Drei rote Vierecke auf schwarzem Grund von Tonino Benacquista

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 1990 unter dem Titel Trois carrés rouges sur fond noir, deutsche Ausgabe erstmals 2003 bei Distel.
Ort & Zeit der Handlung: Frankreich / Paris, 1990 - 2009.

  • Paris: Gallimard, 1990 unter dem Titel Trois carrés rouges sur fond noir. 244 Seiten.
  • Heilbronn: Distel, 2003. Übersetzt von Stefan Linster. ISBN: 3923208693. 256 Seiten.

'Drei rote Vierecke auf schwarzem Grund' ist erschienen als Taschenbuch

In Kürze:

Antoine Andrieux jobbt als Hilfskraft in einer Galerie für moderne Malerei. Doch sein Leben spielt sich woanders ab. Im Billardsaal. Er ist jung und talentiert und träumt von der großen Karriere als Billard-Champion. Da versucht jemand, aus der Galerie ein Gemälde zu stehlen. Antoine stellt sich dem Dieb in den Weg. Im Gerangel fällt eine schwere Metallskulptur um und trennt ihm die rechte Hand ab. Aus der Traum von der Billard-Karriere. Sein weiteres Leben scheint nun verpfuscht. Antoine will sich an dem Dieb rächen und nimmt die Jagd auf. Und bald gibt es den ersten Toten. Eine bitterböse Satire auf die Pariser Kunstschickeria. Spannend und tiefgründig.

Das meint Krimi-Couch.de: »Savoir écrire un polar« 81°

Krimi-Rezension von Lars Schafft

Antoine Andrieux ist ein junger Bursche, den sein Hobby weitaus mehr beschäftigt als sein Job, Ausstellungen in einer Pariser Galerie aufzubauen. Jeden Tag nach getaner Arbeit stürzt er sich in seinen Billardsalon, perfektioniert sein Spiel, hat die Chance groß herauszukommen. Bis ihm durch die Ausstellung des Künstlers Étienne Morand jede Chance darauf genommen wird. Fünfunddreißig dunkle Gemälde müssen dekorativ aufgehangen werden, »schwarze Kratzspuren auf schwarzem Grund«. Und eins, das komplett aus der Reihe fällt. Ein weiß-gelbes Bild, leuchtend, mit einer gemalten Kirchturmspitze drauf. Das »Essai 30«.

So richtig weiß Antoine nicht wohin damit. Doch jemand anderes hat großes Interesse an diesem künstlerischen Ausreißer. Stiehlt sich nachts in die Galerie, nimmt das »Essai 30« von der Wand und versucht damit zu fliehen. Doch er rechnet nicht mit Antoine, der sich ihm mutig in den Weg stellt. Allerdings wenig erfolgreich, Antoine zieht den Kürzeren und wird beim Gerangel mit dem Dieb unter einer riesigen Metallskultpur begraben, die ihm auch noch die rechte Hand unwiederruflich abtrennt. Schluss mit Queues, Karambolagen und schwarzen Achten, für immer. Innere Ruhe kann Antoine nur dadurch zurückgewinnen, in dem er den Mann findet, der seine Hand auf dem Gewissen hat. Doch die Suche erweist sich als nicht ungefährlich – gerade als Antoine schließlich das »Essai 8« entdeckt, wie Nr. 30, nur in rot, scheinbar völlig unbekannt und von Künsterln, die sich »Les Objectivistes« nennen, zieht der Unbekannte eine blutige Spur hinter sich her und ist auch Antoine dicht auf den Versen …

Vordergründig also ein »Billard-Krimi«, ist Benacquistas zweiter Roman vor allem die tragisch-komische Geschichte eines jungen Franzosen aus unterschichtigen Verhältnissen, dessen Traum, ein Billard-Champ zu werden, jäh beendet wird. Es ist aber auch eine bitterböse Satire auf die Pariser Kunstszene, wie sie sich selbst feiert und feiern lässt.

Sprachlich bringt der Franzose dabei ungewöhnliches fertig: Philosophierende Monologe, seitenlange Reflexion seines Protagonisten zeigen, wie hervorragend dieser Mann (und auch Übersetzer Stefan Linster) mit der Sprache umgehen kann. Im Turnus mit diesen wunderbar geschriebenen Weltanschauungen wechselt Benacquista von einem auf den anderen Absatz in die zornige, sarkastisch-zynische Sprache eines jungen Mannes, der um seine Träume beraubt ist und nun irgendwie damit klarkommen muss, nur noch mit einer Hand zu leben. Eingeschoben sind teils aberwitzige Situationen und Dialoge (beispielsweise zwischen dem Künstler Linnel und Antoine, die nicht nur die Lust auf den Alkohol, sondern auch der Kunstverdruss verbindet), die dem Buch eine ironisch-leichte Note geben.

Wenn »Drei rote Vierecke auf schwarzem Grund« nicht schon 1990 erschienen wäre und von Tonino Benacquista nicht bereits fünf weitere Romane in den Buchregalen stünden, könnte – müsste! – man den Franzosen mit italienischem Blut in den Adern als eine der Entdeckungen dieses Sommers auf dem deutschsprachigen Krimimarkt bezeichnen. Da seine anderen ins Deutsche übersetzten Werke aber einen schrecklichen Zick-Zack-Weg durch die Verlagswelt hinter sich gebracht haben (Goldmann, Rotbuch, DuMont) und Benacquista dadurch weitgehend unbeachtet blieb, ist dieser leicht geschriebene, jedoch auch von bedrückender Melancholie gekennzeichnete Noir, zumindest für mich eine persönliche Entdeckung. Und mit Sicherheit ist Benacquista in der »Serié Noir« des Distel Literatur Verlags, der 2003 für seine Manchette-Werksausgabe mit dem Deutschen Krimi Preis geehrt wurde, weitaus besser aufgehoben als in jedem anderen Verlag – er ist hoffentlich »Zuhause« angekommen.

Italienische Heißblütigkeit auf der einen, der für den zeitgenössischen französischen Krimi so typische getrübte Blick auf die Welt auf der anderen Seite, weitgehend unspektakulär geplottet, ist »Drei rote Vierecke auf schwarzem Grund« ein reifer Krimi, der Lust darauf macht, mehr von diesem Autor in den Händen zu halten. Mag Tonino etwas verniedlicht klingen: Benacquista ist einer der ganz großen des Néo Polar. Ob er das savoir vivre dem italienischen Dolce Vita vorzieht, sei dahingestellt – eines hat er sicherlich angenommen: das savoir écrire un polar.

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Paul zu »Tonino Benacquista: Drei rote Vierecke auf schwarzem Grund« 02.06.2005
Ich musste jetzt eine Buchvorstellung machen und habe dieses Buch dafür gelesen, am Anfang Spannend, gegen Mitte etwas sehr langweilig, aber gegen ende richtig gut, schade ist allerdings das viele französische Wörter enthalten sind!
Aber sonst einmalig!
MFG Paul
Ingrida zu »Tonino Benacquista: Drei rote Vierecke auf schwarzem Grund« 07.09.2003
Obwohl es schwierig ist, sich diesen Titel zu merken, war es ein reines Lesevergnügen. Die Spielregeln zum Billard muss man nicht kennen, auch nicht die zeitgenössische Kunst. Spannend bis zuletzt ist der Effet zum letzten Stoß.
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