Der nützliche Freund von Ulrich Wickert

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2008 bei Piper.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1990 - 2009.
Folge 3 der Richter-Jacques-Ricou-Serie.

  • München; Zürich: Piper, 2008. ISBN: 978-3-492-05020-3. 312 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2010. ISBN: 978-3-492-25742-8. 312 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: DAV, 2008. Gesprochen von Stephan Benson & Ulrike Johannson. ISBN: 3898138143. 3 CDs.

'Der nützliche Freund' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Untersuchungsrichter Ricou ermittelt im Mordfall Leroc: Der Lobbyist war beim Kauf der Leuna-Raffinerie für France-Oil dafür verantwortlich, Millionen zu waschen und an deutsche Politiker zu verteilen. Die Spur führt zum ehemaligen Staatssekretär Mormann. Jacques Ricou, der kantige Richter aus Paris, ist an den größten Korruptionsfall der deutsch-französischen Geschichte geraten – ein Sumpf aus Verrat und politischer Intrige. Ulrich Wickert glänzt als Kenner französischer Lebensart, als Krimiautor und Sprecher.

Das meint Krimi-Couch.de: »Eine Hommage an Paris (geschmückt durch einen guten Krimi)« 78°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Zu Ulrich Wickert muss an dieser Stelle nichts gesagt werden. Er ist irgendwie der unendliche Mister Tagesthemen, obwohl er diesen Job nun schon einige Jährchen nicht mehr ausübt. Seitdem versucht er sich mit Begeisterung als Krimi-Autor, Lesung hier, Podiumsdiskussion dort und zwischendurch auch das ein oder andere Festival mitgenommen. Zum Protagonisten seiner Krimis, Richter Jacques Ricou, braucht eigentlich auch nichts mehr gesagt werden. In Der nützliche Freund begegnet uns der integere Streiter für die Gerechtigkeit, der Genussmensch mit dem Faible für attraktive Frauen, nun schon zum dritten mal und es schleicht sich das Gefühl ein, einen alten Bekannten wieder zu sehen. Also könnten wir es kurz machen und direkt in medias res gehen.

Ein sensationelles Enthüllungsbuch wird angekündigt. Der zu unrecht in der Leuna-Affäre verurteilte Lobbyist Marc Leroc kündigt medienwirksam an, die wahren Hintermänner der Geldschieberei mit Hilfe eines »nützlichen Freundes« enttarnen zu wollen. Doch dazu soll es nicht kommen: Leroc stürzt vom Balkon seines Appartements in der 22. Etage in den Tod. Auf seinem Balkon findet die Polizei die bewusstlose Journalistin Margaux – die immer-mal-wieder-Freundin von Ricou. Doch die wird sich an nichts Wesentliches erinnern können.

Der »nützliche Freund« heißt Mormann und läuft der Polizei am folgenden Tag in die Arme. Die Mörder sind unterdessen auf der Suche nach Dokumenten und Beweisen, die Licht in das Dunkel der Leuna-Affäre bringen können. An Mormann kommen sie vorerst nicht ran. Hat aber vielleicht Untersuchungsrichter Ricou inzwischen belastendes Material? Keine Frage, er muss irgendwie ausgeschaltet werden, doch ein Mordanschlag misslingt. Was könnte dann besser passen, als eine kleine Intrige zu inszenieren.

Keine Frage, bei manch amerikanischem Kollegen wäre dieser Stoff reißerisch aufgepeppt zu einem rasanten Agentenroman verwurstet worden. Einem von vielen. Rasant, atemberaubend oder gar fesselnd wird Wickerts Krimi jedoch eigentlich zu keiner Zeit. Es ist ein beschaulich und ruhig erzählter Roman, der jede Gelegenheit nutzt, um das Leben in Paris in seinen vielen Facetten zu beschreiben. Da werden die Geschichten von Stadtteilen und Straßenzügen erzählt, Privilegien der Ehrenlegion erwähnt, Vorurteile und natürlich unvermeidlich auch so manche Speisekarte zitiert. Hierin ist die große Stärke des Romans zu sehen, hier ist der Journalist, der gute Beobachter am Werk, der in prägnanten, lockerleichten Sätzen mal eben das Leben in seiner ganzen Fülle einfängt.

