Schwemmholz von Ulrich Ritzel

Buchvorstellung

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2000 bei Libelle.
Ort & Zeit der Handlung: Deutschland / Mannheim, Heidelberg & Umgebung, 1990 - 2009.
Folge 2 der Berndorf-Serie.

  • Lengwil: Libelle, 2000. ISBN: 3909081584. 414 Seiten.
  • München: Goldmann, 2002. ISBN: 3-442-72801-0. 412 Seiten.
  • München: btb, 2005. ISBN: 3-442-73445-2. 412 Seiten.

'Schwemmholz' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch

In Kürze:

Kantig, nachdenklich, leicht melancholisch und literarisch gebildet. Das ist Kommissar Berndorf, mit dem sich Ulrich Ritzel seit seinem erfolgreichen Erstling »Der Schatten des Schwans« zu den Großen des Krimigenres gesellt hat. Für seinen zweiten Berndorf-Krimi »Schwemmholz« wurde er mit dem Deutschen Krimipreis ausgezeichnet und für den Glauserpreis nominiert. Beim Frühjahrshochwasser wird in Ulm nicht nur »Schwemmholz« angetrieben – in einem überfluteten Neubau taucht eine Leiche auf. Kommissar Berndorf und seine Assistentin Tamara Wegenast auf den Spuren eines groß angelegten Komplotts um Gelder, Großaufträge und Gefälligkeiten, in das mehr als nur ein Würdenträger verwickelt ist und das Berndorf fast das Leben kostet …

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RiaKlug zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 23.06.2011
Ich liebe die Weise, in der Ulrich Ritzel seine Figuren präsentiert. Nie überzogen und mit wenigen Charakteristika plastisch beschrieben. Erst durch ihr Handeln bekommt die Leserin ein abgerundetes Bild der Figuren. Davon könnte sich so manche(r) AutorIn ein Scheibchen abschnibbeln.
In 'Schwemmholz' wimmelt es von Themen mit kriminellem Potenzial. Ritzel schafft es aber, sie sie so zu orchestrieren, dass sie sich gegenseitig nicht erschlagen. Das ist schon eine reife Leistung, die nicht vielen gelingt.
Trotz seiner leisen Tone ist die Geschichte eine harsche Abrechnung mit lokalem Filz und sch(w)äbischer Obrigkeit. Selbst die Polizei ist darin involviert. Bei Ritzel ist der Chef des Kommissars ein eitler Ignorant, was schon sehr im Klischee angelt, der Ressortchef Wirtschaftskriminalität ein korrupter Gauner und der Chef des Rauschgiftdezernats ein Dämelack. Es wäre schlecht um Ulm bestellt, gäbe es nicht Kommissar Berndorf und sein Team. Das hat auf der einen Seite den Charme der pfiffigen Underdogs, auf der anderen Seite wirkt das in dieser Zusammenballung schon fast grotesk.
Etwas ungereimt erschien mir, dass für die Verfolgung von illegaler Beschäftigung nur die Polizei zuständig zu sein scheint, denn nur sie wird bestochen. Daneben wird ein Mann, der mit Hilfe der Polizei einen Anschlag auf den Kommissar verübt, von diesem angeschossen. Zur Wundversorgung muss er zu einem Kurpfuscher, der keine Fragen stellt. Wahrscheinlicher wäre doch, wenn ihm der bestochene Polizist dabei helfen würde, schon weil er Komplikationen verhindern muss.
Genug Möglichkeiten dazu hätte er.

Gelegentlich erscheint der Kommissar ein bisschen arg hellsichtig. Das erinnert mich an den legendären Erik Ode.

