Märzgefallene von Volker Kutscher

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2014 bei Kiepenheuer & Witsch.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 1930 - 1949.
Folge 5 der Gereon-Rath-Serie.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014. ISBN: 978-3-462-04707-3.
  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2016. 608 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Argon, 2014. Gesprochen von David Nathan . gekürzte Ausgabe. ISBN: 3839813352.

'Märzgefallene' ist erschienen als Hardcover HörbuchE-Book

In Kürze:

Soldatenmorde im Schatten des Reichstagsbrandes: Gereon Rath ermittelt hart am Rande der Legalität Rosenmontag 1933: Gereon Rath feiert Karneval in Köln, und der Morgen danach beginnt für ihn mit einem heftigen Kater, der falschen Frau im Bett und einem Anruf aus Berlin: Der Reichstag steht in Flammen! Sofortige Urlaubssperre! Seinen neuen Fall aber erbt Gereon Rath von seinem ungeliebten Vorgesetzten Wilhelm Böhm, der sich unter dem neuen Nazi-Polizeipräsidenten ins politische Abseits manövriert hat: Ein Obdachloser ist erstochen am Nollendorfplatz gefunden worden. Dessen Vorgeschichte führt weit zurück in den Krieg, in den März 1917, als deutsche Soldaten während der »Operation Alberich« in Nordfrankreich verbrannte Erde hinterließen. Ungesühnte Morde, unterschlagene Goldbarren einer französischen Bank und ein in eine perfide Sprengfalle geratener Hauptmann münden sechzehn Jahre später in eine Mordserie. Der Schlüssel zu all dem scheint der kurz vor der Veröffentlichung stehende Kriegsroman des Leutnants a.D. Achim Graf von Roddeck zu sein. Rath ermittelt, doch immer wieder funken ihm andere Dinge dazwischen, und da sind die Vorbereitungen für seine Hochzeit mit Charlie Ritter noch das geringste Problem. Er wird in die Kommunistenhatz der Politischen Polizei eingebunden, muss sich mit SA-Hilfspolizisten und dem neuen Polizeipräsidenten herumschlagen und einen Geschäftsfreund des Gangsterbosses Johann Marlow aus den Klauen der SA befreien. Volker Kutscher ist wieder ganz auf der Höhe: atemlose Spannung, ein komplexer Fall, zwischenmenschliche Komplikationen und historische Genauigkeit und Anschaulichkeit.

Das meint Krimi-Couch.de: »Die Nazis betreten die Hauptbühne« 85°Treffer

Krimi-Rezension von Brigitte Grahl

In Märzgefallene, dem fünften Band der Rath-Reihe, befindet sich der Leser im Berlin von 1933. Während Kommissar Gereon Rath in einer Mordserie ermittelt, deren Motive bis in den ersten Weltkrieg zurückreichen, findet in Deutschland eine bedeutende politische Umwälzung statt. Der Reichstagsbrand ist der Auftakt zu einer organisierten Kommunistenverfolgung, die SA terrorisiert immer offener Juden und politische Gegner und die NSDAP wird bei der Reichstagswahl im März zur stärksten Partei. Wer Karriere machen will, tritt noch schnell in die NSDAP ein. Die Nazis der ersten Stunde nennen diese Opportunisten spöttisch Märzgefallene.

Märzgefallene heißt auch der Roman, den der zwielichtige Freiherr von Roddeck veröffentlichen will. In seinem Manuskript schildert er ein Verbrechen aus dem ersten Weltkrieg und fürchtet deswegen um sein Leben. Auch wenn Kommissar Rath dem aalglatten Freiherrn nicht über den Weg traut – es finden sich Verbindungen zu dem Mordfall, den Rath gerade bearbeitet: Ein obdachloser Kriegsveteran wurde erstochen, seine minderjährige Tochter ist verschwunden. Mit Hilfe seiner zukünftigen Braut Charlie gelingt es Rath, den Fall zu lösen. Dabei bewegt er sich, wie üblich, nicht nur auf legalen Wegen. Erschwert werden seine Ermittlungen zudem durch die politische Lage, die sich auch auf die Polizeiarbeit auswirkt.

Während die Nationalsozialisten in Kutschers ersten Bänden nur eine von vielen radikalen Splitterparteien der Weimarer Republik waren und immer mal wieder als Randfiguren auftauchten, sind sie in Märzgefallene überall deutlich präsent. Das kann selbst der unpolitische Gereon Rath nicht ignorieren. Zu offensichtlich sind die Veränderungen. Durch die Gesellschaft zieht sich auf einmal ein Riss: Familienangehörige, Freunde und Kollegen bekennen sich plötzlich offen zum Nationalsozialismus – oft zur Überraschung ihrer Nächsten.

