Tot-Schweigen von Uta-Maria Heim

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei Gmeiner.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Schramberg, 1990 - 2009.

  • Meßkirch: Gmeiner, 2007. ISBN: 978-3899777048. 230 Seiten.

'Tot-Schweigen' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Sie war schön, sie war jung, sie war unschuldig. Doch sie musste sterben. 22 Jahre nach dem Fund der »Kofferleiche« kann sie endlich identifiziert werden. Petra Clauss, ein 15-jähriges Mädchen aus Schramberg, wurde ermordet, zerstückelt und in drei Koffern verteilt im Stuttgarter Rosensteinpark abgestellt. Die LKA-Ermittler Anita Wolkenstein und Timo Fehrle müssen erfahren, dass der Identifizierungserfolg bei der Familie des Opfers auf wenig Gegenliebe stößt. Niemand hat mehr Interesse daran, an den alten Wunden zu rühren.

Das meint krimi-couch.de: »Ein jeder hat sein Päckle zu tragen« 80°

Krimi-Rezension von Sabine Reiss

Wer den Gmeiner-Verlag kennt, der weiß, das dort Krimis mit viel Lokalkolorit ihre Heimat gefunden haben. Und in diese Sparte passt im weitesten Sinne auch Uta-Maria Heim mit ihrem Krimi Tot-Schweigen, auch wenn ihr Bekanntheitsgrad als Preisträgerin des Deutschen Krimipreises und des Friedrich-Glauser-Preises doch weitaus höher einzustufen ist, als jener der anderen Autoren, die mit ihr in der Liste der Gmeiner Krimi-Veröffentlichungen stehen.

Tot-Schweigen ist mit ein wenig Sprachkolorit und ausreichend Lokalkolorit ausgestattet, um diesen Punkt separat zu erwähnen. Gerade die sprachliche Seite fällt vielleicht demjenigen auf, der aus der Region stammt, oder aber umgekehrt, wird vom wirklich Hochdeutsch-Sprechenden mit etwas Unverständnis goutiert, denn bitte wer weiß denn, was ein ´Gartenhag’ ist (=Gartenzaun) oder ein ´Muggelstein’ (kleine bunte Steine mit denen man früher Tischbilder gelegt hat, zumindest in den Kindergärten der 70er Jahre, und der heutzutage eher mit der Nachfrage nach Harry Potter in Verbindung gebracht würde). Tja, darüber kann man sich als Schwabe oder Badner schon amüsieren. Auf richtiges Hardcore-Schwäbisch verzichtet die Autorin allerdings und so kommt wohl jeder mit den paar Eigenheiten klar.

Lassen wir die letztlich sparsam eingesetzte schwäbische Sprachwürze außer Acht und wenden uns dem Handlungsgerüst zu, das äußerst vielschichtig daherkommt. Mal in Ich-Form, ohne dass man zuweisen könnte, wer hier zu Wort kommt, mal in Erzählform nimmt die Handlung ihren Lauf, teilweise werden auch Briefe aus der Vergangenheit eingebunden. Auch die Personen, die im Mittelpunkt der Kapitel stehen, wechseln von der Polizei zur Familie des Opfers bis hin zu Freunden.

Cold Cases auf schwäbisch

Kriminalhauptkommissar Timotheus Fehrle, genannt Timo, ist nach Beendigung seines letzten Falles ausgebrannt und widmet sich nun im Keller des Polizeipräsidiums Stuttgart alten ungelösten Fällen. Im Fall der zerstückelten Mädchenleiche, die vor über 20 Jahren in drei Koffern in einem Stuttgarter Park gefunden wurde, ist man einen bedeutsamen Schritt vorangekommen – das Opfer konnte nun endlich dank neuerer Untersuchungsmethoden identifiziert werden. Es handelt sich dabei um die 15-jährige Petra Clauss aus Schramberg, die vor 22 Jahren verschwunden ist. Timo Fehrle fährt mit der Patin dieses Altfalles, Kriminaloberrätin Anita Wolkenstein, in seinen Heimatort, denn auch er stammt aus Schramberg und kannte sowohl die Familie als auch das Opfer selbst noch zu Lebzeiten. Eine Tatsache, die das Ganze auch für ihn nicht gerade leicht macht.