Der nützliche Freund ist aber mehr als das. Es ist ein eigentlich sehr klug konzipierter Krimi. Das Potenzial, das in der Geschichte liegt, reizt Wickert eben auf seine Weise aus, womit er unterhalten, aber sicherlich nicht jeden Leser begeistern können wird. Schwächen zeigt der Roman eigentlich nur in den unverständlicherweise komplett überzeichneten Einschüben um das Genfer Finanzinstitut und seine beiden Vorstände. Der Kampf für die Schweizer Cervela-Wurst sollte vielleicht für so was wie Erheiterung beim Leser sorgen, diese edle Absicht ist aber zu einem mehr als hilflos anmutenden Störfaktor verkümmert.

Dennoch, Der nützlich Freund ist der bislang beste der drei Ricou-Romane. Ob nun Leuna-Affäre im Hintergrund oder nicht, wichtig ist dass Ricou in »seiner« Heimat ermitteln kann, dass er seine Leidenschaft und Liebe für die französische Hauptstadt austoben kann. Trotz aller Brisanz ist Wickerts Roman ein Krimi der leisen Töne oder eigentlich eher eine Liebeserklärung, die nebenbei auch einen kleinen Agententhriller umfasst.

Thomas Kürten, Oktober 2008

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Schnippi zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 26.03.2013
Ich hatte nicht gewusst, dass "der Herr der Tagesthemen" Ulrich Wickert,auch als Krimi-Autor unterwegs ist und war deshalb auf eines seiner Werke gespannt.
Die Grundidee - einmal einen kleien Einblick in politische Machenschaffen zu bekommen - finde ich gar nicht schlecht, allerdings fehlten mir die Vorkenntnisse zur "Leuna-Affäre". So kann ich also nicht beurteilen, in wie weit die Anmerkung, am Ende des Buches, "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlichen Recherchen", der Wahrheit entsprechen.
Eine gewisse Spannung lässt sich nicht verleugnen, auch wenn große Teile des Buches eher einer "Reisebeschreibung" nahe kommen, als einem Krimi. Zweifellos kennt Herr Wickert sich in Paris aus,aber die Aufzählung bestimmter Straßennamen und Örtlichkeiten nerven kolossal.
Die anfängliche Beschreibung der Journalistin Margaux, die der "Auslöser" des beschriebenen Falles ist, verläuft (abrupt) im Sande. Von der Figur hätte ich mir mehr versprochen.
Na ja... einen Versuch war's wert.
Für jemanden, der Spannung sucht, aber nicht das Richtige.
Wer sich in Paris auskennt und einen gedanklichen Stadtrundgang machen möchte, der in eine Geschichte verpackt ist... kommt bestimmt ein wenig auf seine Kosten.
Moehrchen zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 12.02.2011
Eine wahre Geschichte?

Die Journalistin Margaux wird während eines Interviews mit dem, wegen der Verwaltung der Schwarzen Kassen von France-Oil, verurteilen Marc Leroc niedergeschlagen. Ihr Interviewpartner ist von seinem in der 22. Etage gelegen Balkon gestürzt. Was ist passiert? Der Untersuchungsrichter Jacques Ricou, ein guter Freund von Margaux, übernimmt den Fall und gerät bald auch in Gefahr.

Ulrich Wickert schreibt am Ende seines Buches "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlicher Recherche". Der geneigte Leser fragt sich, was denn nun hier recherchiert wurde. Unbestritten kennt sich Wickert gut in Paris aus, was er auch immer wieder durch allzu genaue Wegbeschreibungen und völlig unwichtige Anekdoten deutlich macht - wer so was lesen möchte kauft sich wohl eher einen Stadtführer von Paris. Zudem scheint es dem Autor auch wichtiger zu sein, welches Auto seine Protagonisten fahren als diese dem Leser einfach näher zu bringen. Die Charaktere bleiben sehr flach und treten nie in den Vordergrund. Als völlig überflüssig betrachte ich auch diese Cervelatwurst-Geschichte.

