Tod auf der Warteliste von Veit Heinichen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2003 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Triest, 1990 - 2009.
Folge 3 der Proteo-Laurenti-Serie.

  • Wien: Zsolnay, 2003. ISBN: 3-552-05277-1. 336 Seiten.
  • München: dtv, 2004. ISBN: 3423207566. 333 Seiten.
  • [Hörbuch] München: dtv, 2011. ISBN: 342319524X. 333 CDs.

'Tod auf der Warteliste' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In einer exklusiven Beauty-Klinik vor den Toren Triests werden angeblich nur harmlose, aber teure Schönheitsoperationen durchgeführt. Auch Laura, die Frau von Kommissar Proteo Laurenti zeigt Interesse. Doch Laurenti hat andere Sorgen. Seit beim Gipfeltreffen des deutschen Bundeskanzlers mit Berlusconi ein nackter Mann von der Limousine des Staatsgastes überfahren wurde, spielt Triest verrückt. Die große Politik hat jeden angesteckt, jeder verdächtigt jeden, sogar Proteo Laurenti gerät ins Fadenkreuz. Und als dann noch einer der Ärzte der Klinik auf brutale Weise verstümmelt wird, beginnt das Klima zu kippen. Laurenti muss ein übles Geflecht aus Protektion, Korruption, Mord und Totschlag auseinandernehmen, um zum Kern der Gewalt vorzudringen. Triest ist wieder einmal der Mittelpunkt der Welt, und Laurenti ist auf seinen Scharfsinn angewiesen, um nicht selbst Teil der Hysterie zu werden.

Das meint Krimi-Couch.de: »Garantiert ohne Weichspüler« 84°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Wer schön sein will, muss leiden. Doch in der Schönheitsklinik La Salvia müssen nicht nur die leiden, die sich kosmetischen Eingriffen unterziehen, sondern auch andere. Unter dem Deckmäntelchen der Schönheitschirurgie werden nämlich auch illegale Organtransplantationen vorgenommen, bei denen den osteuropäischen Spendern zunächst eine fürstliche Entlohnung versprochen wird, diese die Organentnahme aber in einigen Fällen nicht überleben, weil gleich alle lebenswichtigen Organe auf einmal entfernt werden oder diese ohne Geld in ihre Heimat zurückgeschickt werden. Der junge Rumäne Vasile zieht im letzten Augenblick die Reißleine und flieht im OP-Hemd aus der Klinik, doch er landet direkt unter dem Auto des deutschen Bundeskanzlers, der zu einem Staatsbesuch in Italien weilt. Für Vize-Questore Proteo Laurenti ist schon die Identifizierung des Opfers ein schwieriges Unterfangen.

Als kurz darauf ein angesehener Arzt der Klinik La Salvia in seinem Haus überfallen und entmannt wird und an den Folgen dieser Verstümmelung stirbt, vermutet der alte Gerichtsmediziner Galvano, den man gerade mit seinen 82 Jahren endgültig in Pension geschickt hat (seiner Meinung nach zu unrecht), einen Zusammenhang zwischen den beiden Todesfällen.

Der Fall hat es in sich, obwohl Veit Heinichen eigentlich recht früh fast alle Karten auf den Tisch legt. Als Leser weiß man weit mehr als die Polizei und verfolgt die ganze Geschichte nicht nur aus ihrem Blickwinkel, sondern blickt ebenfalls hinter die Kulissen der Schönheitsklinik und deren Machenschaften. Ein interessantes Phänomen, dass trotz dieser Tatsache keinerlei Langeweile aufkommt und die Spannung auf einem hohen Niveau gehalten werden kann. Heinichen knüpft mehrere Handlungsstränge gekonnt und nimmt auch Fäden aus seinem ersten Buch wieder auf, so dass auch das Erzähltempo zwar nicht rasant, aber doch zufriedenstellend ist.