Just zu diesem Zeitpunkt liegt die Mutter von Petra Clauss in der örtlichen Klinik im Sterben. Ihre drei übrigen Kinder haben sich eingefunden, Hannah, die noch zu Hause lebt, Martin, Rechtsanwalt, sowie die viel ältere Franziska, die seit Jahren keinen Kontakt mehr zu ihrer Familie hatte. Die Ermittler sind nicht gerade hochwillkommen mit ihren Fragen zur Vergangenheit, alte Beziehungswunden brechen wieder auf und der Blick fällt auf eine wenig sonnige Kindheit einer offensichtlich gestörten Person.

Weitab vom Mainstream

Die Geschichte setzt sich aus vielen Puzzlestücken zusammen und wirkt durch die unterschiedlichen Erzählstränge sehr mysteriös. Es tauchen einige Figuren auf, deren Rolle zunächst nicht gleich klar definiert ist und deren Bedeutung sich erst sehr viel später zeigt. Keine der Personen ist überflüssig, jedes Detail aus der Vergangenheit, z.B. aus den Briefen, hat am Ende ein Gewicht und trägt zum späteren Verständnis bei. Geschickt lockt Uta-Maria Heim den Leser auf falsche Fährten und selbst gegen Ende gibt es keine vollkommene Klarheit, was nicht jeden zufriedenstellen wird.

Mit viel psychologischem Gespür führt uns die Autorin durch einen Morast von Gefühlen, die ihre Wurzeln zurück bis in die Nazi-Vergangenheit strecken. Alles in allem fordert die Geschichte den Leser, allerdings nicht auf unangenehme oder anstrengende Weise. Tot-Schweigen ist zweifellos ein vielschichtiger und spannender Krimi, der einen nicht so schnell loslässt. Vergnügen im eigentlichen Sinne wird man beim Lesen angesichts der Dramatik der Geschehnisse eher nicht empfinden, obwohl es nicht vollkommen humorlos zugeht. Dafür gewinnt man ein sehr intensives Leseerlebnis, das unbedingt empfehlenswert ist und das sich weitab vom sog. Mainstream bewegt.

Sabine Reiss, April 2007

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hapesu zu »Uta-Maria Heim: Tot-Schweigen« 19.10.2008
Nach "Rattenprinzip" und "Dreckskind" ist dieses Buch das dritte der Autorin, welches ich gelesen habe - und vermutlich auch das letzte ... Ich gebe es ja zu und habe es in meinem Kommentar zum "Dreckskind" ja auch schon offen gelegt: wahrscheinlich liegt es an meiner Borniertheit, dass ich mit den Werken von Frau Heim nicht klar komme - wobei ihr die Milieuschilderungen, einmal im Remstal, dieses Mal im Schwarzwald hervorragend gelungen sind.
Ich rechne ihr auch hoch an, dass sie ihre Leser über das Schicksal der drei Kolleginnen von Timo Fehrle aus dem vorhergehenden Roman aufgeklärt hat - warum erfährt man aber nicht, was aus dem kleinen Emil geworden ist ? In einem Nebensatz wäre dies zu bewerkstelligen gewesen.
Aber statt Klärung zu schaffen werden nur ungezählte weitere Baustellen aufgetan, die ihre Kulmination darin finden, dass zum Schluss ein Mörder präsentiert wird, der zwar zuvor im gesamten Buch als Person auftritt, jedoch eher als Opfer, sodass die 180°-Kehrtwendung am Ende völlig unverständlich bleibt.
Vielleicht ist es für mich besser, wieder zu den Jerry-Cotton-Romanheftchen des Bastei-Verlags aus den 60-iger-Jahren zurückzukehren: die habe ich jedenfalls kapiert.
Alfred Brech zu »Uta-Maria Heim: Tot-Schweigen« 12.05.2008
dieser krimi, ist wie alle von u.m.heim, sehr gut augebaut und hat ein grundthema, um das sich alles mehr oder weniger dreht. sehr zu empfehlen. wie alles von uta.
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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