Der Autor hat wohl versucht, uns hier ein Stück deutsch-französische Geschichte in Form eines Romans näher zu bringen, was aber gründlich fehlgeschlagen ist. Ein Sachbuch über die Leuna-Affäre, in der es ja um angebliche Schmiergeldzahlungen an deutsche Politiker ging, wäre sicher besser gewesen und hätte auch eher dem Können des Autors entsprochen. Ich kann von diesem Buch nur abraten.
stjerneskud zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 01.04.2009
Für Paris-Liebhaber und Geschmäcker des gehobeneren Krimis.

Die Journalistin Margaux hofft auf die Geschichte ihres Lebens. Sie arbeitet zusammen mit Marc Leroc, der als Einzigster in der Leuna-Affäre verurteilt wurde, an einem Bericht in dem die Wahrheit ans Licht kommen soll. Wenige Stunden später wird er tot aufgefunden und Margaux liegt bewusstlos auf Lerocs Balkon. Margaux’ Freund, der Richter Jacques Ricou, ermittelt in dem Fall und gerät selber ins Visier der Verbrecher.

Vorher hatte ich noch nichts von Ulrich Wickert gelesen und ich war gespannt auf den Krimi. Von der Grundidee her gefällt es mir, dass die Leuna-Affäre auf diese Art und Weise aufgearbeitet wurde und man auf diesem Weg etwas erfährt, auch wenn man sich nicht übermäßig für politische Themen interessiert. Allerdings wäre ein Vor- oder Nachwort hilfreich gewesen, denn wenn man sich nicht selber näher mit dem Thema beschäftigt hat, wäre es hilfreich zu erfahren, was den Tatsachen entspricht und was Fiktion ist. Der Krimi ist gut geschrieben, obwohl er ein wenig sachlich ist, und bei einer Anzahl von 313 Seiten und mit großem Schriftgrad abgedruckt kann man nicht so tief eintauchen wie bei manch anderem Krimi. Große Spannung kam nicht auf und ich wurde von der Geschichte nicht mitgerissen, aber ich habe sie gerne gelesen.

Wer sich in Paris auskennt und das dortige Flair mag, sich für Wirtschaft, Finanzen und Politik interessiert, wird mit Sicherheit seine Freude an dem Krimi haben.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
sapkowski zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 08.11.2008
Dieses Buch hat mir ein guter Freund geliehen mit den Worten,dass dies eines der besten Bücher ist,das er seit langem gelesen hat.Ich würde es nicht bereuen.

Leider hat er sich dabei geirrt.Selten habe ich ein Buch gelesen, das mich dermaßen gelangweilt hat. Ich mußte mich richtig zwingen, es zu Ende zu lesen. Mit einem guten Krimi hat dieser Roman nichts gemein. Wickert schafft es nicht, auch nur den Hauch von Spannung aufkommen zu lassen und erschlägt den Leser mit einer Fülle an wirtschaftlichen und politischen Informationen, die eher verwirren, als dass sie erklären.

Es ist eine Geschichte,die man in ein paar Seiten erzählt hat und nur durch Unglaubwürdigkeiten und sonstigem aufgebauscht wird.
Die zwei einzigen überraschenden Wendungen wollen so gar nicht zum bisher Erzählten passen und berührten mich unangenehm durch ihre Unglaubwürdigkeit.

Die Protagonisten sind allesamt so oberflächlich charakterisiert, dass sie farblos wirken und mir nicht wirklich im Gedächtnis blieben.Auch waren sie äußert unsympathisch,was eine schlechte Eigenschaft für Hauptpersonen,so genannten „Helden“ ist. Als sehr störend empfand ich zudem Wickerts ständige Zurschaustellung seiner Allgemeinbildung und seiner Kenntnisse in französischer Lebensart. Auch der doch etwas simple Schreibstil konnte mich nicht überzeugen und die ständige Einstreuung bekannter Namen nervte.Zum Glück habe ich mir dieses Buch nur geliehen,denn es ist sein Geld nicht wert. Schade, ich hatte mir mehr versprochen!
LilStar zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 27.10.2008
Anhand einer Leseprobe zu diesem Buch, die an der wirklich spannendsten Buchstelle aufhörte, habe ich tatsächlich eine folgende spannende Handlung erwartet. Leider wurde ich enttäuscht.

