Figur ist der junge Pfarrer, dessen Gewissenskonflikt nach dem Beicht-Geständnis der Mörderin nachvollziehbar geschildert wird. Die Schlüssel-Rolle dieser Figur für den weiteren Verlauf der Handlung kann hier nicht ausführlich geschildert werden, aber auf jeden Fall hat Wulf Dorn einen beeindruckenden Protagonisten erschaffen, der dem Leser für einige zentrale Themen des Romans die Augen öffnet.

Es geht hier um die Beziehung zwischen Stiefeltern und ihren Kindern, um Überforderung eines Heranwachsenden, um Vertrauen, um die Projizierung eigener Ängste und Sehnsüchte auf andere Menschen. Und all das in einer wahnhaften Übersteigerung, die schließlich zu Mord und Totschlag führt. Ob es die spannend und authentisch geschilderten Krankheitsbilder tatsächlich gibt, oder ob der Autor hier von seiner dichterischen Freiheit freigiebig Gebrauch gemacht hat, ist für mich dabei sekundär. Der aufgebaute Spannungsbogen lässt dem Leser im Grunde keine Luft, um über den Realitätsgehalt des Geschilderten ernsthaft nachzudenken. Wulf Dorn hat vielmehr eine düstere Atmosphäre erschaffen, die beklemmend und beängstigend genug ist, um dem Leser kalte Schauer über den Rücken zu jagen. Diesen Psychothriller sollte man jedenfalls nicht lesen, wenn man allein zu Hause ist. Gespannt darf man sein, ob Jan Forstner weitere Episoden dieser Art erleben wird – das Potenzial für eine Fortsetzung hat die Figur allemal.

Andreas Kurth, Oktober 2011

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Carolina zu »Wulf Dorn: Dunkler Wahn« 27.12.2013
Auf der Rückseite des Buches steht "einer der besten Psychokrimi-Autoren Deutschlands" meint die Zeitschrift BRIGITTE. Wenn das so wäre, dann könnte einem Deutschland leid tun.
Ich fand das Buch einfach schlecht.
"Um ihn herum hing der schwere Geruch der Sünde, der nun unerträglich geworden war".
Zitat aus dem Buch. Die Geschichte ist ein fach widersinnig, und klischeehaft und einfach langweilig. Auf spannend künstlich aufgemotzt.
Also ich bleib bei britischen, skandinavischen und französischen Autoren, die erzählen keine n solchen Sch.
rolandreis zu »Wulf Dorn: Dunkler Wahn« 05.10.2012
Als ich diese Buch angefangen habe zu lesen, war mir nicht klar das es sich mehr oder weniger um eine "Fortsetzung" handelt. Es wäre natürlich von den Informationen besser gewesen ich hätte den Band "Kalte Stille" vorher gelesen, aber es ist nicht zwingend notwendig. Wulf Dorn gelingt es hervorragend, extreme Spannung aufzubauen, die es dem Leser schwer macht, die Lektüre zu unterbrechen. In relativ kurzen Kapiteln hetzt er von Cliffhanger zu Cliffhanger. Überzeugend schafft er es dem Thema Stalking eine interessante und furchterregende Note zu geben. Im Nachwort zu dem Buch verrät er, wie er auf die Idee gekommen ist und das es ihm wichtig war, dem Thema einen neuen Aspekt abzugewinnen. Dies ist ihm mit diesem Thriller eindrucksvoll gelungen. Kleine Abstriche mache ich nur für die letzten 30 Seiten. Das Ende war mir ein wenig zu überzeichnet.
Silberfee28 zu »Wulf Dorn: Dunkler Wahn« 05.07.2012
.. diese drei Sätze stehen auf dem rückwärtigen Cover des Buches.
Treffender könnten diese Sätze das Buch auch nicht beschreiben.
Schon von der ersten Seite an ist einem die Geschichte „symphatisch“. Der Autor weiß genau wie er den Leser an sich binden kann, man ist sofort mitten im Geschehen und möchte das Buch nicht mehr aus der Hand legen.
Langsam und sachte steigert sich der Spannungsbogen und an Momenten wo man sich als Leser denkt :“Jetzt geht doch gar nichts mehr“ setzt der Autor noch einen Höhepunkt drauf und man weiß eigentlich gar nicht wie man die Geschichte verarbeiten soll.
Tiefenpsychologisch tricky würde ich als Leser sagen ist die Story. Es kommt auf viele kleine Details an die hier ein abgerundetes Bild entstehen lassen.
Der Leser bekommt ein derart facettenreiches Bild sowohl vom Täter als auch von den Opfern das einem selbst Angst und Bange werden kann.
Die Personen sind gut konstruiert und passen sich wunderbar in die Geschichte ein.
Sie agieren genau in dem Maß wie es für die Geschichte erforderlich ist und wirken dadurch ebenso real und authentisch wie die Geschichte selber.
Der Realismus mit dem der Autor hier zugange geht ist wirklich phänomenal und ich habe selten ein Buch erlebt das auf einem derart hohen Niveau spielt.
Man nicht nur einmal das Gefühl die Angst, die Verzweiflung, den Hass und all die anderen Emotionen der Personen hautnah zu erleben. Mit dem Wechselbad der Gefühle der handelnden Personen konfrontiert zu werden stellt an manchen Stellen aber auch eine Herausforderung für den Leser dar.
Insgesamt ist das ganze Buch eine Herausforderung die sorgsam verpackt als Thriller daher kommt. Der klassische „Wer könnte den der Täter sein“ Denken wird hier ad absurdum geführt und lässt den Leser im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen.
Man hat zu keinem Zeitpunkt der Geschichte überhaupt eine Ahnung wer , warum da was gemacht hat und erst als langsam und sachte die Auflösung naht erkennt man die wahre Dimension des Romans. Erschütternd ehrlich und erschreckend real.

