Die Jagd nach dem Wüstengrab von Valerio M. Manfredi

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1998 unter dem Titel Il faraone delle sabbie, deutsche Ausgabe erstmals 2002 bei Kabel.
Ort & Zeit der Handlung: Israel, 1990 - 2009.

  • Mailand: Mondadori, 1998 unter dem Titel Il faraone delle sabbie. 369 Seiten.
  • München: Kabel, 2002. Übersetzt von Claudia Schmitt. ISBN: 3822505749. 413 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2003. Übersetzt von Claudia Schmitt. ISBN: 3-492-23863-7. 413 Seiten.

'Die Jagd nach dem Wüstengrab' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Ein verschollenes Pharaonengrab, eine mysteriöse Papyrusrolle und die Aufdeckung eines seit Jahrtausenden schwelenden Wüstengeheimnisses sorgen für atemberaubende Spannung. Nie hätte der Ägyptologe und Mumienforscher William Blake geglaubt, dass das Schicksal ihn über Nacht in eine Art Indiana Jones verwandeln würde: Eben noch hadert er mit dem Schicksal, weil ihm sein Lehrauftrag entzogen wurde und seine Frau ihm den Laufpaß gegeben hat, und im nächsten Moment sitzt er schon im Flieger nach Israel, soll mitten in der Wüste ein mysteriöses Pharaonengrab erforschen und verliebt sich kopfüber in die charmante und pfiffige Sarah. Als er dann auch noch dem Rätsel auf die Spur kommt, das sich seit Jahrtausenden um das prunkvolle Wüstengrab rankt, stürzt er mitten in eine internationale Intrige. Mit knapper Not entkommt er einem Mordversuch, gerät auf der Flucht in einen heftigen Sandsturm und muß es auch noch mit arabischen Extremisten aufnehmen. Für Blake und Sarah beginnt ein Wettrennen gegen die Zeit …

Das meint Krimi-Couch.de: »Beklemmend real – ein fantastischer Action-Archäo-Polit-Thriller« 88°Treffer

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Krimi-Couch-Volltreffer April 2004

Im Nahen Osten bricht das Chaos aus: Das irakische Regime wird gestürzt, der Machthaber von einem Selbstmordattentäter ermordet. Die arabischen Staaten verbünden sich gegen Israel und planen den Angriff auf die heilige Stadt Jerusalem. Währenddessen halten islamistische »Schläfer« die USA in Schach. Vier Atombomben würden in den USA gezündet werden, sollten sich die Amerikaner oder deren Verbündeten in den Krieg in Nahost einmischen. Abseits davon macht ein amerikanischer Archäologe in der Wüste Palästinas eine Entdeckung, die die komplette Geschichte der Menschheit umschreiben würde …

Der prophetische Weitblick des Autoren

Krieg in Nahost, islamistische Terror-Angriffe, »Schläfer«, die auf ihren Einsatz warten und der Umsturz im Irak – man könnte meinen, der italienische Autor Valerio M. Manfredi würde auf der Welle der weltweiten Angst, die sich seit »nine eleven« immer mehr ausbreitet, reiten und so einen reißerischen Thriller geschrieben haben, mit mehr als nur einem Auge auf den Verkaufszahlen. Doch das Gegenteil ist der Fall: Manfredi, promovierter Archäologe und Altphilologe, schrieb »Die Jagd nach dem Wüstengrab« 1998. Drei Jahre vor Ground Zero – und bewies damit einen Weitblick, der – liest man dieses Buch 2004 – fast schon prophetische Züge annimmt und seinen Roman gerade deswegen zu einer beklemmenden Lektüre macht.

Doch langsam. Der Anfang ist noch überschaulich, begleiten wir doch den Chicagoer Professor William Blake (nebenbei: ein reichlich gewöhnungsbedürftiger Name) auf seinem einsamen Weihnachtsfest, das er bei seinem Uni-Kollegen Omar Al Husseini verbringt. Blake ist eigentlich am Ende, beruflich wie privat. An der Uni wegen eines haarsträubenden archäologischen Misserfolgs gefeuert, von seiner Frau nach jahrelanger Ehe geschasst – merry christmas, everyone. Doch schon als er mitten in der Nacht vor seinem nun verlassenen Haus auftaucht, beginnt eine Odyssee durch den Nahen Osten, deren Ausmaß Blake nicht im Ansatz ahnen kann.

