Der Todeszauberer von Vincent Kliesch

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2011 bei Blanvalet.
Folge 2 der Julius-Kern-Serie.

  • München: Blanvalet, 2011. ISBN: 978-3-442-37493-9. 320 Seiten.

'Der Todeszauberer' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Eine verstümmelte Frauenleiche wird ans Havelufer geschwemmt, und Hauptkommissar Julius Kern steht vor einer neuen Herausforderung: Siebzehn Frauen hat der so genannte Schläfenmörder bereits ermordet, und die Opfer haben nur eines gemeinsam – eine Schlagwunde an der rechten Schläfe. Inmitten der schwierigen Ermittlungen erhält Kern einen anonymen Brief von einem alten Bekannten: Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Kerns Erzfeind, scheint Informationen zu besitzen, die Kern auf die Fährte des Schläfenmörders führen könnten. Doch er verlangt dafür einen hohen Preis …

Das meint Krimi-Couch.de: »Spannendes Stück «Lesekino»!« 93°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Drei Jahre nach den Vorfällen mit dem "Putzteufel» wird Julius Kern erneut mit einem Serientäter konfrontiert. Als am Ufer der Havel eine zerteilte Frauenleiche gefunden wird, ist für die Ermittler schnell klar, dass es sich bei dem Mörder um den «Schläfenmörder» handeln muss. Der Killer wird so genannt, weil er bereits 17 Frauen in ganz Deutschland durch Hammerschläge an die Schläfe getötet oder betäubt und dann anders umgebracht hat. Eva Fuchs, eine Fall-Analytikerin aus Bayern, die seit dem ersten Auftreten des «Schläfenmörders» immer wieder hinzugezogen wird, kommt nach Berlin, um Kern zu unterstützten. Die beiden entdecken die Fußspuren des Killers an der Havel, und dann bekommt Kern plötzlich einen anonymen Brief, dessen Absender er aber sofort erkennt. Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Erzfeind des Kommissars, hat schon immer Briefe von krankhaften Bewunderern bekommen. Und einige dieser Schreiben scheinen vom «Schläfenmörder" zu stammen. Michaelis verknüpft mit seinem Hilfsangebot eine ungeheuerliche Forderung – und der Serienkiller schlägt derweil erneut zu.

Bereits kurz nach seinem Debüt-Roman hat Vincent Kliesch die nächste Folge der Reihe um den smarten Ermittler Julius Kern vorgelegt. Und darin geht es ebenfalls recht deftig zur Sache – von der ersten Seite an. Im Prolog wird mit unheimlicher Beiläufigkeit die jüngste Tat des »Schläfenmörders« geschildert, und dem Leser läuft es gleich eiskalt den Rücken hinunter. Wie schon beim »Putzteufel« lässt Vincent Kliesch zudem seine Leser an der Sichtweise und den Überlegungen des Mörders teilhaben. Diese ungewöhnliche Ausführlichkeit, mit der die Perspektive des Täters geschildert wird, macht einen der besonderen Reize der Romane des Berliner Schriftstellers aus. Seine Mörder sind keine dumpfen Killer, sondern intelligente und clevere Menschen, die es den Ermittlern wirklich schwer machen. Zudem haben sie jeweils eine tragische oder zumindest nachvollziehbare Geschichte – keine Rechtfertigung für die Morde, aber eine interessante psychologische Erklärung.

Nach dem es im ersten Buch der Reihe um einen von unverschämten Gästen beleidigten Kellner, und einen Psychopathen in der Welt der Internet-Kontakte ging, führt Kliesch seine Leser nun in die halbseidene Welt der Varietés. Dort werden Charaktere und Schicksale präsentiert, die Kliesch recht authentisch und eindrucksvoll schildert. Da gibt es den alternden Messerwerfer, den jungen aufstrebenden Artisten, und den sich selbst »Madame« nennenden Transvestiten, der das herunter gekommene Varieté-Theater betreibt – ein Mitleid erregendes, herunter gekommenes Etablissement. Im Mittelpunkt steht jedoch der geheimnisvolle Zauberkünstler, der sich für ein Engagement in Berlin kurzfristig gebunden hat. Der gehbehinderte Mann hat eine furchtbare Kindheit und Jugend hinter sich, aber die Erklärung für seine Mordserie wird dem Leser noch lange Zeit vorenthalten, um dann umso tiefere Einblicke in menschliche Abgründe zu bieten.

