Herzlich willkommen beim Krimi-Couch-Blog

"Blog", das steht in aller Kürze für Web-Log und ist eine Art Internet-Tagebuch, in dem man kurz auflistet, über was man so alles im Web gestolpert ist oder was sonst beschäftigt.


Hier im Blog der Krimi-Couch geht es natürlich vor allem um Krimis, um News & Nonsense, Ansichten und Einsichten. Hier sind wir gnadenlos subjektiv und entsprechend meinungsfreudig. Und hoffentlich auch entsprechend unterhaltsam. Viel Spaß!

Two Shots Dead

Krimi quicklebendig

von Lars Schafft

Sehen wir den Tatsachen ins Auge: Nicht jeder gute Autor ist in der Lage, vor Publikum zu lesen. Er kann noch so brillant formulieren und fabulieren – der große Fall folgt dann vor den Zuschauern. Theaterregisseur Wolfgang Franßen, seines Zeichens auch Redakteur bei der Krimi-Couch, hat mit seinem Kompagnon Martin Päthel, Schauspieler, dieses Problem erkannt. Als »Two Shots Dead« gaben die beiden vor heimischer Kulisse im Aachener Theater K. Premiere für ihr neues Konzept einer Krimi-Lesung: wortgewandte Dialoge, mit trockenem Humor vorgetragen, dazu Passagen aus aktuellen Krimis – ebenfalls in Form eines Zwiegesprächs.

Ohne großartig einzuleiten, stiegen Franßen und Päthel direkt in ihr Programm ein. Immerhin sollten vier Titel durch eineinhalb Stunden getrieben werden. Roter Faden: menschliche Katastrophen. Den Auftakt stellte Tim Bindings Cliffhanger dar. Nicht unproblematisch, zählt jener eben nicht zum klassischen Krimi-Genre. Den gut fünfzig Gästen war dies aber nicht wichtig – das Lese-Duo hatte die Aufmerksamkeit seiner Zuschauer auf seiner Seite und sorgte schnell für die ersten Lacher.

 Gestalteten sich die beiden Titel in der Mitte des Programms noch etwas zäh (der wenig zugängliche Mamaherz von Roberto Alajamo und die sehr derbe Szene aus Marek Krajewskis Pest in Breslau), wurde doch deutlich, worin die eigentliche Stärke des Konzepts »Two Shots Dead« liegt. »Noch Fragen, Franßen?« – »Ja, Päthel!« Kienzle und Hauser für den Krimi. Genau das sollte das Ziel des Regisseurs und des Schauspielers sein. 

Da aber beide betonten, nicht fest an der Linie ihres ersten Auftritts festhalten zu wollen, sondern in den kommenden Veranstaltungen (jeden Monat mit wechselnden Titeln, die sich an den Empfehlungen der Krimi-Couch orientieren sollen) auf Reaktionen und Vorschläge des Publiks reagieren möchten, ist noch viel drin in »Two Shots Dead«. Sicherlich müssen sich Franßen und Päthel auch noch ein bisschen aufeinander einspielen, wirkte doch Schauspieler Päthel mit seiner Erfahrung und Souveränität auf der Bühne im Vergleich zu Franßen mit dessen Erfahrung hinter der Bühne ein wenig zu dominant – was sich übrigens auch in der Rollenverteilung der Leseparts niederschlug.

Highlight und Abschluss des rundum gelungenen Abends war die Lesung aus Blinde Zeugen von Stuart MacBride. Ein gnädiger Text, sorgt der Schotte doch schon in Schriftform für Schenkelklopfer en masse. Was Martin Päthel aber aus der Figur der lesbischen Kommissarin DI Steele und ihren Alkoholexzessen machte, war schlicht großartig.

Also: Weitermachen, Franßen und Päthel! Mit »Two Shots Dead« sind Krimi-Lesungen so lebendig wie selten zuvor.

Die nächsten Lesungen von »Two Shots Dead«

  • Mi.  04. Mai 2011, 20.00 Uhr, Theater K., Aachen
  • Do. 16. Juni 2011, 20.00 Uhr, Theater K., Aachen

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