Ehre, wem Ehre gebührt von W. W. Domsky

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Leda.

  • Leer: Leda, 2009. ISBN: 978-3939689331. 253 Seiten.

'Ehre, wem Ehre gebührt' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Alles deutet darauf hin, dass es sich bei dem Massaker in einer türkischen Metzgerei um das Finale einer Auseinandersetzung rivalisierender Kiezkönige handelt. Die desillusionierte und vom Alkoholmissbrauch gezeichnete Kommissarin Thea Zinck sieht das anders. Im Gegensatz zu ihren Kollegen verzichtet sie auf den medienwirksam schnellen Abschluss des Falles und verfolgt bis zum bitteren Ende rücksichtslos ihre eigenen Ideen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der Hype und die Dürftigkeit« 11°

Krimi-Rezension von Wolfgang Franßen

German Hard Boiled oder wie werde ich bekannt?

Es gibt Autoren, die versprechen sich viel davon, sich bewährter Muster zu bedienen. Cool muss man sein, hart muss man sein, allein muss man sein und eine Stange vertragen. Das verkauft sich in der Regel. Frei nach Ed McBain, der seinen Roman »Die Gosse und das Grab« gleich mit dem Geständnis beginnt:

»Ich bin Trinker. Eins sollten wir vorab allerdings gleich klarstellen: Ich trinke, weil ich trinken will.«

Und so begegnet uns in Ehre, wem Ehre ... ein altbekanntes Gesicht, eine Ermittlerin, die sich alkoholkrank ihrer Umwelt widersetzt und die eigene Schwäche à la Mickey Spillane mit Sarkasmus übertüncht. Diesmal heißt die Kommissarin Thea Zinck, und wir sehnen uns nach Bottinis Freiburger Ermittlerin Louise Bonì zurück, die gegen Zink eine schillernde Figur mit abgründiger Tiefe ist.

W.W. Domskys Zinck setzt auf einen provozierenden, burschikosen, jeglicher political correctness abholden Charakter, der sich verbal auf Stammtischniveau durch die Dialoge bewegt, während ihre speziellen Freunde, die Türken, für den holzschnittartigen Skandal des Fememordes herhalten müssen.
Legt da eine Autorin den Finger in eine brennende Wunde unserer Gesellschaft? Oder möchte da jemand seinen Bekanntheitsgrad steigern?

 In der Metzgerei

Welcher Autor, welcher Agent, welcher Verlag zerbricht sich nicht den Kopf darüber, wie er es schafft, dass sein Kriminalroman nicht in der Flut der Neuerscheinungen untergeht? Dem Droste-Verlag waren Stellen in Ehre, wem Ehre gebührt zu brisant, so dass er seiner Autorin zu Änderungen riet. Diese wurden im Vorfeld der Veröffentlichung bei Leda zu einem Feldzug gegen die Zensur aufgepuscht. Eine Autorin gegen den Islam. Eine Art Jeanne d’Arc der romanesken Meinungsfreiheit. Das verspricht Medienpräsenz.
Und der Roman?

Ein Blockbusterstart. Mitsamt blutbesudeltem Mann am Bett der Kommissarin und einem Massaker in einer Metzgerei. Eine Türkin mit einem Einschussloch in der Stirn, ein Landsmann mit Hilfe eines handtellergroßen Glasstücks die Halsschlagader durchtrennt, während der Metzger an der Hand verletzt wurde. Was will man mehr? Die Autorin zieht im Verlauf ihrer Geschichte alle Register, von denen sie sich Suspense verspricht. Zeiträume werden aufgelöst, Wunder ermöglicht. Die Einschusslöcher vom Ballistiker im Handumdrehen einer Makarov-Pistole zugehörig identifiziert. Kriminalistik auf höchstem Niveau.

