Die Reportage von Val McDermid

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1987 unter dem Titel Report for Murder, deutsche Ausgabe erstmals 1990 bei Argument.
Ort & Zeit der Handlung: , 1970 - 1989.
Folge 1 der Lindsay-Gordon-Serie.

  • New York: St. Martin, 1987 unter dem Titel Report for Murder. 269 Seiten.
  • London: Women´s Press, 1987. 192 Seiten.
  • Hamburg; Berlin: Argument, 1990. Übersetzt von Sonja Hruby. 269 Seiten.
  • Hamburg: Argument, 2007. Übersetzt von Else Laudan. ISBN: 978-3867540032. 267 Seiten.

'Die Reportage' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Die trinkfeste Schottin Lindsay Gordon ist eine lesbische Journalistin voller Ideale – mit einem Job im Boulevardpresse-Milieu. Leider hat sie sich breitschlagen lassen, eine lobende Reportage über ein Elite-Mädcheninternat zu schreiben. Immerhin trifft sie dort auf eine faszinierende Frau, doch die Lust zum Flirten vergeht ihr, als jemand die Cellistin des Schulorchesters umbringt. Lindsay Gordon muss schnell recherchieren, ehe es noch einen Mord gibt …

Das meint Krimi-Couch.de: »Klassischer Aufbau« 65°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Die Kapitel des vorliegenden Krimis sind in fünf große Teile gruppiert, die aus der Formenlehre der Musik stammen. Wie passend, das Opfer ist eine bekannte Cellistin, die ihren Auftritt bei einem Wohltätigkeitskonzert an ihrer alten Schule leider nicht mehr absolvieren kann. Am Rande bemerkt: Existiert ein Musikstück, das zugleich Ouvertüre, Exposition, Fuge, Finale und Coda enthält, oder wurden hier nicht eher einige Musikbegriffe gemischt?

So klassisch wie der Aufbau der Geschichte handwerklich ist, so klassisch ist auch die Geschichte selbst angelegt, was angesichts der Tatsache, dass es sich hierbei um Val McDermids ersten Krimi handelt, eigentlich nicht verwundert. Es ist sicherer, als Newcomer einem Schema zu folgen, das sich schon bewiesen hat.

Ouvertüre

Die freiberuflich tätige Journalistin Lindsay Gordon hält sich geradeso über Wasser und insofern kommt es ihr recht gelegen, als sie von ihrer alten Freundin Paddy gebeten wird, über ein Projekt zur Rettung der Schule zu berichten, an der diese als Lehrerin tätig ist. Für Lindsay ist die Mädchenschule in Derbyshire eine ganz andere Welt, ist sie doch aktive Feministin und Kämpferin gegen die Klassenschranken. Wenn das Internat jedoch nicht das nötige Kleingeld aufbringt, um die Pacht für die Sportplätze zu finanzieren, droht die Schließung. Und auf diese Sportplätze hat es ein skrupelloser Bauunternehmer abgesehen.

Exposition

Zu Besuch ist neben der Schriftstellerin Cordelia Gray auch die bekannte Cellistin Lorna Smith-Couper, die beim Wohltätigkeitskonzert spielen soll. Doch soweit kommt es nicht mehr, denn Lorna wird bei der Vorbereitung in einem Musikzimmer mit einer Cellosaite erdrosselt. Die Polizei hat ihre Verdächtige bald gefunden: Paddy. Da Lindsay und Cordelia eine tiefe Freundschaft mit Paddy verbindet, steht es außer Frage, dass sie der Bitte der Direktorin nachkommen, ein wenig auf eigene Faust zu ermitteln. Und bald fördern sie zutage, dass es einige Personen gibt, die über ein Motiv verfügen.

Neben dem Schul-Ambiente, dem sich schon einige Schriftsteller bedienten, ist auch der Fall wie bereits erwähnt recht klassisch angelegt. Die Anzahl der Verdächtigen ist beschränkt und die Motive wurden sehr stark herausgearbeitet. Val McDermid führt den Leser alsbald in eine bestimmte Richtung, indem sie immer mehr Personen aus dem Kreis der Verdächtigen ausschließt, doch so glatt geht es am Ende dann doch nicht vonstatten. Mir war klar, da muss noch etwas kommen.

Finale

Wäre da nicht die sich anbahnende Beziehung zwischen Lindsay und Cordelia und die Charakterisierung der Journalistin als Feministin, hätte der Roman einen Durchschnittscharakter, der sich in nichts von anderen Krimis dieser Art abhebt. So belegt er zumindest das Genre Frauenkrimi, wobei die Figuren meines Erachtens jedoch voller Klischees stecken. »Die Reportage« ist dennoch gut zu lesen und durchschnittlich unterhaltsam.

Val McDermid hat sich ohne Zweifel weiterentwickelt. Ob sich dies auch in ihrer Serie um die lesbische Journalistin Lindsay Gordon niedergeschlagen hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Allerdings ist es erstaunlich, wie wandlungsfähig diese Autorin ist, denn ihre beiden Bücher Ein Ort für die Ewigkeit und Echo einer Winternacht spielen in einer ganz anderen Liga. Schon der Unterschied zwischen der Jordan/Hill-Serie und ihrer Reihe mit der Privatdetektivin Kate Brannigan ist erheblich. Wer also aufgrund der jüngeren Erfolge der Autorin zu diesem Buch greifen möchte oder schon gegriffen hat, der wird mit großer Wahrscheinlichkeit enttäuscht sein.

Der Klappentext besagt übrigens, dass es sich bei dem Opfer um die Cellistin des Schulorchesters handelt, ein kleiner, aber feiner Unterschied zum Roman …

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GAUDIO zu »Val McDermid: Die Reportage« 02.01.2007
Schlimm! Mir fehlen die Worte... ob ich mich noch mit ihre Aushängeschilder beschäftigen soll? Was soll`s, ich vertrau einfach mal wieder auf den guten Geschmack der krimi-couch-Fans!
Aber dieses Buch sollte sich wirklich niemand antun müssen!
SilkeS. zu »Val McDermid: Die Reportage« 23.10.2003
Ein Krimi der leicht vor sich hinplätschert. Es herrscht keinerlei Spannung, kommen keine Emotionen rüber, als sich die Journalistin Lindsay in den Ehrengast Cornelia verliebt. Auch alleingänge und ausgetüftelte Lösungsversuche konnten dem Buch nicht den gewünschten Pfiff vermitteln.
Ich las allerdings, daß dies Val McDermids erster Krimi war, hoffen wir daß sie sich bei den weiteren steigert.
Den gute Ansätze waren allenfalls da!
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