Unsere Top-3-Krimis aller Zeiten

Oft werden wir von der Krimi-Couch gefragt, was unsere ganz persönlichen Lieblingskrimis aller Zeiten sind. Nun, hier sind sie, die teilweise doch sehr überraschenden Antworten aus dem Team.

Lars Schafft (Chefredakteur)

Der Blinde von Sevilla von Robert Wilson

.
1.
.

Immens tiefsinnige Familientragödie, die sich von Andalusien bis Marokko erstreckt. Vordergründig der Auftakt der großartigen Serie um Inspektor Javier Falcón aus Sevilla, der einen brutalen Mord aufklären muss. Kriminalliteratur aller höchsten Niveaus.

direkt zum Buch Robert Wilson: Der Blinde von Sevilla

1977 von David Peace

.
2.
.

Zweiter Teil Peaces Reihe um den Yorkshire-Ripper. Vom Text her anspruchsvoll, ganz starker, minimalistischer Rhythmus. Wer einen »normalen« Krimi sucht, bei dem am Ende alles aufgelöst ist, wird bei Peace nicht fündig. Er hinterlässt Fragen und viel Düsternis.

direkt zum Buch David Peace: 1977

Eine Studie in Scharlachrot von Sir Arthur Conan Doyle

.
3.
.

Doyles erster Versuch am Genre des Kriminalromans. Klappt nicht ganz so gut wie mit seinen Kurzgeschichten. Aber seien wir ehrlich: Wer kommt um den Größten Detektiv aller Zeiten und seinen Kompagnon Dr. Watson herum? Mit Sicherheit zwei der wichtigsten, wenn nicht die wichtigsten fiktionalen Charaktere des Genres.

direkt zum Buch Sir Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot



Jochen König (stv. Chefredakteur)

Der lange Abschied von Raymond Chandler

.
1.
.

Die frühe Krönung des Hardboiled-Romans. Der Detektiv im Fegefeuer der Eitelkeiten. Überall Angst, Verlust und Tod. Wehmütig, witzig und von langem Atem. Folgenreich wie u.a. James Crumleys wunderbarer Der letzte echte Kuss zeigt. Schlicht Weltliteratur.

direkt zum Buch Raymond Chandler: Der lange Abschied

Ich war Dora Suarez von Derek Raymond

.
2.
.

Stellvertretend für alle Romane der »Factory«-Reihe. Trotz detailliert beschriebener Grausamkeiten hat Raymonds Roman nichts mit den derzeit reihenweise erscheinenden Schlächterorgien gemein. Ihm geht es vielmehr um Empathie fast bis zur Selbstaufgabe. Und um die Frage der Wertigkeit von Gerechtigkeit und Wahrheit. Raymonds Bücher sind rauschhafte Reisen ans Ende der Nacht, klug, konsequent, leidenschaftlich und von durchdringender Schärfe.

direkt zum Buch Derek Raymond: Ich war Dora Suarez

Geheimnisse und Lügen von Tim O´Brien

.
3.
.

So etwas wie das Buch gewordene Äquivalent zu David Lynchs Twin Peaks. Das Böse bei O’Brien ist allerdings ambivalenter, noch weniger greifbar als bei Lynch. Hier gibt es keine mystischen Eulen, niemanden, der das Böse personifiziert; doch die Atmosphäre ist genauso vergiftet, mit Alpträumen und Düsternis, der nahezu surrealen Einsamkeit des Sees in den Wäldern. Hier ist Twin Peaks literarische Wirklichkeit. Und ein weiterer Baustein in O’Briens großer Chronik vom Schein und Sein.



Michael Drewniok

Mord am Oxford-Kanal von Colin Dexter

.
1.
.

Ein gelangweilter Kriminalpolizist liegt im Krankenhaus. Gelangweilt blättert er in einer alten Chronik – und stößt auf einen Mordfall, den er von seinem Bett aus löst: Minimalistische Kulisse aber maximale Spannung, ein Lehrstück für die Autoren von Rätsel-Krimis, dessen Lösung man man immer wieder gern verfolgt.

direkt zum Buch Colin Dexter: Mord am Oxford-Kanal

Die Chorknaben von Joseph Wambaugh

.
2.
.

Die moderne Stadt als Tollhaus, dessen Ordnungshüter längst kapituliert haben: ein klassischer Cop-Thriller, hinter dessen wüsten, schwarzhumorigen Eskapen reales Elend stets sichtbar bleibt.

direkt zum Buch Joseph Wambaugh: Die Chorknaben

Mord im Orientexpress von Agatha Christie

.
3.
.

Alle sind verdächtig – und alle sind schuldig: Schon früh stellte Agatha Christie scheinbar fixierte Krimi-Regeln auf den Kopf und bewies, dass Leser und die Marktschreier der Werbung zu Recht einer Meinung sein können – Lady Agatha war und ist tatsächlich eine »Queen of Crime«!

direkt zum Buch Agatha Christie: Mord im Orientexpress



Marcel Feige

Und dann gab´s keines mehr von Agatha Christie

.
1.
.