Auch der Polizeiapparat wird umgebaut: Raths jüdischer Vorgesetzter wird durch einen Nazi ersetzt. Nach dem Reichstagsbrand muss die Kripo der Politischen Polizei bei der Kommunistenhatz Amtshilfe leisten. Rath sieht mit eigenen Augen, was die SA mit ihren Gefangenen in ihren Folterkellern macht. Trotzdem glaubt er, wie viele seiner Zeitgenossen, dass er sich aus der Politik heraushalten kann, und dass die Nazis nur ein vorübergehendes Phänomen sind.

Eindringlicher und unterhaltsamer als jedes Geschichtsbuch führen Kutschers Krimis vor Augen, wie politische Ignoranz, intellektuelle Arroganz, materielle Not, Demagogie und Terror als schleichender Prozess die Demokratie zersetzen. Mit seinen historischen Krimis hält Kutscher der Gegenwart einen Spiegel vor. An seinen Figuren spielt er die Positionen durch, die Menschen in einer solchen Situation einnehmen. Rath steht für die unpolitische Masse, die glaubt, dass Politik nichts mit ihnen persönlich zu tun hat, die keine Stellung beziehen will und meint, neutral bleiben zu können:

»Mein Gott, Charly! Du kannst doch nicht den ganzen Tag Trübsal blasen, nur weil jetzt die Nazis regieren. Das ist doch nur Politik! Das Leben geht weiter.«

Charly ist die politisch Bewusste, die wachsam und kritisch auf die Geschehnisse um sie herum blickt und Weitsicht beweist:

»Das hört sich an, als hättest du die Demokratie schon längst aufgegeben. (...) Schlimmer noch: Es hört sich an, als sei dir die Demokratie scheißegal.«

Dann gibt es noch die Opportunisten, die Politikverdrossenen, die begeisterten Anhänger, die leichtgläubigen Mitläufer und die Opfer und Gegner, die um Leib und Leben fürchten müssen. Mit dem heutigen Wissen lässt sich rückschauend leicht der Stab über die Figuren brechen und die moralisch richtige Seite von Charly wählen. Unweigerlich wird der Leser aber auch gezwungen, Parallelen zur Gegenwart zu ziehen und sich zu fragen: verhalte ich mich selbst eher wie Rath oder wie Charly?

Solche Fragen sind ganz im Sinne des Autors. Volker Kutscher hat Germanistik und Geschichte studiert und mit seinen Krimis die ideale Verbindung beider Bereiche gefunden. Die genau recherchierten Details vermitteln ein lebendiges Bild der Zeit und der Schauplätze. Dazu kommen ein komplexer und spannender Kriminalfall und ein zwiespältiger Protagonist, dessen Entwicklung man mit Interesse verfolgt. Wie werden die Hauptfiguren mit der politisch eskalierenden Lage umgehen? Wie entwickeln sie sich persönlich weiter und hält das ihre ohnehin schwierige Beziehung aus? Fliegen ihre kriminellen Verstrickungen irgendwann auf? Fragen, die den Leser, kaum ist der aktuelle Band ausgelesen, schon dem nächsten Krimi von Volker Kutscher entgegenfiebern lassen.

Dass diesmal in das Finale ein bisschen viel Hollywood Filmfeeling eingeflossen ist, mag manche Leser stören, aber Kutscher weist in Interviews immer wieder darauf hin, dass seine Krimis nicht zu 100 Prozent historisch sind, sondern er sich literarische Freiheiten nimmt. So findet sich in Märzgefallene eine äußerst grausame Foltermethode, die er in einem Artikel über Hooligans gefunden hat. Und der Showdown erinnert an ein bisschen an den »Dritten Mann« – aber die Atmosphäre ist stimmig.

Während die Leser sich noch auf drei angekündigten nächsten Rath-Krimis freuen können, ist die Verfilmung der ersten Fälle in Planung. Unter dem Arbeitstitel »Babylon Berlin« soll Tom Tykwer, ausgestattet mit einem großen Budget, die Kutscher-Krimis für das Fernsehen verfilmen. Das wird dem Autoren, der so geschickt Geschichte und Literatur, Reales und Fiktives miteinander verflicht, sicher noch sehr viel mehr Fans bescheren.