So nebenbei nimmt der Autor noch die deutsch-italienischen Beziehungen aufs Korn, man erinnere sich an die Kanzler-storniert-seinen-Urlaub-in-Italien-Affäre. Und außerdem muss Berlusconis Politik nicht nur einen verbalen Seitenhieb ertragen. Man verspürt vielleicht nach der Lektüre dieses Romans nicht mehr Lust als vorher, Triest einen Besuch abzustatten, aber man sieht Italien in einem anderen Licht.

Insbesondere die Hauptfigur Proteo Laurenti gefällt mir ausnehmend gut. Ich finde es zwar recht schwach, dass er eine Affäre mit einer kroatischen Staatsanwältin unterhält, aber das macht ihn menschlich. Zudem gerät er im vorliegenden Roman in den Verdacht, in unlautere Geschäfte verwickelt zu sein. Der Vergleich mit der vielleicht bekanntesten Serienfigur eines italienischen Polizisten drängt sich auf, aber Laurenti kann sich sehr gut gegen Guido Brunetti absetzen. Donna Leons Protagonist wirkt auf mich gegen den Triester Vize-Questore fast wie weichgespült, obwohl sich beide mit Mord und Totschlag herumschlagen müssen. Aber auch den anderen Charakteren mangelt es nicht an Kontur, wie z.B. dem Gerichtsmediziner Galvano, der trotz seiner Pensionierung noch kräftig mitmischt.

Einzig das offene Ende der Geschichte ist vielleicht nicht ganz so befriedigend, aber dennoch ist »Tod auf der Warteliste« ein Roman der Spitzenklasse, der alles hat, was man sich wünschen kann. Die Attribute politisch, scharfzüngig, humorvoll, unterhaltsam und spannend passen allesamt.

Ihre Meinung zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste«

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jelle zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 21.03.2017
Ich bin damit total einverstanden falcon. Ich muss dieses Buch auch für meine Schule lesen. Obwohl ich dieses Buch anfangs auch schwer fand durch zu ziehen, hat es sich am letzten enden als ein sehr schöne Geschichte herausgezeigt weil man vielen Fragen hat, zum Beispiel: was passiert in dem Klinik und warum?
Christian zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 27.11.2006
Hallo zusammen,

ich hab Tod auf der Warteliste gerade zu Ende gelesen.
Ich bin ein großer Fan von "italienischen" Krimis und hab praktisch alles verschlungen was es dort gibt, von Donna Leon über Magdalen Nabb bis Camillieri. Deshalb war ich sehr gespannt auf Veit Heinichen.

Was die Story und auch was Spannung angeht war es so lala. Ich habe auch einige Zeit gebraucht "durchzukommen".

Trotzdem alles in allem bin ich doch recht begeistert. Die Hauptfigur Laurentie und auch die anderen Protagonisten sind sehr gut gezeichnet und gefallen mir sehr gut. Auch hat das Buch durchaus seine lustigen Seiten, was ich generell sehr schätze.

Laurentie finde ich im Vergleich gerade zu Brunetti lebendig und farbiger, nicht dieses aufgesetzte "Gutmenschtum". Und das Leon oder Nabb vor Spannung brennende Bücher schreiben, kann ich auch nicht für jedes Ihrer Bücher unterschreiben.

Alles in allem finde ich Heinichen/Laurentie eine Bereicherung, wenn es auch nicht der in jedweder Hinsicht perfekte Krimi ist.

Gruß
Christian
yellowsubmarine zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 29.06.2006
Kann die kritischen Stimmen hier nicht verstehen - ich hab das Buch von vorne bis hinten verschlungen.

