Der Prophet des Todes von Vincent Kliesch

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Blanvalet.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Berlin, 2010 - heute.
Folge 3 der Julius-Kern-Serie.

  • München: Blanvalet, 2012. ISBN: 978-3-442-37797-8. 384 Seiten.

'Der Prophet des Todes' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Geheimnisvolle Botschaften kündigen in Berlin eine Mordserie an. Wer ist der selbst ernannte »Nostradamus«, der präzise Art und Datum des Todes der Opfer prophezeit? Als auch Hauptkommissar Kern eine Todesnachricht erhält, wird er von dem Fall abgezogen. Inoffiziell ermittelt er jedoch weiter. Und mit jedem Schritt nähert sich Kern der alles entscheidenden Begegnung mit seinem Erzrivalen Tassilo Michaelis, von dem er gehofft hatte, er wäre für immer und ewig aus seinem Leben verschwunden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Der dritte Akt: Die finsteren Tiefen der Psyche « 80°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Ein Mord in Berlin ist so bizarr, dass vom LKA Julius Kern, der Spezialist für solche Fälle, hinzu gezogen wird. Eine Frau hat sich erhängt, nachdem sie zuvor offenbar ihren Ehemann vergiftet hat. Es sieht nach einem ehelichen Konflikt aus, der tödlich eskaliert ist. Aber schon die Umstände am Tatort kommen Kern merkwürdig vor – und dann findet die Polizei ein obskures Schreiben mit einer Prophezeiung. Darin werden der Mord und auch der Selbstmord vorher gesagt. Sein Instinkt sagt Kern, dass hier etwas ganz und gar nicht stimmt, er will ermitteln, wird aber kurz darauf vom Staatsanwalt zurück gepfiffen. Dann gibt es jedoch eine neue Entwicklung, und der so genannte Nostradamus-Fall führt dazu, dass auch Kern mit seiner Familie in Gefahr gerät. Um seine Frau und Tochter zu retten, muss der erfahrene Ermittler seinen mit falscher Identität untergetauchten alten Erzfeind Tassilo Michaelis finden. Der  Wettlauf gegen die Zeit darf nur drei Tage dauern – und wird für den Kommissar und seine Familie zu einer erneuten Zerreißprobe.

Der Prophet des Todes ist der letzte Teil der Trilogie um den Ermittler Julius Kern und seinen Gegenspieler Tassilo Michaelis. Zumindest wurde es von Verlag und Autor so kommuniziert. Vincent Kliesch lässt seine Protagonisten einen ordentlichen Zeitsprung machen, der dritte Roman spielt fünf Jahre nach dem ersten Band, die Morde von Tassilo Michaelis liegen bereits acht Jahre zurück. Der Prolog gibt zunächst Rätsel auf, ist später aber wichtig für das Verständnis der gesamten Geschichte. Wie bei einer Trilogie zu erwarten, treten für die Leser der ersten beiden Bände viele alte Bekannte auf. Der Prophet des Todes kann allerdings durchaus auch einzeln gelesen werden, vieles wird in kurzen Sätzen erklärt. Wer die gesamte Trilogie genießen möchte, sollte allerdings mit dem ersten Buch beginnen.

Vincent Kliesch hat die bekannten Figuren geschickt weiter entwickelt, aber auch neue Leser finden hier höchst interessante Charaktere. Julius Kern ist ein Ermittler mit speziellen Talenten, die in diesem dritten Band allerdings etwas zu kurz kommen, weil wohl eher andere Dinge im Vordergrund stehen, aber die Auflösung etlicher Fragen aus den ersten Bänden darf hier natürlich nicht verraten werden. Soviel kann ich sagen: Man reibt sich die Augen, wie bestimmte Dinge tatsächlich zusammen hängen. Tassilo Michaelis, der in seinem aktuellen Domizil in zeitlichen Rückblenden auftritt, wird in diesem neuen Roman fast intensiver geschildert als der Kommissar. Es wird abermals deutlich, dass dieser skrupellose Mörder eine merkwürdig ambivalente Persönlichkeit ist.

Stilistisch weicht der Autor von den beiden Vorgänger-Romanen ab. In Der Prophet des Todes ist der Mörder nicht von Beginn an bekannt. Der Leser erfährt also nicht mehr als die Ermittler, und muss lange rätseln, was wohl hinter den mysteriösen Prophezeiungen stecken könnte. Man hat zur Mitte des Buches vielleicht eine Ahnung – echte Super-Detektive wissen vielleicht sogar schon mehr zu diesem Zeitpunkt .  Aber zum Finale hin gibt es so einige Überraschungen in diesem gut und flüssig erzählten Roman.

Der dritte Teil rundet die Trilogie in meinen Augen hervorragend ab. Einmal mehr gibt der gelernte Restaurantfachmann Vincent Kliesch erhellende Einblicke in die Widrigkeiten der Branche. Der immer wiederkehrende Konflikt mit unflätigen Gästen wird auch hier wieder mit einem lesenswerten Beispiel illustriert. Im Interview mit der Krimi-Couch hat der Autor verraten, dass er oder Kollegen alle geschilderten Situationen tatsächlich erlebt haben. Es muss ja nicht gleich Mord sein, aber die Contenance dabei zu bewahren, ist schon außerordentlich bewundernswert. Der Prophet des Todes bietet am Ende nicht so wirklich viel neues, ist aber ebenso unterhaltsam und lesenswert wie die zwei Vorgänger-Bände. Es geht um ungelöste Konflikte aus der Vergangenheit, um die Frage, wie ein Mörder zu dem wird was er ist, um Familie und Beziehung, und auch wieder um finstere Tiefen der menschlichen Psyche. Wichtig ist das Buch vor allem auch, weil so einige offen gebliebene Fragen beantwortet werden.  Aber jetzt darf aus der Feder von Vincent Kliesch auch gerne etwas ganz neues kommen.