Die Leuna-Affäre, in der der Richter Jaques Ricou ermittelt, wurde vom Autor Ulrich Wickert zwar gut recherchiert in eine Geschichte gebettet, allerdings ließ die Spannung leider sehr zu wünschen übrig. Mir kam das Buch zwischendurch mehr wie ein Sachbuch vor, denn ein Kriminalroman, was es eigentlich sein sollte.
Die Schreibe war größtenteils flüssig, aber leider viel zu steril und nüchtern. Das färbte ebenso auf die Charaktere ab, die allesamt recht einseitig, farb- und lieblos wirkten.
Außerdem nahmen total unwichtige Nebenhandlungen, die überhaupt keinen Nutzen zu haben schienen, zu viel Raum ein.

Ein Lob muss ich allerdings noch aussprechen. Auch wenn die Handlung an sich nicht wirklich interessant und spannend ist, so wurde die wirtschaftlichen und politischen Zusammenhänge doch allesamt recht gut erklärt und auch für den Laien verständlich gemacht.

Für jemanden, der auf einen spannenden Krimi aus ist, für den ist dieses Buch mit Sicherheit nicht das richtige, aber Leute, die ein kurzweiliges Lesevergnügen suchen und zudem noch an Wirtschaft und Politik interessiert sind und vor allem auch Frankreich lieben, könnten es mit dem "nützlichen Freund" mal versuchen.
Henriette zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 09.10.2008
Das Hardcover-Buch umfasst 313 Seiten, die in einer sehr angenehmen Schriftgröße gedruckt sind.
Ulrich Wickert hat zwar keinen spannenden Thriller geschrieben, dafür aber einen gut recherchierten Krimi geschaffen. Jacques Ricou, Untersuchungsrichter, ermittelt in Frankreich in einem Mord, der in Zusammenhang mit der größten deutsch-französischen Bestechungsaffäre nach der deutschen Wiedervereinigung steht.
Dies ist nicht das erste Buch mit Jacques Ricou. Wie bei anderen Schriftstellern muss ich feststellen, dass man vom ersten Band beginnen muss, um die Protagonisten kennen zulernen. Ich habe zwar einiges über Jacques Ricou und den anderen Protagonisten erfahren, es hat mir aber nicht genügt.
Was mich etwas gestört hat, dass Ulrich Wickert zu viele Straßennamen und teilweise französische Wörter benutzt hat. Ich habe bemerkt, dass U. Wickert anscheinend sehr mit Frankreich verbunden ist, ist aber im Buch leider zuviel des Guten.
Karin zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 03.10.2008
Meine Meinung:
Ich habe das Buch direkt am Anschluss an "Der norwegische Gast" von Anne Holt gelesen. Und das sind wirklich zwei ganz verschiedene Welten. Von daher hatte es "Der nützliche Freund" schwer. Es dauerte einige Kapitel, bis ich in dem Buch "drin" war. Zu umständlich und ausschweifend erschien mir der Schreibstil von Wickert am Anfang.
Aber dann hat es "klick" gemacht und ich habe das Buch in einem Rutsch beendet. Ich fand die recht kurzen Kapitel mit ihren knappen aber prägnanten Überschriften gut.
Natürlich merkt man fast in jeder Zeile, dass Wickert sich in der Welt der Wirtschaft und Politik ausnehmend gut auskennt. Seine eingebauten Erläuterungen z.B. wie Geldwäsche funktioniert sind so einfach wie genial. Grosse Klasse auch die Aktualität einiger Themen: Ich sag nur Cervelatwurst.
Es handelt sich bei diesem Buch nicht um einen Thriller, den man nägelkauend liest, sondern um einen ruhigen Krimi, auf den man sich einlassen muss. Und last but not least kann man sehr viel über politische und wirtschaftliche Zusammenhänge lernen, auch über die jüngste Vergangenheit der Bundesrebuplik Deutschland. Denn wie steht es am Schluss des Buches geschrieben: "Die in diesem Roman geschilderten Ereignisse beruhen auf gründlicher Recherche. Das Bemerkenswerte an dem größten Korruptionsskandal der deutsch-französischen Geschichte ist die Unauffälligkeit, mit der er zu den Akten gelegt wurde."
Zudem spürt man, wie sehr Wickert Frankreich verbunden ist.
Christa Peters zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 18.09.2008
Liebe zu Frankreich
Man merkt auf jeder Seite, dass Ulrich Wickert ein Journalist und Nachrichtenmensch ist. Dieser Politkrimi ist sehr gut recherchiert - er kennt die Verstrickungen der Politik, der Wirtschaft und der Finanzen und den vielen Intrigen - und kann sie dem Leser näher bringen. Man merkt auf jeder Seite seine Liebe zu Frankreich, den Menschen und dem Leben dort und seine Bemühungen, die Deutschen und die Franzosen einander näher zu bringen. Sehr schön finde ich in dem ganzen politischen hin und her, dass man zwischendurch erzählt bekommt, wer den Fallschirm erfunden hat, dass von Intarsien in Möbelstücken geschwärmt wird und die Geschichte mit der "Cervelat-Wurst" mach Spaß. - Und man merkt auch, wie zeitnah Wickert schreibt, denn, was lese ich heute - 14.08.2008 - in der Tageszeitung "Cervelat-Wurst ist gerettet! Die Eidgenossen dürfen Därme aus Argentinien, Paraguay und Urugay importieren, damit sie weiterhin ca. 25.000 Tonnen dieser Wurst verspeisen können!"
Für einen Leser, der es nicht so blutrünstig braucht (obwohl natürlich auch hier gemordet wird), ein sachlicher Krimi mit vielen unterschiedlichen, kauzigen Charakteren.
Jochen Hensel zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 12.09.2008
Von den drei Wickert-Ricou-Krimis der schwächste, ein Sachbuch für dieses Thema wäre sicher besser gewesen. Ansonsten kann ich den kritischen Kommentaren der anderen Leser nur zustimmen, finde aber besonders peinlich die Figur der Leipziger Staatsanwältin Karen van Rintelen. Einen solchen Edelkitsch hätte ich Wickert nicht zugetraut.
Auch die Sprache ist nicht so gelungen wie sonst, sehr bieder.

