Der Tibet-Code von
Buchvorstellung und Rezension
Bibliographische Angaben
Originalausgabe erschienen 2009
unter dem Titel Kingdom,
deutsche Ausgabe erstmals 2011
bei Fischer.
Ort & Zeit der Handlung: Asien / Tibet, 1990 - 2009.
- London: Pan, 2009 unter dem Titel Kingdom. 499 Seiten.
-
Frankfurt am Main: Fischer, 2011.
Übersetzt von Stefanie Schäfer.
ISBN:
978-3-596-17900-8. 396 Seiten.
'Der Tibet-Code' ist erschienen als
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In Kürze:
Ein Kloster in Tibet wird von chinesischen Soldaten, auf der Jagd nach einer heiligen Reliquie, gestürmt. Die Mönche suchen Schutz in verborgenen Höhlen, aber ihre Flucht wird von einem verwundeten Fremden behindert, dessen Auftauchen sie alle in Angst und Schrecken versetzt … Die Journalistin Nancy Kelly, gerade in Indien angekommen, erhält ein Päckchen. Darin befindet sich eine eigenartige Knochentrompete. Ist dies ein Zeichen ihres unter mysteriösen Umständen verschwundenen Vorgängers Herzog? Seit vielen Jahren forschte er in unzugänglichen Bergen Tibets nach dem sagenumwobenen Königreich Shangri La. Schon bald begibt sich Nancy auf eine gefährliche Reise in ein Land voller Mythen und Legenden auf der Spur eines Geheimnisses, das älter ist als die Zeit selbst.
Das meint Krimi-Couch.de: »Klischeebeladene Suche nach dem Ewigen Glück«
Krimi-Rezension von Wolfgang Weninger überspringen
Der Tibet Code beginnt im Dschungel von Pemako, das im Buddhismus das geheimnisvolle, versteckte Lotus-Land sein soll, in dem das ewige Glück zuhause sein soll. Schon im frühen 18. Jahrhundert wanderten zahlreiche Buddhisten über die sogenannte McMahon-Line in dieses scheinbare Paradies im Süden Tibets, wo jeder einzelne Berg Teil des Körpers der tibetanischen Göttin Dorje Pagmo sein soll.
Und in diesem an Mysterien reichen Landstrich soll auch das sprichwörtliche Shangri La sein, in dem eine sagenhafte Gesellschaft leben soll, die die Geschicke der Menschheit lenken. Anton Herzog, Chefkorrespondent der International Herald Tribune in Südost-Asien, ein profunder Kenner der Materie und ein ewig Suchender, ist verschollen. Seinem designierten Nachfolger wurde schnell der Garaus gemacht und so bleibt es an der Amerikanerin Nancy Kelly hängen, das unbekannte Erbe eines der besten Journalisten seiner Zeit anzutreten.
Nancy hat zwar nicht die geringste Ahnung von Südostasien und was sie dort erwartet, aber erstens will sie persönlichem Stress aus dem Weg gehen und andrerseits kann es doch nicht so schwer sein, einen alten Mann zu suchen, wenn er noch lebt. Kaum ist Nancy in Delhi angekommen, wird sie von der Polizei festgenommen, bekommt eine Knochentrompete ihres Vorgängers zugespielt und überredet einen Bekannten von Herzog, mit ihr die gefährliche Suche nach diesem aufzunehmen.
Und so driftet der Leser in dem Thriller Kingdom, der im Fischer Verlag zu Der Tibet Code geworden ist, auf 396 Seiten durch so phantastische Zustände, die besser auf die Phantastik-Couch passen würden. Hier morden und brandschatzen chinesische Militaristen und in dem unwegsamen Land am Himalaya scheint es von Schatzsuchern nur so zu wimmeln, nur die Mönche müssen alle fliehen, denn sie scheinen nur wenig Ahnung zu haben, aber diese leben sie mit Hilfe von Verinnerlichung und Kräutertees bis zum Exzess.
Tom Martin lässt den Roman auf zwei Ebenen ablaufen. Zum Einen wird der dem Sterben nahe Anton Herzog von den Mönchen auf seiner letzten Reise durch die Unwegsamkeit der Berge begleitet, auf der anderen Seite quält sich die naive amerikanische Journalistin mit Hilfe des zwielichtigen Jack über Stock und Stein, damit sie Anton noch halbwegs lebend in die Finger bekommt, denn sonst käme es ja zu keiner Auflösung der Story.
Jegliche Sinnhaftigkeit darf man dabei getrost ins Reich der Fantasie verbannen. Hier geht es mehr um Effekthascherei und Action, damit die hanebüchene Geschichte nicht schon nach dem ersten Angriff der Militärs ins Straucheln gerät. Nancy Kelly ist kein weiblicher Indiana Jones, sondern eine so durch und durch normale (Film)Amerikanerin, bei der man sich nur fragt, wie lange es dauert, bis sie zurück zu Donuts und Walt Disney will, aber man kann sich als Leser auch täuschen.
Wer auch mal Fünf gerade sein lassen kann, der wird beim »Tibet Code« gar nicht schlecht unterhalten und wenn nur ein Teil der Recherchen des Autors stimmig ist, dann erfährt man darüber hinaus auch noch vieles aus einem Land, in dem wohl die Wenigsten von uns je gewesen sind. Spannung kann man dem Roman beileibe nicht absprechen, obwohl die Auflösung mit den Ambitionen des Autors nicht mithalten kann. Dass man darüber hinaus kein noch so dümmliches Klischee vom mordlustigen Nazi bis zum geheimnisumwitterten Schatzräuber auslässt, wird Freunde von Indiana Jane sicherlich auch nicht zum Buchkäufer werden lassen.
Wolfgang Weninger, September 2011
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