FAZIT: Ein Thriller der Extraklasse der durch den Realismus der Geschichte und die Art und Weise wie der Autor erzählt Gänsehaut macht und nichts für schwache Nerven ist.
Unbedingte Leseempfehlung!
HeJe zu »Wulf Dorn: Dunkler Wahn« 12.02.2012
Alles in allem ein gutes Buch. Habe das Buch gerade ausgelesen und wenn ich nun so im Nachhinein darüber nachdenke, würde ich dieses Werk zwar als gelungen bezeichnen, aber andererseits auch jeden Interessierten warnen, dass die Hälfte des Buches durch gähnende Langweile glänzt, bis es dann endlich spannend wird. (Man bedenke, das Buch hat über 400 Seiten...)

Die ersten 200 Seiten sind zäh, überflüssig und wirklich anstrendend zu lesen. Wenn man sich durch dieses öde Geflecht hindurch gekämpft hat, landet man bei dem, was man sich vom Klappentext her an Spannung verspricht! Es wird von Seite zu Seite immer spannender, rasanter und raffinierter, was der erste Teil des Buches auf keinen Fall vermuten lässt. Das Ende ist ausgeklügelt; wenn auch nichts wirklich neues, jedoch gut umgesetzt und flüssig erzählt.

Wenn ich das Buch im Nachhinein bewerte, dann bleibt mir das super gute Ende in Erinnerung, und daher gebe ich 80 Grad.
Anne zu »Wulf Dorn: Dunkler Wahn« 06.11.2011
Ich bin vor einem Monat zufällig auf das Hörbuch zu "Kalte Stille" gestoßen und war sofort fasziniert. Ich bin eigentlich kein großer Leser. Aber dieses (Hör-) Buch hat mich sofort fasziniert. Als ich hörte, dass es eine Fortsetzung der Geschichte des Jan Forstner gibt, wollte ich sie unbedingt haben. Im Moment höre ich "Dunkler Wahn". Meistens vor dem Einschlafen. Das sollte man eigentlich nicht tun. Denn es ist so spannend, dass man gar nicht einschlafen kann, sondern immer weiter hören will. Die Bücher sind so spannend geschrieben, dass es an keiner Stelle langweilig wird. Wenn man denkt, es kann gar nicht mehr spannender werden, dann setzt Wulf Dorn noch einen drauf.Ich finde auch die Parallelgeschichte mit dem Pfarrer sehr spannend. Forstner und er haben beide auf unterschiedliche Art und Weise Angst vor der unbekannten Frau.Ich kann wirklich sagen, dass die beiden Bücher die perfekten Psycho-Thriller sind und kann es absolut empfehlen.
Ich hoffe, dass Wulf Dorn weitere Fortsetzungen schreibt. Diese Bücher sind wirklich der Innbegriff von Spannung!
Zabou1964 zu »Wulf Dorn: Dunkler Wahn« 04.11.2011
Wulf Dorns Bücher sind für mich wie eine Droge: Kaum ist ein neues Buch von ihm erschienen, muss ich es sofort haben und verschlingen. So habe ich auch „Dunkler Wahn“ sofort gekauft und mit großer Begeisterung und schweißnassen Händen gelesen.