Mein erster Krimi ever, eine schlaflose Nacht – und fortan der Wunsch, ebenfalls so spannend schreiben zu können.

direkt zum Buch Agatha Christie: Und dann gab´s keines mehr

Größenwahn von Lee Child

.
2.
.

Vielleicht nicht Childs bester Thriller, aber Auftakt der zweifellos grandiosen Jack Reacher-Reihe.

direkt zum Buch Lee Child: Größenwahn

Tage der Toten von Don Winslow

.
3.
.

Authentisch, schonungslos, großartig – erst wenige Jahre alt, aber jetzt schon ein Klassiker.

direkt zum Buch Don Winslow: Tage der Toten



Jörg Kijanski

Jagdzeit von David Osborn

.
1.
.

Für die damalige Zeit – erschien 1974 – ein echter Hammer und heute, fast vierzig Jahre später, immer noch ebenso aktuell wie gut lesbar. Dazu gibt es eine Neuübersetzung, die bei Pendragon erschienen ist.

direkt zum Buch David Osborn: Jagdzeit

Die Therapie von Sebastian Fitzek

.
2.
.

Ein grandioser Plot mit »unglaublicher« Lösung, obwohl es genau so hätte sein können. Noch unglaublicher ist, dass es sich hierbei um einen Debütroman eines deutschen Autors handelt. 

direkt zum Buch Sebastian Fitzek: Die Therapie

Der Hund der Baskervilles von Sir Arthur Conan Doyle

.
3.
.

Na gut, da hätte man auch jeden anderen Originalroman über den genialen Ermittler nehmen können. Wie kaum ein anderer hat der Autor bzw. seine Figur des Sherlock Holmes das Genre geprägt. So finden dessen aktuelle »Plagiate« (siehe allein das Angebot im KBV-Verlag) weiterhin ein großes, begeistertes Publikum. Von den unzähligen Verfilmungen gar nicht erst zu reden.

direkt zum Buch Sir Arthur Conan Doyle: Der Hund der Baskervilles



Andreas Kurth

Der Name der Rose von Umberto Eco

.
1.
.

Spannend, mystisch, fesselnd – schwer zu beschreiben. Die Morde in diesem mittelalterliche Kloster, die Ermittlungsmethoden des William von Baskerville, die Motive des Täters – und nicht zuletzt die Kulisse und die Protagonisten. Das ist für mich in dieser Form unerreicht.

direkt zum Buch Umberto Eco: Der Name der Rose

Schneewittchen muss sterben von Nele Neuhaus

.
2.
.

Atmosphäre, Plot, Dialoge – hier hat mal alles gestimmt, bis zum i-Tüpfelchen. Von Neuhaus vor- und hinterher nie wieder erreicht, aber dieser Roman fesselt bis zum letzten Satz.

direkt zum Buch Nele Neuhaus: Schneewittchen muss sterben

Opferzahl von Arne Dahl

.
3.
.

Dahl hat viele gute Krimis geschrieben, dieser ist für mich sein bisher bester. Die Zwischentöne, die geradezu philosophischen Randbemerkungen, die Raffinesse der Ermittlung – all das macht aus Opferzahl einen Kriminalroman zum Genießen.

direkt zum Buch Arne Dahl: Opferzahl



Matthias Kühn

Der lange Abschied von Raymond Chandler

.
1.
.

Das sind eigentlich zwei Geschichten, die nicht einmal besonders ineinander verklebt sind. Die Übersetzung von Hans Wollschläger ist an manchen Stellen so auffällig kunstvoll, dass sie von der Geschichte ablenkt. Und trotzdem: Es ist ein so trauriges, einsames und endgültiges Buch, wie ich kein zweites kenne. Am besten im Original.

direkt zum Buch Raymond Chandler: Der lange Abschied

Der Fall Galton von Ross Macdonald

.
2.
.

Weniger Psychologie, mehr Gefühl als bei ihm üblich, dafür höchst raffiniert geschachtelt. Vielleicht der perfekte Aufbau einer Story – dieses überaus komplexe Puzzle wurde oft kopiert. Um W.C. Fields zu paraphrasieren: Es mag bessere Krimis geben, es gibt schlechtere, aber keiner ist so gut wie der hier.

direkt zum Buch Ross Macdonald: Der Fall Galton

Der Mörder in mir von Jim Thompson

.
3.
.

Dreckig und hart und ehrlich und direkt – so echt, dass es manchmal schier unerträglich ist. Wer sich auf das Buch einlässt und mit offenen Augen durch diese Geschichte geht, findet sich am Ende verändert wieder. Wer das nicht will: Finger weg. Aber geht es beim Lesen nicht gerade darum?

direkt zum Buch Jim Thompson: Der Mörder in mir



Almut Oetjen

Rote Ernte von Dashiell Hammett

.
1.
.

