Die Bruderschaft Christi von Ulrich Hefner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 bei Goldmann.
Ort & Zeit der Handlung: Israel / Jerusalem, 1990 - 2009.

  • München: Goldmann, 2010. ISBN: 978-3-442-47224-6. 569 Seiten.
  • [Hörbuch] Daun: TechniSat Digital, Radioropa Hörbuch, 2010. Gesprochen von Jürgen Holdorf. ISBN: 978-3836804783. 14 CDs.

'Die Bruderschaft Christi' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Nahe Jerusalem stößt ein Archäologenteam um Prof. Chaim Raful auf einen sensationellen Fund: Eine alte Grabstätte enthält Zeugnisse aus dem Leben Jesu, unter anderem mysteriöse Schriftrollen. Eine Entdeckung, so ahnt Raful, deren wahre Bedeutung das gesamte Fundament der modernen Kirche ins Wanken geraten lassen könnte. Fortan ist sein Leben und das seiner jungen Kollegen in größter Gefahr, und noch während der Archäologe die Schriftrollen endgültig zu enträtseln versucht, beginnt eine wilde Hetzjagd quer durch Europa.

Das meint Krimi-Couch.de: »Für das Geheimnis der Templer wird brutal gemordet« 95°Treffer

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Schnelle Schnitte sorgen für viel Rasanz

Szenen- und Perspektivwechsel in einem Roman können zuweilen für Verwirrung beim Leser sorgen. Ulrich Hefner setzt dieses Stilmittel derart geschickt und konsequent ein, wie ich es in noch keinem anderen Buch erlebt habe. Manchmal wird nach nur einer Seite der Schauplatz gewechselt – und diese schnellen Umschnitte sorgen dafür, dass die Handlung immer mehr an Rasanz gewinnt. Von Langeweile kann in diesem Verschwörungsthriller um den mysteriösen Templerorden, idealistische Archäologen, fanatische Priester, skrupellose Verräter und eine geheime Bruderschaft also keine Rede sein. Im Gegenteil fiebert der Leser dem Zeitpunkt entgegen, an dem sich endlich die unterschiedlichen Protagonisten am gleichen Schauplatz begegnen und es zum Showdown kommt. Bis dahin gilt es jedoch über 500 Seiten Hochspannung zu bewältigen.

Sensationsfund im Kidrontal

Im Kidrontal stößt ein Archäologen-Team um den jüdischen Professor Chaim Raful in der Nähe von Jerusalem auf einen sensationellen Fund. Beim Versuch, ein Römerlager aus der Zeit um Christi Geburt frei zu legen, wird durch Zufall eine alte Grabstätte entdeckt. Der Sarkophag enthält nicht nur die gut konservierte Leiche eines Tempelritters, sondern offenbar auch Zeugnisse aus dem Leben Jesu, unter anderem mysteriöse Schriftrollen, die den berühmten Funden aus den Höhlen beim Qumran ähneln. Eine Entdeckung, so ahnt zunächst nur Raful, deren wahre Bedeutung das gesamte Fundament der modernen Kirche ins Wanken geraten lassen könnte. Seine Mitstreiter aus verschiedenen Nationen erfahren erst viel später – teilweise überaus schmerzhaft – von der Brisanz ihres Fundes.

Hektische Aktivitäten im Vatikan

Zur gleichen Zeit werden im bayrischen Kloster Ettal und in einer Pfarrei in der Nähe katholische Geistliche getötet, einer der Priester wird sogar grausam zu Tode gefoltert. Die deutsche Polizei steht zunächst vor einem Rätsel, bis die Ermittler herausfinden, dass die getöteten Geistlichen ausgewiesene Spezialisten in alten Sprachen des vorderen Orients und an zahlreichen Ausgrabungen beteiligt waren. Im Vatikan lösen die Grabungen im Kidrontal und auch die Morde in Bayern hektische Aktivitäten aus. Der Kardinalstaatssekretär und Leiter der Glaubenskongregation schickt einen speziell bevollmächtigten Abgesandten los, um die Kontrolle der Kirche über die Grabungen zu sichern. Aber auch andere Kardinäle entwickeln dynamische Aktivitäten – aber erst viel später wird deutlich, wer hier zu welcher Fraktion gehört.

