Die Wiege des Windes von Ulrich Hefner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2006 bei Leda.
Folge 2 der Martin-Trevisan-Serie.

  • Leer: Leda, 2006. ISBN: 978-3934927698. 352 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2009. Gesprochen von Jürgen Holdorf. ISBN: 978-3836804493. 9 CDs.

'Die Wiege des Windes' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Unbequem, unbeugsam und aufsässig ist Björn Larsen – vor allem, wenn es um den Schutz des Wattenmeeres geht. Dort draußen, zwischen den Inseln,kreuzt seit geraumer Zeit scheinbar ziellos einrostrot gestrichenes Schiff unter schwedischer Flagge. Larsen befürchtet Gefahren für die Umwelt, doch die Nationalparkverwaltung reagiert nicht auf seineWarnungen. Als auf den Leiter der Behörde ein Briefbombenanschlag verübt wird und Larsen verschwindet,übernimmt das LKA die Ermittlungen. Diese führen zurück in die längst vergangene Zeit des großen Widerstandes gegen Atomkraft und Umweltzerstörung, und bald tauchen Zweifel auf. Ist Larsen wirklich der gesuchte Attentäter? Oder ist er selber in Gefahr und alle, die ihn kennen? Unterdessen wird eine Leiche aus dem Wilhelmshavener Hafenbecken geborgen. Hauptkommissar Trevisan ist nahezu auf sich alleine gestellt, denn fast die Hälfte seines Kommissariats ist krank oder im Urlaub. Zusammen mit seinen beiden verbliebenen Kollegen nimmt er die Ermittlungen auf. Schon bald ist Trevisan überzeugt, dass sein neuer Fall Teil eines geheimnisvollen Komplotts ist.

Das meint Krimi-Couch.de: »Intelligent-unblutige Fortsetzung mit Greenpeace-Botschaft« 76°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Nach der Lektüre von Ulrich Hefners Erstling Der Tod kommt in Schwarz-Lila waren wir von der Krimi-Couch schnell dabei, den Autor mit dem Schweden Henning Mankell zu vergleichen. Auch jetzt, etwa zwei Jahre später, scheint das nicht zu kühn gewesen zu sein. Doch gerade die Parallen zu den Wallander-Romanen waren die wenigen Kritikpunkte. Entsprechend neugierig durfte der Leser nun bei Die Wiege des Windes sein, ob Hefner im Fahrwasser des Schwedens bleibt, oder sich daraus löst, um eigene Bahnen zu schwimmen. Band 2 der Reihe um den Wilhelmshavener Kommissar Martin Trevisan benötigt erfreulicherweise keinen Serienmörder mehr, um fesseln zu können. Und auch auf die ordentlich auf den Keks gehenden Schilderungen des Wetters zur Unterstreichung der Melancholie der Hauptfigur hat Hefner verzichet. Also ein einwandfreier Nachfolger?

Ostfriesland Ende der 90er: Hier lebt der Umwelt-Aktivist Björn Larsen, der sich schon mit einigen Leuten angelegt hat. Besonders am Herzen liegt ihm das Watt, seine Artenvielfalt, seine Robbenbänke. Umso irritierter ist er, nachdem er nun schon einige Male ein rostrotes Schiff unter schwedischer Flagge vor den Inseln hat kreuzen sehen. Ihm ist die Sache nicht geheuer und taucht unter recht mysteriösen Umständen unter. Selbst seinem Ziehvater, einem alten Kutterkapitän, ist Larsens Verhalten unerklärlich. 

Szenenwechsel: Auf den Chef der Nationalparkverwaltung Wattenmeer wird ein Briefbombenanschlag ausgeführt. Nur durch einen Zufall bleibt er unverletzt, bekommt aber Polizeischutz vom LKA. Den er – so viel sei vorweggenommen – dringend braucht. Die Spur führt die Beamten des LKA auf eine gewisse Rieke, die allerdings in Australien weilt, um gegen den Walfang vor Ort mit allem Einsatz zu kämpfen. Was die Ermittler noch nicht ahnen: Rieke und Larsen waren ein Paar. Als dann noch eine kopflose Leiche aus dem Hafenbecken gefischt wird, ist es vorbei mit der winterlichen Ruhe der friesischen Weihnachtstage. Und Trevisan steht vor einem großen Problem. Als ob er nicht bereits genug davon um die Ohren hätte, nachdem seine Frau ihn verlassen hat und mit der Tochter nach Kiel gezogen ist.

Wie Eingangs erwähnt: Es ist absolut erfreulich, wie Ulrich Hefner die Kritikpunkten aufgenommen und beseitigt hat. Auf Wallander oder den Stil Mankells kommt der Leser nun wirklich nicht mehr. Mehr Hefner, weniger Mankell ist das Erfolgsrezept von Die Wiege des Windes. Akribisch und mit viel Einfühlungsvermögen schildert der Autor die raue friesische Wirklichkeit und ein seinerzeit durchaus akutes Problem: Wie kann der einmalige Lebensraum Wattenmeer geschützt werden? Das hat vor knapp zehn Jahren hohe Wellen geschlagen, als immer weniger Robben um die ostfriesischen Inseln gezählt worden sind und was seitdem fast völlig aus den Schlagzeilen verschwunden ist. Für die Wahl dieses Themas: Daumen hoch!

