Das große Tier von Veit M. Etzold

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Kiepenheuer & Witsch.

  • Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2010. ISBN: 978-3-462-04214-6. 483 Seiten.
  • [Hörbuch] Köln: Lübbe Audio, 2010. Gesprochen von Franziska Pigulla. ISBN: 3-7857-4084-0. 6 CDs.

'Das große Tier' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

»Es ist größer, als Sie glauben. Und schlimmer. Viel schlimmer.« Ein unheimlicher Investor, der durch Mord die Märkte bewegt …Eine digitale Welt, in der globale Vernetzung globale Kontrolle bedeutet …Und ein uralter Plan mit einem schrecklichen Ziel.

Erster Januar: Stuart Hill, Chef von Promethean Industries, einem internationalen Konzern für Satellitentechnik, kommt nach durchfeierter Silvesternacht in seiner Berliner Adlon-Suite auf rätselhafte Weise ums Leben. Tags darauf stürzen die Aktienkurse in die Tiefe. Irgendjemand verdient gigantische Summen an Hills Tod.

Sarah Jakobs, junge Hauptkommissarin für Wirtschaftskriminalität am LKA Berlin, wird mit den Ermittlungen betraut, als sich ein weiterer Mord ereignet. Die Opfer sind in einer rätselhaften, skulpturalen Weise angeordnet – und: Wieder handelt es sich um ranghohe Manager, wieder fehlt von den Tätern jede Spur. Bis auf eine mysteriöse Botschaft, die am Tatort hinterlassen wurde.

Gemeinsam mit Vincent Wagner, einem Bremer Doktoranden der Kunstgeschichte, versucht die junge Kommissarin, dem Rätsel auf den Grund zu gehen. Einem Rätsel, das in ihr die unheilvolle Ahnung wachsen lässt, etwas Großem auf der Spur zu sein. Vielleicht etwas zu Großem. Die Spur führt über Dantes »Inferno« und den mittelalterlichen Satan zum altgriechischen Gott Kronos, Gott der Zeit und Vater des Zeus. Und zu einer uralten Vereinigung, die seit Jahrtausenden auf ihr Ziel hinarbeitet. Ein Ziel, das fast erreicht ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Spannendes Debüt mit bewährten Zutaten« 82°

Krimi-Rezension von Jürgen Priester

Wenn es um Verschwörungsthriller geht, kommt man an Dan Brown nicht vorbei, der diesem Subgenre zu weltweiter Popularität verholfen hat. Dabei gehören seine Romane nicht unbedingt zu den gelungensten dieser Art. Es hat vor ihnen bessere gegeben und nach ihnen auch, obwohl der Markt in den letzten Jahren von Nachahmungstaten nahezu überschwemmt worden ist. Von dieser Masse hebt sich Veit M. Etzolds Romandebüt Das große Tier erfreulich ab. Mit seinem intelligenten, kniffeligen und temporeichen Plot macht es auch zum x-ten Mal Spaß, eine Verschwörungstheorie bis in die Urzeit zurückzuverfolgen.

Zum Einstieg entführt uns Etzold in die Welt der Börsianer und Bankiers. Graue Eminenzen, die im Verborgenen ihre Fäden ziehen, um »mit wenig, viel Geld zu bewegen«, verstehen es, mit Insidergeschäften und unlauteren Transaktionen ihr Portfolio zu mehren. Es geht nicht allein um Geld, sondern auch um Macht, Einflussnahme und Kontrolle. Wie sehr Etzolds fiktive Geschichte ein Spiegelbild der Realität ist, zeigt akut die weltweite Finanzkrise. Man könnte durchaus vermuten, dass hinter den drohenden Staatsbankrotten, Firmenzusammenbrüchen und Bankenpleiten ein ausgeklügeltes System steckt. Wenn denn dubiose private Rating-Agenturen über die Kreditwürdigkeit eines Landes entscheiden, ist der Spekulation Tür und Tor geöffnet, und Etzolds Geschichte wirkt gar nicht so abwegig.

»Die Kinder des Kronos« nennt sich eine kleine verschworene Organisation, die schon in einigen Schlüsselindustrien Fuß gefasst hat, und die jetzt den entscheidenden Coup plant, um die globalen Marktführer in Sachen Satellitentechnik, Internet und Telekommunikation zu vereinnahmen.