Brigitte Grahl, Februar 2015

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Michael zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 25.07.2016
Ich lese den Roman gerade zur Zeit des missglückten Putsches gegen Erdogan in der Türkei. Erschreckend zu sehen, wie sich Geschichte wiederholen kann: Infiltration und Gleichschaltung in den Ämtern und der Presse, Massenverhaftungen, Verfolgung und Folter, wer hatte denn den Reichstag angezündet? - und wer ließ das türkische Parlament bombardieren? Und das Volk huldigt seinem Totengräber. Die Lektüre kann ich nur empfehlen!
PMelittaM zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 06.05.2016
1933 verbringt Gereon Rath den Karneval in Köln, bis er nach Berlin zurückbeordert wird: Der Reichstag brennt und alle Polizeikräfte werden gebraucht. Doch Gereon wird nicht der Aufklärung des Reichstagsbrandes zugeordnet, sondern soll sich um Todesfälle unter Weltkriegsveteranen kümmern. Dennoch haben die Auswirkungen des Brandes auch Einfluss auf seine Arbeit.

„Märzgefallene“ ist bereits der fünfte Roman um Gereon Rath. Man kann die Romane unabhängig voneinander lesen, da aber nicht nur die Charaktere sondern auch ihr Umfeld und Deutschland selbst Entwicklungen durchlaufen, ist es sinnvoller, sich an die Reihenfolge zu halten. Der erste Band spielt 1929, so konnte man schon in den letzten Bänden erleben, wie die Nazis eine immer größere Rolle im Land spielen, 1933 ist nun das Jahr der Machtergreifung und dies wirkt sich sehr konkret auch auf alle schon bekannten Charaktere aus. Ich bin sehr gespannt auf deren weiteres Schicksal in den zukünftigen Bänden, denn Vieles ändert sich nun.

Es ist schön, Gereon, Charly und all die Anderen wieder zu treffen und ihre weitere Entwicklung zu erleben. Wer wird sich den Nazis andienen, wer Probleme mit ihnen bekommen? Wie sieht das weitere Leben in Nazideutschland aus? Aber nicht nur die großen politischen Fragen spielen eine Rolle, auch kleine, private, vor allem natürlich in der Beziehung zwischen Gereon und Charly. Kutscher schafft es sehr gut, (mehr oder weniger) liebgewonne Charaktere einer glaubhaften Weiterentwicklung zu unterziehen und diese mit der aktuellen politischen Lage zu verknüpfen. Alle Charaktere wirken dabei sehr authentisch und vermitteln gut, wie sich die Menschen dieser Zeit mit den Verhältnissen zu arrangieren versuchten (oder das eben nicht konnten). Da gibt es fanatische Nazis, Mitläufer, auf eine bessere Zukunft Hoffende, aber auch Gegner, mehr oder weniger offen, und solche, die unter den veränderten Verhältnissen leiden müssen oder gar in Lebensgefahr geraten.

Der Autor hat dies alles sehr gut in seine Geschichte integriert, die sich verändernde Stimmung sehr gut herausgearbeitet, auf den Leser, der ja bereits weiß, wie sich das Ganze noch entwickeln wird, wirkt es sehr bedrückend. Erzählt wird aus verschiedenen Perspektiven, so dass die Geschehnisse, nicht nur die des Falles, auch die politischen, von verschiedenen Seiten beleuchtet werden. Der Fall ist ebenfalls gut in das politische Geschehen eingearbeitet und sehr interessant. Man kann gut mitraten und die Auflösung stellt zufrieden.