Andreas Kurth, September 2012

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walli007 zu »Vincent Kliesch: Der Prophet des Todes« 14.01.2016
Die Scheune

In Berlin werden seltsame Prophezeiungen verschickt, noch seltsamer ist es, dass sich diese erfüllen. So wird ein Mann von seiner Frau vergiftet und sie selbst erhängt sich danach. Kommissar Julius Kern beginnt in dem Fall zu ermitteln. Obwohl es klar zu sein scheint, dass es sich um einen Mord-Selbstmord handelt. Wie aber soll diese Frau, die nicht besonders gebildet war, es geschafft haben, so einen perfekten Knoten zu knüpfen. Schnell kommen noch mehr Ungereimtheiten hinzu. Dennoch werden die Ermittlungen bald eingestellt. Bevor jedoch alles wieder seinen normalen Gang nehmen kann, erhält Kern selbst eine ähnliche Prophezeiung.

Ein letzter Kampf zwischen Kommissar Kern und seinem alten Widersacher Tassilo? Tassilo, der jetzt mit einer neuen Identität in einem anderen Land lebt. Als Beteiligter darf Kern nicht selbst ermitteln, eigentlich. Natürlich setzt er alles daran, seine Familie zu schützen, und natürlich macht er sich auf die Suche nach seinem erklärten Erzfeind.

Sowohl über die Ereignisse in Berlin wird berichtet als auch über die Ereignisse, die sich an Tassilos Wohnort abspielen, wo dieser ein ruhigeres Dasein fristen wollte. Allerdings lässt er sich zu einer Dummheit hinreißen und es passiert, was unmöglich schien. Er wird erwischt.

Aus den geringfügig unterschiedlichen Zeitebenen ergibt sich eine besondere Anspannung, da die Geschehnisse sich langsam annähern. Gefesselt verfolgt man den Lauf der Dinge. Man möchte eingreifen, warnen und kann doch nichts tun. Ein packender Zweikampf zwischen den bekannten Kontrahenten, die durch irgendetwas doch verbunden scheinen. Ein Thriller, der sich wegliest wie nichts und somit eine hervorragende Unterhaltung für einen verregneten Wintertag bieten kann.
kianan zu »Vincent Kliesch: Der Prophet des Todes« 01.10.2013
Zunächst dachte ich: Nicht schon wieder ein Duell zwischen Julius Kern und Tassilo. Aber ich muß sagen, dem Autor gelang mit diesen zwei Protagonisten wieder einmal eine sehr spannende Geschichte - für mich echt überraschend!! Trotz gewisser Unwahrscheinlichkeiten ein wirklich gelungener Krimi in der Fortsetzung mit Kern und Tassilo. Ich habe trotz der anfänglichen Skepsis ständig mitgefiebert. Gelungen, flüssig und spannend!
Markus zu »Vincent Kliesch: Der Prophet des Todes« 28.07.2012
Dritter Fall um Julius Kern und Tassilo Michaelis. Die Geschichte wirkt etwas bemüht, wärmt Themen aus Fall 1 und 2 auf - ohne strukturell Neues zu bringen. Auch die Figuren stagnieren. Tiefgang Fehlanzeige. Bemühte und konstruierte Wendungen, ein kleiner Spannungsbogen hier-und-da. Der Fall lebt mehr durch seine Bilder als durch seine Charaktere. Vordergründig. Vielleicht sollte Vincent Kliesch seine weitere Energie eher in eine Verfilmung von Teil 1 und 2 stecken als in eine ebenso bemüht wirkende Fortsetzung ohne Entwicklung. Kein Muss, aber unterhaltsam.
Banon zu »Vincent Kliesch: Der Prophet des Todes« 19.04.2012
"Der Prophet des Todes" ist der dritte Band um den LKA-Ermittler Julius Kern und seinem ewigen Widersacher Tassilo Michaelis. Man kann das Buch lesen, ohne die anderen Bände zu kennen. Dazu werden kurze Rückblenden eingestreut.

Wieder hat mich Vincent Kliesch mit seinem unglaublich guten Erzählstil überzeugt.
Das Buch spielt mit der alten Rivalität der beiden Hauptakteure, die sich sehr bald mit dem aktuellen Fall kreuzt. Angenehm unaufgeregt erzählt Vincent Kliesch die zum Teil drastischen Geschehnisse. Er setzt einige falsche Fährten, wartet mit überraschenden Wendungen auf und schafft ein Ende mit Hoffnung auf weitere Fortsetzung.

Das ist vielleicht etwas befremdlich, aber am besten gefielen mir die Passagen mit Tassilo. Mit zum Teil hintergründigem Humor wird da aus dem Innenleben des vielfachen Mörders berichtet. Ich kann mir gut vorstellen, dass der Autor hier auch seine Freude hatte.

Insgesamt ein gelungener Thriller, der durch seinen flüssigen Stil überzeugt und mit einer abwechslungsreichen Story unterhält.
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