Ihr Intrigenspiel beginnt zeitgleich in einer Silvesternacht an verschiedenen Orten. In New York wird der Internet-Mogul Paul Territo vom Kronos-Chef persönlich mit dem Tode bedroht und erpresst; im noblen Berliner Adlon-Hotel wird Stuart Hill, Chef des Satelliten-Konzerns von der Auftragskillerin »Nemesis« ermordet; in St.Moritz wird ein Jungbanker mit einem unverschämt hohen Geldbetrag nach Berlin gelockt und eingeladen, sich dem dreistufigen Aufnahmeritual der Kronos-Bruderschaft zu unterziehen. Doch der Bankier zeigt Skrupel, als er sich bei der ersten Station mit einer bizarren Leicheninstallation konfrontiert sieht. Er gibt der Berliner Kripo einen entscheidenden Hinweis, der die Ermittlungen im Mordfall Stuart Hill zu einem neuen Ansatz führt. Kriminalhauptkommissarin Sarah Jakobs aus dem Dezernat für Wirtschaftsverbrechen, die der zuständigen Mordkommission assistiert, schaltet angesichts der rätselhaften Leichenzurschaustellung ihren Freund Vincent Wagner ein. Dieser ist Doktorand der Kunstgeschichte und findet schnell heraus, dass die Leichen ein Bild aus der griechischen Mythologie (Enthauptung der Medusa) nachstellen. Da die beiden in Berlin nicht weiter kommen, machen sie sich auf nach England, um sich mit Professor Stokes, einem bekannten Kunsthistoriker und geheimen Verschwörungstheoretiker, zu beraten. Es gilt die kryptischen Botschaften, die ihnen Zug um Zug von dem abtrünnigen Jungbanker zugespielt werden, zu entschlüsseln. Literaturzitate, Anagramme, lateinische Sprüche und vielerlei numerische Rätsel führen durch die Historie hin zu dem, der in der Bibel als Das große Tier bezeichnet wird.

»Nichts ist wahr, junge Dame, aber alles ist möglich«, sagt Professor Stokes zu Sarah Jakobs, während sie über ihre erstaunlichen Entdeckungen rätseln. Dieser Satz charakterisiert auch gut den Inhalt von Etzolds Thriller – ein Spiel mit Wahrheiten und Möglichkeiten. Etzold hat für Banken und Unternehmen gearbeitet und so lässt sich vermuten, dass die unglaublichen Finanztransaktionen auf Wahrheit beruhen. Schön, dass der Autor diese manchmal komplizierten Zusammenhänge auch für Laien verständlich erklärt. Seine Verschwörungstheorie kann man mit einem wohlmeinenden Augenzwinkern genießen – mal ohne Templer, Illuminaten oder sonstige allzu typische Aspiranten weltumfassender Infiltrationspläne. Verschwörung ist hier Chefsache und die Zahl des Chefs ist, wie sollte es anders sein, die 666.

Ein gelungenes Debüt von einem Quereinsteiger, der hoffentlich sein Pulver nicht ganz verschossen hat, denn es wird schwer werden, einen Nachfolger mit genauso viel Wissen und Spekulation auszustatten.

Ich kann Das große Tier nur empfehlen, zumal hier spannende Unterhaltung zu einem fairen Preis angeboten wird. Da kann man schon mal wegstecken, dass dem Autor oder dem Lektorat die Wochentage durcheinander geraten sind, was beim Rezensenten kurzzeitig für Verwirrung sorgte.

Jürgen Priester, Mai 2010

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Darts zu »Veit M. Etzold: Das große Tier« 20.08.2015
Das Buch beginnt in der Silvester/Neujahrsnacht gleich mit einem Mord. In mehreren Erzählsträngen werden unterschiedliche Personen dargestellt. Ein Banker in Zürich, ein Kunsthistoriker(Student) mit Kater; am Morgen eine Kommissarin in Berlin, die zum Tatort fährt. Am Anfang etwas verwirrend und meiner Meinung nach zu viele englische Sätze(vielleicht gar nicht so viele, nur wenn man sie sich mühsam übersetzen muß zu viele), aber bereits sehr spannend. Es werden meist nur kurze Episoden 'eingeblendet', aber so, dass man eigentlich gleich weiter lesen möchte, aber erst wieder zu den anderen Personen geführt wird. Um den Mörder zu finden (es tauchen ja noch viele Leichen auf), müssen viele Rätsel gelöst werden. Im groben erinnerte es mich an Dan Brown mit seinen magischen Rätseln; und es wurde genau so spannend geschrieben. Und auch hier spielt die katholische Kirche/Vatikan/Rom eine entscheidende Rolle.