Der Autor versteht es hervorragend, den Leser mit der Schilderung der jammervollen Atmosphäre im Theater und der Jugend-Erlebnisse des »Schläfenmörders« zu fesseln. Auf der Gegenseite stürzt die Analystin vom bayrischen LKA derweil den stets mit privaten Problemen behafteten Julius Kern um ein Haar in eine erneute Ehekrise. Die Schilderung der privaten Sorgen des Ermittlers sind allerdings nicht nur Füllmaterial, sondern zeigen eindrucksvoll, wie zurückliegende Fälle noch lange Zeit das Ehe- und Familienleben eines Polizisten belasten können. Zwar sind Ermittler mit Privatproblemen bei Kriminal-Schriftstellern derzeit irgendwie in Mode, aber in diesem Fall kommt die Erzählung authentisch und keinesfalls langweilig rüber. Besonders fesselnd ist auch die spezielle Art von Julius Kern, in seinen Mordfällen zu ermitteln. Er »spricht« mit den Tätern, versucht sich in sie hineinzuversetzen. Und das wirkt bei Vincent Kliesch nicht irgendwie esoterisch oder abgehoben, sondern die Gedanken des Kommissars sind für den Leser stets gut nachvollziehbar.

Der junge Schriftsteller zeigt sich auch in seinem zweiten Roman als ein wirklich guter Geschichtenerzähler. Spannende Elemente und notwendige Hintergründe sind gut ausbalanciert, der Autor verzichtet weitgehend auf weitschweifige Beschreibungen, sofern sie nicht für das Verständnis der Handlung wichtig sind. Seinen Stil minimalistisch zu nennen wäre übertrieben, aber es kommt dem ziemlich nahe. Auf jeden Fall werden die Orts- und Perspektivwechsel auch in diesem Buch hervorragend genutzt, um die Spannung stets hoch zu halten. Es macht wirklich Spaß, Julius Kern bei seiner akribischen Arbeit über die Schulter zu schauen. Gegenüber seinem Erstlingswerk hat der Autor das Niveau absolut gehalten und erneut einen lesenswerten und spannenden Roman abgeliefert. Und deshalb dürfen sich die Leser auch schon jetzt auf das nächste Stück »Lesekino« aus der Feder von Vincent Kliesch freuen.

Andreas Kurth, Mai 2011

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Thrillerfan zu »Vincent Kliesch: Der Todeszauberer« 28.06.2016
Ein Thriller dessen Inhalt gut mit dem Klappentext beschrieben ist.
Eine verstümmelte Frauenleiche wird ans Havelufer geschwemmt und Hauptkommissar Julius Kurz steht vor einer Herausforderung: Siebzehn Frauen hat der sogenannte Schläfenmörder bereits getötet, und die Opfer haben nur eines gemeinsam - eine Schlagwunde an der rechten Schläfe. Inmitten der schwierigen Ermittlungen erhält Kern einen anonymen Brief von einem alten Bekannten: Tassilo Michaelis, freigesprochener Massenmörder und Kerns Erzfeind, scheint Informationen zu besitzen, die Kern auf die Fährte des Schläfenmörders führen könnten. Doch er verlangt dafür einen hohen Preis.

Ein besonderer und gut geschriebener Thriller. Leicht lesbar ohne viele Schnörkel.
Aber leider "erfährt" man sehr bald, wer der Killer ist und was ihn zu den Taten treibt und welche Verbindungen er hat. Des Weiteren kommen auch private Vorgänge bezüglich Kerns ins Spiel, so dass der Roman etwas aufgelockert wird.
Das Buch ist eine Empfehlung.
walli007 zu »Vincent Kliesch: Der Todeszauberer« 04.01.2016
Magie des Todes

Mit Mühe hat sich Kommissar Kern von den Strapazen seines letzten Falles erholt und sein Familienleben in den Griff bekommen. Auf eine Mordermittlung ist er bestimmt nicht scharf und schon gar nicht darauf, dass ein Serienmörder seine Tätigkeit nach Berlin verlegt. Doch genauso kommt es, ein Killer, der schon seit Jahren sein Unwesen treibt, hat nun in der Hauptstadt zugeschlagen. Eine grausam zugerichtete Leiche wird am Havelufer aufgefunden. Das Muster passt zu den anderen Opfern des Schläfenmörders. Die Kollegin Eva Fuchs aus München wird zu dem Fall hinzu gezogen, sie ist schon seit Beginn mit der Mordserie befasst.

Der Mörder hat sein Thema, dies macht der Autor ziemlich schnell klar, ebenso wie er nicht damit hinter dem Berg hält, wer der Mörder ist. Wie bei einem Thriller üblich lebt der Roman aus dem Spannungsbogen zwischen den Ermittlungen der Polizei und den Handlungen des Täters, der versucht immer einen Schritt voraus zu sein. Zusätzlich greift hier noch eine dritte Partei in die Handlung ein, man könnte sagen, als Vermittler, der die beiden losen Enden verbinden kann. Dabei handelt es sich um Tassilo Michaelis, den Kern zwar überführen konnte, der dann aber vor Gericht frei gesprochen werden musste. Diese Konstellation verleiht dem Roman eine besondere Spannung.