Für die Fehlersuche muss man also schon sehr ins Detail gehen und kann von Glück sagen, wenn man welche findet.
Manchmal kann sich Ritzel der kommentierenden Sprechworte nicht enthalten. Er schreibt aber auf derartig hohem Niveau, dass ich leicht darüber hinweg lesen konnte.
Mein Gesamturteil: Absolut empfehlenswert.
Der Klappentext ist allerdings ein Ärgernis. Ich frage mich, wer solch ein Mist zusammenstoppelt.
Gisela Deininger-Meyn zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 18.10.2009
Ich habe den gut geschriebenen Roman in einem Zug durchgelesen. Er trifft die Situation genau, wie wir sie hier selbst erleben. Die Wirklichkeit ist nur weitaus härter als die im Roman, denn da gibt es noch wenigstens einen Berndorf und eine Tamar. Das gibt es im es im Landkreis Schwäbisch Hall nicht . Da ermittelt niemand und die wesentlichen Verbindungen bestehen nicht erst seit 10 oder 15 Jahren, sondern seit 30 Jahren.
Swidi60 zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 28.10.2007
Inhalt:
In Ulm ist nichts so wie es sein soll: Mord, Mafia und Korruption. Die Geschichte beginnt "ganz harmlos" mit einem Brandanschlag auf eine Baustelle, deren Täter die Polizei anfangs im rechtsradikalen Milieu vermutet. Nach deren Freispruch passieren Dinge, die auf den ersten Blick nichts miteinander zutun haben: Ein Abrissobjekt explodiert und hinterlässt einen ersten Toten. Auf Kommissar Berndorf wird ein Anschlag verübt, ein Dealer und ein Gerichtsangestellter verschwinden. Zwei rivalisierende Architekten scheinen die Hauptfiguren zu sein, doch es dauert lange, bis die Ulmer Polizei die richtigen Schlüsse ziehen kann. Tatverdächtige werden verhaftet und wieder freigelassen oder sind plötzlich selber tot. Zuvor randständige Figuren treten in den Vordergrund und die Ermittlungen gehen neue Wege. Berndorf und seine Assistentin Tamar Wegenast wühlen sich durch Dreck und Schlamm, bis sie letztlich den ganzen Sumpf ausgehoben und den /die Schuldigen gefasst haben.

Bewertung:
Da wächst zusammen , was zusammen gehört. Was zu Beginn wie ein wirres Nebeneinander verschiedener Erzählebenen und Inhaltsstränge anmutet, fügt sich im Laufe der Geschichte zu einem Ganzen zusammen. Kommissar Berndorf muss sich lange gegen den Ulmer Sumpf aus Korruption und Klüngeleien bis hin ins Ministerium zur Wehr setzen, bis nach und nach die Puzzleteile ein Bild ergeben.
Getragen wird die Geschichte deutlich von der Figur des Kommissars Berndorf - kontrastiert noch in der Kombination mit seiner jungen Kollegin. Berndorf ist stur und meist wortkarg, aufmüpfig seinen Vorgesetzten gegenüber und mit einer Berliner Professorin leiert. Dieser Fall wird sein Letzter sein, so seine Reaktion auf den Anschlag gegen ihn und die vermaledeiten Auseinandersetzungen mit seinem Chef. Nein, die Verbrechen in dieser Welt ist nicht sein (mehr) seine Welt. Lieber liest er Lichtenberg. Doch so ganz kalt lassen ihn diese Verbrechen und die anfänglichen Ungereimtheiten dann doch nicht. In klassischer "lonesome-detective-Manier" löst er den Fall zuerst kombinierend im Kopf, dann in der Ausführung mit Hilfe der Kollegen. Ob er noch weiterhin Polizist bleiben und für Ordnung in und um Ulm herum sorgen wird, bleibt offen.
Insgesamt ein detailreicher und spannender Krimi aus dem Schwabenland, den ich mir gut auch als Tatortfolge aus Stuttgart vorstellen könnte. Das szenenartig geschriebene Buch bietet hier eine gute Grundlage.
Helmut zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 20.06.2007
Der Klappentext ist von einem Menschen verfaßt, der das Buch nur quer gelesen hat. Die Chronologie stimmt nämlich vorne und hinten nicht. Bedenklich ist, daß sich diese Lieblosigkeit offen seit der Erstauflage (bei btb?) über Buchkatalog.de und Amazon mittels Copy-and-Paste erhalten hat - und jetzt auch in der Buchvorstellung der Krimi-Couch steht. Tamara Wegenast heißt übrigens Tamar – ohne "a" am Ende.

Eigentlich geht die Geschichte so:

Auf einen Bauwagen einer italienischen Firma wird auf einer Ulmer Baustelle ein Brandanschlag verübt. Ein Bauarbeiter kommt mit schweren Verbrennungen nur knapp mit dem Leben davon.

Durch eine Zeugenaussage werden schnell zwei Verdächtige aus der rechten Szene ermittelt; es kommt zum Prozess – und die beiden Angeklagten werden freigesprochen. Der Skinhead, der den Brandbeschleuniger gekauft hat, wird kurz darauf tot vor dem Gerichtsgebäude abgelegt. Wahrscheinlich steckt die Mafia dahinter, oder?