Brutale Morde und wilde Schießereien

Das Leben von Raful und das seiner ahnungslosen jungen Kollegen ist durch die von vielen Seiten begehrten Funde in größter Gefahr. Es kommt zu mysteriösen Zwischenfällen an der Grabungsstätte, und bald gibt es die ersten Toten. Der Grabungsleiter setzt sich unterdessen ab und versucht die Schriftrollen endgültig zu enträtseln – der Auftakt einer wilden Hetzjagd nach Europa. Im Berchtesgadener Land werden die Handlungsfäden schließlich zusammen geführt. Es gibt weitere brutale Morde, wilde Schießereien und viele Rätsel für die Ermittler – bis hin zum rasanten Finale und einem überraschenden Abschluss am Toten Meer.

Breite Palette an Charakteren

Ulrich Hefner hat einen gut recherchierten Kirchen- und Verschwörungsthriller vorgelegt. Als stimmungsvolle Kulisse dienen vor allem die Jerusalemer Altstadt, das Kidrontal, dunkle Klöster und einsame Alpentäler. Von Beginn an fesselt der Autor seine Leser, vor allem durch die enorm schnellen Szenen- und Perspektivwechsel. Man versteht gut, warum Hefner bereits einen Fernsehpreis bekommen hat, denn dieses Buch würde sich für eine Verfilmung in einem Fernseh-Mehrteiler hervorragend anbieten. Dafür wären allerdings gute Schauspieler nötig, denn Hefner bietet eine breite Palette an Charakteren.

Spannendes Erzählkino

Da sind die Idealisten, die der Welt einen Gewinn an Wissen bringen wollen. Da sind die Fanatiker, die der Kirche um jeden Preis die Maske vom Gesicht reißen wollen. Dann sind da treue Diener des Vatikan, aber auch ein selbständig denkender und an seinen Oberen zweifelnder Priester. Dann gibt es gewissenlose Söldner, die für wenig Geld gnadenlos töten. Und deutsche Ermittler, die zwar keine Liebesgeschichte verbindet, die aber doch in einer Ehe enden. Und das alles mit vielen Widersprüchen, überraschenden Wendungen und auch durchaus weitschweifigen Erklärungen – ohne jedoch langweilig zu werden. Für solche Bücher fällt mir immer der Begriff »Erzählkino« ein. Handlung, die spannend und unterhaltsam am Leser vorbeirauscht, nicht zu flach, aber auch gedanklich nicht überfordernd. Solch spannendes Erzählkino ist Ulrich Hefner hier im besten Sinne des Wortes gelungen – und man freut sich schon auf sein nächstes Werk.

Andreas Kurth, Oktober 2010

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Silberfee28 zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 05.07.2012
on der Jerusalemer Altstadt über Paris und den Vatikan bis in dunkle Klöster und einsame Alpentäler – fesselnde Handlung vor atmosphärischer Kulisse

Nahe Jerusalem stößt ein Archäologenteam um Prof. Chaim Raful auf einen sensationellen Fund: Eine alte Grabstätte enthält Zeugnisse aus dem Leben Jesu, unter anderem mysteriöse Schriftrollen. Eine Entdeckung, so ahnt Raful, deren wahre Bedeutung das gesamte Fundament der modernen Kirche ins Wanken geraten lassen könnte. Fortan ist sein Leben und das seiner jungen Kollegen in größter Gefahr, und noch während der Archäologe die Schriftrollen endgültig zu enträtseln versucht, beginnt eine wilde Hetzjagd quer durch Europa ...

