Bitteres Blut von Willi Voss

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Sutton.

  • Erfurt: Sutton, 2012. ISBN: 978-3866809581. 264 Seiten.

'Bitteres Blut' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

»Ich schwör, dass der Thorsten Böse da gehangen hat!«, behauptet Bauer Hollenberg steif und fest. Doch von der angeblichen Leiche fehlt jede Spur, lediglich ein Strick und ein blutverschmierter Turnschuh finden sich an dem verwitterten Denkmal. Nur zur Sicherheit beginnt Kriminalobermeister Lorinser, Fragen zu stellen. Böse ist verschwunden, so richtig leiden konnte den Kleinstadt-Playboy niemand und seinem Adoptivvater schlägt offener Hass entgegen. Mehr wollen die Ortsansässigen nicht sagen, selbst die Schutzpolizei gibt sich uninteressiert, und auf Lorinsers Dienststelle in Diepholz machen die Kollegen sich über die fehlende Leiche des jungen Kriminalpolizisten lustig. Aber irgendetwas stimmt hier nicht mit der ländlichen Idylle am Dümmer und so schnell wirft Lorinser die Flinte nicht ins Moor.

Das meint Krimi-Couch.de: »Böses Land« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Jochen König

Vor anderthalb Jahren erschien nach Jahren der literarischen Stille – von der Wiederveröffentlichung einiger ausgezeichneter früherer Werke wie Gegner und Die Nacht, der Tod abgesehen – Willi Voss´ neuer Roman Die Pforte des Todes. Ein leichter Hauch Mystery gab dem ansonsten höchst erdverbundenen Polizeiroman eine ungewohnte, aber passende Note. Obwohl Voss seit Jahren in Berlin lebt, spielte Die Pforte des Todes im kleinstädtischen Umfeld des Herrmann-Denkmals. Und auch Bitteres Blut kehrt nicht zurück in die Metropole, sondern verkrümelt sich noch weiter auf’s Land, nach Diepholz, ins bäuerliche Milieu des Dümmer Sees. Doch es braucht keine Großstadt, um schmutzige Verbrechen, Niedertracht und Menschen am Rande eines Kollapses zusammenzubringen.

Katalysator und Protagonist des Geschehens ist Oberkommissar Lorinser, der sich, frisch versetzt aus dem Ruhrgebiet, mit einem möglichen Selbstmord konfrontiert sieht. Kleines Problem dabei: Die Leiche des mutmaßlichen Selbstmörders ist verschwunden. Lorinser wittert einen Fall, denn der junge Thorsten Böse war alles andere als ein Unschuldslamm und sein Stiefvater so etwas wie die Nemesis des Ortes. Ein verbitterter alter Mann, der dörflichen Gemeinschaft durch seine wortkarge Schroffheit, seine Klagefreudigkeit unangenehm aufstieß. Und den Alteingesessenen wegen seiner Standhaftigkeit im Dritten Reich, die Böses Familie nur unter Schikanen und mit viel Glück halbwegs heil überstand, als lebendes Mahnmal ein Dorn im Auge.

Lorinser ermittelt, tritt seinen Mitmenschen auf die Füße, muss sich gegen seine Vorgesetzten behaupten, die ihn von dem anscheinend nicht vorhandenen fall abziehen wollen. So dauert es rund 150 Seiten, in denen wir Menschen begegnen, die sich spinnefeind sind, belauern und stets auf der Fehlersuche, natürlich bei anderen, sind, ehe Böse Juniors Leiche auftaucht und mit ihr der begründete Verdacht, dass es sich bei Böses Tod keineswegs um Suizid, sondern um Mord handelt. Mögliche Täter(innen) stehen Schlange.

Überzeugend zeichnet Voss die geistige Enge des dörflichen Lebens, die Ressentiments und Limitationen. Vermeidet aber ein allzu plakativ-abschreckendes Bild zu zeichnen. Denn die Gegenentwürfe gibt es sehr wohl, manchmal in alternativen Lebensformen, im gemeinsamen Engagement (gegen rein profitorientierte Baumaßnahmen beispielsweise), aber auch dort, wo man es nicht unbedingt erwartet, und sei es in störrischer Standhaftigkeit.

