Forellen-Quintett von Ulrich Ritzel

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2007 bei btb.
Ort & Zeit der Handlung: Bodensee, 1990 - 2009.

  • München: btb, 2007. ISBN: 978-3-442-75182-2. 384 Seiten.
  • München: btb, 2009. ISBN: 978-3-442-73837-3. 383 Seiten.

'Forellen-Quintett' ist erschienen als HardcoverTaschenbuch E-Book

In Kürze:

Spätsommer in Katowitz. Ein Mann irrt durch die Straßen, eine grell bedruckte Plastiktüte in der Hand, im leeren Beichtstuhl einer katholischen Kirche gelingt es ihm schließlich, sie zu ent- sorgen. Am gleichen Vormittag begibt sich in Ulm Kriminalkommissarin Tamar Wegenast ins Büro. Auch sie ist in einer angespannten Verfassung. Seit Wochen wird sie mit Anrufen und Drohbriefen belästigt, als dessen Verfasser ein Kai Habrecht firmiert. Aber der ist tot, sie selbst hat ihn vor Jahren erschossen. Abends erreicht sie der Hilferuf einer in Krakau lebenden Freundin, einer Malerin, in deren Wohnung die enthauptete Leiche einer Frau gefunden wurde – den Kopf findet man später in einem Beichtstuhl in Katowitz …Die Spur führt nach Berlin, wo ein Mann ohne Gedächtnis Ärzte und Pressevertreter narrt, was ein älteres Ehepaar vom Bodensee nicht davon abhält, ihn als ihren seit Jahrzehnten verschollenen Sohn Bastian zu identifizieren, der einst im Alter von dreizehn Jahren spurlos verschwand. Tamar Wegenast glaubt nicht an die glückliche Rückkehr des verlorenen Sohnes. Sie ist sich sicher, dass der Mann etwas mit dem Mord in Krakau zu tun hat. Doch als sie die Ermittlungen im Vermisstenfall von damals wieder aufnimmt, bringt sie sich selbst in tödliche Gefahr ... 

Das meint Krimi-Couch.de: »Kein Vergleich zu den ersten Romanen Ritzels« 40°

Krimi-Rezension von Thomas Kürten

Ulrich Ritzel hat sich einen Namen gemacht als Krimiautor leiserer Töne. Um atemberaubende Spannung und Nervenkitzel hat er eigentlich von Anfang an einen Bogen gemacht, dafür bestachen gerade seine ersten Romane aufgrund einer ausgefeilten Sprache und einer ruhigen, sachlichen Atmosphäre, in der die kleinen und großen Ärgernisse der Gesellschaft zum Thema wurden. Auch in seinem sechsten Roman Forellenquintett beherzt Ritzel diese leisen Tönen. Dennoch hat sich vieles geändert. Leider.

Das betrifft in erster Linie die Sprache, die Atmosphäre und die handwerkliche Präzision, mit der er anfänglich überzeugen konnte. Forellenquintett hat nicht mehr viel von der einstigen Klasse des Autors.

Kopflos in Krakau

Mehrere Handlungsstränge greifen mehr oder weniger schnell ineinander über:

  • Tamar Wegenast hat eine Kronzeugin gegen einen albanischen Mafiaboss kurzerhand bei ihrer Ex-Freundin in Krakau untergebracht.
  • Ein junger Mann irrt mit einer Plastiktüte und dem darin befindlichen Kopf der o.a. Zeugin durch Kattowitz.
  • Die polnische Polizei vermutet hinter dem Mord an der Zeugin eine Tat mit Hintergrund im Drogenmilieu und deshalb deutsche Täter.
  • Der junge Mann wird auf seiner Flucht in Berlin niedergeschlagen, ins Charité eingewiesen und spielt in einer Musiktherapiegruppe ganz wunderbar Klavier.
  • Ein Ehepaar vom Bodensee glaubt in dem jungen Mann seinen seit 17 Jahren verschollenen Sohn zu erkennen.
  • Wegenast wird in Briefen und Telefonaten von einem Menschen bedroht, der sich als Karl Hardeck ausgibt. Einen gleichnamigen Rechtsradikalen hatte sie bei einem Einsatz vor 6 Jahren erschossen.
  • Der inhaftierte albanische Mafiaboss, der aus Wegenasts Sicht für den Tod der Zeugin verantwortlich sein könnte, gibt sich unschuldig und zeigt guten Willen.
  • Polizeidirektor v. Oerlinghoff hält Wegenast persönlich den Rücken für die Ermittlungen außerhalb ihres Zuständigkeitsgebiets frei und scheint unangemessen hohes Interesse an ihren Ergebnissen zu haben.