Ulrich Hefner nutzt geballte 576 Seiten um kein gutes Haar an der römisch-katholischen Kirche an sich und im Besonderen zu lassen.
Getarnt als Kirchen-und Verschwörungsthriller nutzt er die Personen um mal mehr mal weniger deutlich Kritik zu äußern.
Facettenreich wie die Personen ist dadurch auch die Bandbreite der Kritik die geäußert wird, der Leser hat zuweilen den Eindruck die Person wurde zum Zweck der Kritik so entwickelt.
Sicherlich eine detailierte Ansschauungsweise das gebe ich gerne zu.

Nichts desto trotz kann es dem Leser gelingen sich mit den Personen anzufreunden, sie symphatisch zu finden und durch sie Zugang zur Geschichte zu finden. Sicherlich ist die ein oder andere Person symphatischer als die andere, auch Beziehungen zu einander erscheinen dem Leser mal authentischer als andere.

Die Geschichte selber ist unterteilt in mehrere Handlungsstränge die wohl gegen Ende des Buches zusammenfinden sollen.
Zu Beginn ist jeder Handlungsstrang für sich ungemein spannend, der Autor gibt ein enormes Tempo vor.
Leider zeigt sich, das er dieses Tempo nur eine gewisse Zeit halten kann. Nach 2/3 des Buches brauchte ich eine Pause da ich das Gefühl hatte die Luft wäre raus. Die Spannung ebbte immer mehr ab, die Handlung lief sich parralel zur tatsächlichen Geschichte tot. Irgendwie erinnerte das Tempo des Buches zu dem Zeitpunkt an einen zu schnell gestarteten Marathonläufer dem die Puste ausgeht.
Schade eigentlich.

FAZIT : Deutlich besser als mancher Dan Brwown Abklatsch der letzten Zeit, aber vom Niveau her nicht vergleichbar mit seinem Vorgängerroman "Die dritte Ebene". Jetzt bin ich auf den neuen Hefner gespannt :-)
LieschenMüller zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 12.02.2012
Die positiven Reaktionen sind mir schlicht ein Rätsel! Da ich das Thema Templer und z. B. auch Dan Brown sehr interessant finde, habe ich mich aufgrund der sehr guten Bewertung hier auf dieses Buch gestürzt ... und mich dann ca. 120 Seiten durchgequält, bis ich das Buch sehr enttäuscht zugeklappt habe. Die Charaktere erscheinen mir blass und uninteressant; schnelle "Schnitte" ALLEIN sorgen nicht zwangsläufig für Spannung; der Autor ist m. E. kein begnadeter Erzähler: öfter werden z. B. in aufeinanderfolgenden Abschnitten genau dieselben Adjektive wiedergekäut. Schade!
RolfWamers zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 04.10.2011
Im Gegensatz zu den Vorrezensenten finde ich die Geschichte nur mäßig spannend um in großen Teilen ziemlich vorhersehbar.Außerdem: würde die Römische Kirche so lasch reagieren, wenn sie Funde befürchtet, die ihre Existenzberechtigung ernsthaft gefährden könnten? Hier hält sich Hefner vornehm zurück - zu Recht, denn die Geschichte ist ja nur Fiction, nicht Realität. Und da sollte man sich nicht mit eine der mächtigsten Institutiionen der Welt anlegen.
Dracon zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 24.09.2011
"Die Bruderschaft Christi" ist mit Abstand der beste Kirchenthriller den ich seit langen gelesen habe .Der Autor versteht es meisterhaft den Leser mit seinem Roman kurzweilig zu Unterhalten . Zu Beginn ist die Story zwar holprig und die Personen ein bißchen blas aber nach hundert Seiten kann man das Buch nicht mehr aus der Hand legen,das ungleiche bayrische Polizei Duo muß man einfach lieben besonders Bukowski!
Wer Romane wie Illuminati mag ist hier bestens aufgehoben dabei braucht der Autor einen Vergleich mit Dan Brown nicht zu scheuen . Die hohe Bewertung der Krimicouch kann ich bedenkenlos bestätigen.
Peer Mertens zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 23.02.2011
Bei mir liegt das Buch bei 97%. Ich finde es weitaus spannender und auch mit viel mehr Hintergrund, als Browns Sakrileg.
Ich werde mir jetzt noch die dritte Ebene zu Gemüte führen, obwohl ich anfänglich wegen der Seitenzahl von über 700 erst einmal skeptisch war. Aber Hefner bringt es fertig, sehr kurzweilig zu unterhalten und auch noch informativ zu sein. So werden auch 700 Seiten wohl kein Problem
Martin Rath zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 22.01.2011
In meinen Augen liegt bei diesem Buch der Teufel im Detail. Gegen den Plot möchte ich grundsätzlich zwar so wenig Einwände erheben wie gegen die szenische "Schnittfolge" - ich wüsste nicht, wie man heute einen Thriller anders schreiben könnte, weil ich vermute, dass die Aufmerksamkeitsspanne des Durchschnittslesers längst nicht mehr für Personen- und Landschaftsbeschreibungen epischer Breite reicht.