Voss kennt Land und Leute, das merkt man dem Buch mit fast jeder Seite an. So verwundert es auch nicht, dass Autobiographisches einfließt und jene Figur wieder auftaucht, um auf die Suche nach ihrem Schöpfer zu gehen, die Willi Voss vor Jahrzehnten in einer lesenswerten Serie auftreten ließ: Holger Fleestedt. Sein Cameo-Auftritt und das Zusammentreffen mit Lorinser lässt Optionen für die Zukunft offen.

Bitteres Blut ist kein Wald- und Wiesenkrimi, der ausschweifend mit Lokalkolorit hantiert, um das Interesse der regionalen Leserschaft zu wecken. Hier wird ein wacher Blick auf die deutsche Binnenlandschaft geworfen, in der Geschichtsklitterung sowohl privat wie öffentlich betrieben wird. In der Irrationales so rational erscheinen kann, dass es fast wie Zwangsläufigkeit wirkt. Vieles wird angerissen – wie die Geschichte von Lorinsers misshandelter Schwester Katta -, ohne das es eine klare und einfache Lösung gibt. Voss´ Welt ist keine hermetische, in der akribische und loyale Ermittler für einen Sieg der Gerechtigkeit sorgen, allzu oft lauern Fallstricke und –türen dort, wo man sie gar nicht erwartet. Menschen reden, manchmal viel und mitunter – zu – wenig. Doch das, was wichtig ist, findet sich meist zwischen den Worten. Und sei es in mörderischen Taten.

Jochen König, April 2012

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Krimitante zu »Willi Voss: Bitteres Blut« 22.05.2012
das ist ein solider, gut zu lesender krimi. atmosphärisch dicht ist vor allen dingen die beschreibung des handlungsortes, eines kleinen dorfes bei diephloz, und seiner bewohner. gut auch der plot, weil nachvollziehbar. (endlich mal kein blutiges serientäterszenario. keine grosstadt als handlungsort.) ebenso wie die auflösung. allerdings finde ich die schilderung der ermittlerarbeit genauso "nah" an der realität wie in einem "tatort" (für den der autor auch schon drehbücher geschrieben hat...). wo, zum bespiel, bleiben die recherchen zur tatwaffe, die ja wichtig wären? etwas blass ist auch der charakter des protagonisten lorinser geblieben. trotzdem hat das buch mir einige entspannte lesestunden bereitet, so dass ich noch mal auf willi vosss zurückkommen werde.
PMelittaM zu »Willi Voss: Bitteres Blut« 20.03.2012
Ein Bauer findet einen Toten, doch als die Polizei eintrifft, ist die Leiche verschwunden. Der Bauer konnte den Toten als Thorsten Böse identifizieren, der im Dorf nicht sehr beliebt ist. Die Polizei steht nun vor einem Rätsel, wo ist die Leiche – falls es überhaupt wirklich eine gibt – und wer ist der Täter.

Kriminalobermeister Lorinser ist neu in der Gegend und muss sich nun nicht nur mit den nicht gerade zur Mitarbeit motivierten Dörflern sondern auch mit seinem neuen Kollegenkreis auseinandersetzen. Außerdem ist da noch das eine oder andere private Problem.

Willi Voss ist es gelungen, eine neue, nicht sehr bekannte Gegend für seinen Roman zu entdecken und dort einen sehr sympathischen Ermittler anzusiedeln, der auch noch auf der Hierarchieleiter weiter unten steht und sich erst noch hocharbeiten muss. Das Dorf ist ein Dorf wie aus einem Alptraum, keiner mag den anderen so richtig, keiner ist wirklich sympathisch, jeder hat so seine Geheimnisse. Aber gerade das hat mir gut gefallen. Lorinser deckt vieles auf, doch was hat wirklich mit dem Fall zu tun? Ich habe bis fast zum Ende nicht die geringste Ahnung gehabt, wer der Täter ist und dennoch wurde der Fall logisch und konsequent gelöst.

Der Roman lässt sich flüssig lesen und hat eine ganz eigene Spannung. Das Ende ist, wie schon erwähnt logisch, was ich bei einem Kriminalroman immer äußerst wichtig finde. Ich hoffe, dass dies nicht der letzte Roman mit Lorinser gewesen ist, ich würde gerne noch mehr lesen.

Alles in allem ein Roman, den ich jedem Krimifan empfehlen kann.
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