Der Sohn des Apothekers von Ulrich Hefner

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2012 bei Leda.
Ort & Zeit der Handlung: , 2010 - heute.
Folge 6 der Martin-Trevisan-Serie.

  • Leer: Leda, 2012. ISBN: 978-3864120077.

'Der Sohn des Apothekers' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Trevisans letzter Fall brachte ihn an den Rand eines Zusammenbruchs. Er wird zum Landeskriminalamt nach Hannover abgeordnet, wo er sich im Dezernat für Vermisste und ungeklärte Fälle wieder langsam einarbeiten soll, doch sein erster Fall ist alles andere als ein ruhiger Einstieg. Vor drei Jahren verschwanden zwei Radfahrerinnen spurlos auf einer Radtour am Steinhuder Meer. Die Ermittlungen verliefen im Sande und der Hauptverdächtige, der geistig behinderte Sohn eines Apothekers, musste aus Mangel an Beweisen wieder auf freien Fuß gesetzt werden. Drei Jahre später landet der Fall auf Trevisans Schreibtisch, denn eine junge Frau wurde bei Flensburg schwerverletzt aufgefunden, offenbar bei hoher Geschwindigkeit aus einem fahrenden Wagen geworfen. Die DNA-Überprüfung ist eindeutig: Die Frau von der Landstraße ist eine der verschwundenen Radfahrerinnen. Ist auch das zweite Opfer vom Steinhuder Meer noch am Leben und schwebt in höchster Gefahr?

Das meint Krimi-Couch.de: »Tatort Kaff« 78°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Seine Mystery-Thriller erscheinen in amerikanischer Aufmachung beim großen Goldmann-Verlag, seine Krimis um Kommissar Martin Trevisan aus Wilhelmshaven im deutlich kleineren Leda-Verlag – und doch können diese weitaus mehr begeistern als die Bombastromane. Mit Der Sohn des Apothekers kommt nun der sechste Fall der Trevisan-Reihe auf den Markt. Autor Ulrich Hefner überzeugt darin wieder mit einem gekonnten Police-Procedural aus Norddeutschland. Kein Wunder, dass der Mann sein Metier versteht: Hefner arbeitet selbst als Polizist und kennt die Arbeit seines Protagonisten aus dem Effeff.

Nach den letzten nervenaufreibenden Ereignissen in seinem Arbeitsleben sucht Martin Trevisan, Vater einer Tochter, von seiner Frau aber getrennt lebend, Ruhe in einem neuen Bürojob beim LKA. Er soll sich mit seinen neuen Mitarbeiterinnen um Vermisste und ungeklärte Fälle kümmern. Statt mittendrin jetzt nur noch dabei, der Mann für die »Cold Cases«. Aber Pustekuchen, denn sein erster Fall im neuen Umfeld ist alles andere als kalt.

Vor ein paar Jahren sind zwei junge Frauen bei einer Fahrradtour in einem Wald nahe des Steinhuder Meers verschwunden, trotz einer intensiven Suche mit allem, was dazu gehört, fand man lediglich ihre Fahrräder. Ein Schuldiger war mit dem geistig zurückgeblieben Sohn des örtlichen Apothekers schnell gefunden, aber nie überführt worden. Doch der Fall wird plötzlich wieder heiß: Eine Frau wird auf der Autobahn aus einem fahrenden Auto geworfen. Ihre DNA stimmt mit der einer der Verschwundenen überein …

Von dieser Situation ausgehend konstruiert Ulrich Hefner einen vertrackten, an Überraschungen wahrlich nicht armen Plot. Auf der einen Seite Trevisan, der auch undercover in dem kleinen Dorf ermittelt und die verschrobenen Einwohner unter die Lupe nimmt. Auf der anderen Seite erzählt Hefner von den Recherchen eines jungen Journalisten, dessen Ehrgeiz ihm bei der Suche nach einer guten Story gar nicht zu gute kommen soll. Verdächtige gibt es dabei sowohl für Trevisan als auch für den Journalisten Justin Belfort bald mehr als genug. Angefangen von dänischen Rockerbanden bis hin zur Dorfjugend um den Sohn des Dorfsheriffs. Doch vieles soll im Sande verlaufen – und selbst ein Massen-DNA-Test sorgt nicht für Licht im Dunkel.

Der Sohn des Apothekers funktioniert als Polizeiroman, weil Hefner die oft zermürbende Arbeit der LKA-Beamten glaubhaft in Worte fasst. Dazu fängt der Autor die Atmosphäre des Kaffs mit seinen zahlreichen Verdächtigen in einer Tristesse ein, die die Düsternis des Sujets sehr passend unterstreicht. Die falschen Fährten, die er dabei legt, sind so gut ausgearbeitet, dass sie auch erfahrene Leserinnen und Lesern verblüffen können.

Auf 380 Seiten lässt Hefner dabei natürlich das Privatleben Martin Trevisans nicht außen vor. Ob dessen neue Liaison allerdings in eine andere Schublade als »Kitsch« gehört, ist leider mehr als fraglich. Und vielleicht das größte Manko des Romans: Ulrich Hefner zaubert zum Schluss einen Täter aus dem Hut hervor, mit dem man so gar nicht rechnen konnte. Recht enttäuschend, diese Auflösung, die der Autor dem Leser präsentiert. Sei das Finale auch noch so actionreich.

Unterm Strich ist Der Sohn des Apothekers ein grundsolider, über große Etappen logischer und oftmals auch ein knackig spannender Kriminalroman, der sich glücklicherweise aber auch nicht zu wichtig nimmt. Wer sich allsonntäglich dem Tatort hingibt, findet im sechsten Trevisan-Krimi eine finstere Lektüre, die sicherlich auch auf die fünf bisherigen Fälle neugierig macht – oder bisherige Hefner-Leser auf den neuen Roman aus des Autors Feder ungeduldig warten lässt.

Lars Schafft, Oktober 2012

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magregiokrimis zu »Ulrich Hefner: Der Sohn des Apothekers« 07.09.2013
Was schrieb ich direlt nach dem Lesen: Auch wieder: wow!!! Der Sohn des Apothekers ist wesentlich 'ruhiger' und nicht so 'actionreich' wie die bisherigen Trevisan-Krimis, aber nicht minder gut. Lohnt sich einfach nur + ich hoffe auf weitere Krimis mit und über Trevisan - und vor allem nicht zu lange :-)
roy zu »Ulrich Hefner: Der Sohn des Apothekers« 08.03.2013
Ein wirklich spannendes und durchdachtes Plot im Stile eines guten Krimis
Lesenswert und unterhaltsam. Gute deutsche Krimikost.
Hefners Romane zeigen die Polizeiarbeit wie sie wirklich ist, manchmal leicht überzeichnet, aber ansonsten schlüssig.
Ich kann das Buch wirklich empfehlenPrädikat lesenswert
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