Gerade die Erzählweise, nicht alles immer sofort aufzuklären - verschiedene Handlungsstränge erst mit der Zeit ineinander zu verweben regt die Phantasie des Lesers an. Kann verstehen, dass das manchen, die sich leichte Kost erwarten, zu viel abverlangt. Ich finde Heinichen hintergründiger als Donna Leon, er zeichnet die Menschen mit all ihren Stärken und Schwächen, hat ein kritisches Auge für die gesellschaftlichen Verhältnisse und hat trotzdem immer ein kleines Augenzwinkern parat.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
andrea089 zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 24.03.2006
Dieses Buch habe ich oft verärgert weglegen müssen, da mich die Zeit- und Schauplatz-Sprünge sehr verwirrten. Es liest sich mäßig spannend und am Ende bleiben doch zu viele Fragen offen (z.B. überlebt sein Hund?). Einen Vergleich mit Donna Leon oder Mankell finde ich doch etwas gewagt.
3 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Falcon zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 28.09.2005
Kommisar Laurenti und sein neuer Wegbegleiter der schwarze Bastard mit dem ungewöhnlichen Namen Almirante oder Cluzo, sind wieder das was Heinichen so lesenswert macht. Köstlich wie er als vermeintlich Irrer von den Kollegen der Verkehrspolizei abgeführt wird. Auch die Randfiguren, wie der schrullige nimmermüde Patologe Galvano, sind hervorragend gezeichnet. Leider verwirrt die etwas unchronologische Erzählweise, vorallem am Amfang des Buches. Sehr realistisch ist der Druck und die internen Spannungen im Polizeirevier dargestellt. Heinichen zeigt auf, wie die Spielchen laufen, und wie man richtig lobbyrt. Der Schluss ist zwar spannend, aber er wirkt wiedermal etwas konstruiert.
Alles in allem wieder eine schöne "geistige" Reise nach Triest, und allein diese Landschaftsbeschreibungen machen das Buch lesenswert.
Stephanie zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 23.04.2005
Das Besuch ist sehr spannend und interessant. Trotzdem ist der Anfang schwer zu verstehen. Wir lesen das Buch gerade in der Schule. Doch ich kann nicht aufhören darin zu lesen, weil ich wissen möchte wie es endet!! Ich stelle mir die Geschicht immer Bildlich da und ich würde gerne diese Personen mal wirklich sehen ;-)).
Andrea zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 27.03.2005
"Tod auf der Warteliste" ist das erste Buch, das ich von Heinichen gelesen habe. Anfangs war ich zwar etwas skeptisch, doch jetzt, wo ich zwei seiner weiteren Bücher gelesen habe, würde ich sagen, dass er als Krimiautor sowohl Donna Leon als auch Henning Mankell ebenbürtig ist.
Ulrich zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 06.11.2004
Mit Erstaunen sehe ich gerade das Spannungsthermometer bei 90° stehen. Und wer hier Donna Leon zum Vergleich anführt, muss andere Bücher gelesen haben als ich. Jedenfalls lese ich dieses Buch hier abends im Bett und kann es gut weglegen, um zu schlafen. Es ist unterhaltsam, aber nicht so spannend, dass es diese Leser-Einstufung verdient. Ich erinnere mich, von ihm schon besseres gelesen zu haben. Aber das Thema lag ihm wohl nicht.
petersmann andreas zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 26.01.2004
Andreas

Kenne alle donna leon. Veit heinichen absolut gleichwertig.
hoffe das bald ein neues buch
kommt. man hat das gefühl
selbst in triest zu leben. ein muß für freunde des italienischen lebens.
0 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Wolfram zu »Veit Heinichen: Tod auf der Warteliste« 10.01.2004
Nun, bisher bin ich leider keineswegs überzeugt, noch kann ich euphorisch über sein Buch schreiben. Empfohlen als männliche Donna Leon und Gegenpart zu Brunetti bin ich entäuscht.
Vielleicht kommt noch was, wenn ich es schaffe das Buch zu Ende zu lesen. Allerdings mein Fazit bis jetzt, eine Donna Leon, einen Wolf Haas, einen Raymond Chandler, einen Dashiell Hammet, eine Magdalen Naab, einen Günther Brödl lese ich in ein bis zwei Tagen (am Wochenende) komplett durch und fiebere auf weitere, obwohl ich nun alle Chandler und Hammet, sowie Haas und Brödl durchhabe und nix mehr kommen wird. Bei Heinichen sehne ich im Moment das Ende herbei, nun ja, 2004 ist ja noch lang.

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