Cagot von Tom Knox

Buchvorstellung und Rezension

Bibliographische Angaben

Originalausgabe erschienen 2010 unter dem Titel The marks of Cain, deutsche Ausgabe erstmals 2011 bei Hoffmann & Campe.
Ort & Zeit der Handlung: Großbritannien / England, 1990 - 2009.

  • New York: Viking, 2010 unter dem Titel The marks of Cain. 438 Seiten.
  • Hamburg: Hoffmann & Campe, 2011. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 978-3-455-40317-6. 448 Seiten.
  • München; Zürich: Piper, 2012. Übersetzt von Sepp Leeb. ISBN: 978-3-492-27480-7. 480 Seiten.
  • [Hörbuch] Hamburg: Hoffmann & Campe, 2011. Gesprochen von Sepp Leeb. ISBN: 3-455-30728-0. 5 CDs.

'Cagot' ist erschienen als HardcoverTaschenbuchHörbuch

In Kürze:

Eine Serie entsetzlicher Ritualmorde erschüttert England. Die Opfer sind allesamt sehr alt, sehr vermögend und baskischer Herkunft. Außerdem weisen sie ungewöhnliche Deformierungen an Händen und Füßen auf. Journalist Simon Quinn ermittelt und wird auf einen Volksstamm aufmerksam, der wegen seiner »Andersartigkeit« von je her verfolgt wurde – die Cagots.

Das meint Krimi-Couch.de: »Rassenwahn, Hunde Gottes und die Letzten der Cagots.« 70°

Krimi-Rezension von Jörg Kijanski

DCI Bob Sanderson informiert den Journalisten Simon Quinn, dass es in Primrose Hill einen spektakulären Mord gegeben habe, bei dem eine alte Frau einer Knotung unterzogen wurde. Die Ermittler stehen vor einem Rätsel, doch schon bald gibt es ein weiteres Opfer. Erneut eine alte Frau, dieses Mal auf der abgelegenen Insel Foula. An ihr wurde das »Mundritzen« praktiziert, bei dem es sich – wie bei der Knotung – um eine Foltermethode aus dem Mittelalter handelt. Auch sonst gibt es bei den Opfern Gemeinsamkeiten: Sie waren nicht nur alt, führten ein zurückgezogenes Leben, sondern sie hinterließen größere Erbschaften und litten unter Syndaktylie; einer ungewöhnlichen Deformierung an Händen und Füßen. Quinn stößt bei seinen Ermittlungen auf das Unternehmen GenoMap, das bis vor Kurzem Untersuchungen auf dem Gebiet der Eugenik betrieb, also rassische Unterschiede erforschte. Dabei scheint das Volk der Cagots eine besondere Rolle zu spielen.

David Martinez trauert um seinen verstorbenen Großvater, der nach einem früheren Unfalltod seiner Eltern, sein letzter Familienangehöriger war. Völlig überrascht erfährt Martinez, dass ihm sein seit jeher in ärmlichen Verhältnissen lebender Großvater ein Vermögen von rund zwei Millionen Dollar hinterlassen hat. Einzige Bedingung, er müsse nach Spanien fahren, um dort in Lesaka einen gewissen Jose Garovillo zu treffen. Doch in Lesaka gibt es schnell Probleme, denn dieser Ort befindet sich in der Hand der baskischen ETA, dessen großes Idol jener Garovillo ist. Als sich Martinez nach diesem erkundet gerät er in eine Auseinandersetzung mit Miguel, genannt Otsoko der Wolf. Er gilt als der brutalste Killer der ETA und trachtet Martinez fortan nach dem Leben, während dieser verzweifelt versucht, seine wahre Identität herauszufinden. War sein Großvater ein Baske? Mit Hilfe der jungen Amy Myerson, einer früheren Freundin von Miguel, begibt er sich auf familiäre Spurensuche und stellt dabei erschreckende Dinge fest. Eine entscheidende Spur führt ihn letztlich zu den Cagots, einer Gruppe von Ausgestoßenen, die seit langer Zeit verfolgt werden…

Eines muss man Tom Knox lassen, einen breiten Erzählbogen hat er aufgezogen. Was oben noch recht harmlos als ein fast normaler Thrillerplot daherkommt, nimmt recht bald ordentlich Fahrt auf und führt den Leser nicht nur über die halbe Erdkugel. Von den Anfängen der Bibel über die Hexenverfolgung im Mittelalter bis hin zu den Rassenforschungen der Nazis unter Leitung von Eugen Fischer tischt uns der Autor eine fulminante Geschichte auf. Da dürfen die üblichen Verdächtigen nicht fehlen und so spielen die Kirche im Allgemeinen sowie Dominikaner (die »Hunde Gottes«) und Piusbrüderschaft im Besonderen eine nicht ganz unwichtige Rolle. Selbstverständlich sind auch ein paar alte Nazis am Geschehen beteiligt und wie – schon erwähnt – die titelgebende Gruppe der Cagots. Es leben nur noch ganz wenige Angehörige dieses ursprünglich in den Pyrenäen beheimateten Volkes und offenbar sind selbst diese einigen höheren Kräften noch zu viel, denn ein Killer dezimiert weltweit mit Hochdruck deren Anzahl.

Wer die Romane von Dan Brown und ähnlichen Vertretern dieses Genres kennt, ahnt was einen erwartet. Schnelle, häufig wechselnde Szenarien und am Ende eines Kapitels zumeist vortrefflich gesetzte Cliffhanger. Die Figuren bleiben hingegen weitgehend farblos und die Handlung fliegt so schnell an einem vorbei, dass man gar nicht mehr mitbekommt, wenn es womöglich kleinere Lücken gibt. Handwerklich durchaus ordentlich gemacht, zudem wurden die oben genannten Themenbereiche (und andere) sorgfältig recherchiert. Insbesondere wer sich für die Forschungen von Eugen Fischer – ein Nachfolger von Francis Galton, dem Begründer der modernen Eugenik – interessiert, die letztlich die Grundlage für die Rassenlehre der Nazis (»Rassenhygiene«) bildete, welche bekanntlich zum Holocaust führte, lernt hier einige erschreckende Details kennen. Umso mehr überrascht es, dass Fischer nach Kriegsende ungestraft als Professor weiterarbeiten konnte; auch hierfür findet der Autor eine Erklärung.

