Der Flug der Seraphim von Wolfgang Mock

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Militzke.

  • Leipzig: Militzke, 2003. ISBN: 3861895072. 233 Seiten.

'Der Flug der Seraphim' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Max Danco will den Tod seines Bruders rächen, der vom Geheimdienst ermordet wurde. Die Spur führt ihn auf die Kapverden, eine fremde Welt voller Musik und ungeschriebener Gesetze, die nur die Einheimischen kennen. Ein milieustarker Politthriller, der eines zeigt: Dass es das Private braucht, um die Politik der RAF-Terroristen ganz und gar zu verstehen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Alles was ein gutes Buch ausmacht – aber mit deutlichen Schwächen« 55°

Krimi-Rezension von uh

Zunächst einmal ist bemerkenswert, dass der Bucheinband gewohnt und genrekonform gestaltet ist und man auch glauben könnte, ein Werk aus dem Hause Bastei, Heyne oder btb in den Händen zu halten. Dies ist deshalb für mich eine Erwähnung wert, weil sich deutsche Verlage mit deutschen Autoren durch irgendwelche übertriebenen oder eigenwilligen Covers schon von vorne herein ausgrenzen und eindeutig zeigen »Wir spielen zweite Liga.«

Doch nun zum Werk selbst. In der »Ich-Form« erzählt die Hauptperson Max Danco von seinem unglaublichen Abenteuer. Der Schreibstil des Autors ist bemerkenswert. Gelungene, ausdrucksstarke Sätze, gute Bilder und sehr stilmittelreich schreibt Wolfgang Mock seine Geschichte herunter, in der Max Danco den Tod seines Bruders Alex rächen will. Alex, einstmals Mitglied der RAF, fiel vor Jahren einer üblen Falle zum Opfer, denn Geheimdienstmann Sarrazin benutzte den Bruder Max Danco, um ihn ausfindig zu machen und schließlich in die Luft zu sprengen. Dieses traumatische Erlebnis ließ Max offenbar nie mehr in Ruhe.

Die alte Geschichte kocht wieder auf

Als eines Tages eine Einladung zu einem Klavierkonzert ins Haus flattert und darunter die Unterschrift seines toten Bruders prangt, kocht die alte Geschichte wieder auf. Max muss sich die Frage stellen, ob Alex, der Bruder, den Anschlag damals doch überlebte. Voller Hoffnung macht sich Max Danco auf die Suche, um sein Trauma zu überwinden, aber mehr noch, um seinen geliebten und totgeglaubten Bruder wieder zu finden.

Sein Weg führt ihn auf die Kapverdischen Inseln, einer geheimnisvollen und mystischen Welt, voller eigenen und ungeschriebenen Gesetzen, beherrscht von Aberglauben und unheilvollen Kräften. Auf der Suche nach einer geheimnisvollen Frau, der Mutter des kindlichen Klaviergenies aus Brüssel, durchlebt Max Danco gefährliche Abenteuer, verliebt sich in die Inselschönheit Malu, bis er schließlich erkennen muss, dass er wiederum nur Opfer eines tödlichen Komplotts wurde.
 …und am Ende gibt es keine strahlenden Sieger.

Ein klassisches Racheplot

Ein klassisches Racheplot steckt hinter der erzählten Geschichte, mit der ich ehrlich gesagt, so meine Probleme habe. 230 Seiten umfasst der Roman. Davon haben mich die ersten 110 gelangweilt und verwirrt, und hätte ich den Roman nicht deshalb lesen wollen, weil ich am Ende eine Rezension darüber schreibe, so hätte ich ihn wahrscheinlich zur Seite gelegt.

Die darauf folgenden Seiten sind das komplette Gegenteil. Sie haben gefesselt, spannend unterhalten und all das geboten, was ich von einem überdurchschnittlichen Buch erwarte. Am Ende blieben noch 10 Seiten übrig, die den guten Eindruck wieder leicht eintrübten, weil sie zu sehr konstruiert wirkten, manche Lösungen etwas zu sehr an den Haaren herbeigezogen waren und dicht am Klischee wandelten. Was macht man also mit einem solchen Roman?

Dieser Autor kann schreiben! Aber …

Jetzt kann man ihn verreißen, ihn totschreiben, ihn zertreten. Doch genau das wäre der Fehler, denn dieser Autor kann schreiben. Das Plot hinkt und darauf sollte er beim nächsten Buch achten. Die vielen »Retros« und ständig wechselten Handlungsorte verwirren zu sehr und nehmen komplett die Spannung. Die Exposition beginnt bereits mit dem Tod einer Hauptperson auf den Kapverdischen Inseln. Damit ist auch dieser Teil im Buch, der eigentlich in der zweiten Hälfte des Handlungsstranges liegt, bereits offen gelegt und »entspannt«.

Dazu ständige Rückblenden und Kindheitserinnerungen. Berlin, das Internat in Hessen, dann Brüssel, dann ist man wieder in Berlin, dann in Spanien, auf den Kapverden, dann wieder in Brüssel. Ein einziges Durcheinander und ich stelle mir die Frage, ob die feurigen Racheengel (Seraphim) am Ende dieser undurchschaubaren Ochsentour überhaupt noch wussten, wo sie überall waren. Nachdem Max Danco auf den Inseln eintrifft, gewinnt auch der Roman an Klasse und Flair. Spannung, Mystik, Ungewissheit, schillernde Personen, Erotik. Alles, was ein gutes Buch ausmacht, ist vorhanden.

Am Ende folgen dann einige Offenbarungen, die mir zu sehr an den Haaren herbeigezogen sind (vielleicht weil sie zu lasch vorbereitet und eingeführt wurden).

Die gleiche Geschichte mit einem anderen, gestrafften und vielleicht auch chronologisch leichter durchschaubaren Handlungsstrang und das Buch wäre in der oberen Hälfte der deutschen Krimi-Szene zu finden.

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