Wie sagt die Kommissarin zwischendurch: (sinngemäß) Immer wenn ein Rätsel gelöst ist, taucht ein ungelöstes neues auf. Leider 1-2 Rätsel zu viel. Das Buch verliert dadurch leider etwas an Spannung. Diese wird aber zum Schluß hin wieder aufgebaut.

Ich finde ein gelungener Thriller, der alles enthält und nebenbei lernt man etwas über Börsenpraktiken.
Frank zu »Veit M. Etzold: Das große Tier« 17.02.2011
Ein Verschwörungsthriller aus Deutschland, routiniert - und die Zielgruppe bedienend.

Sicher, zum Ende hin wird es etwas arg "Hollywoodmäßig", aber letztendlich wird der interessierte Leser/die Leserin durchaus spannend unterhalten.

Für Fans des (Sub)Genre durchaus den Kauf wert.

Über den Inhalt wurde sich ja bereits ausgelassen...
anyways zu »Veit M. Etzold: Das große Tier« 10.08.2010
Zwei Mächte stehen sich seit Anbeginn der Zeit gegenüber. Verfeindet seit Jahrtausenden kämpfen sie Gegeneinander. Das Gute und Das Böse.



In der Silvesternacht wird im Berliner Hotel Adlon der Chef eines internationalen Konzerns für Satellitentechnik ermordet. Kriminaldirektor Winterfeld, Leiter der Mordkommission beim LKA Berlin und Sarah Jakobs, Hauptkommissarin für organisierte Kriminalität und Wirtschaftsdelikte beim LKA Berlin, nehmen die Ermittlungen auf.



Der Tote, Stuart Hill, war Chef von Promethan Industries, einer hoch dotierten Firma für Computertechnik. Als in rascher Folge weitere Morde u. a. am Chef der Rechtsabteilung und am Finanzvorstand begangen werden, haben die beiden Ermittler den Mörder nicht nur in Berlin sondern auch in London zu suchen.



Ein gut recherchiertes und dementsprechend dicht geschriebenes Buch zu den Themen Finanzwelt, Kunstgeschichte und Mythologie. Durch die spannend geschriebenen ersten Seiten folgt man der Geschichte sehr aufmerksam, das ist auch dringend angeraten, da die Handlungswechsel sehr schnell und häufig sind.

Ab der Hälfte des Buches wird es etwas ruhiger und flacht leider auch ein wenig ab.

Die mythologischen Eckdaten sind nicht tief genug beschrieben, sondern kratzen nur an der Oberfläche. Ich hatte dabei das Gefühl, das etwas Entscheidendes weggelassen wurde.