Auch sprachlich graust es einen. Vom »Augenlider-Sand, der die Augäpfel wund rieb« bis zu Schüssen, die im Körper eines Menschen als »Treffer« bezeichnet werden. Gut, dass der Mann von RTL sich empört: »Die Bürger haben ein Recht auf Information!«
Mitarbeiter am Tatort werden nebenbei als »schick wie immer«, »geduscht ist er auch« oder als »Frischling« eingeführt, so dass wir uns mitten durch’s Phantasialand der deutschen Krimiliteratur bewegen. Man ist cool. Auch angesichts eines Massakers, das aus BMW, Jaguar, Audi, Mercedes womöglich mit einer Stalinorgel, zumindest einem Maschinengewehr durchgeführt wurde. Blut überall, säckeweise Patronenhülsen.

Wie bringe ich die Presse dazu, dass sie über mich schreibt?

Die Täter sind früh bekannt, der Fall latent vorhersehbar. Die Traumatisierung eines Jungen wird instrumentalisiert. Dialoge dienen, sobald sie die Türken betreffen, dem Anliegen einer Autorin, die Wirklichkeit dem Effekt der Dämonisierung zu unterwerfen. Natürlich darf auch die Russenmafia nicht fehlen.

Ein Ehrenmord, gepaart mit einer Kommissarin, die verbal kein politisches Fettnäpfchen auslässt, so eine Melange muss sich doch medienwirksam ausschlachten lassen, selbst wenn sie deutschtümelnd daherkommt. Oder?

Die Frage darf auch gestellt werden, warum eine Autorin sich ein Pseudonym zulegt, wenn sie unter eigenem Namen das Drama ihrer beinahe gescheiterten Veröffentlichung beklagt?

Wolfgang Franßen, Dezember 2009

Ihre Meinung zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt«

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Hannes Sanders zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 21.10.2010
Wenn es den Hype um die Ablehnung durch einen anderen Verlag nicht gegeben hätte, hätte ich dieses Buch wohl nicht gelesen. Das Thema ist hoch aktuell. Die handwerkliche Umsetzung ist leider mehr als dürftig. Die Zeichnung der Charaktere - einschließlich der Hauptdarstellerin - ist sehr grob, gebrochen und unvollständig. Ich würde mir sowohl mehr psychologisch fundierten Tiefgang wünschen als auch einfach eine wohl formulierte "Schreibe". Dieses Buch hat stilistisch bestenfalls Groschenroman-Niveau. Womit ich nichts gegen Groschenromane gesagt haben möchte.
anton zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 19.10.2010
Miner Meinung nach ein sehr interessantes Kriminalroman, mit kulturellen Niveau, gerade weil politisch unkorrekt. Gib viel zu denken, nicht zuletzt über das Scheitern des Multikultiwahnsinns. Schön erzählt, mit tiefen psychologischen Einblicken, literarisch gepflegt und spannend, dazu kommt noch der unerwarteter Schluss.
Leser zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 07.06.2010
Wolfgang Franssen hat Recht, das ist ein duerftiger Krimi. Ich habe ihn gerade durchgelesen, und es gibt einiges, das stoert. Z. B. unnoetige Wiederholungen ueber Autos (Seite 16,33), wechselnde Erzaehlperspektive, so dass die Geschichte nicht immer aus der Sicht der Polizei erzaehlt wird (S. 73,115,120,127). So geht viel Spannung verloren, weil der Leser zu viele Informationen hat und schon nach dem ersten Drittel des Buches ziemlich sicher ist, wer die Taeter sind. (Natuerlich kann nur Thea Zinck die Taeter finden, ihre Kollegen sind zu dumm.)

Was erfahren wir aber ueber die Hauptperson, Kommissarin Zinck? Fast nichts. Sie ist alkoholkrank, aber warum? Welche Vergangenheit hat sie? Ueber den kranken Vater ihres Assistenten Kai Stettner erfahren wir mehr als ueber die Hauptperson, die staendig rumstaenkert, viel weiss und den Fall schliesslich loest. Aber warum kann sie das?

Die letzten zwei Seiten sind wirklich gut, aber der Rest ist zaehe Krimikost.
Bio-Fan zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 16.01.2010
"Ehre, wem Ehre gebührt" ist eine der vielen Veröffentlichungen. die in Wirklichkeit niemand braucht, die aber auch keinem wehtut.
Die Vorfeld monierten ausländerfeindlichen Äusserungen der Hauptfigur, der Kommissarin Thea Zinck, sind das, was sie sind: FIGURENSPRACHE. Das sollte ein Verleger schon erkennen können, (ein Rezensent auch). Deshalb ist es schon abwegig, die Autorin gleich in eine deutschtümlerische Ecke zu stellen.

