Heidelberger Lügen von Wolfgang Burger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: , 1990 - 2009.
Folge 2 der Alexander-Gerlach-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2006. ISBN: 978-3-492-24491-6. 271 Seiten.

'Heidelberger Lügen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Kriminalrat Gerlach und seine Töchter haben sich in Heidelberg eingelebt, und eigentlich könnte sein Leben endlich in ruhigeren Bahnen verlaufen. Doch dann verspricht er einer jungen Witwe, deren Mann unter seltsamen Umständen ums Leben kam, bei der Aufklärung zu helfen. Tatsächlich scheint es bei dem Autounfall nicht mit rechten Dingen zugegangen zu sein, denn in das Geschehen war auch eine Frau verwickelt, mit der Kriegel seinerzeit verabredet war. Gerlach vermutet ein Eifersuchtsdrama, doch dann taucht ein Aktenkoffer voller Geld auf, der offenbar dem Toten gehört hat. Der ausgesprochen sympathische Kriminalrat muss in einem Fall ermitteln, der ihn rund um die Uhr fordert. Weshalb er wieder einmal zu wenig Zeit für seine Zwillingstöchter hat, die sich gerade zum ersten Mal verlieben, nur leider in denselben Jungen …

Das meint kirmi-couch.de: »Realistische Polizeiarbeit und konstruierter Plot« 81°

Krimi-Rezension von Peter Kümmel

Ein Kriminalrat, der sich die Ehefrau seines Vorgesetzten als Geliebte hält – das ist doch mal was Exklusives im Einerlei sonstiger Serien-Kommissare. Wie Alexander Gerlach seine Theresa kennengelernt hat, das haben wir bereits im Heidelberger Requiem erfahren. Nun setzt Wolfgang Burger mit »Heidelberger Lügen« zum zweiten Schlag an. Und daß Lügen vorprogrammiert sind, wenn man ein solch heikles Versteckspiel treiben muß wie Gerlach, das versteht sich von selbst. Denn nicht nur vor seinem Chef muß er die Beziehung geheimhalten, sondern auch vor seinen pubertierenden Zwillingstöchtern, deren Erziehung der Witwer aufgrund seines Jobs weitgehend vernachlässigt. So ist er zur Zeit freudig überrascht darüber, dass seine ansonsten völlig unsportlichen Töchter plötzlich eine Vorliebe dafür entwickeln, allabendlich ins Schwimmbad zu gehen, bis er erfährt, dass es sich bei besagtem Schwimmbad um eine Discothek handelt. Und kann nicht einmal richtig wütend auf sie sein, denn belogen haben sie ihn nun wirklich nicht.

Beruflich hat es Gerlach dieses Mal gleich mit zwei Todesfällen zu tun: einem offiziellen und einem inoffiziellen – und bei beiden besteht zunächst Zweifel über die Todesursache. Da ist zum einen die Wasserleiche, die man im Necker gefunden hat. Erst als man entdeckt, dass nicht ertrinken, sondern Genickbruch die Todesursache war und zudem der Mercedes des Opfers spurlos verschwunden ist, wird klar, dass man einen Mordfall am Hals hat. Einen Verdächtigen hat man auch gleich zur Hand: Vitus Hörrle, verdächtig des Mordes an seiner Frau und aus der Untersuchungshaft geflohen. Brauchte er auf seiner Flucht ein Fahrzeug?

Mit versteckten Hinweisen zu dick aufgetragen

An den zweiten Toten geriet Gerlach eher wie die Jungfrau zum Kind. Neben seinem Stammkiosk steht eine verstörte junge Frau mit Kleinkind. Sie sucht nicht nur ihr Auto, sondern vor allem den Grund dafür, dass ihr Mann vor einiger Zeit, obwohl angeblich beruflich in Saarbrücken unterwegs, in völlig entgegengesetzter Richtung östlich von Heidelberg ein Hotelzimmer gemietet hatte und nachts tödlich verglückte.

Wie schon im Vorgänger beeindruckt Burger durch seine lebensechten Charaktere und seine glaubwürdige Darstellung der Polizeiarbeit. Da vergisst der Chef mal was und seine Untergebenen können auftrumpfen, dafür hat er dann auch mal wieder einen Geistesblitz. Fehler werden gemacht und schließlich gelangt man über akribische Arbeit zum Ziel.

