Die Ruhe des Stärkeren von Veit Heinichen

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2009 bei Zsolnay.
Ort & Zeit der Handlung: Triest, 1990 - 2009.
Folge 6 der Proteo-Laurenti-Serie.

  • Wien: Zsolnay, 2009. ISBN: 978-3-552-05455-4. 320 Seiten.
  • München: dtv, 2010. ISBN: 978-3423212359. 318 Seiten.

'Die Ruhe des Stärkeren' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Als Commissario Laurenti nachts von einer EU-Sicherheitskonferenz nach Triest zurückkehrt, wird im selben Zug der Tierpräparator Marzio Manfredi ermordet. Die Ermittlungen belasten Laurenti zusätzlich, denn die Zeremonie zur Erweiterung der Schengen-Zone erfordert seine ganze Konzentration. Eine vermutlich rechtsradikale Gruppe, die gegen Grundstücks-spekulationen im großen Stil entlang der Adriaküste protestiert, hat gegen einen Teilnehmer des Festakts Morddrohungen ausgesprochen. Es handelt sich um den am internationalen Geldmarkt tätigen Spekulanten Goran Newman, dessen Sohn Sedem wiederum hat sich ausgerechnet in Laurentis Assistentin Pina Cardareto verliebt, die auf diese Weise ungeplant Einblick erhält in ein Zentrum der modernen Wirtschaftskriminalität mit ihren globalen Auswirkungen.

Das meint Krimi-Couch.de: »Turbo-Kapitalismus und Kampfhunde« 83°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Bei Veit Heinichens Kriminalromanen kann man sich auf Zweierlei verlassen: Zum einen trifft man auf liebgewonnene Bekannte, zum anderen bekommen wir es mit einem Fall zu tun, der höchst aktuelle gesellschaftspolitische Themen aufgreift. In Die Ruhe des Stärkeren steht die derzeitige Finanzkrise im Vordergrund.

Aber der Reihe nach, denn die Thematik ist komplex und ein roter Faden zeichnet sich nicht offenkundig ab: Commissario Proteo Laurenti hat – nicht ungewohnt für ihn – wieder einmal alle Hände voll zu tun. In Triest sollen zum Neujahr die Schlagbäume fallen, die Grenzen zum Balkan werden geöffnet. Dazu ist ein großer Festakt geplant, der von den Sicherheitskräften geplant werden will. Und so kommt Laurenti eines nachts von einer Sicherheitskonferenz im Zug nach Hause – und noch während der Fahrt wird der Eichhörnchenpräparator Marzio Manfredi ermordet. Eigentlich ein No-Name im nicht ganz spannungsarmen Umfeld im Nordosten Italiens. Was hilft´s, auch dem muss nachgegangen werden.

Mit dem Gehen hat auch Laurentis junge Kollegin Pina, die wir bereits aus Totentanz kennen, einige Probleme. Sie wird von einem Kampfhund angefallen und von einem heranreitenden Querschnittsgelähmten Slowenen namens Sedem nicht nur gerettet, sondern auch gepflegt. Dass dieser der Sohn des einfluss- wie insgesamt reichen Goran Newmann, genannt »Duke« ist, erfährt Pina erst später. Und schlittert ungebremst in eine Affäre mit dem charmanten Jung-Broker, der aus 200.000 Euro seines Vaters – mal eben – einen zweistelligen Millionenbetrag an der Börse gemacht hat.

Um den Plot richtig undurchsichtig zu gestalten, verteilt eine recht anonyme Gruppierung namens Istria libera Flugzettel und Plakate, um auf windige Immobilienspekulationen an der Adria aufmerksam zu machen. Und ein Kampfhund namens Argos erzählt in Ich-Perspektive von seiner Zeit als animalischer Gladiator.

Das sind viele Fäden, die Autor Veit Heinichen in seinem neuen Roman spinnt. Doch er tut dies mit Kenntnis. Ohne belehrend zu klingen, erläutert und erklärt der Wahl-Triestiner, leuchtet Hintergründe aus und versucht eine Realität begreiflich zu machen, die den meisten Lesern in dieser Form doch mehr als fremd sein dürfte.

Und diese Realität im Schmelztiegel Triest, dort, wo so viele Bevölkerungsgruppen aufeinanderstoßen, sich arrangieren und miteinander wie gegeneinander leben, ist eine beunruhigende. Um diese darzustellen, benötigt Veit Heinichen jedoch keine Schockeffekte, auch kein ständiges Lamentieren und Jammern seines Protagonisten. Dessen kulinarische Vorlieben und sein Familienleben – auch da bahnt sich einiges an – lässt der Autor nicht außer acht und sorgt so struktursicher für Naherholungsgebiete, in denen der Leser verschnaufen darf. Altbekannte Charaktere wie der pensionierte Pathologe Galvano oder die noch recht frisch eingeführte, ebenfalls nicht aus Triest selbst stammende, Polizistin Pina runden diese Passagen ab.