Also viel Lärm um Nichts. Hätte Verleger Droste nicht so ein Aufstand gemacht, dann wäre der Krimi sang- und klanglos untergegangen, denn "Ehre, wem" bietet nur Althergebrachtes in aktuellem Bezug. Die eigentlich bewährte Konstellation: Eine(r) allein gegen Alle punktet hier nicht, weil Autorin Domsky ihre Protagonistin viel zu überzogen darstellt. Kommissarin Zinck säuft, pöbelt und flucht wie ein Mann, was angesichts der Anfeindungen von Kollegen, Vorgesetzten und Verdächtigen durchaus verständlich sein mag, was aber mit einer solchen Penetranz vorgetragen wird, dass es eher lächerlich wirkt und den Ernst der Thematik konterkariert.
Kommissarin Zincks erster Fall (und ich vermute, es wird auch letzter gewesen sein) ist leider vorhersehbar, simpel und in drei kurzen Sätzen zusammengefasst:
Vor einer türkischen Metzgerei werden drei Menschen ermordet. Kommissarin Zinck vermutet eine Beziehungstat - der Rest der Polizei ein Bandendelikt. Eine hat recht.
Es hätte gar nicht der unkorrekten Wiedergabe oder der Polemik seitens des Rezensenten bedurft, - die Vorhaltungen, die Leser Guyrme in seinem Kommentar vom 30.11.09 macht, treffen leider zu- um Domskys "Alleingang" zu kritisieren - Angriffspunkte sind ja reichlich zu finden, wenn man sich bemüht, GENAU ZU LESEN, was doch wohl eine Grundvoraussetzung für eine Rezension sein sollte.

Ohne Wertung
1 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Zara W. zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 06.01.2010
So etwas schlechtes habe ich schon lange nicht mehr gelesen!
Nein, ich meine nicht das Buch, sondern das Pamphlet des Herrn Franßen. Und mit der Wortwahl Pamphlet habe ich auch bereits meine Kritik an seinem Text geäußert: es ist keine Rezension, sondern eine Schmähschrift! Scahde, dass ein Mitglied des KC-Teams in so einen Stil abgleitet.
AGATHA zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 04.12.2009
Die Frage lautet nach dem Lesen des Krimis? Ist die erzählte Geschichte tatsächliche eine Geschichte über Abgründe in türkischen Familien über das Schicksal der jungen Frauen? Sind solche Familien die Ausnahme? Ehrenmord, Vergewaltigungen, Verprügeln, Einsperren der weiblichen Familienmitglieder? Ich habe selbstverständlich einiges in den Medien darüber mitbekommen, vielleicht immer mehr in der letzten Zeit, aber ich werde mich angeregt durch den Krimi damit jetzt mehr beschäftigen und suche nach Antworten. Nun zum Krimi selber, er hat mit Thea Zinck und ihrer wortgewaltigen Schlagfertigkeit, mit der sie ohne Umschweife alles Wesentliche direkt auf den Punkt bringt, ohne jede Diplomatie, eine Kriminalkommissarin geschaffen, die gleichzeitig sympthatisch, anregend, witzig als auch unverschämt, vorlaut und unmöglich wirkt. Zusammenfassend ein brisantes Thema, ein spanndender Krimi.
Aber mehr darf nicht gesagt werden.
Bio-Fan zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 02.12.2009
Nö, Herr Franßen, das geht SO gar nicht.

Wir Leser erwarten an dieser Stelle BUCHkritiken und das leistet Ihre "Rezension" nur sehr bedingt. Was Sie hier hauptsächlich betreiben, ist eine überzogene und völlig unberechtigte Autorinnenkritik. Wenn ich über die Umstände, die bei der Veröffentlichung dieses Buches für Wirbel gesorgt haben, nicht an anderer Stelle (und korrekter) informiert gewesen wäre, hätte ich aus Ihren Interpretationen das Fazit gezogen: Gabriele Brinkmann (W.W: Domsky) ist eine publikums- und pressegeile Autorin, die alle Register der Massenverbreitung zieht, um auf ihren "Scheiss" (was ja der Tenor der Rezension ist) aufmerksam zu machen.
Ein bisschen mehr Sorgfalt bei der Hintergrundsrecherche sollte doch wohl möglich sein, bevor man eine angesehene Autorin coram publico demontiert.