Was jedoch absolut nicht dazu passt und mehr an die Fähigkeit von Superermittlern erinnert, deren logische Schlüsse vom Leser absolut nicht nachvollziehbar sind, waren die versteckten Hinweise von der Tochter am Telefon. Diese waren nicht nur für die weitere Handlung ziemlich überflüssig, sondern die verquere Logik des Entschlüsselns auch ziemlich daneben.

Der Raubmord mutiert zum Wirtschafts-Thriller

So realistisch die Polizeiarbeit verläuft, so konstruiert ist der Plot. Aber er ist gut konstruiert. Alles und jedes hängt zusammen. Die drei verschiedenen Ereignisse verknüpfen sich nach und nach zu einem Ganzen und das absolut nicht so, wie man das zunächst vermutet. Nahezu jede Person, die auftaucht, wird schließlich zum Mosaikstein in einem Fall, der vom zunächst angenommenen Raubmord zum Wirtschafts-Thriller mutiert.

Die Auflösung erfolgt dann ziemlich überraschend. Nicht immer ist die Polizei zum Schluß am schlauesten und es kommt zum Happy-End für alle Beteiligten.

Auch ein paar tiefgreifende Gedanken bringt Burger wieder in den Roman ein. So durchleuchtet er die Praktiken der Wirtschaft, in der beim Streben nach Profit zuerst die Arbeitsplätze der kleinen Leute geopfert werden, was aber über Umwege diesen auch wieder zugute kommt.

Von Kommissarin Vangelis mehr erwartet

Etwas enttäuscht hat mich die Entwicklung von Kommissarin Vangelis respektive das Fehlen dieser Entwicklung, obgleich das Ende vom »Requiem« vermuten ließ, dass man mehr von diesem interessanten Charakter – für mich der interessanteste des ersten Falles – zu erwarten hat. Dafür ist mit Lorenzo ein neuer und sympathischer Charakter aufgetaucht, von dem ich mal vermute, dass er nicht nur dieses eine Gastspiel hatte.

Insgesamt stehen die »Heidelberger Lügen« dem »Requiem« in keiner Weise nach. Wolfgang Burger hat wieder einen Krimi vorgelegt, der in sich schlüssig ist und dem Leser prima Unterhaltung bietet.

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rolandreis zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Lügen« 13.02.2015
"Heidelberger Lügen" ist der zweite Alexander Gerlach-Krimi von Wolfgang Burger und besticht erneut durch seine sympathischen Protagonisten. Es ist ein leichter Krimi, schnell zu lesen und mit einen guten Handlungsstrang. Dabei hat mir besonders gefallen, dass der Täter wirklich erst zum Ende enttarnt wurde. Die Reihe sollte aber in der Erscheinungsreihenfolge gelesen werden, da die Familienstory von Gerlach aufeinander aufbaut.
Herbert_Petersen zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Lügen« 10.01.2009
Auch der zweite Gerlach-Krimi hat mir sehr gut gefallen. Bis kurz vor Schluss wusste ich nicht, wer der Mörder ist. Ich konnte das Buch nur schwer aus der Hand legen und werde mir auch den dritten Heidelberg-Krimi kaufen.
Den zweiten Handlungsstrang, das Privatleben, fand ich genau richtig vom Umfang her gehalten.
dg9tm zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Lügen« 05.11.2008
Der zweite Teil der Reihe ist wieder sehr spannend und fesselnd geschrieben. Es fordert den Leser zum mitdenken auf. Leider wird das Privatleben von Kriminalrat Gerlach nur angeschnitten. Der Leser erfährt immer wieder Häppchen, aber durch die Knappheit wirkt es eher störend als unterhalten. Der private Part kam im ersten Band besser zur Geltung.
Ansonsten ist es wieder schnell gelesen und macht Lust auf mehr...
buechi zu »Wolfgang Burger: Heidelberger Lügen« 18.03.2006
Insgesamt hat mir auch der zweite Heidelberger Krimi von Burger sehr gut gefallen. Über manche Ungereimtheiten sehe ich als Heidelbergerin gerne hinweg, der Spass am Tatort dabei zu sein überwiegt !!
Lediglich das merkwürdige Frauenbild hat mich irritiert. Versteht denn der arme Gerlach wirklich so wenig von dieser Welt (und damit von Frauen) ?? Und könnte er diese Zicken von Geliebte denn nicht endlich auf den Mond schiessen und sich seiner Kollegin Vangelis zuwenden ??
Herr Burger wird es schon richten.
Jedenfalls ein Muss für HD-Fans.
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