Volker Kutscher steigert sich mit jedem Roman, für mich ist dieser sein bisher bester und ich bin sehr gespannt auf die weiteren Bände. Von mir gibt es verdiente volle Punktzahl und eine uneingeschränkte Leseempfehlung für die gesamte Reihe.
Torsten zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 29.12.2015
Das Herausragende an diesem Buch ist in der Tat nicht der Kriminalfall, sondern die beklemmende Art mit der Volker Kutscher das Einschleichen der Nazis in die Gesellschaft vermittelt.
Erst langsam, dann mit brutaler SA-Gewalt und dann mit Macht. Es ist wirklich beklemmend, wie Kutscher die wahnsinnig schnell wachsende Zustimmung, ja geradezu Verehrung der "nationalen Erhebung" beschreibt - von der Kommunistenhatz über den rapide aufkommenden Antisemismus bis zur Bücherverbrennung.
Gerade angesichts der aktuellen Fremdenfeindlichkeit, die sich anschickt wieder gesellschaftsfähig werden zu wollen ist das geradezu eine Pflichtlektüre um über nackte Fakten hinaus ein Gefühl für die Dynamik einer solchen widerlichen Diktatur zu bekommen.
Der Kriminalfall an sich fällt dagegen ab, ist jedoch wie immer trotzdem akribisch durchkonstruiert und wird auch auf die Rath-typische Eigenart "geklärt".
Ich hoffe sehr, dass Volker Kutscher mithilfe Kommissar Rath auch die Geschehnisse des beginnenden Krieges, bis zu dessen Ende und auch den Beginn der Bundesrepublik in ähnlich brillanter Art vermittelt - ich freue mich auf die angekündigten weiteren Folgen.
uknig zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 21.12.2015
Auch die „Märzgefallene“ von Volker Kutscher sind den großen Umfang von über 600 Seiten wert. Diesmal spielt die Geschichte um Kommissar Gereon Rath im Berlin nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten. Die braunen Verbrecher krempeln auch die Polizei um, Rath und seine Verlobte Charly Ritter sind direkt betroffen. Der Terror, die Anpasser, die Opfer - Kutscher schafft es meisterlich, die beklemmende und bedrohliche Atmosphäre der Zeit zu schildern.
Es ist eine sehr spannende Geschichte ohne Längen. Teilweise konnte ich gar nicht aufhören zu lesen, weil ich unbedingt wissen wollte, wie es weitergeht. Dabei ist der eigentliche Krimi-Plot gar nicht so überragend (gehobener Durchschnitt vielleicht), der historische Hintergrund macht das Buch so empfehlenswert. Bester Geschichtsunterricht. Mal schauen, wie die Verfilmungen ausfallen.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Petermann zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 17.06.2015
Der Kriminalfall ist in diesem Buch wirklich nicht besonders plausibel. Spannend ist es trotzdem bis etwa zum letzten Drittel. Das kann man aber nach Kenntnis des ganzen Buch vergessen. Die Krimihandlung ist nicht die Hauptsache. Ich kenne die historischen Fakten der Zeit, aber in diesem Buch habe ich viel Neues gelernt. Es werden Menschen beschrieben. Jeder hat eine private Sicht auf das Zeitgeschehen und schätzt sie individuell ein. Die Terrorisierung der Gesellschaft, das Duckmäusertum, der Mut, die Politisierung aller Themen und die Naivität (aus heutiger Sicht) werden nachvollziehbar geschildert. Wie hätte man selber gedacht und gehandelt? Toll geschrieben, als Krimi mittelmäßig.
Christian zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 16.04.2015
Ganz hervorragendes Buch. Zwar ist die Krimihandlung nicht die ganz große Story mit Nägelkau-Faktor. Aber das ist in diesem Buch mehr noch Nebensache als zuvor bei Kutschers Romanen. Der eigentliche Kriminalfall ist der Mord an der deutschen Demokratie, und diese Ermittlung ist noch vielschichtig und im vollen Gange. Kutscher schafft es dabei wie kein zweiter, den Leser mitzunehmen in die Atmosphäre des Jahres 1933 (so wie zuvor auch schon in die Jahre 1929-32), was er sowohl mit den Hauptfiguren, mit historischer Präzision als auch mit hervorragenden Szenenbildern schafft. Von A bis Z ist in der Beziehung alles stimmig. Als historischer Roman ist diese Reihe so ziemlich das beste und atmosphärischste, was ich je gelesen habe. 100°, 2° Abzug für die etwas ausbaufähige Krimihandlung = 98° und absolute Leseempfehlung. Aber bitte mit "Der nasse Fisch" anfangen, denn die Entwicklung der Charaktere und der historischen Handlung macht diese Reihe zu dem, was sie ist: Ein Stück erlebbare Zeitgeschichte.
bunbury zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 12.04.2015
ich möchte mich zu dem buch nur kurz äußern, lange rezensionen liegen mir nicht.
handlung und figuren gut wie gewohnt, das buch ist wie seine vorgänger äußerst empfehlenswert.