Der Protagonist ist ein weiteres Mal der Psychiater Jan Forstner, der in einer Klinik im fiktiven Ort Fahlenberg arbeitet. Nachdem er in „Kalte Stille“ einen Klinikskandal aufgedeckt hatte, wird er nun Opfer einer Stalkerin, die skrupellos und wahnsinnig vor Liebe zu ihm jedes Mittel nutzt, um ihm näher zu kommen. Alles beginnt ganz harmlos mit einem Strauß Rosen, den Jan in die Klinik geschickt bekommt. Später folgen dubiose Zeichnungen und Anrufe, die Jan sehr schnell zeigen, dass er es mit einer echten Psychopathin zu tun hat. Ein Journalist der örtlichen Zeitung wird brutal ermordet, nachdem er Jan um einen Rat und ein Treffen gebeten hat. Kann dieser Mord auch mit der Stalkerin zu tun haben?

Wulf Dorn schildert sehr eindringlich die Ängste des Stalking-Opfers. Obwohl Jan Forstner Psychiater ist, ist er der Frau, die ihn angeblich liebt, hilflos ausgeliefert. Da er keine Beweise gegen sie hat, will er die Polizei nicht einschalten. Als die Frau einem Pfarrer beichtet, was sie getan hat, ist der zum Schweigen verpflichtet. Ich habe mit Jan gerätselt, gelitten und jede Frau in seiner Umgebung verdächtigt. Ab der Hälfte des Buches war es mir kaum noch möglich, es aus der Hand zu legen. Ich kann nur warnen: Wer dieses Buch liest, droht sämtlicher sozialer Kontakte verlustig zu gehen, weil man nur noch wissen möchte, wer die Stalkerin ist und ob Jan sie enttarnen kann. Die Auflösung hat mich förmlich schockiert. Damit hätte ich niemals gerechnet.

Sowohl Täter als auch Opfer werden in diesem Psychothriller gut und nachvollziehbar dargestellt. In teilweise sehr kurzen Kapiteln wechselt der Autor immer wieder die Perspektive, aus der erzählt wird. Auf diese Weise konnte ich mich in die Figuren sehr gut hineinversetzen.

Obwohl sowohl in „Kalte Stille“ als auch in „Dunkler Wahn“ Jan Forstner der Protagonist ist, kann man die Bücher unabhängig voneinander lesen. Ich empfehle trotzdem dringend, „Kalte Stille“ zuerst zu lesen. Der Autor erzählt zwar in kurzen Rückblenden das Wesentliche, aber zum besseren Verständnis sollte man das spannende Werk aus dem Vorjahr kennen.

Ich hoffe sehr, dass es bald ein neues Buch des Autors gibt, damit ich nicht „auf Entzug“ komme. Auch dieses werde ich mit absoluter Gewissheit wieder sofort „inhalieren“ und die Welt um mich herum vergessen.

Fazit:
Genauso muss ein perfekter Psycho-Thriller für mich sein: fesselnd, nervenaufreibend und süchtig machend!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Felix zu »Wulf Dorn: Dunkler Wahn« 06.09.2011
mit einem wort: genial! ich habe wulf dorns bücher von anfang an gelesen und nach trigger war er schon mein lieblingsautor. von kalte stille war ich ehrlich gesagt ein klein wenig enttäuscht und dann kam dunkler wahn. schnell, spannend, gruselig und an manchen stellen auf eine ganz komische art faszinierend. der plot ist von der ersten seite an spannend und es wird nie langweilig. dorn braucht kaum gewalt um spannung zu erzeugen viel mehr tut er dies auf eine subtile art und schafft es mit dingen, die jeder mensch gruselig findet, eine andere art - die mir persönlich sehr gut gefällt - von spannung zu erzeugen. für fans von (psycho-)thrillern ganz klare kaufempfehlung!
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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