Die Konstruktion der Story ist bestechend. Ein Privatdetektiv kommt in eine von Gangsterbanden und korrupten Politikern und Wirtschaftsbossen beherrschte Bergarbeiterstadt und beginnt aufzuräumen, indem er Sand in das perfekt funktionierende Räderwerk aus Korruption, Erpressung und Mord streut. Er spielt die Gangsterbanden gegeneinander aus und bedient sich dabei der gleichen Methoden wie die Kriminellen. Ein in klarer Sprache geschriebener Klassiker der hard boiled detective fiction, realistisch und zynisch.

direkt zum Buch Dashiell Hammett: Rote Ernte

Der talentierte Mr. Ripley von Patricia Highsmith

.
2.
.

Highsmiths erster Roman über ihren Lieblingshelden Tom Ripley, der Prototyp eines modernen Menschen, der sich selbst erfindet und dabei auch vor Mord nicht zurückscheut. Ripley kann seine Identität so leicht abstreifen wie eine Schlange ihre Haut. Ein spannend erzählter, psychologisch stimmiger Thriller, in dem Patricia Highsmith ein Thema behandelt, dass sie seit jeher faszinierte: die menschliche Natur, Entfremdung, Differenz zwischen Schein und Wirklichkeit.

direkt zum Buch Patricia Highsmith: Der talentierte Mr. Ripley

Kim Novak badete nie im See von Genezareth von Håkan Nesser

.
3.
.

Nessers Buch ist für mich, neben Jeffrey Eugenides’ Die Selbstmord-Schwestern, einer der schönsten Romane über das Erwachsenwerden. Dazu ist er auf subtile Weise in eine Kriminalgeschichte gewandet, welche einer der wohl am häufigsten gestellten Fragen der Kriminalliteratur provoziert hat: wer erschlug Berra Albertsson?

direkt zum Buch Håkan Nesser: Kim Novak badete nie im See von Genezareth



Jürgen Priester

Tokio im Jahr Null von David Peace

.
1.
.

Experimenteller Spannungsroman, der stilistisch und sprachlich neue Wege geht. Trotz der zeitlichen und geographischen Distanz (Tokio, 1945) entfesselt er eine unwiderstehliche Sogwirkung. Ein Meisterwerk, das unvergesslich bleibt.

direkt zum Buch David Peace: Tokio im Jahr Null

Kommissarin Lund. Das Verbrechen von David Hewson

.
2.
.

Einer der besten »Police Procedurals« mit beklemmender Atmosphäre, widersprüchlichen Charakteren und einem ausgefeilten Plot. In seiner komprimierten Form spannender als die zugrunde liegende Fernsehserie.

direkt zum Buch David Hewson: Kommissarin Lund. Das Verbrechen

Blackout von Marc Elsberg

.
3.
.

Ein Thriller, der hauptsächlich durch seine Realitätsnähe besticht. Elsberg entwickelt ein Szenario, das unvorstellbar, aber gleichzeitig so nahelieged ist. Ein Spiel mit Möglichkeiten in einem rasenden Tempo, das den Leser nachdenklich und leicht verstört zurücklässt.

direkt zum Buch Marc Elsberg: Blackout



Silke Wronkowski

Der Sommermörder von Nicci French

.
1.
.

Immer noch das Buch schlechthin, das ich empfehle besser nicht zu lesen, wenn frau nachts noch ein Auge zu machen können möchte. Die French’es haben ihren Täter auf so unterschiedliche weibliche Opfer losgelassen, das sich hier jede Leserin irgendwo wiederfindet. Schlaflose Hochsommernächte garantiert.

direkt zum Buch Nicci French: Der Sommermörder

Die Geduld der Spinne von Jonathan Nasaw

.
2.
.

Sechs Jahre ist es her und ich muss meine Meinung revidieren: Auch nach all der Zeit kommen die gemischten Gefühle, das Mitleid und die Abscheu für »Max«, das Ausmaß der Grausamkeit seiner Taten und der Horror seiner Opfer wieder mit voller Wucht ins Gedächtnis zurück. So ein Titel verdient einen Platz in dieser Rangliste.

direkt zum Buch Jonathan Nasaw: Die Geduld der Spinne

Shutter Island von Dennis Lehane

.
3.
.

»Wenn man bedenkt, dass wir alle verrückt sind, ist die Welt hinlänglich erklärt.« Mit Mark Twains Worten ist auch Shutter Island eigentlich bereits hinlänglich erklärt. Ein geistreiches Verwirrspiel, das den Leser am Ende einer durchlesenen Nacht sprachlos zurücklässt.

direkt zum Buch Dennis Lehane: Shutter Island

Seiten-Funktionen: