Das vergessene Mädchen von Wolfgang Burger

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2013 bei Piper.
Folge 9 der Alexander-Gerlach-Serie.

  • München: Piper, 2013. ISBN: 978-3-492-27259-9. 320 Seiten.

'Das vergessene Mädchen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Auf einer Klassenfahrt verschwindet die junge Lea spurlos. Erst kürzlich wurde ein Mädchen entführt und umgebracht, der Täter ist noch immer auf freiem Fuß. Steckt hinter Leas Verschwinden der ältere Mann, mit dem sie eine Affäre hatte? Was ist mit dem unglücklich verliebten Mitschüler, der wie vom Erdboden verschluckt ist? Dann überschlagen sich die Ereignisse: Ein Mitarbeiter von Kripochef Gerlach wird angeschossen. Der verliebte Mitschüler liegt bewusstlos auf der Intensivstation. Und von Lea keine Spur.

Das meint Krimi-Couch.de: »Etwas zu viel des Guten.« 75°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

Es sollte Anfang Dezember eine nette Klassenfahrt nach Straßburg werden, doch zurück in Heidelberg stellt sich heraus, dass eine Schülerin fehlt. Auch in den folgenden Tagen fehlt von der fast volljährigen Lea Lasalle jede Spur, so dass Kripochef Alexander Gerlach, dessen Zwillingstöchter Sarah und Louise in die gleiche Klasse gehen, inoffiziell auf Spurensuche geht. Leas Vater scheint die Abwesenheit seiner Tochter nicht weiter zu interessieren, vielmehr plagen ihn akute Alkoholprobleme und Schwierigkeiten zwischen ihm und Lea gab es ohnehin des Öfteren. Mitschüler Henning Dellnitz, das Computergenie der Klasse, ist schwer dagegen verliebt in Lea und macht sich große Sorgen. Mit nicht ganz sauberen Methoden versucht er zu helfen, doch wenige Tage nach Leas Verschwinden fehlt auch von Henning plötzlich jede Spur. Kurz darauf werden seine geliebte Vespa und sein Rucksack gefunden.

Es geht inzwischen stark auf Weihnachten zu und die Ermittlungen kommen nicht voran. Von einem älteren, reichen Freund ist die Rede, aber auch ein einflussreicher Politiker gerät in Verdacht. Dann wird zu allem Überfluss noch ein enger Mitarbeiter von Gerlach bei einer zweifelhaften Überwachungsaktion angeschossen und als wäre dies immer noch nicht genug, macht im Elsass ein Serienmörder Jagd auf junge Frauen …

Der Heidelberger Kripochef Alexander Gerlach, Protagonist und Ich-Erzähler, hat es gleich mit zahlreichen Vergehen und noch mehr Verdachtsmomenten zu tun. Dabei ist es schon auffällig, dass der Kripochef höchstpersönlich die (inoffiziellen) Ermittlungen leitet und mehrere seiner Mitarbeiter ihm ständig zur Seite stehen. Offenbar haben sie sonst nichts zu tun. Davon abgesehen ist der Plot eine wahre Achterbahnfahrt, denn neben den eingangs schon angerissenen Szenarien führt noch eine weitere Spur nach Israel und Afghanistan. Die Handlung ist trotz aller Spannung völlig überfrachtet. Der Plot und seine zahlreichen Side-Storys reichen für vier oder fünf Romane und wenn man das dann alles auf gerade einmal 300 Seiten verarbeiten möchte, dann hat man naturgemäß ein Problem. Folglich enden einige der Nebengeschichten mitunter so schnell und beiläufig wie sie entstanden sind. Viel Schaumschlägerei könnte man also sagen und in der Tat wird hier zu oft mit Nebelkerzen geworfen. Schade, da wäre mal wieder weniger mehr gewesen.

Sieht man von dem großen Durcheinander ab, bleibt eine spannende Geschichte, in der die Polizeiarbeit nicht zu kurz kommt. Die Ermittlungen und die damit verbundenen Belastungen für die Beteiligten werden ansprechend aufgezeigt und selbst für das Privatleben des Protagonisten bleibt reichlich Platz. Vor allem Gerlachs Privatleben scheint noch nicht gänzlich sortiert und dass seine beiden sechszehnjährigen Zwillingstöchter reichlich Probleme haben, die sich aus ihrer Pubertät ergeben, versteht sich (fast) von selbst und will daher ebenfalls ausführlich abgearbeitet werden.

Der Erzählstil ist interessant, die Geschichte hat nur wenige kleine Hänger, schlägt stattdessen aber zahlreiche Kapriolen. Wer nichts gegen eine turbulente Achterbahnfahrt hat und wem es zudem nichts ausmacht, dass sich einiges von selbst, einige wenige Sachen gar nicht aufklären, der darf hier zugreifen. Eine Bewertung der Auflösung des eigentlichen Falles, dem Verschwinden von Lea, soll aus verständlichen Gründen an dieser Stelle entfallen.

Jörg Kijanski, Juni 2013

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rolandreis zu »Wolfgang Burger: Das vergessene Mädchen« 27.07.2015
Das vergessene Mädchen kommt zunächst ganz ohne Mordopfer aus, denn Lea ist verschwunden und Alexander Gerlach ermittelt nur weil sie bei seinen Zwillingen in der Klasse war. Es ist seine persönliche Motivation die ihn weitermachen lässt, manchmal auch nicht ganz legal oder sagen wir in einer Grauzone. Geschickt baut Wolfgang Burger den Spannungsbogen auf und führt den Leser immer wieder auf eine neue Fährte. Besonders gefällt mir auch an der Reihe die Verquickungen von Beruf und Privatleben des Ermittlers Gerlach. So manches Mal kann man über ihn und seine Zwillingstöchter schmunzeln. Am Ende hat Wolfgang Burger einen Schluss geschrieben, den ich so nicht erwartet hätte, aber der schlüssig ist und gut passt. Alles in allem eine solide Story mit vielen Handlungssträngen, die teilweise ins Nichts laufen, sich teilweise von alleine lösen und einem außergewöhnlichen Ende.
Marcus zu »Wolfgang Burger: Das vergessene Mädchen« 08.07.2013
Ein echter Burger! Wie fast immer wenn Alexander Gerlach ermittelt, konnte ich das Buch nicht aus der Hand legen, bevor die letzte Seite erreicht war.
Die gelungene Verstrickung zwischen Privat- und Berufsleben des Ermittlers lassen keinerlei Langeweile aufkommen.
Sehr schön auch, dass man das Buch als Paperback bekommt im Gegensatz zu den neuen Büchern von Klüpfel und Kobr oder Nele Neuhaus.
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