Auf einer anderen Ebene der Erzählung wird geschildert, wie in den Kreisen der Ulmer Honoratioren, Bauunternehmer, Bänker, Rechtsanwälten, der Stadtverwaltung, die öffentliche Auftragsvergabe für z.B. das neue Ulmer Sportstadion oder eine Abraumdeponie funktioniert, wenn nötig mit Einmischung der Stuttgarter Staatspartei. Bestechung darf auch nicht fehlen.

In diesem Dickicht der Seilschaften in der Ulmer Geschäftswelt, der unterschiedlichen Interessen der verschiedenen Abteilungen im Polizeipräsidium und sogar der Justiz ermitteln Kriminalhauptkommisar Berndorf und seine Kollegin Tamar Wegenast.

Die Geschichte wird mit schnellen und häufigen Szenenwechseln erzählt, es tauchen viele Personen auf. Komplikationen werden auch durchaus humorvoll geschildert, wie z.B. die Ermittlungen in Richtung Mafia durch einen ehrgeizigen Polizisten, der gerne zur Kriminalpolizei wechseln würde und nun seine "Italienisch-Kenntnisse" ausspielen kann – in Form seiner Italienischlehrerin aus der Volkshochschule, die ihm "assistiert", d.h. sie übersetzt die abgehörten Telefongespräche und er schreibt mit.

Im Verlauf der Geschichte wird auf Berndorf ein Anschlag verübt, mit einem Lastwagen des bei der Ausschreibung um die neue Basketballhalle unterlegenen Bauunternehmers. Während seiner Genesung denkt er über Frühpensionierung und Rückzug aus der Polizeiarbeit nach. Aber er bringt den Fall dann doch noch ordentlich zu Ende. Zum Teil gegen den "Widerstand" der eigenen Kollegen (aus dem Ulmer Präsidium und den bayerischen Kollegen aus Neu-Ulm). Und irgendwie spielt die Mafia doch mit.

Es kommt auch zur Überschwemmung von Donau und Iller, aber die im Klappentext erwähnte Leiche aus dem Neubau taucht nicht durch das Hochwasser auf, denn sie ist eingemauert.

Ein guter Roman: 85°
Dr. Sanati zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 05.04.2007
Noch komplexer als sein Erstling "Der Schatten des Schwanns",. Ein solider Krimi, der zum Teil große Konzentration des Lesers abverlangt. Namen, Namen und wieder Namen. Manchmal habe ich mich gezwungen,dass Buch weiter zu lesen. Es hat sich aber insgesamt gelohnt. 70° !!
Lutz zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 08.02.2005
Es gibt Bücher, die mich wesentlich mehr gefesselt haben. Im ganzen kann ich es nicht nachvollziehen, wie dieses Buch prämiert worden sein kann. Der Schreibstil ist sehr flach und einfach gehalten, Automarken spielen eine Große Rolle. Die Handlung scheint stellenweise sehr weit mit Zufällen belastet. Nicht mein Stil. Es baut sich kaum Spannung auf, was durch die ständig wechselnden Spielorte (bis zu drei aut einer Doppelseite) auch nicht aufkommen mag. Doch vielleicht ist das der neue Krimistil?
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
Anke Hensler zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 26.02.2004
Als mir eine Freundin diesen Krimi in die Hand drückte (ich bin ausgesprochener Skandinavien-Krimifan) war ich positiv überrascht: ein guter, lesbarer Krimi. Spannung war da, die Personen super charakterisiert, die Ulmer Gegend gut beschrieben. Ich hatte gemütliche Lesestunden, da der Schreibstil sehr angenehm war, man konnte so drauf los lesen und dran bleiben.
SilkeS. zu »Ulrich Ritzel: Schwemmholz« 02.01.2004
Nicht mein Fall!
Ich habe diesem Autor, den ich mal persönlich kennengelernt habe auf einer Lesung eine zweite Chance gegeben, aber ich kann mit seinen Krimis nichts anfangen.
Ständig wechselt der Schauplatz, so viele beteiligte Personen und das ewige Hin und Her.
Ich finde es baut sich keine Geschichte und auch keine Spannung auf. Das einzige was das Buch lesenswert macht, ist der Humor von Kommissar Berndorf!
1 von 3 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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