Dr. Pingel
adhara zu »Ulrich Wickert: Der nützliche Freund« 08.09.2008
So richtig in Fahrt kommt "Der nützliche Freund" in keinem Part des Buches. Die Geschichte dümpelt vor sich hin und verliert immer wieder an Tempo, wenn die Informationen über Hintergründe und Verwicklungen fliessen. Ein athmosphärisch guter Einstieg verspricht zuviel - schon nach wenigen Seiten offenbaren sich die trockene Sprache und der etwas langweilige Erzählmodus. Ist es, weil Ulrich Wickert Journalist ist oder ist es, weil er mit seinem grossen Hintergrundwissen glänzen möchte: Der Autor überfordert die Leserinnen und Leser mit einer Informationsflut, die nicht immer zur Klärung der Situation beiträgt, die aber durchgehend zu üppig ist, um in einem Roman als Würze und langsames Hinführen auf die wahre Tiefe des Buches zu wirken. Oft kommt der Eindruck auf, dass hier eine Recherche zu umfangreich ausgefallen ist, um als Artikel in einem Journal Platz zu finden. Und so wurde die Recherche mit Protagonisten angefüllt und als Buch umgesetzt. Dabei bleibt nicht nur Margaux ein farbloses Geschöpf, auch Richter Marc Leroc und Untersuchungsrichter Jacques Ricou scheinen alles andere als vielschichtige Zeitgenossen. Oft kam der Eindruck auf, als würde der Autor seinen Figuren nicht richtig trauen und distanziere sich etwas von ihnen. Ulrich Wickerts "Der nützliche Freund" ist ein Buch für Leute, die sich im Genre "Wirtschaftskriminalität" wohl fühlen und eine Fakten-Flut schätzen. "Normale" Krimifans werden sich bei diesem Buch kaum wohl fühlen oder auch unterhalten fühlen. Der Aufbau des Buches ist so gestaltet, dass nicht nur bei einer Passage der Wunsch wach wird, das Buch wegzulegen und es nicht zu Ende zu lesen. Also kann "Der nützliche Freund" tatsächlich nur eingefleischten Wirtschafts-Fans empfohlen werden.

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