Heidelberger Requiem von Wolfgang Burger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2005 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 1 der Alexander-Gerlach-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2005. ISBN: 3-492-24217-0. 272 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2007. ISBN: 978-3-492-26225-5. 256 Seiten.

'Heidelberger Requiem' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Alexander Gerlach glaubt, mit seiner Beförderung zum Chef der Heidelberger Kriminalpolizei einen ruhigen Posten bekommen zu haben. Doch schon am ersten Tag wird die Leiche eines Chemiestudenten gefunden, der auf grausamste Weise ermordet wurde. Der Fall scheint rasch zu lösen zu sein, denn der junge Mann hatte synthetische Drogen hergestellt, um sein Budget aufzubessern. Doch bald kommt es zu einem weiteren Mord, der alle bisherigen Vermutungen über den Haufen wirft. Als Gerlach beginnt, das grausame Spiel zu durchschauen, ist es fast zu spät …Ein spannender Roman mit einem ungewöhnlich sympathischen Helden, der sich nicht nur ständig in die falschen Frauen verliebt, sondern zudem als allein erziehender Vater von seinen beiden Töchtern in Atem gehalten wird.

Das meint Krimi-Couch.de: »Gelungene Überleitung zur neuen Serie« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Den ersten Satz des Buches musste ich gleich dreimal lesen:

»Erst Wochen später, als wir längst im tiefsten Schlamassel steckten, wurde mir bewusst, dass ich die Frau mit der Perlenkette in den Minuten zum ersten Mal sah, als Patrick Grotheer seinem Mörder die Tür öffnete.«

Weitere Schachtelsätze auf den ersten beiden Seiten liessen mich befürchten, dass ich mich durch diesen Roman hindurchquälen müsse. Doch da hatte ich mich getäuscht: so schnell, wie sich der Autor eingeschrieben hatte, so schnell hatte ich mich auch eingelesen.

Mit der Einführungsfeier des neuen Kriminalrats Alexander Gerlach in Heidelberg, bei der auch seine früheren Kollegen aus Karlsruhe erschienen sind, schafft Burger eine geschickte Überleitung von seiner Petzold-Reihe zur neuen Gerlach-Reihe. Von der Ausgangslage her erinnert der neue sympathische Serienheld als alleinerziehender Vater pubertierender Zwillingsmädchen ein wenig an Andreas Franz’ Kommissar Peter Brandt. Doch anders als jener ist Gerlach völlig auf sich allein gestellt. Eine neue Wohnung wird noch gesucht und so fährt Gerlach täglich nach Heidelberg, während die Töchter in Karlsruhe über die Stränge schlagen.

Eigentlich besteht sein neuer Job ja mehr aus Schreibtischarbeit und Koordination, doch so schnell kann sich der neue Kriminalrat nicht umstellen und fährt bei der ersten Mordmeldung gleich selber mit den Kommissaren Klara Vangelis und Sven Balke zum Tatort. Das Opfer ist der Chemiestudent Patrick Grotheer. Er wurde ans Bett gefesselt, dann wurden ihm die Pulsadern aufgeschnitten und er verblutete. Schnell finden die Beamten heraus, dass Grotheer synthetische Drogen herstellte und ein luxuriöses Leben führte. Mit seinem Vater, dem weltberühmten Arzt und Leiter der chirurgischen Abteilung des Heidelberger Uni-Klinikums, hatte er sich bereits seit langem überworfen. Seine Mutter hatte schon oft befürchtet, dass es mit ihrem Sohn einmal ein solches Ende nehmen würde.

In all der Hektik vergisst Gerlach die Staatsanwaltschaft zu informieren, und holt sich gleich den ersten Rüffel. Die Ermittlungen gestalten sich problematisch. Ein Verdächtiger wird zwar schnell festgenommen, doch scheint sich dessen unglaubhafte Aussage tatsächlich als wahr herauszustellen. Doch Gerlach hat nicht nur Probleme mit seinen Töchtern und seinen Vorgesetzten. Kommissarin Vangelis zeigt sich ihm gegenüber sehr abweisend, war sie doch selber auf seinen Job aus. Überhaupt scheint der Witwer mit Frauen nicht das glücklichste Händchen zu haben. Aber von all den Widrigkeiten lässt er sich nicht unterkriegen.

Burgers Charaktere sind lebensecht und gut dargestellt. Auch Randfiguren fristen kein Schattendasein. Sei es eine Kioskbesitzerin oder ein Nachbar, der etwas beobachtet hat, die Figuren wirken lebendig und nicht nur, als ob sie als Staffage dienten.

Mit Alexander Gerlach hat er einen glaubwürdigen Protagonisten erschaffen und eine gesunde Mischung zwischen dessen Privatleben und den dienstlichen Ereignissen geschafft. Gerlach ist keiner der Krimihelden, denen immer das Entscheidende einfällt, was alle anderen übersehen haben. Keiner, der aus der Masse herausragt. Nein, meist ist er mit seinen Ideen sogar eine Nuance langsamer als seine Untergebene Vangelis, die dem Leser im Verlauf der Handlung immer sympathischer wird. Und obwohl – oder gerade weil – Gerlach nicht als großer Sieger den Schauplatz verlässt, geht er beim Leser ganz klar als Gewinner hervor.