Vor seinem Haus wird Blake abgepasst, zwei Männer im Auftrag einer amerikanischen Firma, die im vorderen Orient Mineralien abbaut, bieten ihm einen Job an, den er in seiner momentanen Situation nicht ablehnen kann. Bei Abbauarbeiten will die Firma ein altes Pharaonengrab entdeckt haben – unberührt wohlgemerkt und damit in der Bedeutung gleichzusetzen mit dem Grab des Tut-ench-Amun. Blake soll nun erst einmal erforschen, was es mit dem Grab auf sich hat, wer bestattet liegt und vor allem: welchen Wert es haben könnte. So fliegt der amerikanische Archäologe ohne zu zögern mit dem Firmenjet in die Wüste.

Ein neues Zuhause: Das abgeschottete Camp in der Wüste

Im Camp angekommen, erwartet ihn nicht nur eine attraktive Begleiterin namens Sarah sondern vor allem Abschottung. Das Camp der Firma ist eine Zelt- und Caravan-Stadt für sich, mitten im lebensfeindlichen Nichts der Wüste. Das Grab, das Blake kurze Zeit nach seiner Ankunft betreten soll, ist tatsächlich unberührt, doch kann er es nicht zuorden, da ihm als Archäolgen ein wichtiger Eckpfeiler für seine Theorien fehlt: Wo befindet er sich eigentlich? Im Camp darf oder will man es ihm nicht sagen, die Kommunikation nach außen wird strengstens kontrolliert, sogar zensiert. Wie gut, dass Blake seinen Kollegen Husseini in Chicago weiß – der ebenfalls altägyptische Hieroglyphen verstehen kann und so bedient sich Blake der jahrtausdenetalten Symbol-Sprache um mit Husseini via E-Mail chriffriert zu kommunizieren.

Was Blake dann aber erfährt, passt hinten und vorne nicht: Er soll sich mitten in Palästina befinden – doch warum sollte sich ein ägytischer Pharao ausgerechnet im Land der Feinde feierlich bestatten lassen? Die Lösung vermutet Blake im Namen des Mumifizierten, der er auf einer der Grabbeigaben entdeckt haben will. Doch auch das erscheint zu abenteuerlich. Läge wirklich der im Sande Palästinas, den Blake vermutet, würde die die westliche Welt wie ein Kartenhaus in sich zusammenfallen.

Das Chaos ist ausgebrochen – und der israelische Geheimdienst den Helden auf den Versen

Während Blake zögert, den Namen des toten Pharaos preiszugeben, ist um ihn herum das Chaos bereits im Gange. Arabische Armeen stehen vor den Toren Jerusalems, die USA sind gelähmt, da sie von den Schläfern mit Nuklearwaffen bedroht werden. Mittendrin William Blake und Partnerin Sarah, verfolgt von Ägyptern, extremistischen Islamisten und sogar der israelische Geheimdienst Mossad hat es auf die beiden abgesehen. Die Flucht aus dem gelobten Land wird zu einer rasanten und lebensgefährlichen Tortur – während Omar El Husseini von seiner Vergangenheit eingeholt wird und vor sein seiner ganz persönlichen Apokalypse steht …

Valerio M. Manfredi hat viel hineingepackt in diese 400 Seiten Archäo-Polit-Action-Thriller. Gerade beim gewählten Thema ist dieser Roman eine ständige Gratwanderung. Die politische Situation muss genau so glaubwürdig sein wie der historische Hintergrund. Fakten und Fiktion müssen harmonieren – was Manfredi auf beindruckende Weise gelingt. Natürlich ist die Entdeckung des Pharaonengrabs mit dem unbekannten König eine Spezial-Idee aus der Phantasie des Autors; andererseits versteht es Manfredi, das notwendige »es könnte ja doch« zu vermitteln und so Zweifel am Plot frühzeitig zu beseitigen.