Wer an temporeicher Action gepaart mit Geschichte, Religion (Genesis) und im vorliegenden Fall Genforschung interessiert ist, darf gerne zugreifen. Die Schlussfolgerungen des Autors (beispielsweise hinsichtlich der Förderer von Miguel) erscheinen jedoch »ein bisschen« weit hergeholt, um es sehr, sehr freundlich zu formulieren. Zudem lernt man die Cagots und deren Besonderheiten kennen, die (folgt man der »Logik des Plots«) nicht nur die Lehre der Kirche in ihren Grundfesten erschüttern würde. Wer sich verstärkt für den Aspekt der »Genforschung« im Dritten Reich interessiert, dem dürfte auch Das Erbe des Bösen von Ilkka Remes zusagen.

Jörg Kijanski, April 2011

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Isis zu »Tom Knox: Cagot« 20.09.2011
Ich suchte zur Abwechslung nach einem vielleicht nicht ganz ernst zu nehmenden, aber trotzdem fesselnden Buch. Ich bin auf Seite 290 und möchte wissen, wie es weiter geht - mehr wollte ich nicht. Das eingebaute Elemente wie La Tourette, Eugen Fischer, etc. zum weiteren Rechercherieren anregen empfinde ich als positiven Nebeneffekt. Ich sehe die Absurditäten der "Rassenhygiene" hier durch ihren Extremismus als unreflektierten Fanatismus entlarvt. Wer dies bei der Lektüre falsch versteht, glaubt auch der den Artikeln der "Bild". Und denjenigen ist aus meiner Sicht eh nicht zu helfen, egal was sie lesen...
ina zu »Tom Knox: Cagot« 26.07.2011
Dem Beitrag von hinterwald kann ich mich voll und ganz anschließen, mit dem einzigen Unterschied, dass ich das Buch zuende gelesen habe - nicht weil ich die Handlung noch in irgeneiner Weise interessant fand, die ist wirklich zu dämlich und gerade gegen Ende auch sehr vorrausschaubar - sondern nur, weil ich wissen wollte ob er diesen rassistischen Quatsch bis zum Ende durchzieht.Innerhalb der Handlung wird ein "Beweis" für die Existenz menschlicher "Rassen" gefunden, die wissenschaftlich belegte Tatsache, dass sich Menschen NICHT in Rassen einordnen lassen wird als Ideologie dargestellt, während die Ideologie des Rassismus verwissenschaftlicht wird.
Und entgegen des Lippenbekenntnisses einer Figur aus diesem Buch (ein Genforscher), kein Rassist zu sein, denn er stelle ja Hierarchie zwischen den "Rassen" auf, beginnt Rassismus nicht erst bei der Idee vom "Herrenmenschen", sondern spätestens dort wo Menschen nach äußerlichen Merkmalen kategorisiert und ihnen irgendwelche Eigenschaften zugeschrieben werden, selbst wenn dies angeblich nicht wertend ist.Ich frage mich, wie ein solches Buch überhaupt veröffentlicht werden konnte. Das Argument, das sei ja alles Fiktion und einfach eine spannende Geschichte zählt für mich nicht. Erstens sind die vielen diskriminierenden Ausdrücke - die ich an dieser Stelle nicht aufzählen werde - auch in dann für Betroffene verletzend wenn sie in einer erfundenen Geschichte stehen; und was noch schlimmer ist, bei anderen Leser_innen wird die Hemmschwelle diese zu benutzen gesenkt. Zweitens können leider viele Menschen solche Geschichten nicht von der Realität abgrenzen. Damit meine ich nicht, dass sie glauben, die Handlung habe sich genau so zugetragen. Aber viele Elemente der Hintergrundgeschichte (in diesem Fall z.B. der angebliche Beweis für die Existenz menschlicher "Rassen") wird von häufig geglaubt oder zumindest ernsthaft zur Diskussion gestellt - wie z.B. auch bei den wilden Verschwörungstheorien aus Dan Browns Büchern.Das sind nur einige wenige von ganz vielen Kritikpunkten an dem Rassismus, den dieses Buch transportiert, doch es geht hier ja nicht um eine detaillierte inhaltliche Analyse, sondern darum, ob das Buch lesenswert ist oder nicht.
Ich könnte mich noch stundenlang über dieses Buch aufregen, möchte hier aber einfach damit abschließen, dass ich es absolut niemandem empfehlen kann. Es ist auf allen Ebenen absoluter Mist.
Obwohl ich vor Wut gekocht habe, klicke ich auf dem Thermometer 5Grad an, und die auch nur als Zugeständnis wegen der teilweise recht gut gesetzten Cliffhanger - sonst wäre es wohl im Minusbereich anzusiedeln.
hinterwald zu »Tom Knox: Cagot« 31.05.2011
ich habe selten ein so furchtbar konstruiertes, dämliches und uniteressantes buch in den händen gehabt ... und vor allem, normalerweise lese ich bücher zuende. dieses habe ich dreissig seiten vor dem ende weggelegt, der schluss hat mich wirklich nicht mehr interessiert. das buch ist die komplette zeitverschwendung und ich frage mich, wie der rezensent auf eine wertung jenseits von 30% kommt. von mir gibt's gerade mal 6.
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