Crinellis kalter Schatten von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2008
bei Kiepenheuer & Witsch.
Folge 2 der Jerome-Crinelli-Serie.
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Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2008.
ISBN:
978-3-462-03984-9. 448 Seiten.
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[Hörbuch] Bergisch Gladbach: Lübbe Audio, 2008.
Gesprochen von Dietmar Bär.
ISBN:
3-7857-3531-6. 6 CDs.
'Crinellis kalter Schatten' ist erschienen als
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In Kürze:
Die Spur führt Crinelli mitten hinein ins kalte Herz der Stadt. Zwischen Attentaten, Mord und Entführung stößt er auf eine unfassbare Verschwörung. Als ein eiskalter Killer dann auch noch versucht, ihn zu töten, beginnt eine Verfolgungsjagd, die in höllischem Tempo auf das gnadenlose Finale zusteuert.
Vermutlich wird es mir immer ein Rätsel bleiben, warum ermittelnde Kriminalbeamte nicht einfach Müller, Meyer oder Schmitz heißen können, sondern immer einen reißerischen Namen – wie in diesem Fall »Jerry Crinelli« – tragen müssen. Aber für den Kampf gegen den Super-Verbrecher kann offensichtlich kein Müller, Meyer oder Schmitz herhalten, da muss es schon ein »Crinelli« sein.
Der ohnehin schon von argen privaten Sorgen gebeutelte Jerry Crinelli trifft in seinem zweiten Fall auf einen mehr als angemessenen Gegner, der im Laufe der Geschichte eine veritable Wanderung durch die Untiefen des Strafgesetzbuches hinter sich bringt. Dazu gehören einerseits diverse Morde, ein großes Attentat auf einen vollbesetzten IC, zwei Kindesentführungen teilweise mit spektakulärem Ausgang und andererseits ein paar Peanuts wie Waffendiebstahl oder die Gründung einer kriminellen Vereinigung. Crinelli klemmt sich mit nimmermüdem Ehrgeiz auf die Spur dieses Superverbrechers und deckt im Alleingang böse Versäumnisse und Vertuschungen im Polizeiapparat auf bis es endlich zum furiosen Showdown im »Hauptquartier« des Gegners kommt.
Wenn man bei diesem Krimi davon absieht, dass Werner Köhler bei der Konstruktion der Verbrechen doch manchmal die Phantasie durchgegangen ist und auch verschiedene Hinweise, die letztendlich zur Lösung des Falles führen, mehr als phantastisch sind, ist insgesamt ein temporeicher und lesenswertes Buch entstanden. Sicherlich, der Leser muss sich schon fragen, warum der Hinweis, dass die Munition, die bei vollständig verschiedenen Verbrechen verwendet wurde, aus ein und derselben Fabrik stammt, als deutlicher Hinweis für die Gesamttäterschaft gilt. Wenn dem so wäre, wäre es dann nicht auch bedenklich, dass viele Täter vermutlich bei der Flucht auf einen Volkswagen zurück greifen?
Bedenklich stimmt auch, dass die Mitglieder einer kriminellen Vereinigung dadurch identifiziert werden, dass sie einen schwarzen Anzug eines bestimmten Herstellers tragen. Die Kunden von C&A oder Kaufhof sollten daher vorsorglich die Etiketten aus ihren Anzügen trennen. Als aus dem Reich der Phantasie hervorgezogen, muss auch der Fundort eines Entführungsopfers gelten, wurde dieses doch an besonders exponierter Stellung – nämlich an einem Fahnenmast auf der vielbefahrenen Deutzer Brücke – aufgefunden. Für die Durchführung dieses Projektes würde sicherlich eine Brückensperrung mit Bereitstellung eines Hubwagens erforderlich, aber diese kleinen Nickligkeiten trüben insgesamt nicht den Gesamteindruck dieses spannenden Buches.
Köhler führt den Leser auf eine spannende Reise durch ein unpathetisch beschriebenes, verregnetes Köln, die auf charmante Weise auch immer wieder einen kleinen Einblick in die Gewohnheiten und den Sprachgebrauch seiner Einwohner bietet, ohne dabei aufgesetzt oder konstruiert zu wirken. Der Held, Jerry Crinelli, ist dabei auch endlich einmal ein hart arbeitender Cop, der sicherlich Probleme im Privatleben zu erleiden hat, aber auch dieser Nebenschauplatz tritt nicht in den Vordergrund der ansonsten detailliert und realistisch beschriebenen Arbeit im Polizeialltag.
Besonders erwähnenswert ist auch Köhlers Abstecher in die Welt und Selbsteinschätzung der Obdachlosen, die in diesem Fall immer wieder eine Rolle spielen. Dem Autor gelingt hier eine schnörkellose und dennoch feinfühlige Beschreibung der Mentalität dieser gesellschaftlichen Außenseiter, auch wenn letztendlich unklar bleibt, wie diese Gruppe der Gestrandeten letztendlich als kriminelles Werkzeug verwendet werden konnte. Sicherlich ein weitere Ungereimtheit, aber in Anbetracht des furiosen und rasanten Endes und der insgesamt gut aufgebauten Story bleibt nur das Gesamturteil: Sehr ordentlich, Herr Köhler. 65°
Sabine Bongenberg, Juli 2009
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