ABER! Ach! Diese Adjektive! Da wird schon in den Anfangskapiteln in jeden Dialog noch etwas auktoriale Beschreibung hineingequetscht - und das quält. Da entwickeln sich Charaktere nicht in der Handlung, sondern werden "von oben herab" festgelegt. Und die Leselust leidet unter den feinen Unplausibilitäten, wenn z.B. ein erster, kleinerer Konflikt sich um die Absperrung/Sicherung eines archäologischen Ausgrabungsgeländes entspinnt - da soll eine Fundstelle in Jerusalem schlechter gesichert sein als irgendein historisch belanglos vollgefurztes Keltengrab in Oberbayern? Ich mag über so etwas ungern hinweglesen, worunter dann meine Akzeptanz für die Gesamthandlung doch etwas leidet.
Einen großen Publikumsverlag hat das Buch ja trotzdem gefunden. Meine Vermutung: Das Lektorat hat zu jenen erzählerischen Verdichtungsmaßnahmen genötigt, die mir hier aufstoßen, um die 600-Seiten-Marke zu unterschreiten. Schade!
M.Reinsch zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 16.01.2011
Mein Interesse an diesem Buch wurde durch die erwähnng der "Tempelritter" geweckt - und ich wurde nicht enttäuscht!
Durch die sehr schnellen Schnitte, mit denen U.Hefner die zu Anfang des Buches vorhandenen 4-5 Storylines langsam miteinander verbindet, reißt der Spannungsbogen eigendlich nie ab.
Das Gesamtwerk erinnert stark an Dan Browns "Illuminati".
Besonders auffällig ist die liebevolle Zeichnung des Ermittlerduos, in denen man sich tum Teil wiederfinden kann.
Sehr erfreut war ich über Hefners Idee zum Thema "das Große Geheimnis der Templer". Seine Interpretation ist für mich die bisher schlüssigste These, die ich bisher zu diesem Thema gelesen habe.
Selbst der Plot ist so gut gelungen, das ich mir einfach vorstellen will- sollte es jemals zu solchen Funden kommen, bzw. sollten Diese wirklich einmal vollständig an die Öffentlichkeit gelangen- dass die Gesamtgeschichte so ablaufen würde.
Negativum ist für mich die (langsam sehr ausgezehrte), Geschichte vom Geheimbund innerhalb der Kirche (sicher mag es möglich sein, aber traurig genug ist diese Behauptung schon, gerade für die Kirche selbst).
Kurzum, ein sehr guter Spannungsroman, der interessante Geschichtsbezüge beinhaltet!
Sehr lesenswert - 93°
Micha
Tommy zu »Ulrich Hefner: Die Bruderschaft Christi« 27.09.2010
Erzählkino, das ist genau die treffende Beschreibung für dieses Buch. Wie in einem Film wechseln die Szenen mal rasant, mal bleibt die Szene länger stehen - aber immer gibt es irgendwo einen Cliffhanger, der den Spannungsbogen unterstützt.

Ein spannendes und gelungenes Werk, das übrigens mit dem Werk "Die dritte Ebene" einen ebenfalls ausgezeichneten Vorgänger hat.
2 von 2 Lesern fanden diesen Kommentar hilfreich.
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