nur ein wort noch zu meinem "vorredner"
udo jürgens:
dein hohler beitrag hilft hier keinem weiter.
also erspar dir in zukunft deine dusseligen ergüsse.
Udo Jürgens zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 23.03.2015
Kein tolles Buch !
Würde ich mir aber nicht nochmal kaufen. Ist mir zu dick und zu teuer und zu schwer zu schleppen gewesen ! Außerdem ist die Handlung unverständlich und langweilig. Teuer war es auch noch. Würde ich mir nicht mehr kaufen ! Außerdem lese ich nicht so gerne Krimis. Und Romane von Autoren, die unter Pseudonym schreiben boykottiere ich ja sowieso !
0 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
WUHMR zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 05.02.2015
Lange musste der Leser warten um endlich den 5. Fall Gereon Raths in Händen zu halten.
Der Krimi "Märzgefallene" konfrontiert den Leser mit Todesfällen, deren Aufklärung in die Zeit des I. Weltkrieges zurückführt. Ein Kriegsroman eines Adeligen soll mit großem Tamtam veröffentlicht werden. Da beginnt der Autor des Romans um sein Leben zu fürchten, da viele Soldaten, die an der Aktion "Aleberich"beteiligt waren, aus unerklärlichen Gründen zu Tode kommen. Im Laufe von kutschers Roman kommt es immer wieder zu Verwirrspielen. Der Fall nimmt immer wieder eine neue Wendung. Offen bleibt zunächst auch die Rolle eines jüdischen Mädchens, das aus der Irrenanstalt fliehen kann und das im Laufe des Romans als völlig normal geschildert wird. Sie wusste zu viel. Einer der Vorredner monierte, dass der Schuldige viel zu früh für den Leser ermittelt sei. Dem kann man nur teilweise zustimmen. Und selbst, wenn der Leser ahnt, wer der Mörder ist, so bleibt es dennoch spannend, wie der Mörder überführt wird.
Neben dem Krimi lernen wir die Beziehung von Gereon Rath und Charly (Charlotte) kennen, denn am Ende heiraten beide.
Was diesen Roman aber wieder absolut lesenswert macht, das ist die Tatsache, dass Volker Kutscher die Geschehnisse mit der Machtergreifung Hitlers in beziehung setzt. So ist es fast erschreckend, wie die "Kolleginnen" von Charly Ritter immer unverhohlener ihre Sympahtie für Hitler, SA und Nationalsozialismus, betonen, wie der Kampf gegen alle (scheinbaren) Kommunisten über alles gestellt wird und der Tod eines Obdachlosen möglichst schnell abgeschlossen sein soll. Selbst Raths Kollege Gräf scheint mit den neuen Machthabern zu sympathisieren. Oberkommissar Böhm wird versetzt. Selbst Gereon Rath hegt für ihn Sympathien. Da in dem Kriegsroman, der der Auslöser für die Morde ist, ein jüdischer Hauptmann als Mörder und "Todesengel" in Misskredit gebracht wird, ist dies ein gefundenes Fressen auch für den Polizeipräsidenten, gegen alle Juden zu Felde zu ziehen. Selbst Gereon Rath steht den neuen Machthabern eher unkritisch gegenüber, er will seine Arbeit machen und nicht mehr.
Der Geschichtsbezug aber macht den Roman "Märzgefallene" so fesselnd. Erschreckend, wie sich das Bild Deutschlands ändert. Erschreckend, wie plötzlich einst sympathische Akteure aus anderen Romanen in ein anderes licht rücken. Erschreckend, weil es mehr ist als nur Geschichte, die Volker Kutscher hier zu dem Kriminalfall in Beziehung setzt: gerade im Angesicht eines Erstarken rechter und rassistischer Parolen und Parteien ist der Roman beinahe eine Warnung, diese Entwicklungen nicht zu unterschätzen!!!
FAZIT: Auch dieser Roman unterstreicht, dass die Gereon Rath - Reihe zu den herausragenden Buchreihen im deutschen Krimibereich zählt. Sympathisch ist auch die Tatsache, dass Kutscher manche seiner Akteure auf Kölsch, Berlinerisch etc. reden lässt, ohne dass es zu einem kitschigen Lokalkolorit führt!
Ich bin gespannt auf den 6. Band. Nicht nur, weil es wieder ein Krimi wird, sondern weil es spannend ist, wie Kutscher den neuen Fall in die Geschichte einbauen wird. Wer die Geschichte nach 1933 kennt, der bekommt bei dem Gedanken schon Gänsehaut.
Der Roman ist nur zu empfehlen!!!
Rainer Mebes zu »Volker Kutscher: Märzgefallene« 16.01.2015
Ich kann mich den Vorrednern nicht ganz anschließen. Ich fand den neuen Roman von Volker Kutscher sehr gut. Zugegeben lebt das Buch weniger von der klassischen Spannung, wie man sie in einem Krimi erwartet, dafür umso mehr vom eingefangenen Zeitgeist. Die beginnende Zeit der NS-Diktatur und ihre Auswirkungen für alle gesellschaftlichen Schichten finde ich sehr autentisch dargestellt. Wir haben heute tonnenweise Material zur NS-Zeit zur Verfügung. Die Menschen im Jahr 1933 nicht. Die Unsicherheit der Meschen ist hier sehr anschaulich getroffen.

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