Klischeehafte Protagonisten in einer tempogeladenen Melange aus Archäologie und Politik

Bei dem Tempo, dass Manfredi nach einer Warmlaufphase von etwa 80 Seiten einschlägt, bei der gelungen Mischung aus Archäoligie- und Polit-Handlungsstrang, bei den spannenden Perspektivwechseln von Blake am Grab zu Husseini in Chicago zum Chef des israelischen Mossads – tja, da muss man eine etwas einseitige Figurenzeichnung wohl entschuldigen. Blake bleibt recht blass, mutiert zum Schluss zum Allround-Helden, der stolz sein »Püppchen« vor den bösen Verfolgern beschützt. Gerade die Zwischenromanze ist leider absolut überflüssig und bringt die Geschichte keinen Deut vorwärts.

Äußerst interessant schildert Manfredi hingegen seine Nebencharaktere, insbesondere Omar El Husseini, wie dieser mit sich und seiner Vergangenheit kämpft, sich innerlich zerreisst und aufreibt. Wer islamischischen Terrorismus versucht zu verstehen, kann in der Person des Omar El Husseini einen wertvollen Ansatzpunkt finden.

Handwerklich gepunktet: Zwei Pointen zerschlagen jeden Zweifel

Ein weiteres Mal kann Valerio Manfredi schließlich handwerklich punkten. Die Pointen, die er gezielt setzt, haben es in der Tat in sich. Die erste, wer sich nämlich tatsächlich im Sarkophag in der Wüste befindet, lässt den Mund offenstehen, das muss zweimal gelesen werden. Die zweite schließlich erwartet den Leser nach stundenlanger Atemlosigkeit mit abschließender Abenteurerromantik ganz am Schluss des Romans – und zerschlägt die letzten Zweifel: Man hat mit »Die Jagd nach dem Wüstengrab« nicht nur ein bedrückend reales, spannendes und tiefgründiges Buch, sondern auch eine wohl durchdachte und genau konzipierte Geschichte begeistert gelesen!

Ihre Meinung zu »Valerio M. Manfredi: Die Jagd nach dem Wüstengrab«

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thoa zu »Valerio M. Manfredi: Die Jagd nach dem Wüstengrab« 19.03.2006
Der Roman birgt einen gewaltigen Informationsreichtum in sich, der die Spannung (besonders am Anfang und Ende) gewaltig ankurbelt, der einen aber auch dazu führt, manche Stellen lieber mehrmals zu lesen.

Manfredi hat (wie bei allen Büchern) einen psychologisch einwandfreien, kommentarlosen, multipersonalen Stil.
reni zu »Valerio M. Manfredi: Die Jagd nach dem Wüstengrab« 02.11.2004
Ein Thriller, der einen von der ersten Seite an nicht mehr los lässt und fesselt. Es ist interessant wie Manfredi historisches mit der Zukunft und der wahren Wirklichkeit verbindet. Die Bücher von Manfredi muß man unbedingt lesen.
kue zu »Valerio M. Manfredi: Die Jagd nach dem Wüstengrab« 24.05.2004
Ein durch und durch interessanter Thriller, der allerdings im letzten Viertel zu glatt über die Bühne geht. Bis dahin mag man zwar über einige Sachen argwöhnen, kann sich aber von dem flüssigen Erzählstil fesseln lassen. Die historische Einleitung ist gelungen, danach rätselt man bis etwa zur Mitte des Romans, wer in dem Wüstengrab liegen könnte.

Der Showdown am Ende ist dann eben Geschmacksache. Für mich war die Schlusspointe nicht mit einem Aha-Effekt, sondern eher mit einem Ach-Herrje-Effekt verbunden. War Superman ein Nachtportier?

Mit 80° bewerte ich den Roman aber immer noch recht heiß...
ELias zu »Valerio M. Manfredi: Die Jagd nach dem Wüstengrab« 29.03.2004
Also ich finde das buch grandios. ich bin selbst assyrisch/babylonischer abstammung und von daher interessiert mich diese thematik sehr! das buch liest sich flüssig und ist auf jeden fall empfehlenswert. vor allen dingen wie manfredi mit der thematik um den alten pharao schreibt, solche themen waren schon immer ein problem fall, manfredi hat dass meiner meinung nach bestens gemeistert. ich hoffe, ich finde in zukunft noch mehr solcher bücher.

(Dieser Kommentar wurde redaktionell bearbeitet)
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