Dazu gelingen Hefner mit dem alten Kutterkapitän, dem Norderneyer Ornithologen und Technikfreak, der feschen Friederike und Martin Trevisan selbst glaubhafte, sympathische Charaktere, mit denen man sich gerne in Gummistiefel und gelbe Öljacke schmeißt, um diese beiden Fälle am Schlick zu untersuchen. Gelungen ist Hefner dabei übrigens auch die Balance zwischen der Weiterentwicklung des Kommissars und den beiden Plots (die selbstverständlich gekonnt zusammengeführt werden), Trevisan als Protagonist bleibt interessant, sein Privatleben führt aber nie dazu, dass der Autor die eigentliche Handlung aus dem Blick verliert.

Sprachlich sauber, gut recherchiert, spannend geplottet – Ulrich Hefner kann man nur dazu gratulieren, dass er den Pfad der Serienmörder verlassen hat, um sich einem weniger spektakulären, aber nicht weniger packenden Thema zu widmen und den Mankell-Ballast über Bord zu werfen. Die zwei Jahre Pause nach dem Erstling sind gut investiert gewesen. Auch wenn wir nicht noch mal so lange auf einen weiteren Teil warten wollen. 

Ihre Meinung zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes«

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Wolfgang Kienberger zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes« 25.08.2017
In dem Buch wird eine geradlinige Geschichte ohne Ecken und Kanten geschildert. Eine spannende Urlaubslektüre, die es erlaubt auch mal eine Lesepause einzulegen. Die Ausdrucksweise ist ziemlich nüchtern, der Beruf des Autors blitzt immer wieder deutlich durch. Die Polizeibeamten werden als Kollegen beschrieben, phasenweise hatte ich den Eindruck einen offiziellen Polizeibericht zu lesen. Einen Vergleich zu Nesbø oder Mankell kann ich nicht ziehen.
Dieter zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes« 16.04.2012
Nach Mankell, Nesboe, Berndorf und Fitzek habe ich noch mal was neues gesucht und mit Hefner gefunden. Die Fälle wirken sehr realistisch und werden dem Leser spannend vermittelt. Ein kleiner Hinweis noch. „Die Wiege des Windes“ spielt zeitlich vor dem „Der Tod kommt in Schwarz-Lila“. Wegen der familiären Situation von Kommissar Trevisan ist es sinnvoller zuerst den zweiten Krimi zu lesen. Ich habe mich bereits mit den anderen Hefner Bücher eingedeckt, auch außerhalb der Trevisan-Reihe und bin voll auf meine Kosten gekommen.
Nele Neuhaus zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes« 30.10.2008
Sensationell! Einen Nachmittag und einen Abend habe ich für die Lektüre gebraucht, so sehr hat mich dieses Buch gefesselt. Ein wirklich spannender, intelligenter und bestens recherchierter Plot ohne zuviel Fachchinesisch, sehr gut ausgearbeitete Charaktere, man fühlt sich als Leser "mittendrin" im winterlichen Ostfriesland. Dazu herzlichsten Glückwunsch, Herr Hefner! Ich bin Ihr neuester Fan!
Alf zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes« 18.01.2007
Das ist dein drittes tolle Buch Uli und ich finde das beste sogar von den dreien. Du schreibst mit aller Deutlichkeit wie es bei uns abläuft und der kleine trozdem noch seine Arbeit mit pravour erledigt. Schreib weiter ich freue mich schon auf das nächste.
Zulugang1 zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes« 22.07.2006
Wirklich nicht übel, das neue Machwerk von Hefner. Diesmal kommt er ohne einen Serienkiller aus, dennoch ist die Spannung vorhanden. Aus dem wird mal ein richtiger Autor
Bea zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes« 10.07.2006
Hefner ist anders und seine bücher sind anders! Kein unverdaulicher Massenmördereinheitsbrei und doch unheimlich spannend. Keine mystischen Zeichen und doch geheimnissvoll.
Hefner schreibt so, wie er lebt und arbeitet, der ganz normale Polizeiwahnsinn, und seine Geschichten,könnten jeden Tag in der Zeitung stehen. Alles ist autentisch und gar nicht abgefahren und genau deswegen mag ich ihn so!
Tina zu »Ulrich Hefner: Die Wiege des Windes« 22.06.2006
Dieses Buch habe ich mit Begeisterung in 4 Tagen gelesen. Es ist "etwas anders" als Der Tod kommt in Schwarz-Lila, aber ebenfalls sehr spannend und fesselnd. Ein klasse Nachfolger, den ich gerne weiter empfehle.
1 von 1 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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