Malavita von Tonino Benacquista

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2004 unter dem Titel Malavita, deutsche Ausgabe erstmals 2013 bei Carl´s books.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich, 2010 - heute.

  • Paris: Gallimard, 2004 unter dem Titel Malavita. 314 Seiten.
  • München: Carl´s books, 2013. Übersetzt von Herbert Fell. ISBN: 978-3-570-58528-3. 304 Seiten.
  • [Hörbuch] Berlin: Der Audioverlag, 2013. Gesprochen von ?. ISBN: 386231331X. 5 CDs.

'Malavita' ist erschienen als TaschenbuchHörbuch

In Kürze:

In dem beschaulichen Ort Cholong-sur-Avre in der Normandie lässt sich eine amerikanische Familie nieder. Fred Blake schreibt ein Buch über die Landung der Alliierten; seine Frau Maggie engagiert sich bei Wohltätigkeitsveranstaltungen; Belle, ihre Tochter, verdreht allen Männern den Kopf; und Sohn Warren wird zum Rächer des Schulhofs. Eine ganz normale Familie also? Nein, denn Fred heißt in Wahrheit Giovanni Manzoni. Er war einer der ganz großen Mafia-Bosse in den USA, bis er im Rahmen eines Zeugenschutzprogramms nach Frankreich umgesiedelt wurde. Und weil es den Blakes nicht wirklich gut gelingt, sich unauffällig zu verhalten, ist vorprogrammiert, dass die Tarnung bald auffliegt.

Das meint Krimi-Couch.de: »Fürchte stets die Blakes« 70°

Krimi-Rezension von Andreas Kurth

Es ist ein bemerkenswertes Ereignis für die kleine Gemeinde Cholong-sur-Avre in der Normandie. Nur leider bekommen die Bürger des verschlafenen Städtchens zunächst gar nichts davon mit. Denn Fred Blake, seine Frau Maggie, die 17-jährige Tochter Belle, der 14-jährige Sohn Warren und ihr Hund Malavita ziehen mitten in der Nacht in ihr neues Haus ein. Es sind ganz spezielle Mitbürger, die das Leben des Städtchens schon bald auf eine ganz eigene Art bereichern werden. Denn hinter Fred und Maggie Blake verbergen sich in Wirklichkeit Giovanni und Livia Manzoni. Er war einer der großen Mafia-Bosse an der amerikanischen Ostküste, bis ihn das FBI festnagelte und zur Aussage gegen seine Freunde in der Cosa Nostra zwang. Jetzt steckt die Familie seit Jahren im Zeugenschutzprogramm, musste ihre geliebte Heimat in Newark verlassen, und schließlich sogar nach Europa umsiedeln. Und dort hat das FBI-Begleitkommando am mittlerweile dritten Wohnort alle Hände voll zu tun, vor allem Fred von irgendwelchen Dummheiten abzuhalten, die ihn und seine Familie verraten könnten.

Herrlich witzige Kriminalkomödie

Mit Malavita hat Tonino Benacquista eine herrlich witzige, leicht und gut lesbar geschriebene Kriminalkomödie vorgelegt. Das fängt schon bei den Namensgebungen und Verballhornungen an. Malavita nennen die Mafiosi ihre Unterweltverbindungen, Malavita heißt aber auch der australische Schäferhund der Familie Blake. Und Cholong-sur-Avre, das ebenso unschuldige wie malerische Städtchen in der Normandie, wird von Fred schließlich nur noch »So long« genannt. Ein Wortspiel bekommt im Zuge der Suche von Giovannis alten Freunden, die ihm jetzt nichts anderes mehr als den Tod wünschen, zu einemspäteren Zeitpunkt eine hochdramatische Bedeutung.

Fred erregt schnell Aufmerksamkeit

Diese ganzen semantischen Spielereien baut der Autor gekonnt und en passant in seinen herrlich spleenigen Roman ein. Hochgradig unterhaltsam wird geschildert, mit welcher Tarnung sich die Familie in der Normandie einzuleben gedenkt. Fred behauptet gegenüber seinen neuen Nachbarn, ein Buch über die Landung der Alliierten in der Normandie zu schreiben – das wird einem Amerikaner von den Franzosen jederzeit zugetraut. Und die Bürger von »So long« sind auch noch stolz, plötzlich einen Schriftsteller in ihrer Mitte zu haben. Und so erregt Fred schneller große Aufmerksamkeit, als es seinen FBI-Beschützern lieb sein kann. Maggie dagegen stürzt sich in soziale Aktivitäten. Sie arbeitet in verschiedenen Wohltätigkeitsorganisationen mit und versucht sich in der neuen Heimat zu integrieren. Warren und Belle gehen zur Schule. Während ihr Bruder sich als Helfer für viele seiner Schulkameraden zu profilieren versucht, verdreht die hübsche Belle einigen Männern den Kopf. Der eigentliche Problemfall für FBI-Agent Thomas Quintiliani und seine Kollegen ist jedoch Fred, der sich einfach nicht zurückhalten kann. Er produziert herrlich komische Zwischenfälle am laufenden Band.

Ganz neue Dynamik

Die Einheimischen tragen dann aber auch ihren Teil dazu bei. Maggie wird derart gereizt, dass sie einen Supermarkt in Schutt und Asche legt, Fred löst das Problem mit dem verseuchten Trinkwasser im Ort durch die Sprengung einer Chemiefabrik. Als es dann jedoch etwas ruhiger um die Familie Blake wird, streut der Autor durch eine zunächst für den Leser schwer zu durchschauende Kette von Zufällen ganz neue Dynamik in die Handlung ein – einfach gelungen. Im überraschenden Finale geht es richtig zur Sache. Die Geschichte ist insgesamt wirklich wunderbar zu lesen, eine Kriminalkomödie mit ordentlich Pfiff darin. Benacquista hat hier Protagonisten mit vielen Facetten geschaffen, die Dialoge sind authentisch und das Buch ist ein unterhaltsames Lesevergnügen.

Andreas Kurth, Februar 2014

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Janko zu »Tonino Benacquista: Malavita« 09.02.2014
Den Einstieg zu "Malavita" empfand ich ein wenig fad und farblos. Von "Komödie" habe ich leider auch recht wenig bis gar nichts entdecken können. Ich halte den Plot für planlos, unausgegoren, lieblos, farblos und völlig aus der Luft gegriffen. Den sprichwörtlichen roten Faden habe ich auch nicht so recht finden können. Ich befürchte fast, dass mir der Film "Malavita" besser gefallen könnte, als das Buch. Geschrieben, wie ein Schulaufsatz, nervt mich die plumpe Aneinanderreihung schaler Sätze. Ständig springt der Autor von Person zu Person und erzählt dabei völlig planlos zusammengeschusterte Geschichten. Das Ganze ist auch absolut nicht mein Humor. Ich finde das Buch eher ärgerlich...schade um's Geld. Die Killer der Mafia haben hier einen IQ knapp über Raumtemperatur. "Malavita" ist eine Komödie, bei der ich nicht einmal annähernd geschmunzelt, geschweige denn gelacht habe. Das ist eigentlich ganz schön traurig. Ich habe mit dem Buch sicherlich mehr zu kämpfen gehabt, als der Autor selbst. Der Plot wird von Seite zu Seite immer unglaubwürdiger und schlechter. Einfach nur ärgerlich. Meine Wertung: 45°
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