Gefesselt hängt der Leser an den Buchstaben, erfährt vom Leben des Killers, das von Schwermut geprägt ist. Als Kind gehänselt, mit einer dementen Großmutter geplagt, hat er es spät geschafft, sich zu befreien, allerdings einen so großen psychischen Schaden davon getragen, dass er sich nicht anders auszudrücken vermag als über besonders grausame Morde. Doch hätte er nicht auch eine Wahl gehabt? So wie er behauptet, seinen Opfern immer die Wahl gelassen zu haben. Im Milieu von Zauberern und Magiern, Varietékünstlern und Akrobaten angesiedelt bietet dieser Thriller packende Unterhaltung, bei der man sich einige Szenen allerdings nicht bildhaft vorstellen möchte.
kianan zu »Vincent Kliesch: Der Todeszauberer« 23.10.2012
Vincent Kliesch hat hier eine neue Idee für einen Krimi sehr gut umgesetzt und hebt sich damit von vielen Autoren ab. Auch wenn man relativ früh weiß, wer der Mörder ist, mindert das keineswegs die Spannung. Wirbel und Abwechslung in das Ermittlerteam bringt die weibliche Ermittlerin aus Bayern hinein, was sehr erfrischend ist. Allein das finale Ende hätte ich mir ein bischen aussergewöhnlicher gewünscht. Ein absolut empfehlenswerter Krimi!!!
Karin Hartmann zu »Vincent Kliesch: Der Todeszauberer« 14.01.2012
Der zweite Thriller war ebenso spannend zu lesen wie der erste.Vielen Autoren gelingt das nicht immer.Die vielen, kleinen Details über ,die im Buch erwähnten Charaktere sind bemerkenswert.Ich freue mich,das es immer mehr deutsche Autoren gibt,die fesselnde Bücher schreiben.
Vielen Dank dafür und hoffentlich gibt es bald mehr Lesestoff.Ich würde mich sehr freuen.
Banon zu »Vincent Kliesch: Der Todeszauberer« 18.04.2011
Serienmörder gesucht! Da er seine Opfer mit einem Hammer an der Schläfe verletzt, wird der bundesweit aktive Täter "Schläfenmörder" genannt. Unglaubliche siebzehn Frauen sind ihm bisher zum Opfer gefallen. Alle Verbrechen gelangen, ohne eine konkrete Spur zu hinterlassen. Nun eine weitere Leiche- diesmal in Berlin.
Der beim LKA Berlin arbeitende Hauptkommissar Julius Kern hat schon vor einigen Jahren den "Putzteufelmörder" gefasst und wird, zusammen mit einer attraktiven Kollegin vom bayerischen LKA, mit dem Fall betraut.
In die Ermittlungen wird sich ein "alter Bekannter" von Kern einmischen und für zusätzlichen Druck sorgen. Für den Kommissar bedeutet dies nicht nur einen Rückblick auf einen verpatzten Fall, sondern auch auf viele Erinnerungen die schwere persönliche Narben hinterlassen haben. Dies belastet den Ermittler ebenso, wie die verwirrende Gefühlslage zu seiner Kollegin. Auch das Verhältnis zu seiner Frau und seiner Tochter wird durch den aktuellen Fall erneut auf die Probe gestellt.
In einer weiteren Handlungsebene verfolgt der Leser den "Schläfenmörder" und erfährt im Laufe der Zeit seine Geschichte. Vincent Kliesch gibt sich viel Mühe mit der Beschreibung des Innenlebens seines Mörders. Ausführlich zeigt er, welche Ereignisse zur heutigen Verfassung des "Schläfenmorders" geführt haben. Das ist gut gelungen und setzt immer wieder Akzente zwischen dem sich weiter aufbauenden Spannungsbogen. Der Wechsel zwischen den einzelnen Handlungsebenen wird geschickt genutzt und entwickelt sich am Ende zu einem dramatischen Finale.
Der Vergleich zu Michael Robotham hat sich mir bei der Lektüre aufgedrängt: Ein glaubwürdiger Hauptcharakter, dessen privates Umfeld intensiv in die Handlung hineinreicht. Allerdings besitzt die Serie von Vincent Kliesch einen besonderen Spannungsbogen:Tassilo Michaelis. Das darf aber jeder selbst nachlesen!
Ein spannender Thriller aus Deutschland, der mich positiv überrascht hat!
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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