PS: Da das hier auch kein Ort der Diskussion ist, kann meine Stellungnahme gerne wieder gelöscht werden. Die KC-Redaktion sollte überlegen, ob sie nicht das selbige mit Wolfgang Franßens Rezension tun sollte.

PPS: Ich war mir unschlüssig, ob ich mir dieses Buch zulege. W.Franßens Rezi hat mich dazu verführt, es zu tun. Über den Inhalt des Buches wird also noch diskutiert werden.
1 von 4 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
bebeka zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 01.12.2009
Warum hat man bei Ihrer Rezension, Herr Franßen, leider das Gefühl, dasS Neid hart erarbeitet werden muss? Anders kann ich z. B. Ihre falsche Einordnung von Pseudonym und Veröffentlichung des Echtnamens nicht einordnen. Ganz zu schweigen von dem Eindruck, dass Ihre "Empörung" über das Procedere der Veröffentlichung Ihre Einstellung zu dem Krimi bereits geprägt hat, bevor Sie ihn, wenn überhaupt, gelesen hatten.
Guyrme zu »W. W. Domsky: Ehre, wem Ehre gebührt« 30.11.2009
Sorry, werter Herr Franßen, ich habe den Krimi auch gelesen. Was Sie gelesen haben, weiß ich leider nicht:
Sie schrieben:"Eine Türkin mit einem Einschussloch in der Stirn"

... taucht in diesem Krimi leider nicht auf."Zeiträume werden aufgelöst"

Wo jetzt genau und welche?
"Wunder ermöglicht"
Auch möchte ich gern nachfragen, wo Sie die gefunden haben.
"Die Einschusslöcher vom Ballistiker im Handumdrehen einer Makarov-Pistole zugehörig identifiziert. Kriminalistik auf höchstem Niveau."
Davon ist in dem Krimi nicht die Rede - die Hülsen sind der Makarov zuzuordnen und nicht die Einschusslöcher. Ein Waffenexeperte der Polizei ist bei selten verwendeten Geschossen, wie bei einer Makarov, durchaus in der Lage, diese zu identifizieren.
"Mitarbeiter am Tatort werden nebenbei als »schick wie immer«, »geduscht ist er auch« oder als »Frischling« eingeführt, so dass wir uns mitten durch’s Phantasialand der deutschen Krimiliteratur bewegen. Man ist cool. Auch angesichts eines Massakers, das aus BMW, Jaguar, Audi, Mercedes womöglich mit einer Stalinorgel, zumindest einem Maschinengewehr durchgeführt wurde. Blut überall, säckeweise Patronenhülsen."
Eine doch recht einseitige und aus dem Zusammenhang gerissene Zitatensammlung. Nicht gut, Herr Franßen, nicht gut. Noch ein kleiner Hinweis: Die Kommissarin schreibt sich Zinck (mit ck). Wenn Sie schon alles monieren müssen, was geht, dann bitte richtig. Und dass Ihr Beitrag das Datum Dezember 2011 trägt, lässt darauf schließen, dass Ihr Kritikerrausch ein enormer gewesen sein muss.
Schade für die Krimicouch - solche Rezensenten braucht es nicht wirklich. Schön weiter den eigenen Bauch gepinselt. Man muss Euch ja nicht ernst nehmen. Wie tröstlich.
Ich hatte einen anderen Eindruck von dem Krimi. Jedenfalls fand ich ihn so gut, dass ich feststellen möchte, dass die Autorin, deren Pseudonym ja schließlich ein "offenes" ist und von Versteckspiel nicht die Rede sein kann, Ihr eitles Geschwurbel, Herr Franßen, nicht verdient hat. Hat übrigens niemand.Mit herzlichen Grüßen aus dem Krimiwunderland.
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