Alles in allem ein Thriller der einen ganz schön in Atem hält.
charlotte_30 zu »Veit M. Etzold: Das große Tier« 21.05.2010
Das große Tier. Ein Thriller zur Finanzkrise.
Der Titel und die Aufmachung des Buches versprechen keine gute Unterhaltung. Der belanglose Titel könnte Leser abschrecken, ebenso das Cover, dennoch zählt der Inhalt des Romans und dieser lässt kaum Wünsche offen. Der Autor übernimmt einige Erzählmomente die die Romane von Dan Brown zu Beststeller machten: die Paarung von Kunstgeschichte und Kriminalität. Professor Langdon muss die Welt in 24 Stunden retten. Etzold gibt seinen Figuren etwas mehr Zeit, dennoch müssen auch sie unmögliches meistern.
Der Leser begleitet die Figuren auf eine kurze Weltreise und erfährt dabei kunsthistorische Theorien, mythologische Zusammenhänge und unklare Begriffe aus der Finanzwelt werden auf einfachsten Wege erklärt. Der Schreibstil ist frisch und mitreißend und nur an wenigen Stellen langatmig. Warum man das Buch unbedingt in das Genre des Thriller legen musste, bleibt mir unklar.
Sarah und Vincent sind die Protagonisten des Romans. Sie sind ein Liebespaar und ein neues Ermittlungsteam, welches nicht unterschiedlicher sein könnte. Vincent der Doktorand der Kunstgeschichte, Sarah die kühle Ermittlerin des LKAs. Beide suchen sie, die eine Person, die hinter allen steckt und stoßen dabei auf einen perfiden Plan, die Menschen der Welt zu kontrollieren.
Im digitalen Zeitalter sind wir alle verwundbar und kontrollierbar geworden, die natürliche Skepsis haben wir verloren und ein Plot im Roman zeigt uns wie es Enden könnte. Im Roman rettet uns Sarah und Vincent und wer tut es im wahren Leben? „Das große Tier“ ist ein Buch, das den Zahn der Zeit getroffen hat. Leider hat das Buch einige Schwachstellen und dadurch wird es kein Dan Brown werden, obwohl die Idee, die in dem Buch steckt, das Zeug dazu hätte.
subechto zu »Veit M. Etzold: Das große Tier« 11.05.2010
Das große Tier = die große Gier?

Alles drin, alles dran, was derzeit en vogue ist: Investmentbanker, Top-Manager, globale Märkte, das WorldWideWeb, Verschwörungstheorien und last but not least Ritualmorde.

Stuart Hill, Chef von Promethean Industries, einem internationalen Konzern für Satellitentechnik, kommt in der Silvesternacht in seiner Berliner Adlon-Suite auf rätselhafte Weise ums Leben. Wie sich herausstellt, hat die attraktive Dame, die ihn aufs Zimmer begleitet hatte, etwas damit zu tun.

Zeitgleich bekommt der Investmentbanker Marcus in St. Moritz einen mysteriösen Anruf: er möge sofort nach Berlin fliegen... für 5 Mio. Euro! Auch dieses Geheimnis wird später gelüftet.

Sarah Jakobs, junge Hauptkommissarin für Wirtschaftskriminalität am LKA Berlin soll zusammen mit dem "alten Hasen" Winterfeld im Mordfall Hill ermitteln. Hilfe bekommt sie hierbei von Vincent, einem Bremer Doktoranden der Kunstgeschichte, mit dem sie befreundet ist.

Eigentlich liebe ich spannende Wirtschafts-/Finanzthriller: eine gute Geschichte, viele Schauplätze, ein Heer von Protagonisten... aber die Story war mir dann doch etwas zu abgehoben. Dauernd ging es um "Gegensätze": Griechen vs Römer, Christen vs Moslems, Dante vs Michelangelo, Glaube vs Geld etc etc.

Veit M. Etzold kannte ich bisher nicht und es schien, als hätte er all seine bisherigen Erfahrungen in einen interessanten, kurzweiligen Thriller gepackt. Stattdessen wurde mir ziemlich schwere Kost serviert: viele lateinische Zitate, Verschwörungstheorien, ein Geheimbund, Satan und "der böse Wolf"... puh, bis etwa Seite 300 bin ich da noch mitgekommen, aber dann wurde es mir doch etwas "too much" und ich habe das Buch eigentlich nur noch zu Ende gelesen, weil ich wissen wollte, wie es aus geht.

Gut gefallen hat mir der Aufbau und die -typisch amerikanisch- kurzen Kapitel. Weniger gut dagegen fand ich, dass dauernd jemand geraucht oder die Augen verdreht hat. Auch hat der Autor ziemlich viele Gimmicks eingebaut: Gift und Gegengifte sowie Palindrome...

Wer denn nun letztlich Das große Tier ist, ist mir nicht wirklich klar geworden: Der Antichrist, ein weltumspannendes Mega-Computernetzwerk oder gar "der Wächter"? Starker Tobak! So bleibe ich etwas hilflos und unzufrieden zurück. Sollte es etwa eine Fortsetzung geben? Ohne mich!

Leider nicht nach meinem Geschmack, deshalb nur 40° :-(
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