Glücklicherweise überdecken Sie jedoch auch nicht das Wesentliche von Heinichens sechstem Laurenti-Roman: die Botschaft. Turbo-Kapitalismus parallel zu illegalen Hundekämpfen, organisiertem Verbrechen und Drogenhandel zu stellen, ist nicht ungewagt. Einmal mehr wird der Kriminalroman zum Vehikel für die Darstellung einer Gesellschaft, die offensichtlich nicht erkennt in welch schlimmer Lage sie sich befindet. Wie Veit Heinichen seine Beobachtungen und natürlich seine ganz persönliche Meinung so mit dem Genre kombiniert, ist nicht nur äußerst gelungen, sondern auch erfreuend unaufdringlich.

Die Ruhe des Stärkeren ist insofern erneut ein Roman Heinichens, der dem Autor das eigene Aushängeschild weiter aufpoliert: politisch-tiefgründige Kriminalromane mit einer wohldosierten Portion Dolce Vita. Da capo.

Lars Schafft, März 2009

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alex zu »Veit Heinichen: Die Ruhe des Stärkeren« 15.08.2009
ich muss unbedingt bald wieder nach triest - seit veit heinichen die interessanteste stadt europas ...zu "die ruhe des stärkeren": ich habe das buch "verschlungen". die story rund um die kampfhunde-conventions, die gier der gesellschaft(en), den fall der grenzen hat mich wieder einmal gefesselt. die liebe zum (guten) essen und dem (regionalen) wein und zur musik ist spürbar wie in noch keinem proteo-laurenti-krimi.nicht so überzeugt bin ich von der schilderung des geschehens aus sicht des hundes (obwohl wirklich sehr emphatisch geschrieben). das ende hat mich auch nicht so ganz überzeugt - ein bisserl gar schnell und ein bisserl arg im trüben.ich warte schon auf den nächsten band. in der zwischenzeit lese ich den einen oder anderen "alten" noch einmal.
johannes21 zu »Veit Heinichen: Die Ruhe des Stärkeren« 03.05.2009
Ich war, obwohl Heinichen Fan und der bleibe ich auch, etwas enttäuscht. Ein leichter Eindruck: Die Schlussphase ist leicht willkürlich, außerdem unbemerkt mi einem Rollstuhl in eine Haus eindringen, naja. Aber wieder viele historischen Informationen und tolle Tipps für Ausflüge rund um Triest. Einen Reiseführer benötige ich ohnehin nicht mehr, aber Heinichen hat auch den bereits geschrieben (als Kochbuch).
Annelies zu »Veit Heinichen: Die Ruhe des Stärkeren« 21.04.2009
Ich finde die Art wie er ein Buch schreibt fantastisch. Es steckt so viel Leidenschaft in diesem Buch!
Ich habe DIE RUHE DES STÄRKEREN schon 4 mal gelesen, und ich bin immer wieder fasziniert! Commissario Laurenti ist immer meine Lieblingsperson. Ich hoffe das Veit Heinrichen noch mehr Bücher schreibt!

Danke dir Veit Heinrichen
melitta zu »Veit Heinichen: Die Ruhe des Stärkeren« 25.02.2009
Wieder ein sehr gutes Buch von Veit Heinichen. Teile der Thematik des Buches sind zwar von der Sorte, die ich lieber nicht kennen möchte, weil es mich traurig und wütend stimmt, aber die Genauigkeit seiner Recherchen und Beschreibungen sind faszinierend. Der Stil wie üblich hervorragend aber nicht zu kompliziert.

Eine neue, sehr liebenswürdige, Figur wird dem Leser als neue Kollegin von Commissario Laurenti vorgestellt, die direkt eine tragende Rolle übernimmt.

Auch gefielen mir die genauen Beschreibung zu den Verhätlnissen der italienischen/slowenischen "Beziehungen"etc. Das Buch ist nicht nur Krimi sondern auch etwas Geschichtsbuch, aber wunderbar verpackt in eine tolle Atmosphäre.

Ich bin begeistert und freue mich, dass Veit Heinichen erneut ein Buch geschrieben hat, das mir zeigt, dass es noch Schrifsteller gibt, die ihre Arbeit wirklich ernstnehmen und dem Leser gewisse Themen nahe bringen wollen.

Für mich sind seine Bücher auch deswegen so besonders, da ich öfter in Triest/Piran/Portoroz bin und die Gegend daher etwas kenne und es immer schön ist, wenn man sich das Geschriebene bildlich vorstellen kann, da man die Orte eben kennt und so die Atmosphäre noch besser "spürt".
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