Die Verbindung zwischen den einzelnen Handlungsebenen ist dünn und nicht immer restlos nachvollziehbar. Kommissarin Wegenast glaubt an den Verdacht ihres polnischen Kollegen, dass Deutsche den Mord an der Frau in Krakau begangen haben. Sie kommt im Zusammenhang mit Drogenschmuggel aus Polen einem Pianisten auf die Spur, der zur Tatzeit ein Konzert in Krakau gab. Seine Spuren verlieren sich schnell, doch nach einem Zeitungsbericht über den namen- und gedächtnislosen Klavierspieler im Charité erwächst ihr ein Verdacht. Allerdings ist ein altes Ehepaar vom Bodensee schneller und holt den jungen Schweiger zu sich nach Hause. Mit nicht mehr als einer vagen Vermutung kann Wegenast den Mann nicht aus der glücklich wieder vereinten Familie herausholen, deshalb muss sie den 17 Jahre alten Fall vom Verschwinden des Bastian Jehle wieder aus dem verstaubten Archiv kramen. Und das passt einigen Dörflern überhaupt nicht in den Kram.

Lustlos am Bodensee

Inspiriert von einer Kaspar-Hauser-Nostalgie hat der Autor auf der Suche nach dem dazu passenden Verbrechen einfach mal alles in die Wagschüssel geworfen, woraus man gerne schon mal belanglose Romänchen zusammenstelzt. Nazis, Drogen, Mafia, korrupte Polizisten, ein schweigendes Dorf und Immobiliengeschacher. Man kann Ritzel nicht vorwerfen, dass er nicht zumindest alles versucht hat.

In zentraler Rolle eine – ach wie originell – lesbische Kommissarin, deren forsches Vorgehen sehr gerne auch mal übertrieben schnippisch und fahrig wirkt. Warum sind eigentlich so viele Kommissarinnen lesbisch? Auch hier ragt das Forellenquintett nicht aus dem weiten Trog der Dutzendware heraus. Kennt man schon und auch die Form der Präsentation wirkt weder neu noch liebevoll. Und genauso lustlos werden die anderen Charaktere beschrieben: bemerkenswert schablonenhaft und ohne nachhaltigen Eindruck zu hinterlassen.

Aber bei aller Belanglosigkeit, richtig traurig wird es erst, wenn man erkennen muss, dass von der sprachlichen Gewandtheit des Autors so gut wie nichts mehr zu spüren ist. Forellenquintett ist eine Kakophonie von aneinanderhängenden Sequenzen, die Sprachwitz und Individualität vermissen lassen. Die Übergänge zwischen den einzelnen Abschnitten wirken ruckhaft und uninspiriert. Von einem bemerkenswerten Sprachgefühl ist leider nichts mehr zu spüren. Forellenquintett hat von der Vitalität der Schubert’schen Komposition leider nicht den Hauch abbekommen. Um den Vergleich zur Musik zu bemühen, es wirkt wie Requiem, ein Dies Irae, gespielt auf ungestimmten Instrumenten.

Thomas Kürten, November 2007

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Fitzke zu »Ulrich Ritzel: Forellen-Quintett« 19.12.2009
Ich habe mich sehr auf diesen Ritzel gefreut und bin nur etwas enttäuscht worden. Klar, Berndorf ist weg, dass macht was aus, und Wegenast strampelt sich frei - aus der ehemals zweiten Liga wird die erste Reihe, klar, dass sich hier etwas ändern muss. Die - so erschien es mir - ewig manigfaltigen Erzählstränge und die nicht immer schlüssigen Folgerungen, lassen einmal manchmal ziemlich im dunkeln stehen, was der Spannung aber keinen Abbruch tut.
Wie schon im Vorfeld hier geschrieben - nicht der beste Ritzel, aber immernoch ein sauguter deutscher Krimi, der wohlwollend aus dem Krimieinerlei herausragt.
NSP zu »Ulrich Ritzel: Forellen-Quintett« 09.11.2009
Nun, ganz so negativ wie Herr Kürten würde ich das Ganze auch nicht sehen. Allerdings ist es aus meiner Sicht schon etwas gewagt, wieviele Handlungsebenen Ritzel erschafft und dann - wirklich nicht immer schlüssig - im Laufe des Buches zusammenkommen lässt.
Die Dialoge sind häufig gut und teilweise sogar witzig und die Charakterisierung der Protagonisten in aller Regel glaubwürdig und nachvollziehbar.
Fazit: es gab schon (deutlich) bessere Ritzel aber auch schon viele (deutlich) schlechtere Krimis.
hapesu zu »Ulrich Ritzel: Forellen-Quintett« 19.07.2009
Ich kann die abwertende Kritik von Herrn Kürten in keiner Weise nachvollziehen. In meinen Augen ist "Forellenquintett" ebenso meisterlich gelungen wie die bisher erschienenen Romane des Autors und ich hoffe sehr auf weitere Fortsetzungen !
Eine Anregung an Frau Staudt: war "Forellenquintett" das erste Werk, das Sie von Ulrich Ritzel gelesen haben ? Wenn ja, sollten Sie sich seine anderen Romane nicht entgehen lassen - Sie würden ganz bestimmt etwas verpassen !
Ingrid Staudt zu »Ulrich Ritzel: Forellen-Quintett« 05.07.2009
Dieses Buch, seine Auflösungen können nicht überzeugen. Für mich war es langatmig, nicht überzeugend, nicht schlüssig und unheimlich in die Länge gezogen. Teilweise war das Buch so gar verrworren zu nennen.
Es wird mich nicht drängen, ein Buch dieses Schriftstellers zu kaufen und zu lesen.
Mit freundlichen Grüßen
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