Obwohl der Alltag der Polizisten minutiös geschildert wird, was überaus realistisch wirkt, steigt die Spannung immer mehr an und man kann das Buch kaum noch aus den Händen legen.

Sehr beeindruckend ist der Abschnitt über die Schuldfrage von Ärzten, wenn sie ein Leben nicht retten können, weil sie derweil gerade zwei andere retten müssen. Und auch die Verbindung zur Verantwortung von Polizisten ist gut gezogen.

Mit »Heidelberger Requiem« hat der Autor einen Kriminalroman vorgelegt, mit dem er internationale Vergleiche nicht zu scheuen braucht. National sehe ich Wolfgang Burger auf einer Stufe mit Horst Eckert. Auf die weitere Entwicklung von Kriminalrat Gerlach darf man sich schon freuen.

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rolandreis zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Requiem« 20.11.2014
Durch meine Vorliebe für Regionalkrimis bin ich auf diese Krimireihe rund um den Kommissar Alexander Gerlach gestoßen. Gleich der erste Band hat dann auch mein Interesse für die weiteren Bücher aus dieser Reihe geweckt. Kriminalrat Gerlach ist eine sympathische Figur mit Ecken und Kanten, dabei alleinerziehender Vater von pubertierenden 13-jährigen Zwillingstöchtern und immer für ein Fettnäpfchen gut. Das Buch ist daher eine gelungene Mischung aus Regionalkrimi ohne viel Blutvergießen und humoriger Geschichte über den Start von Gerlach in Heidelberg. Gerlach ist vielleicht ein wenig die Heidelberger Ausgabe eines Commissario Brunetti. Für mich ein gelungener Auftakt der Serie.
Koffeinfrei zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Requiem« 18.06.2011
Der erste Roman von Wolfgang Burger mit dem Protagonisten Alexander Gerlach hat mir gut gefallen. Kein super Highlight, aber dennoch gute Krimikost. Der Ermittler Herr Gerlach kommt sehr sympathisch und menschlich daher, was ich genauso überraschend wie angenehm empfand, weil die meisten Ermittler ja mehr oder weniger eigenbrödlerisch, schwierig oder sonst irgendwie problematisch sind. Endlich mal jemand der ein bisschen fröhlicher und positiver ist als viele der Krimikollegen. Der Krimi an sich lässt sich sehr gut lesen und verstehen. Glücklicher Weise tauchen nicht allzu viele Verdächtige auf, es gibt kein allzu großes Wirrwarr und man findet sich immer zurecht. Trotzdem gibt es Überraschungen. Ich habe das Buch gerne gelesen und bin gespannt auf den nächsten Fall, das Buch habe ich schon.
dripdrip zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Requiem« 07.06.2011
Der Kriminalrat Alex Gerlach ist ein angenehmer Begleiter durch die schönen Heidelberger Straßen. Er ist ein Mann, der sein eigenes, glaubwürdiges Leben abseits seines Jobs hat. Das Team steht im Hintergrund, wie es erforderlich im ersten Buch einer Reihe ist aber diese Leute sind auch interessant. Nur die Offenbarung des entscheidenden Anhaltspunkts hat mir falsch geklingelt. Warum kann diese Person alles erinnern und die Polizei nicht? Ich freue mich auf dem nächsten Buch.
dg9tm zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Requiem« 05.11.2008
Ich habe das Buch gestern auf der Zugfahrt in einem Rutsch durchgelesen. Es ist sehr spannend und schnell geschrieben. Durch den mir bekannten Tatraum (Heidelberg und Umgebung) war es um so leichter nachvollziehbar. Ich kann es allerdings auch Nicht-Heidelbergern empfehlen. Ein paar Dinge haben mich zwar gestört - es gab einige harte Wechsel im Buch, wo ich mir doch einen Absatz oder gar ein neues Kapitel gewünscht hätte und nicht einfach im nächsten Satz einen total andere Szene, recht viele Rechtschreibfehler und zu guter letzt, in Heidelberg gab es zum Zeitpunkt als das Buch geschrieben wurde drei McDonald's in Heidelberg (jetzt sind es nur noch zwei) - aber alles in allem kann ich das Buch empfehlen und habe mir auch gleich die Folgebände zugelegt
Herbert Petersen zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Requiem« 11.06.2008
Ich habe das Buch in etwas mehr als 24 Stunden gelesen und war nicht enttäuscht. Es war auch garantiert nicht der letzte "Burger-Krimi" den ich gelesen habe.
Das Buch ist kurzweilig geschrieben und man fühlt irgendwie mit dem Protagonisten mit.
Elke zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Requiem« 29.06.2005
Als Karlsruherin fand ich es zwar schade, dass der Handlungsort nun Heidelberg ist, aber das Buch selbst ist wieder ein "echter Burger".
Es ließt sich gut, ist unterhaltend und spannend, es macht einfach nur Spaß, dieses Buch zu lesen. Die Charaktere sind unglaublich menschlich dargestellt, keine überzogenen Helden oder kaputte Chaoten, sondern beeindruckend real.
Ich möchte dieses wie auch die anderen "Burgers" nur wärmstens weiterempfehlen.
GunJah zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Requiem« 26.04.2005
Hab das Buch zum Geburtstag bekommen und bin völlig fasziniert, da ich selbst in Heidelberg wohne und beim Lesen in Gedanken am Ort der Geschehnisse war. Nur zu empfehlen. Auch für Nicht-Heidelberger.
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